Wöllstein

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Dieser Artikel behandelt die Ortsgemeinde in Rheinland-Pfalz. Zum deutschen Komponisten siehe Gerhard Wöllstein.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Wöllstein
Wöllstein
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Wöllstein hervorgehoben
49.8144444444447.9608333333333150Koordinaten: 49° 49′ N, 7° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Alzey-Worms
Verbandsgemeinde: Wöllstein
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 12 km²
Einwohner: 4545 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 379 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55597
Vorwahl: 06703
Kfz-Kennzeichen: AZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 31 072
Adresse der Verbandsverwaltung: Bahnhofstraße 10
55597 Wöllstein
Webpräsenz: www.gemeinde-woellstein.de
Ortsbürgermeisterin: Lucia Müller (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Wöllstein im Landkreis Alzey-Worms
Gimbsheim Hamm am Rhein Eich (Rheinhessen) Alsheim Mettenheim Osthofen Bechtheim Dittelsheim-Heßloch Frettenheim Westhofen Monzernheim Gundheim Bermersheim Gundersheim Hangen-Weisheim Hochborn Offstein Hohen-Sülzen Monsheim Wachenheim (Pfrimm) Mölsheim Flörsheim-Dalsheim Mörstadt Wendelsheim Stein-Bockenheim Wonsheim Wonsheim Siefersheim Wöllstein Gau-Bickelheim Gumbsheim Eckelsheim Gau-Weinheim Vendersheim Wallertheim Partenheim Saulheim Udenheim Schornsheim Gabsheim Wörrstadt Sulzheim (Rheinhessen) Spiesheim Ensheim Armsheim Flonheim Erbes-Büdesheim Nack Nieder-Wiesen Bechenheim Offenheim Bornheim (Rheinhessen) Lonsheim Bermersheim vor der Höhe Albig Biebelnheim Bechtolsheim Gau-Odernheim Framersheim Gau-Heppenheim Alzey Ober-Flörsheim Flomborn Eppelsheim Dintesheim Esselborn Mauchenheim Freimersheim (Rheinhessen) Wahlheim Kettenheim Hessen Mainz Landkreis Mainz-Bingen Worms Rhein-Pfalz-Kreis Landkreis Bad Dürkheim Landkreis Bad Kreuznach DonnersbergkreisKarte
Über dieses Bild
Blick von Siefersheim nach Wöllstein
Europäische Postkurse 1563 nach da l’Herba mit ausdrücklicher Nennung Wöllsteins

Wöllstein in Rheinhessen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Wöllstein, der sie auch angehört. Wöllstein ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Wöllstein liegt im Westteil von Rheinhessen im Rheinhessischen Hügelland zwischen den Städten Bad Kreuznach im Nordwesten und Alzey im Südosten sowie zwischen den Dörfern Frei-Laubersheim im Südwesten und Gau-Bickelheim im Nordosten, wobei die beiden zuletzt genannten Orte über die durch Wöllstein führende Bundesstraße 420 miteinander verbunden sind. Durchflossen wird die in der Rheinhessischen Schweiz gelegene Ortschaft vom Nahe-Zufluss Appelbach.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon in frühgeschichtlicher und römischer Zeit war Wöllstein besiedelt, wie viele archäologische Funde belegen.

Wöllstein wird zum ersten Mal erwähnt in der Abschrift einer Tauschurkunde vom 18. Juli 855 im Lorscher Codex unter dem Namen Welthistein.

Die Gemeinde Wöllstein war danach für viele Jahrhunderte im Besitz des Klosters St. Maximin in Trier. Ab dem 14. Jahrhundert gehörte Wöllstein zum Herrschaftsbereich der Wildgrafen und der Raugrafen. Nach dem Wöllsteiner Weistum von 1486 hatte in der Gemeinde ein Gericht mit hoher Gerichtsbarkeit seinen Sitz. Später kam Wöllstein an die Grafen von Sponheim und an die Kurpfalz. Ende des 17. Jahrhunderts erlangte auch Kurmainz einen Anteil an Wöllstein.

Als Ergebnis des Ersten Koalitionskrieges wurde Wöllstein französisch. Nach dem Wiener Kongress kam Wöllstein an das Großherzogtum Hessen. Seit 1852 zählte die Gemeinde zum Kreisamt Alzey. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Wöllstein 1946 zum damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz, seit 1972 gehört sie der Verbandsgemeinde Wöllstein an.[3]

Poststation am Niederländischen Postkurs[Bearbeiten]

In Wöllstein bestand seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Poststation am Niederländischen Postkurs von Brüssel über Rheinhausen und Augsburg nach Innsbruck, Trient und Italien. Erstmals wurde die Poststation Wöllstein im 1563 erschienenen Postreisebuch des Giovanni da l’Herba als „Bilstain ò Vilstain, villa“ (= Dorf) erwähnt.[4] Seit 1578 führte ein Abzweiger des Niederländischen Postkurses von Wöllstein nach Köln. Während der Zahlungsunfähigkeit der Post im späten 16. Jahrhundert und des daraus resultierenden Streiks der Posthalter spielten sowohl der Posthalter Valentin Dill (Till) als auch seine Witwe, die „Postfrau zu Welstein Margarethen“ als Streikführer eine entscheidende Rolle, indem sie die Postfelleisen ab Wöllstein nicht weiterbeförderten.[5] Nach der Konsolidierung und der Gründung der Kaiserlichen Reichspost im Jahre 1597 blieb die Poststation Wöllstein bestehen, verlor aber ab dem späten 17. Jahrhundert wegen Routenverlagerungen und der Einbeziehung der Städte zunehmend an Bedeutung.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Wöllstein besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzende.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[6]

Wahl SPD CDU FDP Grüne Gesamt
2009 9 8 2 1 20 Sitze
2004 10 8 1 1 20 Sitze
1999 9 9 1 1 20 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Bedeutung: Das Wappen der Ortsgemeinde Wöllstein zeigt das Mainzer Rad und den Kurpfälzer Löwen und bezieht sich damit auf die Zugehörigkeit der Gemeinde zu diesen Territorien bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.[7]

Schultheißen und Bürgermeister[Bearbeiten]

Falkensteiner Bezirk:

  • 1625–16?? N. Seibel
  • 16??–1662 N. Gutenberger
  • 1663–1682 Peter Dreber
  • 1682–1690 Nicel Heuß

Kurmainzer Bezirk:

  • 1689–1709 Andreas Gutenberger
  • 1709–1722 Johannes Ritter
  • 1722–1760 Johann Jacob Schmitt
  • 1760–1762 Carl Anton Wagner
  • 1762–1795 Johann Georg Wagner

Nassauischer Bezirk:

  • 1650–1665 N. Maurer
  • 1666–1691 Caspar Adam
  • 1692–1729 Christian Kern
  • 1729–1768 Balthar Wörth
  • 1768–1772 Johannes Germani
  • 1772–1797 Gerhard Wolf

Gesamt-Wöllstein:

  • 1797–1800 Nicel Klein
  • 1800–1811 Johann Steinmetz
  • 1811–1813 Franz Seiß
  • 1813–1814 Johann Steinmetz
  • 1814–1849 Jacob Jungk
  • 1849–1852 Georg Glod
  • 1853–1854 Philipp Jungk
  • 1854–1860 Philipp Moller I.
  • 1860–1877 Philipp Jungk
  • 1877–1885 Johann Mattes
  • 1886–1904 Johann Hofmann IV.
  • 1904–1931 Julius Moller
  • 1931–1945 Julius Neubrech (NSDAP)
  • 1945–1969 Jacob Werle (CDU)
  • 1969–1979 Johann Rathgeber (SPD)
  • 1979–1989 Heinrich Frohnhöfer (CDU)
  • 1989–1994 Hans Jürgen Piegacki (SPD)
  • 1994–1999 Heinrich Frohnhöfer (CDU)
  • 1999–2009 Hans Jürgen Piegacki (SPD)
  • seit 2009 Lucia Müller (CDU)

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Wöllstein pflegt Gemeindepartnerschaften mit Barsac in Frankreich und Great-Barford in Großbritannien.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Blick vom Haus „Zum Römer“ (1598) auf den Ort
Historisches Haus

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Wöllsteiner Ortsgemeinde führt zwischen Frei-Laubersheim und Gau-Bickelheim die Bundesstraße 420; an ihr liegen östlich die JVA Rohrbach und ein Industrie- und Gewerbegebiet. Beim nahen Gau-Bickelheim zweigt die Bundesstraße 50 ab, die dort Anschluss an die Bundesautobahn 61 (Anschlussstelle Gau-Bickelheim) hat.

ÖPNV[Bearbeiten]

Des Weiteren besteht Anschluss an die Busverbindungen der ORN und der Verkehrsgesellschaft Bad Kreuznach. Mehrmals täglich verkehren Linienbusse von Wöllstein über Siefersheim-Wonsheim-Wendelsheim nach Alzey, in der Gegenrichtung vereinzelt Busse nach Wörrstadt. Die Verbindung nach Bad Kreuznach ist im Vergleich zur Verbindung nach Alzey um einiges besser. Hier verkehren werktags stündlich Busse über Volxheim und Hackenheim nach Bad Kreuznach.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Wöllstein sind die JUWÖ Poroton Werke, Meralux (Türen und Fenster), der Großküchenversorger Jomo und ein Lidl Zentrallager ansässig.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Seit 2002 befindet sich in Wöllstein die Justizvollzugsanstalt Rohrbach. Außerdem existiert eine Realschule plus sowie eine Grundschule. Zudem verfügt die Gemeinde über zwei Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mit russischen Vornamen: Langsdorff und seine Expeditionsroute in Brasilien

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Antweiler: Chronik der Pfarrei St. Remigius Wöllstein. Wöllstein 1991, DNB 957805985.
  • Hans Becher: Georg Heinrich Freiherr von Langsdorff in Brasilien. Forschungen eines deutschen Gelehrten im 19. Jahrhundert. REimer, Berlin 1987, ISBN 3-496-00849-0.
  • Thomas Losleben: Das Gräberfeld am Ölberg bei Wöllstein. In: Christopher F.E. Pare (Hrsg.): Bevor die Römer kamen. Kelten im Alzeyer Land. Alzey 2003, ISBN 3-87854-182-1, S. 101–106.
  • Lutz Ruppersberger: Die Post in Wöllstein. In: Heimat-Jahrbuch für den Landkreis Alzey-Worms. 27 (1992), S. 128–136.
  • Ernst Konrad Jungk: Erde, Wasser, Luft und Feuer. Autobiographie und Firmenchronik der Zieglerfamilie Jungk. Wöllstein 1995, ISBN 3-929773-01-5.
  • Ernst Konrad Jungk: Hurra, es gibt uns noch. Autobiografisches und was den Mittelstand bewegt. Wöllstein, 2013 ISBN 978-3-8482-6643-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wöllstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Darstellung der Ortsgeschichte auf der Internetpräsenz der Ortsgemeinde Wöllstein, aufgerufen am 10. Dezember 2012
  4. Ernst-Otto Simon: Der Postkurs von Rheinhausen bis Brüssel im Laufe der Jahrhunderte. In: Archiv für deutsche Postgeschichte. 1/1990, Tafel S. 17.
  5. Martin Dallmeier: Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens 1501−1806. Teil II: Urkunden-Regesten. Verlag Michael Lassleben, Kallmünz 1977, Regest 56, S. 17 sowie Regest 71, S. 34.
  6. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  7. Wappenbeschreibung auf der Internetpräsenz der Ortsgemeinde Wöllstein, aufgerufen am 10. Dezember 2012
  8. Alain Ruiz: Interférences franco-allemandes et révolution française, Presses universitaires de Bordeaux, Universität Michel de Montaigne Bordeaux III, 1994, ISBN 2-86781-152-X.