Schlacht am Dnepr

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Schlacht am Dnepr
Datum 26. August 1943 bis 20. Dezember 1943
Ort
Ausgang Sieg der Sowjetunion
Konfliktparteien
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Rumänien KonigreichRumänien Rumänien
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
Kroatien 1941Unabhängiger Staat Kroatien Kroatien
Ungarn 1940Ungarn Ungarn
Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Befehlshaber
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Erich von Manstein Sowjetunion 1923Sowjetunion Konstantin Rokossovsky
Sowjetunion 1923Sowjetunion Ivan Konev
Truppenstärke
1,250,000 Mann
12,600 Geschütze
2,100 Panzer
2,000 Flugzeuge
2,650,000 Mann
51,000 Geschütze
2,400 Panzer
2,850 Flugzeuge
Verluste
ca. 500.000 Mann 1.213.000 Mann (ca. 283.000 davon Tote)
4.050 Panzer
824 Flugzeuge

Die Schlacht am Dnepr (russisch Битва за Днепр) fand zwischen Verbänden der Wehrmacht und der Roten Armee im Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion 1941–1945 vom 26. August bis zum 20. Dezember 1943 statt, sie bildete die Fortsetzung der sowjetischen Sommeroffensive nach dem Scheitern des Unternehmens Zitadelle, der letzten deutschen Großoffensive im Osten.

Ausgangslage[Bearbeiten]

Ostfront 17. Juli bis 1. Dezember 1943

Nach der Niederlage in der Schlacht bei Kursk (Unternehmen Zitadelle) im Juli 1943 plante das Oberkommando der Wehrmacht, eine starke Verteidigungslinie von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer entlang der Linie Narwa-Pskow-Gomel aufzubauen, um ein Vorstoßen der Roten Armee nach Westen zu verhindern. Die deutsche Heeresgruppe Süd unter Erich von Manstein, die den Vormarsch in der Ukraine stoppen sollte, zählte 1,2 Millionen Soldaten, 12.600 Geschütze, 2.100 Panzer und 2.100 Flugzeuge. Ihr standen fünf sowjetische Fronten (Zentralfront unter Rokossowski, Woronescher Front unter Watutin, Steppenfront unter Konew, Südwestfront unter Malinowski, Südfront unter Tolbuchin) mit einer Gesamtstärke von 2,6 Millionen Soldaten, 51.200 Geschützen, 2.400 Panzern und 2.850 Flugzeugen gegenüber.

Operationen im Donez-Becken (16. August bis 22. September)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Donezbecken-Operation
Rote Armee beim Überqueren eines Flusses

Am 16. August griffen die sowjetische Süd- und Südwestfront die deutsche 6. Armee sowie die 1. Panzerarmee an. Die beiden deutschen Armeen bildeten den Südflügel der Heeresgruppe Süd. Die 8. Armee und die 4. Panzerarmee bildeten den Nordflügel, der während der Cernigov-Poltava Operation angegriffen wurde. Den Verbänden der Roten Armee standen zu Beginn der Offensive 1.053.000 Soldaten zur Verfügung. Die ersten Angriffe gegen die 1. Panzerarmee erzielten keinen großen Erfolg. Die etwas später angreifende Südfront erzielte einen Durchbruch im Gebiet der 6. Armee bei Kujbysevo. Durch die Lücke bei Kujbysevo drangen sowjetische Einheiten weiter vor und schlossen ein deutsches Armeekorps am Asowschen Meer ein. Nach schweren Kämpfen konnten sich die deutschen Einheiten aber aus dem Kessel befreien und sich zurückziehen. Bei den deutschen Verbänden machte sich nun bemerkbar, dass viele Panzerdivisionen nach den erfolgreichen Gegenangriffen während der Mius-Offensive wieder abgezogen worden waren. Dies hing nicht zuletzt mit den schweren Kämpfen in Italien zusammen. Die 6. Armee hatte daher sehr wenig einsatzbereite Panzer – im Gegensatz zu den sowjetischen Verbänden, die durch 800 Panzer unterstützt wurden. Auch die Zuführung einiger gepanzerter Einheiten konnte die Lage der deutschen Truppen nicht stabilisieren. Die Befehlshaber der Heeresgruppe Süd befahlen der 6. Armee, sich zurückzuziehen und neue Stellungen bei Donezk (das damals 'Stalino' hieß) zu beziehen. Doch auch diese Stellungen fielen innerhalb weniger Tage. Für die nördlicher operierende 1. Panzerarmee hatte dies negative Auswirkungen; sie musste sich zurückziehen, um ihre südliche Flanke nicht zu überdehnen. Die sowjetischen Verbände stießen in der Folge mit Wucht nach und drängten die Wehrmacht Richtung Dnepr. Weitere Vorstöße der Roten Armee rissen eine Lücke zwischen die beiden deutschen Armeen, durch die später schnelle Verbände weiter in die Tiefe vorstießen. Die sowjetischen Vorauskräfte erreichten fast Dnepropetrovsk, wurden aber vorher durch einen Gegenangriff eingeschlossen und aufgerieben. Dadurch wurde die deutsche Front wiederhergestellt und es trat auf dem Südflügel der Heeresgruppe Süd eine vorübergehende Stabilisierung ein. Wie an vielen anderen Frontabschnitten zeigte sich auch hier, dass die deutschen Soldaten erschöpft waren und die Wehrmachtverbände der Roten Armee nur schwer standhalten konnten. Die Rote Armee verlor dennoch 273.522 Soldaten und 886 Panzer bzw. Sturmgeschütze.

Tschernigow-Poltawa-Operation (26. August bis 30. September)[Bearbeiten]

Soldaten der Division Großdeutschland bei Poltawa (Sept. 1943)

Nachdem am 23. August Charkow durch die Rote Armee befreit worden war, eröffneten drei sowjetische Fronten eine weitere Offensive gegen die zwei deutschen Armeen, die den Nordflügel der Heeresgruppe Süd bildeten. Die Zentralfront unter Armeegeneral Rokossowski griff an der Nahtstelle zur Heeresgruppe Mitte an, während die Steppenfront weiter südlich die 8. Armee (die ehemalige Armeeabteilung Kempf) angriff. Die 4. deutsche Panzerarmee wurde durch die Woronescher Front angegriffen. Die drei sowjetischen Fronten verfügten über 1.581.300 Mann, denen ungefähr 350.000 Soldaten auf deutscher Seite gegenüberstanden. Letztere befanden sich allerdings in einer starken Verteidigungsposition.

Der sowjetischen 60. Armee gelang es innerhalb der nächsten Tage daher nur mühsam, in die deutschen Verteidigungslinien südlich von Sewsk einzubrechen. Erst nachdem die Hauptkräfte der Front, das 9. Panzerkorps und die 31. Armee, unter strikter Geheimhaltung dorthin verlegt worden waren, gelang es, diesen Einbruch bis zum 31. August auf 100 Kilometer Breite und 60 Kilometer Tiefe zu erweitern und die deutsche 2. Armee zum Rückzug zu zwingen.[1]

Für die Wehrmacht entstand eine kritische Situation, als sowjetische Verbände im Gefechtsbereich der Heeresgruppe Mitte einen Durchbruch erzielten und begannen, in Richtung Dnepr vorzustoßen. Der Vormarsch der Roten Armee bedrohte bald die 4. Panzerarmee, die sich einer möglichen Umfassung ausgesetzt sah. Weitere Durchbrüche in ihrem Bereich spalteten die deutsche Front an dieser Stelle in drei Teile. Der Hauptdruck der sowjetischen Verbände richtete sich gegen die 4. Panzerarmee; somit hatte die 8. Armee weniger schwere Gefechte.

Zusammen mit der Operation im Donez-Becken brachte die Operation hier die gesamte Heeresgruppe Süd in Gefahr. Aber besonders auf dem Nordflügel kam es Mitte September zu einer krisenhaften Zuspitzung. Infolge der beiden sowjetischen Operationen begann die Wehrmacht mit der Planung des Rückzuges hinter den Dnepr. Die Sowjets erkauften ihren Sieg mit extrem hohen Verlusten: Während der Tschernigow-Poltawa-Operation verlor die Rote Armee 427.952 Mann.

