Schlacht von Rschew

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Schlacht von Rschew
Rzhev salient 1941-1942.JPG
Datum Januar 1942 bis März 1943
Ort Rschew, Sowjetunion
Ausgang Frontbogen von Rschew wird bis März 1943 gehalten
Folgen Rückzug der 9. Armee im Rahmen der Operation Büffelbewegung
Konfliktparteien
Sowjetunion 1923Sowjetunion
Sowjetunion
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit)
Deutsches Reich
Befehlshaber
Georgi Schukow
Andrei Jerjomenko
Iwan Konew
Günther von Kluge
Adolf Strauß
Walter Model
Truppenstärke
Kalininer Front
Westfront
Heeresgruppe Mitte
Verluste
nicht genau bekannt, zwischen 1.000.000 bis 2.500.000 nicht genau bekannt, ca. 400.000

Die Schlachten um Rschew (russisch Ржевская битва oder auch als Ржевская мясорубка „Fleischwolf von Rschew“ bekannt), die zwischen Januar 1942 und März 1943 stattfanden, zählten zu den blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges. Nachdem sich die Truppen der Wehrmacht, vertreten durch die 9. Armee der Heeresgruppe Mitte, Ende 1941 von Moskau zurückgezogen hatten, versuchte die Rote Armee in einer Reihe von Operationen, die nördlich und östlich von Rschew stehende deutsche Abwehr zu durchbrechen und die Divisionen der 9. Armee in diesem vorspringenden Frontbogen abzuschneiden und zu vernichten.

Überblick[Bearbeiten]

Deutscher Panzerkampfwagen IV bei Wjasma, März 1942

Rschew als „Eckpfeiler“ und „Wellenbrecher“ der Ostfront war vom Winter 1941 bis zum Frühjahr 1943 Schauplatz einer erbitterten Serie von Materialschlachten und Stellungskämpfen. Die personell und materiell unterlegenen Verbände der Wehrmacht hatten gegenüber der Roten Armee den entscheidenden Nachteil, nur wenig auf die extremen Wetterumschwünge (Temperaturstürze von Tauwetter auf Minusgrade von weniger als -40 °C) und schwieriges Gelände (Morastboden bei Regenfällen und Tauwetter) vorbereitet gewesen zu sein. Die Heeresgruppe Mitte geriet dabei in zahlreiche kritische Situationen, vor allem bei der Versorgungslage, die sie dank Generaloberst Models Improvisationsfähigkeiten überstand.

Die Schlacht um diesen wichtigen „Eckpfeiler der Ostfront“ währte 15 Monate und bestand aus drei Großoffensiven der Roten Armee:

  • Rschew-Wjasma-Operation vom 8. Januar bis 20. April 1942 (russisch: Сычевско-Вяземская наступательная операция)
  • Erste Rschew-Sytschowka-Operation vom 30. Juli bis 1. Oktober 1942
  • Zweite Rschew-Sytschowka-Operation (Operation Mars) vom 25. November bis 21. Dezember 1942

Folgende Unteroperationen können der Rschew-Wjasma-Operation zugeordnet werden:

  • Moschaisk-Wjasma-Operation vom 10. Januar bis 28. Februar 1942 (russisch: Можайско-Вяземская наступательная операция)
  • Toropets-Cholm-Operation vom 9. Januar bis 6. Februar 1942 (russisch: Торопецко-Холмская наступательная операция)
  • Luftlandeoperation von Wjasma und deutsches Unternehmen Hannover vom 18. Januar bis 28. Februar 1942 (russisch: Вяземская воздушно-десантная операция) gegen sowjetische Partisanen und Fallschirmjägertruppen
  • Rschew-Operation vom 3. März bis 20. April 1942 (russisch: Ржевская наступательная операция)

Insgesamt unterscheidet man vier größere Winter- und Sommerschlachten im Raum von Rschew, Sytschowka und Wjasma.

Erst das zur Bekämpfung von Partisanen ausgelegte Unternehmen Seydlitz Ende Juli 1942 brachte eine zeitweilige Entspannung der Lage für die 9. Armee im rückwärtigen Raum. Obwohl der Erhalt des insgesamt 530 Kilometer langen exponierten Frontvorsprungs von Rschew sehr viel Kraft kostete und eine enorme Zahl an Menschen, Material und anderen Ressourcen band, konnte Hitler sich lange Zeit nicht für die Aufgabe dieser Position entscheiden. Seiner Meinung nach war es von großer psychologischer Bedeutung, die Bedrohung der Hauptstadt Moskau möglichst lange Zeit aufrechtzuerhalten. Erst die Niederlage der 6. Armee bei Stalingrad und der Wegfall von 250.000 Soldaten ließen jegliche Möglichkeit auf eine Wiederaufnahme der Offensive auf Moskau schwinden, hierfür waren keinerlei militärische Ressourcen mehr vorhanden. Im März 1943 befahl Hitler den deutschen Rückzug mit dem Unternehmen Büffelbewegung, und der Frontbogen von Rschew wurde somit endgültig begradigt. Damit verkürzte sich die Front um 230 Kilometer.[1]

Die Schlacht forderte immense Opfer auf beiden Seiten: Auf Seiten der Roten Armee starben etwa 500.000 Mann, und ca. 1.000.000 sowjetische Soldaten wurden verwundet. Auf deutscher Seite rechnete man mit 80.000 Gefallenen und zweieinhalb- bis dreieinhalbmal so vielen Verwundeten. Vermutlich sind die Zahlen aber noch höher anzusetzen, und diese relativ unbekannte Schlacht ist damit noch blutiger als die bekannte Schlacht von Stalingrad.

Schauplatz[Bearbeiten]

Rschew ist eine 180 Kilometer westlich von Moskau gelegene, 54.000 Einwohner zählende Bezirkshauptstadt der Oblast Twer in Nordrussland. Rschew stellt einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt von Moskau nach Smolensk, Nowgorod und Wjasma dar. Wegen seiner strategisch günstigen Lage am Oberlauf der Wolga war Rschew bereits während der Zarenzeit Mittelpunkt militärisch-hegemonialer Auseinandersetzungen. Die Umgebung der Stadt ist von größeren feuchten Mischwaldgebieten (Erlen, Espen, Birken und Fichten) sowie von zahlreichen Sümpfen durchzogen.

Militärhistorische Darstellung[Bearbeiten]

Die Aspekte der Schlachten um Rschew wurden von Militärhistorikern der Sowjetunion nur wenig erforscht. Erst nach Auflösung der Sowjetunion wurden einige Dokumente zugänglich. Exakte Daten über Schlachtverläufe, Beteiligte, Resultate, Bedeutung und Verluste sind nicht vollständig verfügbar. Ein Gedicht aus der Zeit von 1945/1946 von Alexander Trifonowitsch Twardowski erinnert mit dem Satz: „Ich wurde in der Nähe von Rschew getötet.“ (Я убит подо Ржевом), ansonsten ist von sowjetischer Seite sehr wenig überliefert. Einer der Hauptgründe für die unzureichende Dokumentation der Kampfhandlungen um Rschew ist, laut dem russischen Historiker Igor Bunitsch[2], die Verheimlichung einer Vielzahl von militärischen Fehlentscheidungen und der sinnlosen und brutalen Opferung einer großen Anzahl von Soldaten für fragwürdige Ziele. „Mjassorubka“ (dt. Fleischwolf) bedeutet das „gnadenlose Abschlachten von Soldatenmassen“ auf Befehl sowjetischer Offiziere. Der zehnfach überlegenen Roten Armee gelang es nach 14 Monaten nicht, die Stadt Rschew einzunehmen. Nach Auffassung von Generaloberst Dmitri Wolkogonow gehören die Schlachten um Rschew vom Oktober 1941 bis März 1943 zu den größten Katastrophen des Zweiten Weltkriegs.

„Im ganzen Krieg habe ich nichts Schrecklicheres gesehen: Riesige Bombenkrater, bis zum Rand mit Wasser gefüllt, am Wegesrand zerstörte Fuhrwerke und Autos, tote Pferde und ringsherum nur Leichen. Und aus dem Wald das Stöhnen der Verwundeten.“

Augenzeuge der 17. Gardeschützen-Division im Sommer 1942[3]

Das Unternehmen Büffelbewegung ist von der Geschichtsschreibung polemisch geprägt. Während der Divisionskommandeur der 6. ID, General Großmann sowie die Kriegstagebücher der 78. Sturm-Division und 98. ID übereinstimmend von einem Erfolg der Operation berichteten, stellen sowjetische Historiker die Unternehmung als Scheitern dar:

„Die Kalininer Front und die Westfront verhinderten durch energisches Nachstoßen den planmäßigen Ablauf der Absetzbewegung. Die deutschen Truppen ließen einen Teil ihrer Ausrüstung im Stich und erlitten hohe Verluste an Menschen und technischen Kampfmitteln. […] Nach dem Krieg versuchten laufend einige westdeutsche Militärhistoriker, den Rückzug als Schulbeispiel einer geglückten planmäßigen Absetzbewegung hinzustellen. Die Verluste des Gegners bei diesem Rückzug beweisen jedoch die Fragwürdigkeit derartiger Behauptungen. Seine Truppen, die sich unter den Schlägen der Roten Armee überstürzt aus Rschew zurückziehen mussten, kamen nicht dazu, die Stadt planmäßig zu räumen.[4]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Siehe auch: Schlacht um Moskau
Deutsche Angriffe im Rahmen des Unternehmens „Taifun“ bis zum 5. Dezember 1941

Am 14. Oktober 1941 erfolgte im Rahmen der Doppelschlacht bei Wjasma und Brjansk der Befehl für die 9. Armee und die Panzergruppe 3 nach Rschew und Kalinin vorzustoßen.[5] Die 206. ID und Aufklärungsabteilungen der 26. ID besetzten die Stadt erstmals im Oktober 1941 und waren damit die ersten deutschen Verbände, welche die bedeutende Verkehrsader Wolga erreichten. Der Vorstoß auf Rschew war der Auftakt zum Vormarsch auf Moskau.

Dabei stießen im nördlichen Abschnitt der Heeresgruppe Mitte die Panzergruppen 3 und 4 bis Anfang Dezember bis Kalinin und an den Moskau-Wolga-Kanal sowie den Iwankowoer Stausee vor. Am 5. Dezember setzte die Gegenoffensive der Roten Armee ein, die von Georgi Schukows Westfront und der Kalininer Front unter Iwan Konew geführt wurde. Es war ein erklärtes Ziel der sowjetischen Militärführung, den von den deutschen Panzergruppen 3 und 4 gebildeten Frontvorsprung nordwestlich von Moskau um jeden Preis wieder zu beseitigen. Die Rückeroberung von Rschew war ein Hauptziel der sowjetischen Winteroffensive 1941/1942.

Verlauf[Bearbeiten]

Die sowjetische Winteroffensive 1941/42 im Raum Rschew[Bearbeiten]

Sowjetische Vorstöße im Rahmen der Winteroffensive 1941/42

Angesichts des zunehmenden Drucks der sowjetischen Armee während der Winteroffensive auf die vordersten deutschen Linien bat der Oberbefehlshaber der 2. Panzerarmee Generaloberst Heinz Guderian Hitler am 20. Dezember 1941 in der Wolfsschanze um eine Erörterung zur Lage der Heeresgruppe Mitte. Hitler befahl, dass das Heer die Verteidigungslinien um strategisch bedeutsame Verkehrsknotenpunkte und Versorgungslinien unbedingt zu halten habe. Guderians Argumente, dass der bis zu 1,5 Meter tief gefrorene Boden im Winter keinerlei Schanzarbeiten zulasse und die zu erwartenden Materialschlachten an festen Positionen zu überproportionalen Verlusten führen würden, wurden ignoriert. Guderian bevorzugte eine elastische Verteidigung angesichts der momentanen offensiven Überlegenheit der Roten Armee, so dass den Verbänden in aussichtslosen Lagen ein geordnetes und organisiertes Zurückweichen auf die Höhen von Smolensk gestattet sein müsste, um sinnlose Verluste an Menschen und Material zu vermeiden und dann aus rückwärtigen Positionen mehr Bewegungsspielraum für neue Offensiven zu haben. Hitler befürchtete, dass sich bei einer Freigabe eines taktischen Rückzugs eine Eigendynamik entwickeln könnte, die in allgemeine Panik umschlagen, einen moralischen Sieg des Gegners und außerdem einen Totalzusammenbruch der Front der Heeresgruppe Mitte bedeuten könnte. Aus diesem Grunde verbot er jegliche Ansätze von Frontverkürzungen und erließ folgenden Befehl:

„Unter persönlichem Einsatz der Befehlshaber, Kommandeure und Offiziere ist die Truppe zum fanatischen Widerstand in ihren Stellungen zu zwingen, ohne Rücksicht auf durchgebrochenen Feind in Flanke und Rücken. Erst wenn Reserven die ausgebauten rückwärtigen Stellungen besetzt haben, kann daran gedacht werden, sich in diese Stellungen zurückzuziehen.“

Adolf Hitler, Haltebefehl vom 20. Dezember 1941

Der Haltebefehl Hitlers wurde zunächst von allen Generalstabsoffizieren und Armeekommandeuren befolgt. Die 9. Armee unter dem Oberbefehl von Generaloberst Adolf Strauß befand sich zu diesem Zeitpunkt am Nordflügel der Heeresgruppe Mitte im Raum Kalinin-Rschew. Mitte Dezember 1941 zog sich die 9. Armee bereits schrittweise von Kalinin nach Südwesten zurück, da die 29. und 31. Armee der Kalininer Front eine großangelegte Gegenoffensive einleiteten. Die Truppenbewegungen wurden durch hohen Schnee und Temperaturen bis -30 °C stark erschwert. Die 29. und 31. sowjetische Armee unter den Generälen Schwezow und Juschkewitsch richteten ihre Angriffe in der Anfangsphase gegen das XXVII. Armeekorps unter General der Infanterie Alfred Wäger. Die 86. ID unter Generalleutnant Joachim Witthöft konnte mithilfe konzentrierten MG-Feuers am Wolga-Stausee einen Sturmangriff sowjetischer Schützen niederschlagen. An der linken Grenze, im Abschnitt der 162. ID, gelang mehreren sibirischen Skibataillonen der Einbruch. Ein weiterer Fronteinbruch auf das südliche Ufer der Wolga wurde im Sektor der 110. ID erzielt. Die 26. ID, schwerpunktmäßig mit dem IR 39 unter Oberst Friedrich Wiese[6], und die 6. ID konnten ihren über 25 Kilometer langen Frontabschnitt unter großen Anstrengungen noch behaupten. Mittlerweile setzten Rotarmisten in Regimentsstärke im Abschnitt der 110. ID über die Wolga, eine Verfolgungsjagd des III. Btl./IR 18/6. ID scheiterte unter großen Verlusten bei Temperaturen von -40 °C. Im Ergebnis konnte aber ein Nachrücken des Gegners verhindert werden, und eine bedeutende Nachschubstraße konnte zurückerobert werden. Am 16. Dezember 1941 eroberten Rotarmisten die Stadt Kalinin. Damit war der Weg frei für eine Zangenbewegung auf den deutschen Frontvorsprung von Rschew.

