Seamus Heaney

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Seamus Justin Heaney (* 13. April 1939 nahe Castledawson, County Londonderry, Nordirland) ist ein irischer Schriftsteller und seit 1995 Träger des Nobelpreises für Literatur.

Marie und Seamus Heaney (1996)

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Seamus Heaney stammt als erstes Kind von neun Kindern aus einer katholischen Bauernfamilie, der Vater handelte mit Vieh.[1] Nach der überkonfessionellen Elementarschule von Anahorish besuchte Heaney von 1951 bis 1957 die katholische Internatsschule St. Columb’s College in Londonderry.[2] Mit einem Stipendium konnte Heaney von 1957 bis 1961 das Fach Anglistik an der Queen’s University in Belfast studieren.[3] Nach dem Examen arbeitete Heaney als Lehrer an der St. Thomas Secondary School sowie am St. Joseph College in Belfast und seit 1966 als Dozent an der Queen’s University. Im Studienjahr 1970/71 übernahm er eine Gastdozentur an der University of California, Berkeley. Nach der von ihm ausgesprochenen Kündigung der Belfaster Universitätsstelle zog Heaney im Jahr 1972 mit seiner Familie in die Grafschaft Wicklow (Republik Irland) ins Glanmore Cottage, wo er meistens seine Gedichte schreibt. [2] Seit 1976 bewohnt Heaney auch ein Haus in einem Vorort der irischen Hauptstadt Dublin. Seamus Heaney ist mit der Lehrerin Marie Devlin verheiratet; das Ehepaar hat zwei Söhne.[3]

Heaneys erste Gedichte erschienen in Londoner und Belfaster Zeitschriften nach 1961. Seine frühen Bände, Death of a Naturalist (1966) und Door into the Dark (1969) begründeten seinen Ruf als zeitgenössischer Dichter. In seinen Werken befasst er sich oft mit seinem Heimatland, mit dessen Geschichte, zum Teil auch mit irischen Sagen und Mythen.

Die Gedichtbände Wintering Out (1972) und North (1975) spiegeln einerseits den Nordirlandkonflikt, ohne dass man Heaney aber als einen politischen Dichter im engeren Sinne bezeichnen könnte; andererseits weisen sie sowohl irische als auch englische Dichtungstraditionen auf, die Heaney in der kulturellen Identität als Brite und als Mitglied der katholischen Minderheit in Nordirland erscheinen lassen. Literarisch bedeutsamer ist Heaney vielleicht noch mit jenen Gedichten, in denen er Naturerfahrungen beschreibt und als Metaphern für das menschliche Sein ausdeutet, so etwa in dem Initiationsgedicht Death of a Naturalist. Seamus Heaney verfasste 1999 eine neuenglische Übersetzung des Beowulf in Stabreimen.

Heaney engagierte sich als Unterstützer der Bürgerinitiative Ireland for Europe für die Zustimmung Irlands zum Vertrag von Lissabon.[4]

[Bearbeiten] Auszeichnungen

Im Jahre 2006 wurde er mit dem T. S. Eliot Prize geehrt. Im Januar 2008 wurde Heaney mit der Cunningham Medal die höchste Auszeichnung der Royal Irish Academy verliehen. Im selben Jahr erhielt er den David-Cohen-Preis für sein Gesamtwerk[5][6] und 2011 den Irish Book 'Lifetime Achievement Award'.

[Bearbeiten] Werke

[Bearbeiten] Englische Ausgaben

  • Blackberry Picking
  • Mid Term Break
  • Eleven Poems (Belfast: Festival Publications, Queen's University, 1965)
  • Digging (Faber & Faber, 1966)
  • Death of a Naturalist (Faber & Faber, 1966)
  • A Lough Neagh Sequence (Manchester: Phoenix Pamphlets Poets Press, 1969)
  • Door into the Dark (Faber & Faber, 1969)
  • Boy Driving His Father to Confession (Surrey: Sceptre Press, 1970)
  • Night Drive (Devon: Richard Gilbertson, 1970)
  • Servant Boy (Detroit: Red Hanrahan Press, 1971)
  • Wintering Out (Faber & Faber, 1972)
  • The Fire i' the Flint: Reflections on the Poetry of Gerard Manley Hopkins (Oxford University Press, 1975)
  • North (Faber & Faber, 1975)
  • Field Work (Faber & Faber, 1979)
  • Selected Poems 1965–1975 (Faber & Faber, 1980)
  • An Open Letter (Field Day, 1983)
  • Station Island (Faber & Faber, 1984)
  • The Haw Lantern (Faber & Faber, 1987)
  • New Selected Poems 1966–1987 (Faber & Faber, 1990)
  • Seeing Things (Faber & Faber, 1991)
  • Sweeney's Flight (mit Rachel Giese, Fotografin) (Faber & Faber, 1992)
  • The Spirit Level (Faber & Faber, 1996)
  • Opened Ground: Poems 1966–1996 (Faber & Faber, 1998)
  • Electric Light (Faber & Faber, 2001)
  • District and Circle (Faber & Faber, 2006)

[Bearbeiten] Deutsche Ausgaben

  • Norden. North. Gedichte. Englisch u. deutsch. Aus dem Englischen übertragen von Richard Pietraß. Nachwort von Wolfgang Wicht. Reclam, Leipzig 1987, ISBN 3-379-00150-3
  • Die Hagebuttenlaterne. The Haw Lantern. Gedichte. Englisch u. deutsch. Aus dem Englischen übertragen von Giovanni Bandini und Ditte König. Hanser, München 1990, ISBN 3-446-15333-0
  • Ausgewählte Gedichte. Aus dem Englischen übertragen von Giovanni Bandini, Ditte König und Richard Pietraß. Hanser, München/ Wien 1995, ISBN 3-446-18284-5
  • Verteidigung der Poesie. Oxforder Vorlesungen. Aus dem Englischen übersetzt von Giovanni Bandini und Ditte König. Hanser, München/Wien 1996, ISBN 3-446-18750-4
  • Die Wasserwaage. Gedichte. Englisch u. deutsch. Aus dem Englischen übertragen von Giovanni Bandini und Ditte König. Hanser, München 1998, ISBN 3-446-19297-2
  • Elektrisches Licht. Gedichte. Englisch u. deutsch. Aus dem Englischen übertragen von Giovanni Bandini und Ditte König. Hanser, München 2002, ISBN 3-446-20141-6

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Seamus Heaney – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. http://www.welt.de/die-welt/article3539909/Hoelzerner-Bauernluemmel.html
  2. a b Wolfgang Wicht: Nachwort. In: Norden. North. Gedichte. Reclam, Leipzig 1987, S. 109.
  3. a b Thomas David: Retten Gedichte unsere Seele, Mr Heaney? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Dezember 2011, Nr. 300, S. Z 6.
  4. Barbara Klimke: „Diese diffuse Europa-Furcht“, in: Berliner Zeitung, 30. September 2009. (Online-Fassung)
  5. RIA: Dr Seamus Heaney Awarded RIA Cunningham Medal
  6. The Guardian: Seamus Heaney wins £40,000 David Cohen prize for literature
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