Westheim (Pfalz)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Westheim (Pfalz)
Westheim (Pfalz)
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Westheim (Pfalz) hervorgehoben
49.2491666666678.3241666666667112Koordinaten: 49° 15′ N, 8° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Germersheim
Verbandsgemeinde: Lingenfeld
Höhe: 112 m ü. NHN
Fläche: 7,12 km²
Einwohner: 1763 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 248 Einwohner je km²
Postleitzahl: 67368
Vorwahl: 06344
Kfz-Kennzeichen: GER
Gemeindeschlüssel: 07 3 34 033
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstraße 60
67360 Lingenfeld
Webpräsenz: www.westheim-pfalz.de
Ortsbürgermeisterin: Inge Volz (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Westheim (Pfalz) im Landkreis Germersheim
Wörth am Rhein Germersheim Zeiskam Ottersheim bei Landau Knittelsheim Bellheim Scheibenhardt Berg (Pfalz) Hagenbach Neuburg am Rhein Jockgrim Neupotz Hatzenbühl Rheinzabern Steinweiler Erlenbach bei Kandel Kandel (Pfalz) Winden (Pfalz) Vollmersweiler Freckenfeld Minfeld Leimersheim Kuhardt Rülzheim Hördt Schwegenheim Lingenfeld Freisbach Weingarten (Pfalz) Westheim (Pfalz) Lustadt Baden-Württemberg Frankreich Speyer Rhein-Pfalz-Kreis Neustadt an der Weinstraße Landkreis Südliche Weinstraße Landau in der PfalzKarte
Über dieses Bild

Westheim (Pfalz) (pfälzisch: Weschde) ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Lingenfeld an.

Geographie[Bearbeiten]

Westheim liegt zwischen Landau in der Pfalz und Speyer. Die Nachbargemeinden von Westheim sind Lustadt, Weingarten (Pfalz), Schwegenheim, Lingenfeld und im äußersten Südosten Germersheim.

Weingarten Schwegenheim
Lustadt Nachbargemeinden Lingenfeld
Germersheim

Im Süden Westheims erstreckt sich der Bellheimer Wald, durch den im Westheimer Gemeindegebiet die Druslach und die Queich fließt. Die Queich bildet zum Teil die südliche Gemeindegrenze und mündet etwa fünf Kilometer weiter östlich in den Rhein. Des Weiteren fließt der sogenannte Hofgraben durch den Ort.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde aus verschiedenen Epochen (Jungsteinzeit, Bronzezeit, Hallstattzeit, La-Tène-Zeit, römische Kaiserzeit) beweisen eine frühe Besiedlung des heutigen Gemeindegebietes. Der heutige Ort wurde wohl Ende des 5. oder Anfang des 6. Jahrhunderts gegründet.[2] Eine erste Erwähnung des Ortes im Lorscher Codex aus dem Jahr 792 erwies sich als nicht korrekt. Ein dort genannter Ort Westheim ist nicht das Pfälzische.[3]

Die Endung -heim vieler Orte in der Vorderpfalz ist ein Ergebnis der fränkischen Besiedlungswelle. Ursprünglich wurde diese Endung mit einem Personennamen verknüpft. Dies ist bei Westheim nicht der Fall. Vielmehr ist solch ein geographischer Name wohl auf ein Einzelgehöft zurückzuführen, das in einer bestimmten Himmelsrichtung von einem Ort aus lag. In diesem Fall ist der Bezugsort wohl Germersheim. Die Endung -heim sei dann nur aufgrund der Häufigkeit dieser Endung in der Region gewählt worden.[4]

Im Jahre 1241 überließ der Dompropst Berthold zu Speyer das seiner Propstei zustehende Patronatrecht und die Einkünfte der Kirche zu Westheim dem Stiftskapitel bei St. Guido in Speyer.[5] In der Urkunde, die diesen Vorgang besiegelt, findet sich zum ersten Mal die Erwähnung einer Kirche in Westheim. 1791 wurde an der gleichen Stelle die heutige Kirche errichtet (siehe Abschnitt Protestantische Kirche).

Es wird angenommen, dass es ab dem Ende des 16. Jahrhunderts in Westheim eine Schule gab. In einer Schrift aus dem 17. Jahrhundert wird ein „reformierter Schulmeister“ erwähnt.[3] Von einem Westheimer Schulhaus wird im Jahre 1753 berichtet. Im 19. Jahrhundert wurde das Schulgebäude mehrmals neu errichtet oder erweitert, ab 1859 gab es sowohl eine protestantische als auch eine katholische Schule.[6]

Von 1798 bis 1814 gehörte Westheim zur Mairie Lingenfeld. Im Jahre 1872 begann das Eisenbahnzeitalter in Westheim, als der Ort an das Eisenbahnnetz der Maximiliansbahn angeschlossen wurde (siehe Abschnitt Verkehr). 1914 erfolgte der Anschluss an das Stromversorgungsnetz, 1936 trat Westheim dem Wasserzweckverband bei.

Vom Zweiten Weltkrieg blieb auch Westheim nicht verschont. Erstmals wurde Westheim am 24. März 1945 von amerikanischen Bombern angegriffen. Ein weiterer, weitaus verheerenderer Angriff erfolgte einen Tag später. Insgesamt starben sieben Menschen durch die Angriffe, 15 Wohnhäuser, darunter auch das damals älteste Haus Westheims aus dem Jahre 1688, und 43 Scheunen wurden zerstört. Beschädigt wurden über die Hälfte der Wohngebäude Westheims sowie der Kirchturm.[7]

Am 19. September 1964 erfolgte der erste Spatenstich für den Bau einer neuen Grundschule, der 1965 fertiggestellt wurde.[6] 1970 wurde nebenan ein Kindergarten errichtet. Der alte Kindergarten war nach dem Zweiten Weltkrieg geschlossen worden. Nach 22 Jahren ohne eine solche Einrichtung wurde 1967 bis zum Bau des neuen Gebäudes im alten Schulhaus ein provisorischer Kindergarten eingerichtet.

Im Zuge der Verwaltungsreform entstand 1972 die Verbandsgemeinde Lingenfeld, der Westheim und fünf weitere Orte angehören.

Religionen[Bearbeiten]

Ende Juli 2012 waren 46,7 Prozent der Einwohner evangelisch und 30,9 Prozent katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[8] 1971 waren noch 77 Prozent evangelisch und 21 Prozent katholisch, im Jahr 1890 waren von insgesamt 737 Einwohnern 535 evangelisch (72 Prozent) und 205 katholisch (28 Prozent).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1729 282
1785 379
1802 454
1825 692
1830 745
1836 807
1871 771
Jahr Einwohner
1890 737
1905 736
1932 828
1939 845
1950 898
1961 1.007
1965 1.097
Jahr Einwohner
1970 1.115
1975 1.200
1980 1.237
1985 1.323
1990 1.439
1995 1.599
2000 1.747
Jahr Einwohner
2005 1.749
2006 1.762
2007 1.772
2008 1.734
2009 1.784
2010 1.728

Ende Juli 2012 betrug der Anteil der ausländischen Bevölkerung 3,5 %.[8]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Westheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin Inge Volz (SPD, seit 2004 im Amt) als Vorsitzende.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[9]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 7 3 6 16 Sitze
2009 9 2 5 16 Sitze
2004 7 2 7 16 Sitze
1999 6 0 10 16 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

Jahr Ortsbürgermeister Partei
1960–1974 Ludwig Hoffmann WG
1974–1979 Karl-Heinz Jung SPD
1979–1997 Alfred Schubart SPD
1997–2004 Dieter Mappes FWG
seit 2004 Inge Volz SPD

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „In gespaltenem Schild rechts von Silber und Blau gerautet, links in Rot auf grünem Dreiberg ein schwebender goldener Großbuchstabe W“.

Es wurde 1961 vom Mainzer Innenministerium genehmigt und geht zurück auf ein Siegel aus dem Jahr 1589.[10]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Partnergemeinden von Westheim sind Eggersdorf (seit 1991) in Brandenburg und Großkarolinenfeld (seit 2001) in Bayern.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchstraße mit Kirche

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Westheim (Pfalz)

Protestantische Kirche[Bearbeiten]

Holzmühle[Bearbeiten]

Am 6. April 1481 erteilte der Pfalzgraf Philipp die Konzession zur Errichtung einer Mehl- und Ohligmühle. Der Name Holzmühle rührt von der mittelalterlichen Bezeichnung „Holtz“ für Wald her. Die Mühle befindet sich an der Queich im Bellheimer Wald. Mehrmals war die Mühle von Großbränden betroffen (u. a. 1706, 1934). In ununterbrochener Generationenfolge wurde die Holzmühle ab 1706 betrieben. 1998 wurde die Betriebs-GmbH verkauft, die Mühle kurze Zeit später stillgelegt. Die Immobilien befinden sich weiterhin in Familienbesitz.

Museen[Bearbeiten]

Im Heimatmuseum in der Kirchstraße finden sich viele alte Geräte von Bauern und Haushalten sowie eine Fotosammlung, die das bäuerliche Leben in Westheim dokumentiert.[11]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Am letzten September-Wochenende findet samstags bis dienstags jährlich die Westheimer Kerwe (Kirchweih) statt
  • Fastnachtsumzug am Faschingssonntag, an dem auch Gruppen aus den umliegenden Gemeinden teilnehmen

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

ehemaliger Bahnhof Westheim

Wirtschaft[Bearbeiten]

In früheren Zeiten war Westheim, wie alle Orte in der Umgebung, ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. In Westheim wurden und werden Sonderkulturen wie Spargel, Gemüse und Tabak angepflanzt. Eine früher existierende Tabakscheune wurde allerdings abgerissen. In Westheim gibt es nur noch drei landwirtschaftliche Betriebe,[12] dafür aber einige klein- und mittelständische Unternehmen.

Verkehr[Bearbeiten]

Westheim war früher über die Bahnstrecke Germersheim–Landau an das Schienennetz angeschlossen. Die Strecke wurde 1999 endgültig stillgelegt, schon seit 1984 fuhren keine Personenzüge mehr auf dieser Strecke. Seit Mai 2006 fahren auf dieser Strecke Fahrrad-Draisinen (von Lingenfeld bis Bornheim). Der nächste Bahnhof ist in Lingenfeld, etwa zwei Kilometer östlich von Westheim.

Westheim gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und dem Karlsruher Verkehrsverbund an.

Bildung[Bearbeiten]

  • Grundschule Westheim mit vier Schulklassen, in denen ca. 80 Schüler unterrichtet werden
  • Kindertagesstätte „Löwenzahn“

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Georg Louis (1902–1981), Mühlenbesitzer
  • Ludwig Hoffmann (1904–1993), Altbürgermeister
  • Richard Hummel († 1999), Gründer des Heimatmuseums
  • Alfred Schubart (* 1939), Altbürgermeister

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Georg Heeger (1857–1915), Musikwissenschaftler und Schriftsteller
  • Philipp Hoffmann (1870–1939), Förderer des pfälzischen Tabakanbaus und Mitbegründer des Deutschen Tabakbauverbandes

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Westheim (Pfalz) – Sammlung von Bildern
 Wikisource: Westheim (Pfalz) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Festschrift GV Liederkranz 1996, S. 40
  3. a b Gerd Pressler u. a.: 200 Jahre Protestantische Kirche Westheim, 1992
  4. Georg Heeger: Die germanische Besiedelung der Vorderpfalz an der Hand der Ortsnamen, S. 15
  5. Der Landkreis Germersheim im Farbluftbild, S. 74
  6. a b Die Rheinpfalz: Verkehrslärm stört den Unterricht und die Kinder spielen auf der Straße, Artikel von Gerd Nagel
  7. Die Rheinpfalz: Die Kirchturmuhr zeigt 9.45 Uhr als die Sirenen losheulen, Artikel von Gerd Nagel
  8. a b KommWis, Stand: 31. Juli 2012
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  10. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3
  11. Kurzinfo bei mussen.rlp.de
  12. Siehe offizielle Homepage