Schweden (Volk)

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Mutter Svea gilt als nationale Personifikation Schwedens

Die Schweden sind ein germanisches Volk in Skandinavien. Sie sind die Titularnation des Königreichs Schweden und eine anerkannte Minderheit in Finnland (Finnlandschweden mit Autonomie auf den Åland-Inseln). Zu den Staatsbürgern Schwedens gehören auch Minderheiten von Finnen (Schwedenfinnen) und Samen (Lappen), die früher einer strengen Assimilierungspolitik unterlagen, seit 1993 aber kulturelle Autonomie genießen.[1]

Sprache[Bearbeiten]

Verbreitung schwedischer Dialekte in Schweden und Finnland

Die schwedische Sprache gehört zum östlichen Zweig der nordgermanischen Sprachen. Sie löste sich zwischen dem 10. und dem 14. Jahrhundert von den anderen skandinavischen (nordgermanischen) bzw. altnordischen (ostnordischen) Sprachen ab. Ausschlaggebend dafür waren politische und soziale Gründe, vor allem die Abgrenzung vom Dänischen.[2]

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts entstand das Standardschwedische (Reichsschwedisch), das auf dem mittelschwedischen[1] und dem östergötländischen[3] Dialekt basiert. Daneben existieren fünf regionale Dialekte (das in Finnland gesprochene Ostschwedisch eingerechnet).[1]

Gotländisch[Bearbeiten]

Das einst mit dem Dialekt in Östergotland in Verbindung stehende Gotländisch hat sich nur noch auf der Insel Gotland erhalten und unterscheidet sich von den anderen Dialekten am deutlichsten, so dass es gelegentlich als eigene Sprache angesehen wird.[1]

Schonisch[Bearbeiten]

Eine Untergruppe der Schweden mit einer starken eigenen Identität (teilweise sehen sie sich als eigenes Volk) sind die Schonen an der Südspitze Schwedens, in der gleichnamigen Provinz (schwedisch: Skåne). Wegen seiner historischen, kulturellen und linguistischen Sonderrolle wird Schonen gelegentlich auch als "Schwedens Baskenland" bezeichnet.[4] Seine Bewohner sprechen Schonisch, einen Dialekt, der lange Zeit mit dem Dänischen in wechselseitigem Einfluss stand.[1] Die Einordnung der mit dem ostdänischen Dialekt eng verwandten Schonischen Sprache als südschwedischer Dialekt ist allerdings eher politisch bedingt als wissenschaftlich begründet. Man kann Schonisch aber als Mischsprache bzw. Übergangssprache ansehen.[2]

Jämtländisch[Bearbeiten]

Die dem nordnorwegischen (Trondheimer) Dialekt verwandte Jämtländische Sprache in Jämtland stellt eine Übergangsform bzw. eine historische Mischsprache mit dem (ostnordischen) Norwegisch dar - nicht zu verwechseln mit dem modernen Svorsk.

Geschichte der Schweden[Bearbeiten]

Gebiete der Svear (gelb) und Gauten (blau) im 12. Jahrhundert
Hauptartikel: Geschichte Schwedens

Inwieweit die mittelalterlichen schwedischen Völker der Svear und Gauten mit den bereits in Tacitus' Germania erwähnten Suionen und Sithonen des 1. Jahrhunderts oder den Goten der Völkerwanderung in Verbindung stehen, ist umstritten. Dennoch war die vermeintliche Abstammung von bzw. Verwandtschaft mit den Goten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert im schwedischen Nationalbewußtsein populär (Gotizismus).

Ethnogenese[Bearbeiten]

Ungefähr im 6. Jahrhundert n. Chr. schlossen sich mehrere nordgermanische Stämme in Skandinavien erstmals zu größeren Stammeseinheiten zusammen und drängten die zuvor von Nordosteuropa eingewanderte und aus finnischen Völkern (Sammen/Lappen, Finnen) bestehende Vorbevölkerung immer weiter nach Norden ab.[5] Bei der Entstehung des schwedischen Volkes spielten die am Mälarsee bzw. in Svealand (Mittelschweden) ansässigen Svear und die in Götaland (Västergötland, Östergötland und Småland) ansässigen Gauten die wichtigste Rolle. Die nordgermanischen Stämme hatten in Alt-Uppsala ein gemeinsames politisches und kulturelles Zentrum.

Zu Beginn des 7. Jahrhunderts gelang es den Svear von Uppsala (angeblich unter Führung König Ingjalds), die Gauten zu unterwerfen, das politische und wirtschaftliche Zentrum verlagerte sich von Uppsala nach Birka. Die Verschmelzung beider Völker begann erst im 8. bzw. 9. Jahrhundert und zog sich wegen anhaltender Kämpfe zwischen den früh christianisierten Gauten und den an ihrer alten nordischen Religion lange festhaltenden Svear mindestens bis ins 10. Jahrhundert hin. Eine Vermischung mit finnischen Völkern fand nicht statt. Zur Reichseinigung Schwedens und somit zur Herausbildung eines Staates im heutigen Sinne kam es erst zwischen 995 und 1060 unter König Erik VIII. und dessen Sohn Olof Skötkonung, sie ging einher mit der Christianisierung Schwedens.[6] Neues Zentrum Schwedens wurde zunächst das christliche Sigtuna, ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts dann Stockholm.

Im Laufe politischer Differenzierung, Verselbständigung und gegenseitiger Abgrenzung der drei nordischen Völker voneinander bildete sich zwischen dem 11. und dem 16. Jahrhundert schließlich die von Dänen und Norwegern verschiedene Nation der Schweden heraus. Für die Konsolidierung der Nation war letztlich die im 15. und 16. Jahrhundert vollendete Abgrenzung der überwiegend bäuerlich geprägten[1][3] und vom Landadel geführten schwedischen Volkskultur vom prodänischen Bürgertum und Beamtenadel der Küstenstädte entscheidend.[7][8][9][10][11]

Waräger und Kreuzritter[Bearbeiten]

Noch während die beiden schwedischen Völker der Svear und Gauten in der Heimat um den kargen Lebensraum, um Reichseinheit und Christianisierung kämpften, ließen sich die ersten schwedischen Auswanderer, seetüchtigen Händler und beutegierigen Krieger an den gegenüberliegenden Ufern der Ostsee nieder. Erste skandinavische bzw. schwedische Siedlungen entstanden ab dem 7. Jahrhundert im lettischen Grobiņa (Seeburg), in Kurland, Livland, Estland und in Finnland. Die als Waräger bezeichneten schwedischen Wikinger siedelten ab dem 8. Jahrhundert vor allem im Gebiet von Alt-Ladoga und Holmgard (Nowgorod) und dehnten im 9. Jahrhundert unter Rjurik ihre Herrschaft über die Nowgoroder Rus aus. Obwohl sie somit eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Kiewer Rus spielten, gingen die skandinavischen Krieger und Händler im 10. und 11. Jahrhundert in der slawischen (russischen) Mehrheitsbevölkerung auf bzw. wurden assimiliert. Allerdings ist noch für die 1070er Jahre ein über Schweden herrschender König namens Anund Gårdske überliefert, der aus Alt-Ladoga (zurück) kam und bereits (orthodox?) christianisiert war.

Nicht immer lassen sich diese Aktionen ausschließlich schwedischen Wikingern bzw. Warägern zuordnen, teilweise waren an den Ostfahrten auch Dänen und Norweger beteiligt.[12] In Westeuropa wiederum wurden zweitweise alle dänischen, norwegischen und schwedischen Wikinger pauschal als Dänen oder Normannen zusammengefasst. So waren es eigentlich schwedische Wikinger, die im 10. Jahrhundert das dänische Haithabu (Hedeby) beherrschten. Auch die ersten skandinavischen Siedler im englischen Holderness (Yorkshire) oder Rollos sollen Schweden aus Uppland gewesen sein, und die Normannen, die sich im 10. Jahrhundert in der Normandie ansiedelten, seien nicht vorrangig Dänen und Norweger, sondern von den Dänen aus Schonen vertriebene Schweden gewesen.[13]

Eine dauerhafte Besiedlung Finnlands kam jedoch erst mit den schwedischen Kreuzzügen seit Mitte des 12. Jahrhunderts zustande, in dieser Zeit entstand in Finnland die schwedische Stadt Åbo, das heutige Turku. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts eroberte der vor allem aus schwedischen Kreuzrittern bestehende Schwertbrüderorden Riga und Livland, mußte sich jedoch nach der Niederlage von Schaulen (1236) mit dem Deutschen Orden zusammenschließen. Nach der Niederlage an der Newa (1240) war der schwedischen Expansion auch in Richtung Nowgorod ein Ende gesetzt. Ende des 13. Jahrhunderts war mit der Errichtung Wyborgs die Eroberung Finnlands abgeschlossen, doch die gleichzeitig an der Newa errichteten Festungen Nöteborg und Landskrona wurden 1301 von den Nowgorodern zerstört.[12] Erst nach der Reformation und dem Zusammenbruch des Deutschen Ordens (1561) konnten sich die Schweden erneut Livlands bzw. Estlands bemächtigen, 1617 auch Ingermanlands und 1621 schließlich Rigas.

Nationalstaat und Nationalismus[Bearbeiten]

Der vor allem im Kampf gegen die Dänen entstandene schwedische Nationalstaat entwickelte sich im 17. Jahrhundert zu einer europäischen Großmacht und vorherrschenden Macht im Ostseeraum, die die seit Jahrhunderten dänisch beherrschten Regionen Südschwedens (Skåneland: Schonen, Halland, Blekinge) sowie einige norwegische Grenzgebiete (Jämtland, Härjedalen, Bohuslän) hinzugewinnen konnte. In dieser schwedischen "Großmachtzeit" erreichte der vor allem von Johannes Bureus propagierte Gotizismus (großgotischer Universalismus, schwedisch Göticism) unter Gustav Adolf einen Höhepunkt. Die Großmachtzeit ging jedoch mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts zu Ende, die Ostseeherrschaft ging im Großen Nordischen Krieg verloren. Estland, Riga und Ingermanland fielen an Russland; infolge weiterer Kriege gingen schließlich 1809 auch Finnland und die Åland-Inseln. Die 1814 erzwungene Personalunion mit Norwegen wurde von den Norwegern abgelehnt und brach 1905 endgültig auseinander. Seitdem ist die schwedische Nation auf das "eigentliche Schweden" (Egentliga Sverige) beschränkt.

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der (vor allem von Dänemark ausgehende) nationalliberale (Pan-)Skandinavismus jenen traditionell antidänischen[16], Großmachtzeit-nostalgischen[17], religiös-begründeten[18] und gotizistischen schwedischen Nationalismus zunächst abgelöst. Mithilfe der panskandinavistischen Ideologie die Vorherrschaft über Norwegen aufrechtzuerhalten, war jedoch gescheitert. Mit dem Ende der Union, dem Ersten Weltkrieg und der revolutionären Nachkriegskrise hatte sich dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts Rudolf Kjelléns konservatives Volksheim-Konzept (Folkhemmet) verbreitet, das von schwedischen Nationalreligiösen, Sozialdemokraten und Nationalsozialisten unterschiedlich interpretiert und weiterentwickelt wurde.

Die nationalreligöse Auslegung sah die Schweden als ein auserwähltes "Volk Gottes" und war antipolnisch (antikatholisch) und antirussisch (antiorthodox, antikommunistisch).[18] Die sozialdemokratische Auslegung hatte einen multiethnischen Wohlfahrtsstaat zum Ziel, förderte die Zuwanderung und war etwa von den 1930ern bis zu den 1990ern vorherrschende Staatsdoktrin.[19] Demgegenüber ist die rechtsnationalistische Auffassung extrem fremdenfeindlich.[1] Sie behauptet, daß das südschwedische Skåneland (bzw. Västergötland, vgl. Götaland-Theorie) die eigentliche Urheimat der Germanen (und Kelten) gewesen sei[20][21] und überbetont den Umstand, daß die Schweden niemals von fremden Völkern unterworfen und kulturell "überfremdet" wurden bzw. sich niemals mit anderen Völkern vermischt hatten[3][22] - trotz der dänischen Fremdherrschaft, einer gewissen Vermischung mit dem baltischen Adel und französischen Kultureinflüssen. Kolportiert wird diese nationalistische Fremdenfeindlichkeit vor allem von den rechtspopulistischen Schwedendemokraten (und den Nationaldemokraten) und hat ihre Hochburgen im dichtbevölkerten Schonen und einigen Vororten Stockholms.[23]

Religion[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schwedische Kirche

Erste Ansätze einer Christianisierung Schwedens hatte es schon im 9. Jahrhundert gegeben, doch blieben die von Hamburg ausgehenden Missionierungsbemühungen des Heiligen Ansgar (†865), Rimberts (†888) und des Bischofs Unni (†936) zunächst erfolglos, die meisten Schweden hielten länger als Dänen oder Norweger an ihrem alten germanischen Götterglauben fest.[24][5] Während die schwedischen Waräger in Russland zwischen 860 und 988 das (orthodoxe) Christentum annahmen und auch die schwedischen Wikinger in Haithabu wohl schon um 950 bekehrt wurden, begann das (katholische) Christentum in Schweden seinen allmählichen Siegeszug erst mit der Taufe Olofs III. im Jahr 1002 oder 1008 durch den Heiligen Siegfried. König Inge I. ließ um 1087 den heidnischen Tempel von Uppsala zerstören, doch erst unter Erik dem Heiligen der sich 1154/55 sogar bemühte, das Christentum mit einem Kreuzzug von Schweden nach Finnland auszubreiten, setzte sich der neue Glaube durch.[5] (Ausgerechnet Erik soll von einem dänischen Prinzen erschlagen worden sein, was dem späteren antidänischen Kult Vorschub geleistet haben dürfte.) Eriks Nachfolger Karl VII. schuf 1164 mit der Errichtung des Erzbistums Uppsala eine vom dänischen Lund unabhängige schwedische Kirche, auch wenn dynastische Kämpfe zwischen christlichen und nichtchristlichen Schweden (Svear und Gauten) noch etwa bis 1250 andauerten. Die im 14. Jahrhundert wirkenden Birgitta von Schweden und Katharina von Schweden wurden später ebenfalls heiliggesprochen. Trotz etwa 1000 Jahren Christianisierung haben sich in der schwedischen Volkskultur vorchristliche Traditionen, wie etwa das Mittsommerfest zur Sommersonnenwende, das Julfest zur Wintersonnenwende sowie der Glaube an Trolle, Dämonen usw. bis heute erhalten.

Die Einführung der Reformation durch das Wirken Olaus Petris bot dem ab 1523 endgültig unabhängigen schwedischen Nationalkönigtum 1527/31 die Chance, die Verschiedenheit der Schweden von den zunächst noch katholischen Dänen herauszustellen[10] - Schwedens katholischer Klerus um Erzbischof Gustav Trolle hatte bis zuletzt den dänischen Unionskönig unterstützt. Die erste schwedische Bibelübersetzung, die Gustav-Wasa-Bibel, kodifizierte die reichsschwedische Schriftsprache. Doch traten spätestens 1536 auch die Dänen ebenfalls zum lutheranischen Glauben über, während die zunächst ebenfalls noch katholischen schwedischen Bauern sich im Dacke-Aufstand noch bis 1543 den Auswirkungen der Reformation widersetzten. Unter Johann III., vor allem aber unter seinem Sohn Sigismund III. drohte die Rekatholisierung Schwedens, da Sigismund 1587 wieder zum katholischen Glauben gewechselt war, um auch König von Polen werden zu können. Sigismund wurde 1599 schließlich von Karl IX. abgesetzt und die Wasa-Dynastie spaltete sich, was zu langjährigen Kriegen mit Polen führte. Schwedens König musste fortan Lutheraner sein und sich gegen die polnischen Wasa behaupten. Karls Sohn Gustav Adolf besiegte die Polen ebenso wie die orthodoxen Russen und fühlte sich in seinem religiösen Sendungsbewußtsein berufen, zugunsten der protestantischen Reichsführsten auch im Deutschen Reich zu intervenieren, wo er während des Dreißigjährigen Krieges fiel. Ausgerechnet seine Tochter Christina dankte 1654 als Königin ab, um wieder katholisch werden zu können, doch mit neuen Siegen ihres Nachfolgers Karl X. Gustav über Polen und dem Ende der polnischen Wasa (1668) war der lutheranische Glaube in Schweden endgültig befestigt. Ein sich an Gustav Adolf orientierendes religiöses Sendungsbewusstsein und nationale Selbstüberschätzung verleiteten auch Karl XII. dazu, im Großen Nordischen Krieg (1700-1721) deutsche Katholiken und orthodoxe Russen gleichzeitig zu bekämpfen, ohne das traditionelle Bündnis mit dem katholischen Frankreich fortzuführen. Der Krieg endete mit enormen Verlusten, Verwüstungen weiter Teile Schwedens, dem Tod des Königs und schließlich der Aufgabe der traditionellen schwedischen Gebiete in Estland.

Heute sollen zwischen 68[25][26] und 90[3] Prozent der Bevölkerung Schwedens zur evangelisch-lutheranischen Konfession gehören, doch kaum 5 Prozent aller Schweden gehen regelmäßig in die Kirche.[27] Die evangelisch-lutherische Schwedische Kirche genießt in der schwedischen Verfassung eine privilegierte Stellung, die der einer Staatskirche ähnelt. Erst seit 1951 ist die Religionsfreiheit gesetzlich verankert.[28] Während einer Krise im November 1983 drohte kurzzeitig die Spaltung der Staatskirche, als zahlreiche Pfarrer und Laien aus Protest gegen die wachsende Politisierung der Kirche eine eigene Synode bilden wollten.[29] Der evangelisch-lutherische Glaube ist zwar seit 2000 offiziell nicht mehr Staatsreligion, das königliche Staatsoberhaupt muß aber ebenso wie der/die Thronfolger/-in nach wie vor lutheranisch sein.

Schweden außerhalb Schwedens[Bearbeiten]

Von den neun Millionen Einwohnern des Königreichs sind zwischen 86[30] und 90[31] Prozent ethnische Schweden, die übrigen sind Samen, Finnen und Schweden mit Migrationshintergrund.[32] Zahlreiche Schweden und Nachfahren schwedischstämmiger Siedler beziehungsweise Auswanderer leben zudem in den nordeuropäischen Nachbarstaaten und den baltischen Staaten, aber auch in Spanien und vor allem in den Vereinigten Staaten und Kanada.

Finnlandschweden[Bearbeiten]

In Finnland gibt es mit den fast 300.000 Finnlandschweden einen schwedischsprachigen Bevölkerungsteil, der mindestens 5,6 % der Gesamtbevölkerung ausmacht. Gelegentlich wird zwischen den Finnlandschweden des Festlands („Finnländer“) und denen der Åland-Inseln („Äländer“) unterschieden: Erstere siedelten sich erst ab dem 12. Jahrhundert zwischen der finnischen Urbevölkerung an, während letztere schon im 7. Jahrhundert die damals unbewohnten Inseln besiedelten.

Die große Mehrheit der Finnlandschweden sieht sich jedoch nicht dem schwedischen Volk oder der schwedischen Kultur zugehörig. Im Jahr 2005 veranlasste der Svenska Finlands Folkting, die offizielle Interessensvertretung der Finnlandschweden, eine Untersuchung zur Identität der Finnlandschweden. Dabei gaben 82 % der Befragten an, finnlandschwedisch zu sein bedeute „Zugehörigkeit zu einer eigenen Kultur, aber auch Finne unter allen anderen Finnen zu sein“. Schweden und die schwedische Kultur empfanden 59 % der Befragten als „interessant, aber fernliegend“, weitere 9 % als „völlig uninteressant“.[33]

Diese Distanzierung hat historische Ursachen. Während des für ganz Schweden katastrophalen Großen Nordischen Krieges hatte vor allem Finnland von 1700 bis 1721 unter Zerstörung, Bevölkerungsverlusten, russischer Besetzung und Verwüstung sowohl der Küstenregionen als auch des Inlands leiden müssen, und ähnliches hatte sich 1741-1743 und 1788-1790 wiederholt. Der um seine Existenzgrundlagen fürchtende finnlandschwedische Adel opponierte daher zunehmend gegen eine antirussische Ausrichtung der schwedischen Politik und der Volksmeinung in Schweden. Der finnlandschwedische Anjalabund versuchte 1788 sogar, König Gustav III. zu stürzen und/oder Finnland mit russischer Hilfe von Schweden zu lösen.[34] Nachdem im Ergebnis eines weiteren Russisch-Schwedischen Krieges 1809 schließlich ganz Finnland an Russland gefallen war, arrangierte sich die finnlandschwedische Oberschicht mit der neuen russischen Herrschaft. Nach der Unabhängigkeit Finnlands von Russland (1917) wurden die Finnlandschweden als nationale Minderheit geschützt und erhielten auf den Åland-Inseln eine sehr weitreichende Autonomie. Proschwedische Nationalisten beklagen daher, dass die Åland-Schweden keine Ambitionen zeigen, ihre regionale Autonomie und ihre Privilegien innerhalb Finnlands zugunsten eines Anschlusses an einen zentralregierten schwedischen Nationalstaat aufzugeben.[35]

Estlandschweden[Bearbeiten]

An der estnischen Westküste und auf den estnischen Ostseeinseln Dagö und Ösel lebte spätestens seit dem 13. Jahrhundert eine schwedische Minderheit, die 1943/44 zum größten Teil nach Schweden umgesiedelt wurde. Bei einer Volkszählung wurden 1989 in Estland noch knapp 300 Schweden gezählt.[36] Trotz der geringen Zahl wird das schwedische Erbe in Estland seit den 1990er Jahren wieder durch Museen und zweisprachige Ortsschilder gepflegt. Die Estlandschweden sprechen eine eigentümliche Variante des ostschwedischen Dialekts, das Estlandschwedische.

Bereits 1781/82 waren etliche estlandschwedische Familien von Dagö in die Ukraine ausgewandert, um der drohenden Leibeigenschaft in Russland zu entgehen. Sie gründeten dort die Stadt Gammalsvenskby (deutsch Altschwedendorf). Nach der russischen Revolution siedelten die meisten Schweden aus Gammalsvenskby nach Schweden um. Viele zogen in der Folge weiter nach Kanada, einzelne Familien kehrten in die Ukraine zurück. Heute leben noch 150-200 Schwedischstämmige in Gammalsvenskby.

Schweden in Norwegen[Bearbeiten]

Denkmal für Nils Göbel in Torrevieja: Als schwedischer Konsul in Spanien förderte er ab 1963 die Ansiedlung von Schweden und Norwegern an der Costa Blanca
Schwedischer Shop in Torreviejas Nachbarort Guardamar del Segura

Nach Finnland ist das benachbarte Norwegen jenes nordeuropäische Land mit der zweitgrößten schwedischen Gemeinde außerhalb Schwedens. Die Schweden in Norwegen sind sowohl Nachkommen schwedischer Siedler und Kolonisten aus den Zeiten früherer schwedisch-norwegischer Personalunionen (zuletzt 1814 bis 1905) als auch schwedische Staatsbürger, die sich in jüngerer Zeit ganz oder teilweise in Norwegen niedergelassen haben. Erstere haben die norwegische Staatsbürgerschaft und werden daher meist nicht gesondert erfasst, letztere stellen die Mehrheit unter den vier Prozent aus EU-Staaten eingewanderten Ausländern. Ihre Anzahl beträgt bis zu 30.000.[1]

Schwedische Senioren in Spanien[Bearbeiten]

Nennenswerte Gemeinschaften skandinavischer beziehungsweise schwedischer Staatsbürger gibt es auch in Spanien. Nach Angaben der schwedischen Botschaft in Spanien sollen bis zu 90.000 Schweden in dem südeuropäischen Land leben.[37] Sie konzentrieren sich in der Provinz Alicante an der Mittelmeerküste (Costa Blanca), vor allem in der Küstenstadt Torrevieja, wo es unter anderem sogar eine schwedische Kirche gibt. Bei den an der Costa Blanca ansässigen schwedischen Residenten handelt es vor allem um Pensionäre. Betrug ihre Anzahl in der Provinz Alicante 1999 erst 5.443[38], so stieg sie bis 2011 auf 6.483 an.[39] Zu Beginn des Jahres 2012 gab es allein in Torrevieja 3.107 Schweden, zu Beginn des Jahres 2014 waren es dort bereits 3.206.[40]

Schwedischstämmige in den USA[Bearbeiten]

Bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts hatte Schweden kurzzeitig Kolonien in Nordamerika gegründet (Neuschweden). Da diese aber rasch wieder verloren gingen, kam es zu keiner nachhaltigen oder nennenswerten Ansiedlung von Kolonisten. Im Jahr 1790 lebten erst rund 20.000 Schweden in den USA.[41] Die heutigen schwedischstämmigen Amerikaner sind vor allem Nachkommen schwedischer Auswanderer des 19. und 20. Jahrhunderts. Höhepunkt der Auswanderung waren die 1880er Jahre mit etwa 347.000 Auswanderern, allein in den Rekordjahren 1882 und 1887 verließen 50.000 bzw. fast 47.000 Schweden ihr Land.[42][43] Bis 1920 waren es bereits über 1 Million, bis 1940 dann waren bereits 1,325 Millionen Schweden in die USA ausgewandert. Anders als bei rasch assimilierten Deutschamerikanern haben die Schwedenamerikaner oft familiäre Bindungen in die alte Heimat bewahrt.[44] Das erleichterte eine Rückwanderung, die seit der Weltwirtschaftskrise 1929 überwog.[45]

Insgesamt wanderten zwischen 1820 und 1993 etwa 1,395 Millionen Schweden in die USA ein (dazu 755.000 Norweger, die 1820-1868 zusammen mit den Schweden erfaßt wurden; sowie 38.766 Emigranten aus Finnland, unter denen der Anteil an Finnlandschweden nicht erfaßt wurde).[46] Daraus ergab sich für das Jahr 2010 eine Zahl von etwa 4,089 Millionen Einwohnern schwedischer Abstammung (gegenüber 4,3 Millionen Amerikanern norwegischer Abstammung), doch nur noch 131.000 aller skandinavischen Abkömmlinge sprechen eine der skandinavischen Sprachen als Muttersprache.[47] Die Tendenz ist rückläufig: Im Jahr 2007 gab es noch fast 135.000 Sprecher skandinavischer Sprachen (bei 4,34 Mio Schwedischstämmigen und 4,66 Mio Norwegischstämmigen)[48], 1990 sprachen von damals 4,68 Mio schwedischstämmigen Amerikanern 77.511 Schwedisch und 1980 sogar noch 100.886 (gegenüber 80.723 bzw. 113.227, die damals Norwegisch sprachen).[49]

In Kanada wurden 2006 mehr als 28.000 Schweden sowie weitere 306.000 Schwedischstämmige gezählt.[50]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Schweden – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Schweden

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Willi Stegner (Hrsg.): Taschenatlas Völker und Sprachen, Seiten 38-41. Klett-Perthes, Gotha und Stuttgart 2006
  2. a b Meyers Konversations-Lexikon, Vierzehnter Band, Seite 476f (Schwedische Sprache). Dritte Auflage, Leipzig 1878
  3. a b c d Detlev Wahl: Lexikon der Völker Europas und des Kaukasus, Seite 173ff. Meridian-Verlag, Rostock 1999
  4. James William Barnes Steveni: Unknown Sweden, Seiten 36 und 72. London und Southhampton 1925
  5. a b c Meyers Konversations-Lexikon, Vierzehnter Band, Seite 461f (Schweden, Geschichte). Dritte Auflage, Leipzig 1878
  6. Diercke Länderlexikon, Augsburg 1989, ISBN 3-89350-211-4
  7. Während im schwedischen Ständereichstag die Freibauern den dritten Stand bildeten (Markov/Anderle/Werner/Wurche, Seite 224f), war es in der dänischen Ständeversammlung ab 1468 das Bürgertum (Bohn, Seite 42).
  8. Walter Markov, Alfred Anderle, Ernst Werner, Herbert Wurche: Kleine Enzyklopädie Weltgeschichte, Band 2, Seite 224f. Bibliographisches Institut, Leipzig 1979
  9. Robert Bohn: Dänische Geschichte, Seiten 15, 36, 39f, 42f, 45f, 48. C.H.Beck, München 2001
  10. a b Willy Andreas (Hrsg.): Die Neue Propyläen-Weltgeschichte, Dritter Band, Seiten 293-301. Propyläen-Verlag, Berlin 1940
  11. Harm G. Schröter: Geschichte Skandinaviens, Seite 36. C.H.Beck, München 2007
  12. a b Ulla Ehrensvärd, Pellervo Kokkonen, Juha Nurminen: Die Ostsee - 2000 Jahre Seefahrt, Handel und Kultur, Seiten 36 und 55. National Geographic, Hamburg 2010
  13. James William Barnes Steveni: Unknown Sweden, Seiten 24, 33f, 31, 107f, 324 und 326. London und Southhampton 1925
  14. Bo Strath: Integration von links - Historische Bedingungen der Volksgeschichte in Schweden. In: Manfred Hettling (Hrsg.): Volksgeschichten im Europa der Zwischenkriegszeit, Seite 195. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003
  15. Harm G. Schröter: Geschichte Skandinaviens, Seite 34. C.H.Beck, München 2007
  16. a b Friedrich Merzbacher: Europa im 15. Jahrhundert - Der Norden. In: Golo Mann (Hrsg.): Propyläen Weltgeschichte, Band 6, Seite 417
  17. a b Sverker Oredsson: Geschichtsschreibung und Kult, Seiten 254-259. Duncker & Humblot, Berlin 1994
  18. a b c Heike Stadtland: Sakralisierte Nation und säkularisierte Religion. In: Sabine Rutar (Hrsg.): Beyond the Balkans, Seite 195f. LIT Verlag, Münster 2014
  19. Harm G. Schröter: Geschichte Skandinaviens, Seiten 101 bis 112. C.H.Beck, München 2007
  20. James William Barnes Steveni: Unknown Sweden, Seite 77f. London und Southhampton 1925
  21. Der Neue Brockhaus, Band 4, Seite 152 (Schweden). Brockhaus, Leipzig 1938
  22. Der Neue Brockhaus, Band 3, Seite 392 (Nordgermanische Völker). Brockhaus, Leipzig 1937
  23. sueddeutsche.de vom 11. Mai 2010: Das geographische Erbe der Nazis
  24. Rudolf Simek: Die Wikinger, Seite 129f. C.H.Beck, München 1998
  25. International Religious Freedom Report über Schweden (2012)
  26. Eva Berié: Der Neue Fischer Weltalmanach 2014, Seite 393. Frankfurt (Main) 2013
  27. Josef Joffe: Gott ist Amerikaner in Zeit online vom 27. Februar 2011
  28. Isabella Ackerl: Die Staaten der Erde - Europa und Asien, Seite 195. Marix Verlag, Wiesbaden 2007
  29. Munzinger-Archiv / Internationales Handbuch - Zeitarchiv 32-33/85, Seite 5 (Schweden Chronik 1983/84). Ravensburg 1985
  30. Time Almanac 2013 (powered by Encyclopaedia Britannica), Seite 438. Chicago 2013
  31. Harenberg aktuell 2008, Seite 679. Meyers Lexikonverlag, Mannheim 2007
  32. Harm G. Schröter: Geschichte Skandinaviens, Seite 117f. C.H.Beck, München 2007
  33. Identitet och framtid – Folktingets undersökning om finlandsvenskarnas identitet / Suomenruotsalainen identiteetti – Folktingetin kyselytutkimus (PDF, 925 KB, schwed., finn.). Seiten 23/53 und 33/63. Zugangsdatum 6. April 2007.
  34. Walter Markov, Alfred Anderle, Ernst Werner, Herbert Wurche: Kleine Enzyklopädie Weltgeschichte, Band 1, Seite 312. Bibliographisches Institut, Leipzig 1979
  35. Michael Braga: Völker zur Freiheit - Vom Kampf europäischer Volksgruppen um Selbstbestimmung, Seite 19f. Arndt-Verlag, Kiel 1982
  36. Estonian Institute: Estonian Swedes
  37. Sveriges Ambassad Madrid: Svensk-spanska förbindelser
  38. Andreas Huber: Altersmigration von der Schweiz nach Spanien am Beispiel Costa Blanca, Seite 108. Seismo-Verlag, Zürich 2002
  39. Instituto Nacional de Estadítistica: Explotación estadística del censo a 01-01-2011
  40. Ayuntamiento de Torrevieja: Torrevieja inicia el año con ciento siete mil habitantes
  41. PLOETZ Große Illustrierte Weltgeschichte, Band 6, Seite 239. Ploetz, Freiburg und Würzburg 1984
  42. Ingvar Andersson: Schwedische Geschichte, Seite 432. R. Oldenbourg Verlag, München 1950
  43. Harm G. Schröter: Geschichte Skandinaviens, Seite 61. C.H.Beck, München 2007
  44. Harm G. Schröter: Geschichte Skandinaviens, Seite 61. C.H.Beck 2007
  45. Dr. Johannes Riedel: Knaurs Welt-Atlas, Seite 132. Berlin 1936
  46. Otto Johnson: Information please! Almanac, Atlas and Yearbook 1995, Seite 832. Houghton Mifflin Company, Boston und New York 1995
  47. Sarah Janssen: The World Almanac and Book of Facts 2012, Seiten 615 und 620. World Almanac Books, New York und Crawfordsville 2012
  48. Sarah Janssen: The World Almanac and Book of Facts 2009, Seiten 596 und 601. World Almanac Books, New York und Crawfordsville 2008
  49. Otto Johnson: Information please! Almanac, Atlas and Yearbook 1995, Seite 834f. Houghton Mifflin Company, Boston und New York 1995
  50. Statistics Canada: Ethnocultural Portrait of Canada