Generaloberst Strauß plante eine geordnete Absetzbewegung der 9. Armee auf die rückwärtig ausgebaute Winterstellung Königsberg, der zahlreiche Zwischenstellungen mit den Tarnnamen deutscher Städte wie Augsburg, Bremen, Coburg, Dresden, Essen, Frankfurt, Gießen, Hanau und Ilmenau vorgeschaltet waren. Hitlers kompromissloser Haltebefehl vom 20. Dezember beendete die Rückzugsbewegung, als die ersten Truppen bereits die Winterstellung Gießen erreicht hatten. Die Panzergruppen 3 und 4 waren zu diesem Zeitpunkt an der Rusa-Stellung bei Rusa und Wereja. Der am 18. Dezember als Nachfolger Fedor von Bocks zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte ernannte Generalfeldmarschall Günther von Kluge bekräftigte in diesem Zusammenhang den Haltebefehl Hitlers:

„Jeder muß halten, wo er steht. Wer das nicht tut, reißt ein Loch in die Front, das nicht gestopft werden kann. Absetzen vom Feind hat nur dann Sinn und Zweck, wenn es zu günstigeren Kampfbedingungen, wenn möglich zur Bildung von Reserven führt. Für jedes Absetzen vom Divisionsverband aufwärts ist meine persönliche Genehmigung notwendig.“

Generalfeldmarschall Günther von Kluge

Dem XXIII. Armeekorps der 9. Armee unter General der Infanterie Albrecht Schubert, zu dessen Verband die 102., 206., 251., 253.. und 256. ID gehörten, wurde jeglicher Rückzug untersagt, um den Frontbogen von Rschew zu halten. Am 22. Dezember 1941 stürmte die neuformierte 39. sowjetische Armee unter Iwan Maslennikow in einem kombinierten Angriff mit T-34-Panzern die Verteidigungslinien der 256. ID vor Rschew. Die deutsche Division konnte ihren Abschnitt gegen einen zehnfach überlegenen Gegner noch bis zum 29. Dezember 1941 halten. Leutnant Falck vom Artillerieregiment 256 zeichnete sich in dieser Zeit durch seine Panzerbekämpfung aus.

Generaloberst Konew stieß mit seiner Kalininer Front weiter von Norden gegen Rschew vor, um sich mit den von Osten kommenden Verbänden von General Schukow zu vereinigen. Rschew wurde dabei als entscheidender Eckpfeiler der Ostfront angesehen. Am 31. Dezember 1941 brach der Frontabschnitt der 256. ID und 206. ID aufgrund des erhöhten sowjetischen Drucks zusammen. Bei Stariza wurde die 26. ID eingeschlossen, und aus Rschew wurde ein Truppenverbandsplatz, welcher über 3.000 Schwerverletzte aufnehmen musste. Vor der Ortschaft Mologino (rus. Мологино) konzentrierten sich starke Armeeverbände der Roten Armee, Generaloberst Strauß gab den bedingungslosen Haltebefehl für die 256. ID bei Mologino aus. Zu dieser Zeit hatte die eingeschlossene 256. ID unter Generalleutnant Gerhard Kauffmann nur noch die Gefechtsstärke eines einzigen Regiments, und die Soldaten verweigerten den Offizieren bereits teilweise den Gehorsam: „Schlagt uns doch tot, es ist ja egal, wer uns totschlägt. Mologino ist bereits verloren.“ Am 2. Januar 1942 riss die Funkverbindung zu den isolierten Soldaten in Mologino ab, die Kommunikation erfolgte durch sogenannte Pendelspähtrupps. Am 3. Januar 1942 gab Major Mummert von der Aufklärungsabteilung 256 den Befehl zur Aufgabe von Mologino.

Am 4. Januar 1942 erreichte die Rote Armee ein Auseinanderbrechen der Hauptkampflinie der 9. Armee, indem eine 15 bis 20 Kilometer breite Lücke im Abschnitt zwischen VI. und XXIII. Armeekorps geschaffen wurde. Teile der 39. sowjetischen Armee gelangten so in den Rücken der deutschen Verteidiger von Rschew. Gleichzeitig drohte zwischen dem VI. und XXVII. Armeekorps ein sowjetischer Durchbruch auf Subzow, wenige Kilometer östlich von Rschew. Rschew konnte dennoch vorerst gehalten werden, die deutschen Truppen befanden sich aber in einer prekären Situation.

Kräfteverhältnis[Bearbeiten]

Rschew-Wjasma-Operation (8. Januar bis 20. April 1942)[Bearbeiten]

Rschew Januar bis Februar1942

„Ich darf Herrn General kurz in die beschissene Lage einweisen. Seit dem 9. Januar läuft der russische Großangriff aus dem Raum Ostaschkow gegen den linken Flügel des abgeschnittenen XXIII. Armeekorps, das nach Süden zurückgedrängt wurde. Gleichzeitig stärkere Angriffe gegen den linken Flügel des VI. Armeekorps hier. Unsere Bitte, die Ostfront in die Gschatzk-Wolga-Stellung zurücknehmen zu dürfen, wurde abgelehnt. Seit dem 11. Januar starke Feindangriffe aus Richtung Nordwesten und westlich Sytschowkas nach Süden, vorderste Teile am Westrand. Halten Sie uns Sytschowka, es darf nicht verlorengehen.“

Generalstabsoffizier (Ia) Oberstleutnant Blaurock an Generalmajor Krüger, Kommandeur der 1. Panzer-Division am 12. Januar 1942

Die über die Wintermonate neu formierte Rote Armee richtete im Januar 1942 den ersten Schlag gegen die 9. Armee am nördlichen Stützpfeiler der Heeresgruppe Mitte in Rschew. Der neue Oberbefehlshaber der 9. Armee, General der Panzertruppe Walter Model, wurde am 12. Januar 1942 in seinem Hauptquartier Sytschowka (russ. Сычёвка) angegriffen. Bald darauf war die 9. Armee von drei Seiten eingeschlossen. Im Osten verteidigte sie eine Winterstellung und war über die „Rollbahn“ in Verbindung mit der 4. Panzerarmee. Rschew wurde zur Schlüsselstellung der 9. Armee und war den Offensiven durch die 27., 22., 34. Armee, 3. und 4. Stoßarmee, die mit zunehmender Intensität durchgeführt wurden, unmittelbar ausgesetzt.

Um eine Einschließung der Heeresgruppe Mitte zu verhindern, wurde das LIX. Armeekorps unter Generalleutnant Kurt von der Chevallerie mit der 83., 205. und 330. Infanterie-Division aus Frankreich herangeführt und der 3. Panzerarmee unterstellt. Beim Vormarsch in das von Partisanenaktivitäten stark gefährdete Gebiet sammelten die neu eingetroffenen Einheiten fliehende Soldaten der SS-Kavalleriebrigade, 123. und 81. Infanterie-Division auf. Besonders kritisch war die Einbruchstelle der Roten Armee westlich von Rschew, durch die neun sowjetische Divisionen einsickern konnten. Das XXIII. Korps war eingekesselt und musste über die Luft versorgt werden. Weiter im Süden bei Wjasma bedrohte sowjetische Kavallerie die deutschen Linien. Die Bahnlinie Rschew-Wjasma war die einzig mögliche Nachschubverbindung für die 9. Armee und wurde von Soldaten der motorisierten SS-Infanterie-Division „Das Reich“ gehalten.

Währenddessen kämpften Kradschützen der 1. Panzer-Division das von Rotarmisten besetzte Bahnhofsgebäude von Sytschowka wieder frei, außerdem konnte die Verbindung zum Feldflugplatz Nowo Ougino wiederhergestellt werden. Model ordnete an, die Einbruchstelle bei Nikolskoje und Solomino mit hoher Priorität wieder zu schließen, dabei die sowjetischen Nachschubwege zu kappen und ihre Flanken bei Sytschowka anzugreifen. Der Versuch seines Vorgängers Generaloberst Strauß, dies am 8. Januar 1942 mit der SS-Kavallerie-Brigade Fegelein zu erreichen, scheiterte. Models Konzept „Angreifen, die Initiative zurückgewinnen, dem Feind das Gesetz des Handels diktieren“ hatte unter den Offizieren und Soldaten der 9. Armee eine große psychologische Signalwirkung. Weiterhin ließ er Panzerbesatzungen zu Skijägern umfunktionieren oder stellte eine Schneeschuhkompanie auf, die sich bei Spähtruppunternehmungen unbemerkt dem Gegner annähern konnte. Die Schneeschuhkompanie wurde auch zur Sicherung der Eisenbahnpioniere eingesetzt, die ständig die von Partisanen gesprengte Eisenbahnlinie Rschew-Wjasma ausbessern mussten. Zur Partisanenbekämpfung kam außerdem ein mit einer Flakbatterie bestückter Panzerzug zum Einsatz.

Kurz vor der geplanten Gegenoffensive auf die sowjetische Einbruchstelle westlich von Rschew sanken die Temperaturen weiter auf -45 °C. Die Offiziere hielten eine erfolgreiche Durchführung der Offensive nicht mehr für möglich. Model ermutigte seine Soldaten:

„Warum meine Herren? Morgen und übermorgen wird es auch nicht wärmer. Die Russen marschieren ja auch.“

General der Panzertruppe Walter Model

Durch Models Strategiewandel wurde aus einer fast schon aussichtslosen Rundumverteidigung eine aktive Gegenoffensive mit definierten Schwerpunkten. Aus Sytschowka rückten die 1. Panzer-Division und die SS-Division „Das Reich“ ab, um den taktisch bedeutsamen Ort Ossuiskoje zu nehmen. Am 22. Januar 1942 wurde ein Großangriff des VI. Armeekorps befohlen, das die verstärkte 256. ID, Artillerie, Panzerjäger und Fla-Geschütze beinhaltete. Dem XXIII. Armeekorps (206. ID, SS-Kavallerie-Brigade Fegelein und Sturmgeschützabteilung 189) gelang der Durchbruch und die Vereinigung mit dem VI. Armeekorps. Der Doppelschlag erfolgte bei Nikolskoje und Solomino. Im Ergebnis war die Verbindung zur 9. Armee wiederhergestellt und die Versorgungsrouten der 29. und 39. sowjetischen Armee unterbrochen.

Das SS-Regiment „Der Führer“ unter Obersturmbannführer Otto Kumm erhielt die Aufgabe, die neugeschaffene Verbindungsstelle zwischen VI. und XXIII. Armeekorps und die Landbrücke der 9. Armee um jeden Preis zu halten, wie Model ausdrücklich forderte. Der nördliche Sperrriegel wurde verstärkt, und bei Osuga/Sytschowka wurden die 1. Panzer-Division, 86. Infanterie-Division, der Großteil der SS-Division „Das Reich“, 5. Panzer-Division, IR 309 und die Kampfgruppe Decker unter dem Oberbefehl von General der Panzertruppe Heinrich von Vietinghoff als XXXXVI. Armeekorps zusammengefasst und marschierten in nordwestliche Richtung. Von jetzt an entstanden in den Wäldern und verschneiten Ortschaften erbitterte Gefechte. Ein sowjetischer Großangriff gegen die Nordfront und der 256. und 206. ID wurde am 26. Januar 1942 in Bewegung gesetzt und schließlich unter großen Anstrengungen abgewehrt. Neben der zahlenmäßigen Überlegenheit des Gegners verursachten die extremen Wetterumschwünge von kurzzeitiger Schneeschmelze bis zu immer wieder auftauchenden Schneestürmen und einem Temperaturabfall auf minimal -52 °C größte Probleme.

Obwohl die sowjetischen Truppen bei ihren Angriffen auf die Bahnlinie Rschew-Olenino teilweise Menschenverluste in Bataillonsgröße hatten, konnte sie schließlich gesichert werden. Am 28. Januar 1942 kam es infolge des sowjetischen Gegenangriffs zu einer entscheidenden Panzerschlacht, die für beide Seiten mit überproportional hohen Verlusten verbunden war. So stellte beispielsweise der Rottenführer Wagner den letzten Überlebenden der 10. Kompanie dar, die 2. Kompanie des SS-Regiments „Der Führer“ wurde vollständig vernichtet, und in der Ortschaft Klepenino, dem Armeegefechtsstand der 9. Armee, „stapelten sich die Leichenberge“ der sowjetischen Gefallenen. Am 4. Februar 1942 gelang es der 86. ID, die Schlüsselposition in Ossuikoje zu nehmen, zwei Tage später überquerten Panzergrenadiere der 1. PD die Eisenbahnlinie bei Tschertolino, so dass sich die Gruppen Wietersheim und Zehender vereinigen konnten.

Die Kämpfe zwischen Sytschowka und dem „Wolgaknie“ erreichten während der Schneestürme im Februar ihren vorläufigen Höhepunkt, bis die Kraft der sowjetischen Großoffensive nachließ. Im Ergebnis hatte die Rote Armee die vereiste Wolga überquert, den linken Flügel der 9. Armee durchstoßen und das XXIII. Armeekorps vom Rest des Verbandes isoliert. Als Reaktion griff das XXXXVI. Panzerkorps aus Sytschowka an und schloss die 29. sowjetische Armee im Waldgebiet von Montschalowo ein. Hier wurde vom 23. Januar bis zum 17. Februar 1942 gekämpft, wobei sämtliche sowjetischen Entlastungsangriffe zunächst scheiterten. Im Laufe der Kampfhandlungen ergaben sich hohe Verluste, so hatte zum Beispiel das SS-Regiment „Der Führer“ am Ende nur noch 35 Soldaten zur Verfügung. Sieben sowjetische Divisionen wurden im Kessel vernichtet und die Winteroffensive des Gegners vorübergehend zum Stillstand gebracht. Im OKW-Wehrmachtbericht vom 21. Februar 1942 wurden beim Gegner 27.000 Gefallene und 5.000 Gefangene gemeldet. Die 29. Armee wurde vollständig vernichtet und die 39. Armee zum größten Teil.[7]

Unternehmen Seydlitz (Juli 1942)[Bearbeiten]

Seit dem Einbruch der Roten Armee in die Front der 9. Armee am 4. Januar 1942 und dem Druck auf den linken Flügel der Heeresgruppe Mitte wurde eine Reihe von deutschen Gegenmaßnahmen eingeleitet. Ein sowjetisches Kavalleriekorps, welches zu den eingebrochenen Truppenverbänden gehörte und den deutschen Nachschub auf der Rollbahn zwischen Smolensk und Wjasma bedrohte, konnte von der Wehrmacht zunächst nicht wirksam bekämpft werden. Die Kavallerie war in unwegsamen Geländeabschnitten eine der wenigen Waffengattungen, welche noch eine ausreichend hohe Beweglichkeit entwickeln konnte. Die den Divisionen zugeordneten Aufklärungsabteilungen waren im Sommer 1942 bereits so stark abgekämpft, so dass sie dem sowjetischen Gegenpart stark unterlegen waren. Generaloberst Model strukturierte seine Kavallerie-Einheiten um, indem er die Aufklärungs-Abteilungen verschiedener Armeekorps zu einem Kavallerie-Kommando z.b.V. in der Stärke von drei Kavallerie-Regimentern mit jeweils fünf Schwadronen zusammenführte und deren Kräfte bündelte. Oberst Robert Holste erhielt den Oberbefehl über die Armee-Kavallerie-Regimenter 1 (Major Laubner), 2 (Oberstleutnant von Baath) und 3 (Major Briegleb).

Am 2. Juli 1942 begann die Operation Seydlitz mit dem Auftrag, die Bedrohung der Versorgungslinien der 9. Armee durch Rotarmisten oder Partisanen zu eliminieren. Einsatzgebiet war die Bahnlinie Welikije Luki-Rshew mit der 1. Panzer-Division an der rechten und Infanterie-Regiment 427 an der linken Flanke. Die sowjetischen Stellungen in den dichten Wäldern am Fluss Lutschessa wurden relativ schnell durchbrochen, danach setzten Regenfälle ein, welche die Beweglichkeit der Panzer stark einschränkten. Am 5. Juli konnte die 39. sowjetische Armee und das XI. Kavallerie-Korps (Gorin) eingekesselt werden. Bis zum 16. Juli 1942 dauerten die Säuberungsmaßnahmen im Kessel, wobei 50.000 Sowjetsoldaten gefangengenommen und 230 Panzer und 760 Artilleriegeschütze erbeutet werden konnten. Der Erfolg war größtenteils der hohen Beweglichkeit der deutschen Kavalleristen im Wald- und Sumpfgelände um den Lutschessa-Fluss zu verdanken. Der deutsche Historiker Walter Görlitz schildert in seiner Biographie über Generalfeldmarschall Model das Unternehmen Seydlitz als gescheiterte Anti-Partisanen-Operation, in Wahrheit stellte es die Nachschublage für die 9. Armee wieder her. Nach Beendigung der Unternehmung wurde das Kavallerie-Kommando z.b.V. wegen Personalknappheit an der Front wieder aufgelöst und die einzelnen Abteilungen wieder zurück an ihre Stammeinheit abgestellt.[8] Ergebnis des elftägigen Unternehmens Seydlitz waren 50.000 gefangene Rotarmisten, 230 zerstörte sowjetische Panzer, 760 erbeutete Geschütze und tausende von Handfeuerwaffen.[9]

Erste Rschew-Sytschowka-Operation (30. Juli bis 1. Oktober 1942)[Bearbeiten]

Am 14. August 1942 erfolgte eine weitere Großoffensive der Roten Armee auf Rschew, die bis zum 1. September 1942 zu einer derart bedrohlichen Situation führte, dass General Günter von Kluge Hitler eine Reduktion des Frontbogens vorschlug. Hitler lehnte dies mit der Begründung ab, Rschew habe eine große symbolische Bedeutung für die Ostfront und dürfe auf keinen Fall aufgegeben werden. Mithilfe aller verfügbaren Reserven konnten Wehrmachtsverbände die Vorwärtsbewegung der Roten Armee in den Trümmern der Stadt Rschew zum Stehen bringen, bevor eine längere Schlechtwetterphase weitere Kampfhandlungen unterbrach.[10]

Im Sommer 1942 setzte die Rote Armee ihre Zangenbewegung auf den Frontvorsprung bei Rschew fort, einerseits, um die Heeresgruppe Mitte weiter unter Druck zu setzen, und andererseits, um durch ein Binden der deutschen Truppen im Norden den Südabschnitt bei Stalingrad und am Kaukasus zu entlasten. Für dieses Vorhaben wurden 41 Schützen-Divisionen, 15 Schützen-Brigaden, 38 Panzer-Brigaden mit über 3.000 Panzern, mehreren tausend Artilleriegeschützen und zusätzlich Luftunterstützung mobilisiert, um die Heeresgruppe Mitte mit einer Übermacht an Personal und Material zu vernichten. Die Stawka plante die endgültige Einnahme der Festungen Rschew und Sytschowka in einer großangelegten Sommeroffensive und ein Teilen der Heeresgruppe Mitte durch einen schnellen Vorstoß auf Smolensk und Wjasma.[11]

Sowjetischer Angriff auf den Nordsektor von Rschew[Bearbeiten]

Rschew Nordfront 30. Juli bis 10. August 1942

Am 30. Juli 1942 begann ein sowjetischer Artillerieüberfall auf den Nordbereich von Rschew. Wenig später erzielte die Rote Armee einen Durchbruch an der Verbindungsstelle zwischen 256. und 87. ID. General Großmann zog seine 6. ID aus dem Verfügungsraum westlich von Sytschowka wieder zurück, um sie beim VI. Armeekorps (General Bieler) in den ausbrechenden Kämpfen um die Stadt Rschew einzusetzen. Zuvor einsetzender Dauerregen verwandelte das Waldgelände in einen unwegsamen Morast, so dass die Verladung der aus dem Verfügungsraum abgezogenen Infanterie-Bataillone der 6. ID stark verlangsamt wurde. Zudem wurde das Bahnhofsgelände von Sytschowka immer häufiger von sowjetischen Schlachtflugzeugen angegriffen.[11]

IR 58 unter Oberst Furbach erhielt den Befehl, durchgebrochene Rotarmisten im Raum Galachowo und Punkt 195,5 zu vernichten und den Status Quo der Hauptkampflinie wiederherzustellen. Am 1. August 1942 kam es zum Nahkampf in drei sowjetischen Verteidigungslinien, schließlich konnte der Frontdurchbruch bei Polunino unmittelbar im Norden von Rschew geschlossen werden. Seit dem 31. Juli 1942 kämpfte die Aufklärungs-Abteilung 328 (328. ID, der 256. ID unterstellt) unter Major von Kalben an der rechten Grenze von IR 58 um das Dorf Gribojewo. Am 15. August 1942 war die Abteilung durch Ausfälle stark reduziert und musste auf das Südufer der Wolga zurückgenommen werden. Die linke Grenze lag im Bereich eines Bataillons unter Major Freiherr von Recum, welches zur 251. ID unter General Burbach gehörte und am 31. Juli der 87. ID unter General von Studnitz unterstellt wurde. Am 1. August sollte von Recums Bataillon IR 187 bei Martjukowo unterstützen. Sofort wurden die Kampfhandlungen eröffnet, in den Dörfern Gorbowo, Fedorkowo und Chanino entwickelten sich zähe Gefechte. Am 2. August 1942 wurde in Gory Kaseki ein deutsches Bataillon von Rotarmisten eingeschlossen. Nur mithilfe von Sturmgeschützen konnte das Bataillon befreit und die angreifenden Sowjetpanzer vernichtet werden. Am 10. August 1942 bestand das Bataillon von Recum nur noch aus einem Offizier und 22 Soldaten und konnte nicht weiter eingesetzt werden.[11]

Der Brennpunkt der Waldkämpfe nördlich von Rschew auf der Höhe Gory Kaseki–Polunino lag im Sektor der 6. ID zwischen 256. und 87. ID, wobei Rotarmisten jetzt täglich die deutschen Stellungen stürmten und die Entscheidung erzwingen wollten. Am 4. August 1942 bombardierten sowjetische Bomber das Dorf Polunino und richteten große Schäden im deutschen Stellungssystem an, welches bis zu siebenmal täglich von kombinierten Kräften aus Infanterie und Panzern angegriffen wurde. Deutsches Artilleriefeuer, welches gezielt gegen massierte Truppenansammlungen des Gegners eingesetzt wurde, verhinderte einen totalen Zusammenbruch der stark angeschlagenen Abwehrreihen. Pak- und Flak-Kampftrupps, verbunden mit Sturmgeschützen, erhielten die Aufgabe, Durchbrüche der feindlichen Infanterie sofort zu bekämpfen. Am 5. August 1942 wurden im Gefechtsabschnitt des IR 58 21 vornehmlich T-34 Panzer vernichtet.[12]

Am 4. August 1942 musste die 6. ID eine Artillerie-Abteilung an die 161. ID bei Subzow abgeben, da dort ebenfalls starke Feindverbände durchgebrochen waren. Zwei Tage später wurde die 6. ID durch die Abgabe einer Reiter-Schwadron zur Bahnsicherung bei Ossuga weiter geschwächt. Die Nachbardivisionen 256. und 87. ID waren zunehmend gefährdet, von der Roten Armee überrannt zu werden, während Rschew weiter im pausenlosen Artilleriefeuer lag und nachts bombardiert wurde. Ziel der Sowjetarmee war das Zerstören der Wolgabrücken, um den deutschen Nachschub dauerhaft zu unterbinden.[11]

Kampf um die Rschewer Wolgabrücken[Bearbeiten]

Rschew Nordfront 30. Juli 1942 bis 1. März 1943
Wolgabrücke bei Rschew

Am 10. August 1942 unternahm die Rote Armee einen weiteren Angriff auf den Nordsektor von Rschew. Hierzu waren Bomber, Jagdbomber, Artillerie, Katjuscha-Raketenwerfer und Mörser im Einsatz, welche das Gelände für einen tiefgestaffelten Panzerangriff vorbereiteten. Die Wehrmacht setzte dem die eigene Luftwaffe, Artillerie, Flak, Pak, Granatwerfer, Mörser und Sturmgeschütze entgegen. Deutsche Infanteristen, Pioniere und Kavalleristen erlebten von 5 Uhr 15 bis 18 Uhr 30 pausenlose Angriffswellen der Roten Armee. Die Gefechte waren von außerordentlicher Härte, insbesondere im Bereich der Aufklärungs-Abteilung 328 am linken Flügel der 256. ID, welcher mithilfe des PiBtl. 6 gehalten werden konnte, und im Abschnitt des IR 18 mit dem Bataillon von Recum. Bei der Vernichtung von 39 sowjetischen Panzern fiel der Bataillonskommandeur Hauptmann Thummes. Im Endergebnis konnte der Gesamtabschnitt trotz starker Überlegenheit der Roten Armee gehalten werden. Der 20. August 1942 brachte einen Zusammenbruch des Gefechtsabschnitts der 256. ID, welches über die Matjukowo-Brücke auf die südliche Seite der Wolga zurückweichen musste. Somit waren die 6. ID, Teile der 129. ID und die 87. ID die letzten deutschen Einheiten, die nördlich von Rschew übrig blieben. Der 24. August 1942 wurde zu einem weiteren Großkampftag für die übrig gebliebenen drei Divisionen gegenüber einer weitüberlegenen sowjetischen Übermacht. Nach einer intensiven Artillerievorbereitung wurde ein verlustreicher Panzerangriff der 153. und 238. sowjetischen Panzer-Brigade begonnen, der die deutschen Linien an einer geschwächten Stelle im Bereich des IR 18 durchbrach und deren Schützenlöcher überrollte. Trotz eines Flankenangriffs des I. Btl./IR 18 konnte der sowjetische Vorstoß erst an der Wolga aufgehalten werden. Die 6. ID war von der 87. ID abgeschnitten. Insgesamt wurden 64 Panzer der Roten Armee an diesem Tag vernichtet. Die 6. ID sicherte in westlicher Richtung und die 87. ID in östlicher, wobei sich die 6. ID wegen des starken Feinddrucks in die Neu-Kolberg-Stellung unmittelbar vor Rschew zurückzog.[13] Die Rote Armee bildete am 26. August 1942 einen Brückenkopf am Südufer der Wolga bei Snamenskoje.

Rschew war durch das permanente Artilleriefeuer und die Bombardierungen in ein Kraterfeld, von einem Ausmaß ähnlich wie der Schauplatz an der Somme während des Ersten Weltkriegs, verwandelt worden. Bis in den September 1942 wiederholte die Rote Armee ihre selbstmörderischen Massenangriffe, die mit unzähligen Opfern ohne nennenswerten Geländegewinn endeten. Rittmeister Wätjen und das Kradschützen-Bataillon „Großdeutschland“ stellten erst am 21. September 1942 die Verbindung zur 6. ID in Rschew her. In der Stadt selbst kam es zu mehreren Feindeinbrüchen im Nordosten, die im Nahkampf mit Flammenwerfern und Flammenwerfer-Panzern ausgeweitet wurden. Dabei erlitten das I. Btl./IR 18, I. Btl. /IR 37 und PiBtl. 6 extreme Verluste. Die Rote Armee grub ihre Panzer in den Granattrichtern der Stadt ein, die mit Flachschüssen erheblichen Schaden anrichteten aber weder aus der Luft noch vom Boden aus wirksam bekämpft werden konnten.[11]

Gefechte an der Linie Rschew-Sytschowka[Bearbeiten]

Fronteinbruch der Roten Armee auf der Linie Rschew-Sytschowka August 1942
Abwehrkämpfe im Raum Rschew-Sytschowka-Gschatsk und Gegenangriff der 1. Panzer-Division im Sommer 1942

Das XXXXVI. Panzerkorps verteidigte im Rahmen der Heeresgruppe Mitte mit der 342. ID, 36. ID (mot.), 161. ID und 14. ID (mot.) einen ca. 100 Kilometer langen Frontabschnitt von Samujlowo bis Gridino, der bislang noch relativ ruhig war. Am 25. Juli 1942 meldeten Aufklärungsflugzeuge große Truppenkonzentrationen des Gegners, die unter keinerlei Tarnmaßnahmen mehr abliefen wie noch zu Beginn der Operation Barbarossa. Über Lautsprecher kündigten die Sowjets offen ihren Angriff für den 30. Juli 1942 an. Der Angriff erfolgte am linken Flügel des Panzerkorps und erreichte lediglich kleinere Einbrüche von der Ausdehnung weniger Hundert Meter, die von der Wehrmacht sofort wieder abgeriegelt wurden. Am 4. August 1942 erfolgte der entscheidende Vorstoß der Roten Armee auf einer Divisionsbreite von ein bis zwei Kilometern, die einen Aufmarsch von drei gestaffelten Schützen-Regimentern hinter sich zog. Dahinter näherten sich zwei Panzer-Brigaden mit 80 bis 100 Kampfpanzern an. Die deutschen Verteidiger hatten in minimaler Personalstärke große Gefechtsabschnitte zu verteidigen; einer einzigen Kompanie kam ein Abschnitt von ein bis zwei Kilometern zu.

Nach starker Artillerievorbereitung, begleitet von Katjuscha-Raketenwerfern, konnten Panzerschwadrone in großer Zahl die ausgedünnten deutschen Linien überrollen, die durch Artilleriebeschuss und Bombardierung sturmreif waren. Die sowjetische 31. Armee zielte auf den Ort Pogoreloje, während das Ziel der 20. Armee Sytschowka war. Die Offensive konnte wegen schwacher Kräfte nicht aufgehalten werden und lieferte einen größeren Fronteinbruch, der zu einer kritischen Situation bei der 9. Armee führte. Im Norden nahmen sowjetische Schützen Subzow und trennten die Verbindungsstraße Karmanowo-Subzow ab, so dass die 161. ID und 14. ID (mot.) isoliert wurden. Danach änderte die Rote Armee ihre Bewegungsrichtung nach Süden ab, um die Flanke ihres Vorstoßes mit vier bis fünf Divisionen und mehreren Panzer-Brigaden zu decken. Bei Karmanowo drangen die Angreifer in den Gefechtsstand des XXXXVI. Panzerkorps ein und versuchten die 36. ID (mot.) unter General Gollnick vergeblich aus ihren Stellungen zu werfen. Zur Entlastung wurde die 2. Panzer-Division am 5. August 1942 in Bewegung gesetzt, konnte aber nur in kleinen Einheiten in das Kampfgeschehen eingreifen, ohne Anschluss an die 36. ID (mot.) zu gewinnen. Die 36. ID (mot.) hielt trotz großer Anstrengungen den Fronteckpfeiler bei Wosskressenoje bis zum 7. August 1942. Am selben Tag erfolgte eine weitere sowjetische Offensive in Stärke von drei Schützen-Divisionen sowie drei Schützen- und vier Panzer-Brigaden gegen die 342. ID. Es wurde gemeldet, dass sich die gesamte sowjetische 5. Armee in Marsch setzte, um die Front an deren linken Flügel einzudrücken.

Erfolgreich war der Einbruch der Roten Armee an der Nachschublinie Sytschowka-Subzow und der Eisenbahnlinie Sytschowka-Rschew, was von der 9. Armee mit sofortigen Gegenmaßnahmen beantwortet werden musste. Hierzu wurde das IR 84 mit der Kampfgruppe Biewald und Bülowius eingesetzt, welches am Waldrand von Tschaschnikowo eine Rundumverteidigungsstellung legte. Die Einbrüche des Gegners am 6. August 1942 machten es erforderlich, Nahkampfmethoden einzusetzen, da zuvor mehrere Maschinengewehrstellungen von sowjetischen Schützen ausgeschaltet worden waren, wobei beide Seiten hohe Ausfälle zu verzeichnen hatten. Auch in der Nacht zum 8. August kam es bei Tschaschnikowo zu mehreren sowjetischen Angriffswellen. Als sich die Mannschaftsstärke einer Kompanie des IR 84 auf 22 Personen verringert hatte, wurde der Rückzug befohlen. Mittlerweile war das I. Btl./IR 84, gefolgt vom Rest des Regiments und der 102. ID (General Frießner) bei Ossuga eingetroffen, so dass die Überreste der Kompanie abgelöst werden konnten. Im Ergebnis waren die Versorgungsrouten nach Rschew wieder freigekämpft. Die Reiter der Aufklärungs-Abteilung 6 kämpften mit Unterstützung des Panzerzuges eingesickerte Rotarmisten auf dem Eisenbahndamm nieder. Bis zum 11. August wurden die Sowjetverbände in der Nähe des Dorfes Schalamowo vernichtend geschlagen.

In den Waldgebieten von Ossuga hielten die Kämpfe noch bis zum 15. August 1942 an. Auf beiden Seiten stiegen die Verluste rapide an, während die deutschen Verteidigungslinien durch hohe Belastung zunehmend ausgedünnt wurden. Allein am 9. August 1942 vernichtete die 2. Panzer-Division 64 sowjetische Panzer, die Flakeinheiten zerstörten weitere zehn. Vergeblich versuchte die Rote Armee in vielen Angriffswellen die Höhen von Karmanowo zu nehmen. Am 10. August 1942 erzielten sie einen größeren Einbruch, was die Wehrmacht zu einer Frontbegradigung zwang. Zwischenzeitlich wurde die 2. Panzer-Division eingekesselt, konnte sich jedoch wieder befreien. Das II. Btl./113 PR der 2. PD zählte am 28. August nur noch einen Offizier und 12 Mannschaftsdienstgrade. Westlich des Flusses Jausa in Schelomiki und Krutije wurden drei Bataillone der 342. ID eingeschlossen. Die Befreiung wurde durch das unwegsame Wald- und Morastgelände längere Zeit verzögert. Der Druck auf Karmanowo hielt währenddessen unvermindert an, an einem Tag wurden bis zu 9000 sowjetische Artilleriegranaten verschossen. Die Situation war extrem unübersichtlich, da Angriffe, Einbrüche und Gegenangriffe permanent abwechselten. Als sich am 21. August 1942 40 Panzer und 700 Fahrzeuge der Roten Armee auf Karmanowo näherten, entschied sich die 9. Armee dazu, die Ortschaft zu räumen und die dort eingegrabenen Soldaten in der Nacht vom 22. auf den 23. August 1942 abzusetzen. Das Unternehmen gelang nur mit Hilfe der Luftwaffe, welche in die Erdkämpfe eingreifen musste. Die Rote Armee folgte der zurückweichenden Wehrmacht bis zur neuen Wechselstellung, wo ein erneutes heftiges Gefecht entbrannte, welches den Verlust von insgesamt 460 zerstörten Sowjetpanzern nach sich zog.

Der Plan der Roten Armee, mit drei Schützen-Divisionen und dem VIII. Panzer-Korps (fünf Panzer-Brigaden) am 13. August 1942 nach Wjasma vorzustoßen, scheiterte am erbitterten Widerstand der Panzer-Abteilung „Großdeutschland“, die im Verlauf der Kämpfe stark aufgerieben wurde. Der Roten Armee gelang es, bei Subzow einen Frontvorsprung zu erzwingen und bis an den Stadtbezirk von Rschew aufzurücken, eine vollständige Einnahme misslang jedoch. Rschew und Sytschowka verblieben trotz immensem Menschen- und Materialeinsatz der Angreifer im Besitz der 9. Armee. Die Gefechte um Rschew waren geprägt von unwegsamen Gelände, extremen Wetterschwankungen und einer prekären Versorgungslage. Die Rote Armee verlor in der kostspieligen Sommerschlacht um Rschew 380.000 Soldaten, 13.770 Kriegsgefangene, 2.956 Panzer, 45 Geschütze, 101 Pak-Kanonen, 227 Granatwerfer, 781 Maschinengewehre und 870 Flugzeuge.[11]

Zweite Rschew-Sytschowka-Operation (25. November bis 21. Dezember 1942)[Bearbeiten]

In den Winterkämpfen der Schlacht von Rschew stießen die deutschen Soldaten unter anderem auch auf Volkswehrmilizen, die sich aus den Einwohnern der umliegenden Orte rekrutierten und zusammen mit regulären sowjetischen Streitkräften den Druck von drei Seiten auf die 9. Armee aufrechterhielten. Auch diese Offensive verfehlte sämtliche militärischen Ziele der sowjetischen Heeresführung und hatte große Verluste zur Folge.

Hauptartikel: Operation Mars

Unternehmen Büffelbewegung[Bearbeiten]

Operation Büffelbewegung März 1943

Auch noch im Januar 1943 war die Wehrmacht im Raum Rschew, Demjansk und Leningrad pausenlosen Angriffen der Sowjetarmee ausgesetzt. In der Operation Büffelbewegung wurde der Frontbogen von Rschew endgültig zurückgenommen.[14] Hitler erteilte am 6. Februar 1943 der 9. Armee und Teilen der 4. Armee die Erlaubnis, sich in geordneter Weise aus dem Frontvorsprung Rschew zurückzuziehen.

Die vierwöchige Vorbereitung der Operation Büffelbewegung[15] umfasste eine immense logistische Aufgabe für den Generalstab der 9. Armee, einerseits den Aufbau einer 300 Kilometer westlich liegenden Wechselstellung für den Rückzug der Divisionen, Definition der Widerstandslinien für die phasenweise Absetzbewegung und die Räumung eines ca. 100 Kilometer tiefen Gefechtsraumes. Hierzu musste das Verkehrsnetz erweitert werden, Bautrupps begannen mit dem Bau von 200 Kilometern Straßen für Kraftfahrzeuge sowie 600 Kilometern Straßen für Schlitten und Pferdefahrzeuge. Der besetzte Frontvorsprung wurde evakuiert: 60.000 Zivilisten wurden an die rückwärtige Front abgesetzt, Agrarprodukte, Nutztiere und andere Wirtschaftsgüter wurden ebenfalls mit Zügen abtransportiert, um der vorrückenden Roten Armee einen „leeren“ Raum und „verbrannte Erde“ zu hinterlassen. Der Generalstab hatte einen umfangreichenden Bewegungs- und Marschplan, welcher 29 Divisionen (250.000 Soldaten) bewegen sollte und entweder auf Räderfahrzeugen bei passierbaren Straßen oder bei Schnee auf Schlitten durchgeführt werden sollte. Die Planungen der Operation Büffelbewegung wurden vom Geheimdienst der Sowjetunion enttarnt, so dass Propaganda-Einheiten über Lautsprecher den deutschen Soldaten mitteilten: „Eure Offiziere packen die Koffer. Seht zu, dass ihr mitkommt.“ Unternehmen Büffelbewegung begann am 1. März 1943 bei Tauwetter. Starke Temperaturschwankungen, wie ein nächtlicher Frosteinbruch, verlangsamten die Rückwärtsbewegung. An der Wolga verblieben noch ca. 2/3 der 9. Armee in den ursprünglichen Stellungen und sollten dem Gegner ihre vermeintliche Sollstärke vortäuschen, indem sie beispielsweise MG-Salven aus verschiedenen Feuerstellungen abgaben. Die Rote Armee prüfte dies durch punktuierte Gegenangriffe und erzwang bei Lepeticha an der Wolga einen kleineren Fronteinbruch. Einen Tag nach dem Abzug der Haupttruppen sollte auch der Rückzug der letzten vorgelagerten Einheiten erfolgen, was mit einer größeren sowjetischen Offensive beantwortet wurde. Um die feindliche Verfolgung nachhaltig zu verzögern, legten deutsche Pioniere im großen Umfang Panzer- und Schützenminen in den unterschiedlichsten Zündarten aus. Hierzu wurden Gelände flächenhaft vermint sowie Ortschaften durch Minen- und Sprengfallen unpassierbar gemacht. Die Sowjets erlitten durch Minenfallen in Rschew beträchtliche Verluste.

Innerhalb von 21 Tagen konnten sich die 9. Armee und Teile der 4. Armee 160 Kilometer hinter der vordersten Front absetzen und eine neue, nur noch 220 Kilometer breite Linie beziehen. Die Einsparung von 330 Kilometern zur Verteidigung wurde als entscheidende operative Maßnahme zur Erhalt der Front für die Heeresgruppe Mitte gesehen. Der Roten Armee gelangen zum Zeitpunkt des organisierten deutschen Rückzugs keine weiteren nennenswerten Einbrüche, Flankenstöße oder Verfolgungen mehr. Hitler übernahm von seinem Hauptquartier in Winniza aus per Telefon die Überwachung über das Minenkommando, welches am 3. März 1943 die große Wolgabrücke bei Rschew sprengte und den sowjetischen Vormarsch damit weiter verlangsamte. Erst Stunden nach der Sprengung konnten sowjetische Spähtrupps Verbindung mit den vorgelagerten Einheiten jenseits der Wolga aufnehmen. Die 9. Armee erreichte planmäßig die stark ausgebaute und mit Minen und Drahthindernissen gesicherte Büffelstellung auf der Höhe Spas Demensk – Dorogobusch – Duchowstschina noch vor dem Beginn der Schlammperiode im Frühjahr. Somit konnte die durch die Winterschlacht 1942/43 entstandene Krise der Heeresgruppe Mitte entschärft werden, und die Voraussetzungen für die Schlacht bei Kursk waren nun gegeben.

Folgen für die Zivilbevölkerung[Bearbeiten]

Denkmal für die sowjetischen Gefallenen in Rschew

Die Zivilbevölkerung der Stadt Rschew musste besonders leiden.

„Dort haben sie meine Mutter umgebracht. Sie haben sie vergewaltigt, ihr dann die Zähne ausgeschlagen, die Hände gebrochen und sie mit vier Bajonettstichen getötet.“

Anatolij Projdakow über die Greueltaten der Wehrmacht im Dorf Maloje Pischalino bei Rschew, April 1942[16]

Die Bevölkerung war den Kämpfen der deutschen und sowjetischen Armeen sowie dem Hunger ausgesetzt. Stalin befahl Anfang 1942, die Stadt bis zum 12. Januar 1942 zurückzuerobern. Die Stadt wurde bei den Kämpfen vollständig zerstört. Mehr als ein Sechstel der Stadtbevölkerung wurde während der deutschen Besetzung in Arbeitslager deportiert; etwa 9000 Personen wurden in einem Konzentrationslager umgebracht, das von den Deutschen im Stadtzentrum errichtet wurde.

Verluste[Bearbeiten]

Bei der Serie von Schlachten im Raum um Rschew gehen Schätzungen von etwa 500.000 bis 1.000.000 sowjetischen Gefallenen aus. Die deutschen Verluste werden zwischen 300.000 und 450.000 Gefallenen beziffert. Die genaue Anzahl der sowjetischen Verluste lässt sich nicht genau beziffern. Schätzungen gehen von bis zu 2 Millionen Toten aus, gemäß Marschall Kulikow sogar 2,5 Millionen. Die hohen Verlustraten beruhen vermutlich darauf, dass die Sowjetarmee organisatorische Fehlplanung, mangelhafte Truppenführung und den geringen Einsatz von Technik mit einem überproportional großen Einsatz von Menschen überkompensieren wollte. Dabei befahlen Offiziere der Roten Armee ihren ungeschützten Soldaten Sturmangriffe wiederholt an denselben Punkten der deutschen Verteidigungslinie, was in einem militärischen Fiasko endete. Von den 1.000 Angehörigen des 618. Schützen-Regimentes überlebten zwei Personen die Schlacht, bei der 29. und 39. Armee kam es zu einem Totalverlust. Bereits in den ersten drei Januarwochen des Jahres 1942 starben 80.000 sowjetische Soldaten während der Kampfhandlungen, oft 80 % der Infanteristen bei einem Sturmangriff. Die 20. Armee verlor innerhalb kürzester Zeit 58.000 Mann. In der Absprungzone der 8. Luftlande-Brigade der Westfront kamen bei der schlecht geplanten Operation mehr als die Hälfte der ungenügend vorbereiteten Fallschirmjäger ums Leben. Noch heute werden jährlich die Gebeine von ca. 1000 Gefallenen geborgen, an einigen Stellen sogar in „sieben Schichten übereinander“.[3]

Fazit[Bearbeiten]

Stalins Doktrin, dem Feind „keine Atempause mehr zu geben“, stand Hitlers starrem Haltebefehl entgegen, Rschew sei eine uneinnehmbare Linie des Führers. Da es der Roten Armee trotz großem Kräfteeinsatz nicht gelang, den deutschen Frontbogen von Rschew auszuschalten, wurde die Schlacht von der Stawka zu einem Ereignis lokaler Bedeutung heruntergespielt. Ursprünglich war die sowjetische Angriffsoperation nur für wenige Tage vorgesehen, weitete sich jedoch im Lauf des Jahres 1942 zu einem kostspieligem Stellungskampf auf einer breiten Frontlinie aus, welcher von Moskau ungeduldig kommentiert wurde, die Liquidierung der gegnerischen Gruppierungen ziehe sich unzulässig lange hin.

Erst der Einbruch der Kavallerie auf einer Straße westlich von Wjasma sorgte für einen Teilerfolg, indem die deutschen Nachschublinien empfindlich gestört wurden. Außerdem konnten im Sommer 1942 einige deutsche Brückenköpfe am linken Wolgaufer ausgeschaltet werden.

„Es ist das erste Mal, daß in diesem Kriege von mir der Befehl zum Zurücknehmen eines größeren Frontabschnittes gegeben wird.“

Adolf Hitler am 15. Januar 1942[3]

Im Februar gelang es der Wehrmacht, die 29. und 33. Armee einzukesseln, während im Verlauf der Operation Mars 1,9 Millionen Soldaten der Sowjetunion Zangenangriffe auf die 9. Armee durchführten. Weitere Versuche der Wehrmacht, durch den Einsatz der Division „Großdeutschland“ im Spätsommer 1942 Vorstöße in Richtung Moskau voranzutreiben, misslangen. Das Ziel der Roten Armee, die Heeresgruppe Mitte bei Rschew zu zerschlagen, wurde nicht erreicht, die 9. Armee zog sich im Frühjahr 1943 im Zuge der Operation Büffelbewegung in ihre rückwärtigen Stellungen zurück, und Rschew wurde am 3. März 1943 von Truppen der Westfront eingenommen und befreit.[3]

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Seit 1997 finden in Rschew deutsch-russische Jugendlager auf der deutschen und russischen Kriegsgräberstätte Rshew unter dem Motto „Versöhnung über den Gräbern“ statt. Im Park des Friedens, der 2002 erbaut wurde, wurden sowohl sowjetische als auch deutsche Gefallene bestattet.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Grossmann: Rschew, Eckpfeiler der Ostfront, Podzun Verlag, Bad Nauheim 1962, ISBN 978-3-7909-0126-9.
  • Oleg A Kondratjew: Die Schlacht von Rshew: Ein halbes Jahrhundert Schweigen, Arethousa-Verlag, München 2001, ISBN 3-934207-11-1.
  • Svetlana Gerasimova: Rzhev 42: Pozitsionnaia Boinia ("The Rzhev Massacre"), Iauza, Eksmo, 2009, ISBN 978-5-699-35203-6.
  • David Glantz: Zhukov's Greatest Defeat: The Red Army's Epic Disaster in Operation Mars 1942, Ian Allan Publishing 2000, ISBN 978-0-7110-2748-0.
  • Otto Dessloch: The winter battle of Rzhev, Vyazma, and Yukhnov, 1941-42, Headquarters, European Command, Office of the Chief Historian, 1947

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht von Rschew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Dokumentationen[Bearbeiten]

  • Russische TV-Dokumentation Rschew: Die unbekannte Schlacht des Georgi Schukow (2009)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tageseinträge für März 1943 auf chroniknet.de, abgerufen am 11. Juli 2010.
  2. „Operazja Grosa“
  3. a b c d e f http://einestages.spiegel.de/external/ShowAlbumBackgroundPrint/a11121.html
  4. P.N. Pospelow: Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges, Bd. 3, Moskau 1960
  5. Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Bd. 1 1939–1941, Lingen Verlag, Köln 1967, S. 416
  6. am 14. April 1942 mit dem Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet
  7. “Die verzweifelte Lage der Heeresgruppe Mitte“ in Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Bd. 2 1942–1944, Lingen Verlag, Köln 1967, S. 478, 481–483
  8. Klaus Christian Richter: Unternehmen „Seydlitz“. Ein außergewöhnliches Beispiel militärischer Improvisation. In: Der Panzergrenadier 22/07.
  9. http://www.zweiter-weltkrieg-lexikon.de/index.php/Kriegsfuhrung-und-Taktiken/Schlachten-und-Kampfe/Unternehmen-Seydlitz.html
  10. Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Bd. 2 1942–1944, Lingen Verlag, Köln 1967, S. 588
  11. a b c d e f Die Sommerschlacht von Rschew – Die vierte Schlacht Ende Juli/Mitte Oktober 1942.
  12. für eine erfolgreiche Panzerbekämpfung wurden Gefreiter Schulte-Strathaus/IR 58, Unteroffizier Siekmann/IR 18 und Leutnant Herber/PiBtl. 6 ausgezeichnet
  13. http://www.infanterie-regiment-18.de.tl/Geschichte--k1-1939_1945-k2-.htm
  14. Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Bd. 2 1942–1944, Lingen Verlag, Köln 1967, S. 686
  15. teilweise auch nur Operation Büffel genannt
  16. Christian Neef: Attacke um jeden Preis auf einestages.spiegel.de, abgerufen am 18. November 2012.