V. S. Naipaul

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V. S. Naipaul TC (* 17. August 1932 als Vidiadhar Surajprasad Naipaul in Chaguanas, Trinidad) erhielt im Jahr 2001 den Nobelpreis für Literatur. Seit 1950 lebt Naipaul in England.

Leben[Bearbeiten]

Naipauls indische Vorfahren kamen als Vertragsarbeiter nach Trinidad, der größten Insel des heutigen Inselstaates Trinidad und Tobago. In den ersten Lebensjahren lebte Naipaul bei der Familie seiner Mutter. Erst im Alter von sechs Jahren lernte er seinen Vater Seepersad Naipaul (1906–1953) kennen, der in Port of Spain als Journalist beim Trinidad Guardian arbeitete. Später gelang es dem Vater, ein Haus in Port of Spain zu erwerben und die Familie so wieder zusammenzubringen. Die Geschichte seiner Kindheit und die seines Vaters verarbeitete Naipaul in dem Roman Ein Haus für Mister Biswas.

1950 ging Naipaul mit einem Stipendium nach England und studierte in Oxford. Nach dem Studium arbeitete er ab Mitte der 50er-Jahre zunächst als freier Mitarbeiter bei der BBC; bereits kurze Zeit später widmete er sich jedoch voll und ganz seiner schriftstellerischen Tätigkeit.

Neben seinen Romanen ist Naipaul bekannt für seine Erfahrungsberichte aus verschiedenen Gegenden und Kulturen der Welt. Seine zahlreichen Reisen führten ihn u.a. nach Indien (mehrfach), Zaire, Uganda, Iran, Pakistan, Malaysia und nach Indonesien. Diese Tätigkeit brachte ihm auch den Ruf eines Reiseschriftstellers ein, obwohl seine Erfahrungsberichte und Analysen weit über die normale Form von Reiseberichten hinausgehen.

Nach seiner Reise in den Iran (noch in den Nachwirren der islamischen Revolution) und in weitere islamische Länder setzte er sich in dem Buch Eine islamische Reise sehr kritisch mit dem Islam und vor allem mit extremistischen Strömungen auseinander. Der palästinensische Autor Edward Said kritisierte, dass Naipaul wie Rudyard Kipling Ost und West klischeehaft gegenüberstelle und alte Vorurteile am Leben halte.[1]

Naipaul erhielt 1971 den Booker Prize für seinen Roman In einem freien Land, 1983 den Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft und 2001 den Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk. Im Dezember 1989 wurde er von der britischen Königin als Knight Bachelor mit dem Titel Sir in den Adelsstand erhoben.

Werke[Bearbeiten]

Prosa[Bearbeiten]

Erzählerische Werke[Bearbeiten]

  • The Mourners (Erzählung, 1950); Die Trauernden, dt. Walter Ahlers (2004)
  • The Enemy (Erzählung, 1955); Der Feind, dt. Walter Ahlers (2004)
  • The Mystic Masseur (Novelle, 1957); Der mystische Masseur, dt. Karin Graf (1984)
  • The Raffle (Erzählung, 1957); Die Tombola, dt. Walter Ahlers (2004)
  • My Aunt Gold Teeth (Erzählung, 1957); dt. Walter Ahlers (2004)
  • The Suffrage of Elvira (1958); Wahlkampf auf karibisch oder Eine Hand wäscht die andere, dt. Werner Petrich (1975)
  • Miguel Street (1959)
  • The Heart (Erzählung, 1960); Das Herz, dt. Walter Ahlers (2004)
  • A House for Mr Biswas (1961); Ein Haus für Mr. Biswas, dt. Karin Graf (1981, beschreibt das Leben auf Trinidad, gestützt auf Erinnerungen seiner Familie)
  • The Baker's Story (Erzählung, 1962); dt. Walter Ahlers (2004)
  • The Night Watchman's Occurrence Book (Erzählung, 1962); Des Nachtwächters Stundenbuch, dt. Walter Ahlers (2004)
  • Mr. Stone and the Knights Companion (1963)
  • The Mimic Men (1967)
  • A Flag on the Island (1967)
  • In a Free State (1971)
  • Guerillas (Roman, 1975); Guerillas, dt. Ursula von Zedlitz zu Hohenlohe (1976) - Revolution auf einer fiktiven karibischen Insel
  • A Bend in the River (Roman, 1979); An der Biegung des großen Flusses, dt. Karin Graf (1979, Naipauls vor allem in Afrika umstrittenstes Buch; beschreibt in Romanform die Erlebnisse eines Inders um 1970 im von der Kolonialherrschaft „befreiten“ Kongo.)
  • Finding the Centre´´ (1984)
  • The Enigma of Arrival (Roman, 1987); Das Rätsel der Ankunft, dt. Karin Graf (1987, Leben in Großbritannien für Immigranten nach dem Zweiten Weltkrieg)
  • A Way in the World (1994)
  • Half a Life (2001); Ein halbes Leben, dt. Sabine Roth und Dirk van Gunsteren (2003 - das „halb gelebte“ Leben des Willi Chandran im London der späten 1950er-Jahre)
  • Magic Seeds (2004); Magische Saat, dt. Sabine Roth (2005 - Fortsetzung von Half a life; Willi Chandran schließt sich einer revolutionären Zelle in Indien an.)

Kritische Schriften[Bearbeiten]

  • Middle Passage: Impressions of Five Societies - British, French and Dutch in the West Indies an South America (1962); Auf der Sklavenroute. Meine Reise nach Westindien, dt. Nikolaus Stingl (1999, Reise durch die Karibik)
  • An Area of Darkness (Reisebericht, 1964); Land der Finsternis: Fremde Heimat Indien, dt. Dirk van Gunsteren (1997)
  • The Loss of El Dorado (1969); Abschied von Eldorado. Eine Kolonialgeschichte, dt. Bettina Münch und Kathrin Razum (2001 - die Geschichte von Naipauls Heimat Trinidad)
  • India: A Wounded Civilization (1977); Indien. Eine verwundete Kultur, dt. Susanne Lepsius (1978)
  • A Congo Diary (1980)
  • The Return of Eva Peron: With the Killings in Trinidad (1980, über Michael X)
  • Among the Believers: An Islamic Journey (Reisebericht, 1981); Eine islamische Reise, dt. Karin Graf (1982, kritische Reise und gnadenlose Abrechnung mit dem, was der Islam aus den einst hinduistisch geprägten Kulturländern Süd- und Südostasiens gemacht hat.)
  • A Turn in the South (Reisebericht, 1989); In den alten Sklavenstaaten, dt. Karin Graf (1990, Reise durch die Südstaaten der USA)
  • India: A Million Mutinies Now (1990); Indien: ein Land im Aufruhr, dt. Karin Graf (1992, versöhnlicher gehalten als die früheren Indienbücher)
  • Beyond Belief: Islamic Excursions Among the Converted Peoples (1998); Jenseits des Glaubens: Eine Reise in den anderen Islam, (1998, erneut kritische Reise durch islamische Staaten)
  • Between Father and Son: Family Letters (1999)
  • Reading & Writing: A Personal Account (2000); Das Lesen und das Schreiben - Der Schriftsteller und Indien, dt. Kathrin Razum (2003)
  • The Writer and the World: Essays (2002); Amerika. Lektionen einer neuen Welt, dt. Monika Noll und Ulrich Enderwitz (2003, enthält Kolumbus und Crusoe, Jaques Soustelle und der Niedergang des Westens, New York mit Norman Mailer, Steinbeck in Monterey, Argentinien und das Gespenst von Eva Perón, Klimatisierte Blase: Die Republikaner in Dalls, Strenge Zucht in Grenada, Eine Hand voll Staub: Cheddi jagan und die Revolution in Guayana, Nachschrift: Unsere universale Zivilisation)
  • Literary Occasions: Essays (2003)
  • A Writer's People: Ways of Looking and Feeling (2007)
  • The Masque of Africa: Glimpses of African Belief (Reisebericht, 2010); Afrikanisches Maskenspiel. Einblicke in die Religionen Afrikas, dt. Anette Grube (2011)

Literatur[Bearbeiten]

 Patrick French: The World Is What It Is: The Authorized Biography of V. S. Naipaul. Random House, 2008.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.ursulahomann.de/VSNaipaul/komplett.html

Weblinks[Bearbeiten]