Sowjetisches Luftlandeunternehmen[Bearbeiten]

Die Führung der Woronescher Front entschied sich, in der Bukrin-Windung die 1., 3. und 5. Luftlande-Brigade abzusetzen. Sie zählten insgesamt 10.000 Mann und verfügten über 24 45-mm-Geschütze, 180 50-mm- oder 82-mm-Mörser und 540 Maschinengewehre. Ihnen standen 180 Transportflugzeuge Lissunow Li-2, 35 Lastensegler und 10 Schleppflugzeuge zur Verfügung. Aber das Feuer der deutschen Flak-Artillerie sowie schlechtes Wetter ließen das Unternehmen scheitern. Viele Rotarmisten landeten direkt in den deutschen Stellungen oder im Fluss. Dem Kommandeur der 5. Brigade, P.M. Sidortschuk, gelang es jedoch, die gelandeten Truppen zu sammeln und Verbindung zur Führung herzustellen. So konnte am 13. November ein Brückenkopf erobert werden, der anschließend von Truppen der 2. Ukrainischen Front, wie die Steppenfront seit der Umorganisation der Roten Armee am 20. Oktober 1943 hieß, benutzt wurde.

Zweite Phase[Bearbeiten]

Marsch durch die Ruinenlandschaft von Kiew-Kreschatik nach der Befreiung, Nov. 1943

In der zweiten Phase der Dnepr-Offensive verfolgte die Rote Armee das Ziel, eine Erweiterung der eroberten Brückenköpfe am linken Dnepr-Ufer zu erreichen. In diesen in der russischen Militärgeschichtsschreibung als Strategische Offensive am Unteren Dnepr bezeichneten Kampfhandlungen, die vom 26. September bis zum 20. Dezember 1943 dauerten, gelang den sowjetischen Truppen die Blockierung der Zugänge zur Halbinsel Krim und die Bildung eines großen Brückenkopfes, welcher 450 Kilometer breit und 100 Kilometer tief war. Versuche, in das Erzgebiet von Kriwoi Rog vorzudringen, scheiterten am erbitterten deutschen Widerstand. Diese Operation kennzeichnete sich durch erneut sehr hohe sowjetische Verluste. Die Rote Armee verlor 754.392 Soldaten, was über die Hälfte der russischen Gesamtverluste während der Kämpfe am Dnepr ausmachte.[2]

Auch die darauf folgende Kiewer Strategische Offensive (3. bis 13. November 1943), in deren Ergebnis die ukrainische Hauptstadt Kiew am 6. November befreit wurde, brachte schwere Verluste für die Rote Armee, der es aber in der Folgezeit gelang, die Stadt zu behaupten. Ein Gegenschlag der Wehrmacht unter der Führung Erich Mansteins mit dem Ziel, die Stadt für das Deutsche Reich zurückzuerobern, schlug fehl.[3]

Verluste und Folgen[Bearbeiten]

Die Rote Armee musste in den Kämpfen sehr hohe Verluste hinnehmen: 1,213 Millionen Soldaten (davon 283.000 Tote), 4.050 Panzer und 824 Flugzeuge. Sie griff auf der 800 Kilometer breiten Front an und stieß 300 Kilometer nach Westen vor.[4] Diese Schlacht stellte eines der seltenen Beispiele der Überquerung eines großen Flusses bei starker feindlicher Gegenwehr dar.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David M. Glantz, When Titans Clashed. Lawrence, University of Kansas Press 1995, S. 171.
  2. Zahlenangabe aus G.F.Krivosheev; Soviet Casualities and Combat Losses in the Twentieth Century; Greenhill Books London 1997; ISBN 1-85367-280-7
  3. David M. Glantz, When Titans Clashed. Lawrence, University of Kansas Press 1995, S. 175.
  4. http://wwii-soldat.narod.ru/OPER/ARTICLES/023-ukraine-002.htm

Literatur[Bearbeiten]

G. F. Krivošeev (Hg.), Rossija i SSSR v vojnach XX veka. Poteri vooružennych sil. Statističeskoe issledovanie. (Russland und die UdSSR in den Kriegen des 20. Jahrhunderts. Verluste der Streitkräfte. Statistische Untersuchung.) Olma-Press, Moskau 2001, ISBN 5-224-01515-4, ISBN 978-5-224-01515-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht am Dnepr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien