Wörgl Hauptbahnhof

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Wörgl Hauptbahnhof
Wörgl Hauptbahnhof
Wörgl Hauptbahnhof
Daten
Betriebsart Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise 10
Reisende ca. 10.000 / Tag
Abkürzung W
Eröffnung 24. November 1858
Webadresse ÖBB Reisezentrum Wörgl
Lage
Stadt Wörgl
Bundesland Tirol
Staat Österreich
Koordinaten 47° 29′ 30,8″ N, 12° 3′ 43,2″ O47.49188612.062011Koordinaten: 47° 29′ 30,8″ N, 12° 3′ 43,2″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Österreich

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Der Hauptbahnhof Wörgl ist ein Eisenbahnknoten in der Tiroler Stadt Wörgl an der österreichischen Westbahn (WienLinzSalzburgKufsteinInnsbruck) beziehungsweise der Unterinntalbahn und der Giselabahn (SalzburgHalleinZell am See – Wörgl). Die Bezeichnung Hauptbahnhof führt er seit 10. Dezember 2006.

Lage[Bearbeiten]

Wörgl liegt an der Abzweigung zweier bedeutender Eisenbahnmagistralen.

der früheren Nordtiroler Bahn, die 1858 eröffnet und die von Alois Negrelli, dem Erbauer des Suezkanals, geplant und anschließend vom Erbauer der Semmeringbahn, Carl Ritter von Ghega, gebaut wurde.

Bedeutung[Bearbeiten]

Die Stadt Wörgl, auf 511 m Meereshöhe rechtsseitig am Inn und rund 60 km östlich von Innsbruck gelegen, hat die zweitgrößten Bahnanlagen Westösterreichs nach der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck. Der Hauptbahnhof Wörgl liegt mit einer Anzahl von gegenwärtig (2013) mehr als 10.000 Reisenden bei etwa 80% der Einwohnerzahl. Er ist bei ca. 150 haltenden Reisezügen täglich nach Innsbruck Hbf der Bahnhof mit der zweithöchsten Frequenz an Fahrgästen in Tirol. Mit bis zu 430 täglichen Zugfahrten übertrifft er überdies Innsbruck Hbf.

ÖBB-Triebwagen ET 4024 als Zug der Linie S 6 am Bahnsteig 1 B in Wörgl Hbf

In Wörgl Hbf halten nahezu alle Reisezüge, auch viele RailJet-Verbindungen (RailJets sind besonders schnelle Premiumzüge der ÖBB mit nur sehr wenigen Verkehrshalten) nach und von Wien;
ebenfalls die Züge der Tiroler S-Bahn, nämlich der Linie  S1  (Kufstein - Wörgl Hbf - Innsbruck Hbf - Telfs-Pfaffenhofen), der Linie  S2  ([Wörgl Hbf -] Fritzens-Wattens - Innsbruck Hbf - Ötztal) und der Linie  S6  (Wörgl Hbf - Wörgl Süd - Kitzbühel - Saalfelden). Das bisher lediglich geplante Teilstück der Trasse der Neuen Unterinntalbahn östlich der Verknüpfung Radfeld (Radfeld - Umfahrung Wörgl - Verknüpfung Langkampfen - Umfahrung Kufstein - Brannenburg; siehe dazu unten) wird im Bereich der "Umfahrung Wörgl" den Wörgler Hauptbahnhof umgehen, was eine spürbare Entlastung der Stadt vor allem von Güterzugfahrten bringen wird (vssl ab 2025).

Vier Verschubreserven besorgen die Zugbildung zahlreicher Güter- und Reisezüge sowie den Fahrverschub. Als Verschublokomotiven werden die ÖBB-Reihen 1063 und 2068 eingesetzt; der Verschub in den Bahnhöfen Brixlegg, Wörgl Kundl, Kirchbichl, Schaftenau, Kufstein, Hopfgarten, Westendorf und Kirchberg in Tirol sowie den beiden (bzw bald drei) Güterterminals in Wörgl wird von Wörgl Hbf aus bedient. Es bestehen Standorte der ÖBB-Traktion und der ÖBB-Technischen Services mit (zusätzlichem) eigenem Remisenverschub (ÖBB-Reihe 2067); der Werkstätte obliegt hauptsächlich die Erhaltung der RoLa-Niederflurwagen („Kompetenzzentrum“). Ebenso gibt es mehrere Dienststellen des Bau-, Bahnerhaltungs-, Sicherungs-, Fernmelde-, Elektro- und anderer Dienste.

Ein Güterterminal mit Logistikzentrum und Verladestelle für die Rollende Landstraße, ein Unterwerk und ausgedehnte Anschlussgleisanlagen sowie eine Verladestelle für Auto im Reisezug vervollständigen den Bahnhof. Wörgl ist Sitz eines ÖBB-Betriebsmanagers Netz sowie eines Verschubmanagers und eines ÖBB-Immobilien- und Bahnhofsmanagers, beide mit dem Zuständigkeitsbereich von Saalfelden beziehungsweise Kufstein bis Fritzens-Wattens sowie mehrerer anderer überregionaler Kommandostellen.

Betrieb und Technik[Bearbeiten]

Der Wörgler Hauptbahnhof allein (ohne Nebenbahnhöfe und Zugförderungsbereich) hat gegenwärtig 26 Haupt- und jede Menge Nebengleise, 167 Weichen und Gleiskreuzungen sowie 388 Lichtsignale (davon 62 Vorsignale und Signalnachahmer, 75 Hauptsignale, 23 Schutzsignale, 181 alleinstehende und in Hauptsignalen integrierte Verschubsignale, 47 Geschwindigkeitsanzeiger und -voranzeiger) und 14 Gleissperrschuhe. Für den Bahnhofteil Wörgl Kundl zum Beispiel kommen 4 Hauptgleise sowie mehrere Nebengleise und 88 Signale, 4 Gleissperrschuhe und 19 ferngestellte Weichen dazu. In dieser Aufzählung sind Ersatz- und Abfahrtssignale nicht eingerechnet.

Wörgl Süd - Bruckhäusl, Bahnsteige

Es bestehen (von West nach Ost) die Bahnhofteile Wörgl Kundl, Wörgl Terminal West (ab 9. Dezember 2013), Wörgl Terminal Nord, Wörgl Terminal Süd und der (eigentliche) Bahnhof Wörgl Hauptbahnhof selbst. Im Stadtgebiet liegt noch die Haltestelle Wörgl Süd - Bruckhäusl (früher Söll-Leukental bzw. von 1993 bis 2008 Bruckhäusl) mit einer Überleitstelle. Die dortigen Weichen und Signale werden vom Zentralstellwerk Wörgl aus mitbedient, genauso wie die Abzweigung in Wörgl Radfeld (Abzw W 2).

Mittelfristig ist vorgesehen, in Höhe des Terminals Nord eine weitere S-Bahn-Haltestelle Wörgl West – Terminal (nicht zu verwechseln mit dem reinen Frachtenbahnhof Wörgl Terminal West, der ab 2014 im Gewerbegebiet „Luna“ neu gebaut wird) zu errichten.

Im Rahmen des inzwischen in der ersten Ausbaustufe (Baumkirchen - Wörgl Radfeld) im Dezember 2012 vollendeten viergleisigen Ausbaus der Unterinntalbahn im Zuge der TEN-Achse Berlin–Palermo samt Brennerbasistunnel spielt Wörgl eine wichtige Rolle. Als größter, in unmittelbarer Nähe der Neubaustrecke gelegener Bahnhof und als einziger mit Lokomotiv- und Wagenwerkstätten und Lokomotivstützpunkt wird der Hauptbahnhof Wörgl an beiden Bahnhofsseiten (Verknüpfungsstellen der Neubau- mit der Bestandstrecke in Radfeld im Westen und in Schaftenau im Osten) voll an die Neubaustrecke angebunden.

Stellwerksanlage[Bearbeiten]

Einer der Kommandotische im Zentralstellwerk Wörgl Hbf

Vom Zentralstellwerk aus wird gegenwärtig der Bereich zwischen Radfeld und Schaftenau beziehungsweise Westendorf gesteuert. Daher überwachen und bedienen die Fahrdienstleiter der Stelltische Wörgl Hbf West und Ost neben dem Wörgler Hauptbahnhof auch die Bahnhöfe Wörgl Kundl, Kirchbichl und Hopfgarten, die Abzweigung Wörgl Radfeld (Abzw W2 - hier zweigt die Unterinntal-Neubaustrecke ab) sowie die Terminals Nord, Süd und West sowie die Überleitstelle in Wörgl Süd - Bruckhäusl.

Seit 1. Juni 2009 ist die Wörgler Stellwerksanlage Teil der Betriebsführungszentrale West der ÖBB.

Der Zugförderungsbereich, früher in Österreich „Heizhaus“, neuerdings aber „Produktionsbereich“ genannt, hat ein eigenes Drucktastenstellwerk, das vom Remisenoberaufseher in Wörgl bedient wird. Vom Zentralstellwerk aus besteht die Möglichkeit, (Lokomotiv-)Zugfahrten direkt bis und ab dem Zugförderungs-(Traktions- bzw Produktions-)bereich durchzuführen. Dort befindet sich auch eine 24 m-Drehscheibe.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bahnhof Wörgl wurde 1858 errichtet und am 24. November 1858 unter Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Daher fand im August 2008 unter dem Motto „150 Jahre Eisenbahn in Wörgl“ ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm samt einem großen Eisenbahnfest statt. Mit der Eröffnung der Giselabahn am 6. August 1875 wurde der Bahnhof Wörgl acht Jahre vor Innsbruck zum ersten Eisenbahnknoten im heutigen Westösterreich.

Bis in die späten 1990er Jahre fand in Wörgl der Wechsel vom Rechtsfahren der Züge (aus Richtung Kufstein und Zell am See beziehungsweise Amstetten, wo der Gleiswechsel in die andere Richtung auf der ÖBB-Westbahn stattfand) auf das Linksfahren (nach Innsbruck beziehungsweise zum Brenner) und umgekehrt statt. Dazu war eine der ganz selten verwendeten so genannten „Flachkreuzungen“ im westlichen Weichenbereich eingebaut, die einen Wechsel des Streckengleises mit 120 km/h ermöglichte.

Heute besteht auf der gesamten Westbahn und in ganz Westösterreich generell Gleiswechselbetrieb mit dem rechten Streckengleis als Regelgleis. Seit 1890 ist die Strecke Wörgl – Innsbruck, seit 1914 die Strecke Wörgl – Zell am See – Salzburg und seit 1939 die Strecke Wörgl – Kufstein – München durchgehend zweigleisig ausgebaut. Seit 1928 sind alle nach Wörgl führenden Strecken mit 15 KV, 16,7 Hz Wechselstrom elektrifiziert.

Die Bahnhofsanlage und das Aufnahmegebäude wurden im Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstört. Das Bahnhofsgebäude wurde nach dem Krieg etwa 500 m in Richtung Innsbruck (nach Westen) verschoben, neu gebaut und 1950, rechtzeitig vor der Stadterhebung Wörgls im Jahr 1951, eröffnet.

Als Sicherungsanlage diente ein elektromechanisches ÖES (Österreichisches Eisenbahn-Signalwerk) K 47-Gleisbild-Befehlswerk für die Fahrdienstleiter. Die Wärterstellwerke waren im Stellwerk 1 ein Drehachsen-Wärter-Gleisbildstellwerk und im Stellwerk 2 ein EM 55-Wärter-Gleisbildstellwerk. Die Stellwerksanlagen, die heute als Reihenstellwerke bezeichnet werden, wurden zum Teil museal erhalten. Beide Wärterstellwerksgebäude, die heute nicht mehr existieren, waren Turmstellwerke.

Um- und Ausbau ab 1993[Bearbeiten]

Im Jahr 1993 wurde der Bahnhof Wörgl mit einem Aufwand von etwa 1,4 Milliarden Schilling (rund 100 Millionen Euro) von den Österreichischen Bundesbahnen fast vollständig umgebaut. Der Bahnhof wurde mit der damals modernsten Zentralstellwerksanlage der Bauart SpDrL A2 mit EBO (einheitlicher Bedienoberfläche auf fünf Bildschirmen, Bedienung über Tastatur und Maus sowie einer „Graphic Automatic Light“) ausgestattet, die laufend weiter ausgebaut wurde. Die Graphic Automatic Light (GrAuLi) ist eine computergesteuerte Selbststellanlage, bei der auf Grund der Vorprogrammierung oder der Zuglenkziffern die zu befahrenden Fahrstraßen selbsttätig gestellt werden. Dem Fahrdienstleiter kommt dabei im Normalbetrieb nur mehr eine Überwachungsfunktion zu. Das Zentralstellwerk wurde als Dachgeschoss über der Bahnhofshalle gebaut. Von hier besteht durch die Panoramafensterwand ein Ausblick auf das Gelände des Hauptbahnhof-Teils und auf die Zugförderungsanlage. Zusätzlich wurden weitere Bahnsteige und die Güterterminals errichtet.

Abfahrtshalle im Weihnachtsschmuck

Zwischen dem Bahnhof Wörgl Terminal Nord und dem Bahnhof Wörgl Kundl sowie weiter bis zur Abzweigung Wörgl Radfeld wurde zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit ein drittes Gleis als „Beschleunigungsspur“ errichtet (Wörgl Hbf - Wörgl Terminal Süd - Wörgl Terminal Nord ist viergleisig). Auf Grund der Einbeziehung des Bahnhofes Kundl in den Bahnhof Wörgl im Jahr 1993 wird dieses betrieblich nicht als Streckengleis, sondern als Bahnhofgleis behandelt. Betrieblich bekam der Bahnhof Kundl die Bezeichnung „Wörgl Kundl“, wenngleich der Ortsname „Kundl“ weiterhin im Reisezugfahrplan verwendet und an den Bahnsteigen angeschrieben bleibt. Ab der Abzweigung Wörgl Radfeld ist die weiterführende Strecke in Richtung Innsbruck (nach Westen) seit Dezember 2012 viergleisig und verläuft mit zwei Gleisen auf der Bestandstrecke von 1858 und mit weiteren zwei Gleisen auf der zwischen 1999 und 2012 errichteten Unterinntal-Neubaustrecke (Teil der neuen „Brenner-Flachbahn“, die weitestgehend unterirdisch verläuft).

Beim großen Bahnhofsumbau 1993 wurden die Bahnhofshalle von Wörgl Hbf und die (insgesamt zehn) Bahnsteige mit Personenaufzügen sowie Zugzielanzeigern versehen und zusammen mit allen anderen Anlagen für den Reise- und Güterverkehr völlig neu gestaltet. Eine Park-and-Ride-Anlage für 630 Pkws erleichtert den Fahrgästen das Umsteigen vom Auto auf die Bahn.

Der Bahnhofsvorplatz wurde ebenfalls komplett umgebaut und mit einer Grünanlage ausgestattet. Vom Bahnhofsvorplatz aus nehmen die regionalen und überregionalen Buslinien sowie die fünf Stadtbuslinien und weitere kürzere Regiobuslinien ihren Ausgang. Die Güterverladung wurde vom ehemals angrenzenden Frachtenbahnhof in den Cargo-Terminal (zum Bahnhofteil Wörgl Terminal Nord) bei Wörgl-Liesfeld (Richtung Westen) verlegt, wo zwischenzeitlich ein großer „Gewerbepark Wörgl“ mit vielen Firmen und Industrieanlagen entstanden ist, der ständig und schnell weiter wächst. Im Cargo-Terminal ist auch das Logistikzentrum und eine Verladestelle für die Rollende Landstraße (RoLa) eingerichtet. Der Terminal Nord wurde 2012 auch betrieblich beträchtlich erweitert; ab 2014 ist vorgesehen, weitere ausgedehnte Anschluss- und Ladegleisanlagen u. a. in einen nahegelegenen großen holzverarbeitenden Betrieb zu errichten; diese Anlagen bilden dann den Bahnhofteil "Wörgl Terminal West"; außerdem wird ebenfalls 2014 die Bahnhofshalle des Hauptbahnhofes umgestaltet und mit einer neuen Beleuchtung ausgestattet sowie soll anschließend ein künstlerisch gestaltetes neues Portal zur Seite der Stadt bzw. zum Vorplatz hin errichtet werden. Der Vorplatz selbst wird in den nächsten Jahren durch Neubauten im Osten und im Westen eine Umgestaltung erfahren, wobei er beträchtlich vergrößert und durch weitere Logistik-, Handels- und Gastronomiebetriebe zusätzlich aufgewertet werden soll.

Benennung als Hauptbahnhof[Bearbeiten]

Fahrdienstleiter-Außendienst (Aufsicht) von Wörgl Hbf am neubeschilderten Bahnsteig 3

Im Frühjahr 2006 wurde die Idee geboren, den Bahnhof Wörgl als Wörgl Hauptbahnhof zu bezeichnen; einerseits wegen seiner Größe und Wichtigkeit und der bereits großen Anzahl von Eisenbahn-Betriebsstellen in Wörgl sowie andererseits aus Imagegründen.

Der Verwirklichung dieses Gedankens zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2006 gingen zusätzlich weitere Ausbau- und Sanierungsmaßnahmen voraus. So wurden die Bahnhofshalle und die Bahnsteige teilweise neu gestaltet. Weiters wurde ein Blindenleitsystem angebracht, eine Videoüberwachungsanlage neu erstellt und zudem ein permanenter Sicherheitsdienst eingerichtet. Anstelle der veralteten Fallblattanzeige wurde eine neue LED-Zugzielanzeigeanlage eingebaut. Die komplette Beschilderung der Bahnhofsanlagen wurde erneuert und dem neuen Corporate Design der Bundesbahnen angepasst. Internationale Züge werden seitdem nicht mehr nur in deutscher, sondern auch in englischer Sprache über die Lautsprecheranlage angekündigt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wörgl Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien