Wole Soyinka

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Wole Soyinka (2008)

Akinwande Oluwole Soyinka (* 13. Juli 1934 in Abeokuta, Nigeria) ist ein nigerianischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger (1986). In der Begründung für die Zuerkennung des Preises, der damit erstmals an einen Vertreter der afrikanischen Literatur ging, hieß es, er gestalte „in breiter kultureller Perspektive und mit poetischen Obertönen das Drama des menschlichen Seins“. Seit 1994 ist Soyinka Goodwill-Botschafter der UNESCO.

Leben[Bearbeiten]

Soyinka wurde 1934 im nigerianischen Abeokuta in eine arme Yoruba-Familie geboren. Sein Vater war Rektor einer Volksschule. Beide Elternteile waren überzeugte Christen. Nach weiterführender Schulausbildung im Regierungscollege Ibadan studierte er von 1952 bis 1954 an der dortigen Universität sowie von 1954 bis 1957 an der University of Leeds (Großbritannien). Dort erhielt er einen Honours Degree in englischer Literatur. Soyinka arbeitete als Dramaturg und Schauspieler am Royal Court Theatre in London, bevor er nach Nigeria zurückkehrte, um afrikanisches Drama zu studieren. Er lehrte an den Universitäten von Lagos, Ibadan und Ife, wo er im Jahr 1975 Professor in Vergleichender Literaturwissenschaft wurde.

Soyinka hat eine aktive Rolle in Nigerias politischer Geschichte gespielt. Im Jahr 1967 wurde er während des nigerianischen Bürgerkriegs (siehe Biafra-Krieg) für seine Versuche zur Erzielung eines Friedens zwischen den sich bekriegenden Parteien von der Bundesregierung festgenommen und zu Einzelhaft verurteilt. Während des Aufenthaltes im Gefängnis schrieb er Dichtungen, die er unter dem Namen Poems from Prison veröffentlichte. Er wurde 22 Monate später freigelassen, nachdem die internationale Aufmerksamkeit auf seine Gefangenschaft gelenkt wurde. Seine Erfahrungen im Gefängnis verarbeitete er in seinem Buch Der Mann ist tot: Gefängnisvermerke.

Soyinka ist ein unverblümter Kritiker vieler nigerianischer Regierungen und diverser Diktaturen weltweit, zum Beispiel des Mugabe-Regimes in Simbabwe. In zahlreichen Schriften bezieht er sich auf den „drückenden Stiefel und die Irrelevanz der Farbe des Fußes, der ihn trägt“. Durch diesen Aktivismus hat er sich oft großem persönlichen Risiko ausgesetzt, etwa während der Herrschaftszeit des nigerianischen Diktators General Sani Abacha (1993 bis 1998). Während Abachas Diktatur ging Soyinka freiwillig ins Exil. Er lebte hauptsächlich in den USA, wo er Gastprofessuren an mehreren Universitäten innehatte. 1998 kehrte er nach Nigeria zurück, blieb aber weiterhin auch in den USA tätig. 2004 wurde er Inhaber eines Lehrstuhls für Vergleichende Literaturwissenschaften an der Emory University in Atlanta. Soyinka ist derzeit Inhaber der Elias Ghanem Professur für Kreatives Schreiben an der englischen Abteilung der Universität von Nevada, Las Vegas.

Im Jahr 2005 wurde er eine der Speerspitzen der PRONACO, eines Verbundes nigerianischer Organisationen, der sich die Ausarbeitung einer neuen Verfassung für Nigeria zum Ziel gesetzt hat.

Wirkung[Bearbeiten]

Auf Wole Soyinkas Hörspiel A Scourge of Hyacinths basiert die Oper Scourge of Hyacinths der kubanischen Komponistin Tania León, die sie 1994 in Teilen schrieb und 1999 fertigstellte.

Werke[Bearbeiten]

  • The Lion an the Jewel (Theaterstück, 1959), deutsch: Der Löwe und die Perle, Verlag Volk und Welt, Berlin 1973
  • A dance of the forests (Theaterstück, 1963)
  • The interpreters (Roman, 1965), deutsch: Die Ausleger, Freiburg 1983, Neuauflage: Ammann Verlag, Zürich 2002, ISBN 3-250-30006-3
  • Idanre, and other poems (Gedichte, 1967)
  • Madmen and specialists (Tragödie, 1971)
  • A shuttle in the crypt (Gedichte, 1972)
  • Season of anomy (Roman, 1973), deutsch: Zeit der Gesetzlosigkeit, Verlag Volk und Welt, Berlin 1977, Neuauflage Ullstein Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-548-20811-8
  • Death and the King's horseman (Drama, 1976)
  • Opera Wonyosi (1977)
  • Die Plage der tollwütigen Hunde/Zeit der Gesetzlosigkeit (Roman 1979)
  • Aké, the years of childhood (Autobiografie, 1981), deutsch: Aké, Jahre der Kindheit, Ammann Verlag, Zürich 1986, Neuauflage 2003, ISBN 3-250-30012-8
  • The man died. Deutsch: Der Mann ist tot. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis (Autobiographie 1968–1969). Ammann Verlag, Zürich 1987, ISBN 3-250-10085-4
  • Stücke. Henschelverlag, Berlin 1987, ISBN 3-362-00162-9
  • Diese Vergangenheit muss sich ihrer Gegenwart stellen. Eine Rede gehalten am 8. Dezember 1988 in Stockholm. Ammann Verlag, Zürich 1988, ISBN 3-250-01030-8
  • Die Straße (Hörspiel 1988)
  • Isarà. Eine Reise rund um den Vater (Autobiographie). Ammann Verlag, Zürich 1994, ISBN 3-250-10217-2
  • Ibadan. Streunerjahre 1946–1965 - Erinnerungen. Ammann Verlag, Zürich 1998, ISBN 3-250-10315-2
  • You must set forth at dawn (Erinnerungen, 2000). Deutsch: Brich auf in früher Dämmerung. Erinnerungen 1960–1999. Ammann Verlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-250-60121-0
  • The burden of memory. Deutsch: Die Last des Erinnerns. Was Europa Afrika schuldet und was Afrika sich selbst schuldet, Essay, Patmos Verlag, Düsseldorf 2001, ISBN 3-491-72444-9
  • Samarkand und andere Märkte. Gedichte. Englisch und Deutsch. Ammann Verlag, Zürich 2004, ISBN 3-250-30016-0
  • A Climate of Fear. Deutsch: Klima der Angst. Politische Essays. Ammann Verlag, Zürich 2005, ISBN 3-250-30017-9
  • Ogun Abibiman. Gedichtzyklus, Zeichnungen Thomas Rug. Englisch und Deutsch. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2006, ISBN 978-3-929566-71-0
  • Das erste Exil. The First Exile. Essay, Englisch und Deutsch. Offsetlithographien Jürgen Brodwolf. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2009, ISBN 978-3-929566-84-0
  • Abiku. Frühe Gedichte. Photographien von Barbara Klemm und Robert Lebeck. Auflage 535 signierte Exemplare. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2012, ISBN 978-3-929566-89-5

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernth Lindfors: Early Soyinka , Trenton, N.J. [u.a.] : Africa World, 2008, ISBN 1-59221-652-8
  • Gerd Meuer: Journeys around and with Kongi - half a century on the road with Wole Soyinka : a pan-afropean or pan-eurafrican book, Neumarkt : Reche, 2008, ISBN 978-3-929566-73-4

Weblinks[Bearbeiten]

Interviews[Bearbeiten]

Andere[Bearbeiten]