Jon Fosse

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Jon Fosse (2007)

Jon Fosse (* 29. September 1959 in Haugesund, Norwegen) ist ein norwegischer Autor. Er wuchs in Strandebarm in der Kommune Kvam in Hardanger auf und lebt heute mit seiner Familie in einer Ortschaft an der österreichisch-slowakischen Grenze.[1]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Zunächst veröffentlichte Jon Fosse vor allem Lyrikbände und Romane, in den letzten Jahren hat er sich überwiegend dem Schauspiel gewidmet. Seine Theaterstücke werden inzwischen in der ganzen Welt aufgeführt, es liegen Übersetzungen in über 40 Sprachen vor.[2] 2007 wurde ihm das Ritterkreuz des französischen Ordre national du Mérite verliehen.[3] Der Daily Telegraph führte Fosse ebenfalls 2007 an 83. Stelle im Ranking der Top 100 living geniuses.[4]

Im Jahr 2000 wurden z. B. drei seiner Stücke an einigen der wichtigsten deutschsprachigen Bühnen in deutscher Übersetzung inszeniert: Bei den Salzburger Festspielen, an der Schaubühne am Lehniner Platz und dem Deutschen Theater Berlin, am Hamburger Thalia Theater und am Schauspielhaus Zürich. Es handelt sich um die Stücke Der Name, Die Nacht singt ihre Lieder und Das Kind. Die Münchner Kammerspiele brachten z. B. 2002 Traum im Herbst heraus.

Die Schriftstellergeneration, der Jon Fosse angehört, führte in den 80er Jahren den Postmodernismus in Norwegen ein. Diese Stilrichtung sieht sich in einem bewussten Gegensatz zu der sozialkritischen Strömung der 70er Jahre. Bei Fosse zeigt sich das nicht in einem Hang zur Intertextualität, sondern eher in einem Hang zum Religiösen. Auch scheint in seinen Texten seine Heimatregion Westnorwegen häufig auf. Seine hauptsächlich auf Nynorsk verfassten Werke erscheinen oft düster, in der Lyrik lehnt er sich teilweise an Georg Trakl an.

In seinen Romanen bevorzugt er deutlich die personale Erzählweise, bei der kein allwissender Erzähler vorhanden ist und die Geschehnisse nur durch die Augen des Ich-Erzählers gefiltert werden. Sehr klar wird dies z. B. in der Erzählung Morgen und Abend (Morgon og kveld, 2001, dt. 2003). Hier berichtet ein sterbender Fischer einer ihn betreuenden alten Frau seine Lebensgeschichte und vor allem die Geschichte der Liebe zwischen ihm und seiner vor ihm verstorbenen Frau. Trotz des düsteren Themas, gelingt es Fosse etwas Lichtes durchschimmern zu lassen, das von aufdringlicher Bekehrungsreligiosität weit entfernt ist. In seinem Roman Melancholie (dt. 2001, norw. Melancholia I, 1995, Melancholia II, 1996) beschreibt Fosse das Leben des geistig verwirrten Malers Lars Hertervig.

Seine Dramen stellen ebenso wie die Romane Begegnungen zwischen Menschen in den Mittelpunkt, die die jeweiligen Protagonisten zu einem neuen Verständnis füreinander bringen können.

Fosse wurde nach seinem Austritt aus der lutherischen Staatskirche zuerst Quäker und konvertierte 2013 zum Katholizismus.[5]

Werke[Bearbeiten]

Dramen[Bearbeiten]

  • Und trennen werden wir uns nie (Og aldri skal vi skiljast, 1994)
  • Der Name (Namnet, 1995) - Nationaler Ibsen-Preis (1996), Nestroy-Preis (2000)
  • Da kommt noch wer (Nokon kjem til å komme, 1996)
  • Das Kind (Barnet, 1996)
  • Mutter und Kind (Mor og barn, 1997)
  • Der Sohn (Sonen, 1997)
  • Die Nacht singt ihre Lieder (Natta syng sine songar, 1997)
  • Sommertag (Ein sommars dag, 1999)
  • Der Gitarrenmann (Gitarmannen, 1999)
  • Traum im Herbst (Draum om hausten, 1999)
  • Besuch (Besøk, 2000)
  • Winter (Vinter, 2000)
  • Schönes (Vakkert, 2001)
  • Todesvariationen (Dødsvariasjonar, 2001)
  • Lila/Purple (Lilla, 2003)
  • Schlaf (Svevn, 2005)
  • Rambuku (2006)
  • Schatten ("Skuggar, 2006)
  • Ich bin der Wind (Eg er vinden, 2007)
  • Tod in Theben, UA: 2010 im Rahmen der Salzburger Festspiele . Es handelt sich um eine Zusammenfassung dreier Sophokles-Dramen. Regie: Angela Richter. Spielstätte: Republic

Romane[Bearbeiten]

  • Rot, schwarz (Raudt, svart, 1983)
  • Melancholie (Melancholia I & II, 1995/96) - Melsom-Preis
  • Morgen und Abend (Morgon og kveld, 2000)
  • Das ist Alise (Det er Ales, 2003)

Erzählung[Bearbeiten]

  • Schlaflos (Andvake 2008)

Libretto[Bearbeiten]

  • Melancholia nach seinem Roman Melancholie, vertont von Georg Friedrich Haas, (Urauff. im Palais Garnier, Paris, am 9. Juni 2008)

Kinderbuch[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einer von vielen in Neue Zürcher Zeitung, 21. November 2013, S. 53
  2. Jon Fosse's "And we shall never part" (Englisch) Abgerufen am 16. April 2011.
  3. Alfred Fidjestøl: Åtvarer mot kjendiseriet (Norwegisch). In: Klassekampen, 24. Oktober 2007. Abgerufen am 6. Februar 2009. 
  4. Top 100 living geniuses (Englisch) Abgerufen am 16. April 2011.
  5. Neue Zürcher Zeitung, 21. November 2013, S. 53

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jon Fosse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien