Bödingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bödingen
Koordinaten: 50° 46′ 54″ N, 7° 20′ 27″ O
Höhe: 175 m ü. NN
Einwohner: 351 (Jan. 2018)[1]
Postleitzahl: 53773
Vorwahl: 02242
Bödingen (Nordrhein-Westfalen)
Bödingen

Lage von Bödingen in Nordrhein-Westfalen

Chorfenster von 1508

Bödingen ist ein Ortsteil der Stadt Hennef (Sieg) im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Der Ort entstand als Wallfahrtsort, nachdem im 14. Jahrhundert eine Kapelle für ein wundertätiges Marienbild errichtet wurde.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bödingen liegt ca. 5,5 km östlich des Hennefer Stadtkerns auf dem Bergrücken Nutscheid über der Sieg. Der Dorfkern hat eine Höhe von 175 m über Normalnull. Bödingen umfasst den nördlich gelegenen Ortsteil Driesch, einen ehemals eigenständigen Wohnplatz, der unmittelbar an einer Höhenstraße (der Nutscheidstraße) liegt, die früher als Verbindungsweg zwischen dem Rheinland und dem Siegerland eine große Bedeutung hatte. Mit dem Bau der Eisenbahnlinien im Siegtal und im Bröltal verlor diese Verbindungsstraße an Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bödinger Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Mutter Gottes wurde 1408 geweiht. In den folgenden Jahrzehnten nahm der Pilgerstrom nach Bödingen weiter zu und verhalf dem 1424 gegründeten Kloster Bödingen zu einem erheblichen Wachstum. Noch heute kann man die Bedeutung als Wallfahrtsort an den sternförmig auf die Kirche zulaufenden Stationswegen in der Landschaft ablesen. Im Laufe der Zeit siedelte sich auch Bevölkerung im Bereich nahe dem Kloster an, da der Wallfahrtsort verbunden mit der guten Lage an der wichtigen Verbindungsstraße einen wirtschaftlichen Vorteil versprach. Wallfahrten finden auch heute noch statt, allerdings sind die Pilgerscharen heute erheblich kleiner, auch wenn in den letzten Jahren ein Anwachsen zu verzeichnen ist.

Noch heute findet in Bödingen das 1423 vom Kölner Provinzialkonzil für die gesamte Kirchenprovinz eingeführte Kompassionsfest statt.[2] Es wird nördlich der Alpen nur noch in Bödingen jährlich gefeiert.

Im Kloster Bödingen wirkte der berühmte Klosterreformer Johannes Busch (1399–1480) als Diakon und feierte später in der Wallfahrtskirche seine Primizmesse.[3]

Im Jahr 1636 vernichtete eine Feuersbrunst das Dorf, nur die Wallfahrtskirche widerstand damals den Flammen. Der anschließende Wiederaufbau des Ortes folgte im Siedlungscharakter der Form eines Haufendorfs.

Bis zum 1. August 1969 gehörte Bödingen zur Gemeinde Lauthausen. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn wurde Lauthausen, damit auch der Ort Bödingen, der damals neuen amtsfreien Gemeinde „Hennef (Sieg)“ zugeordnet.

Denkmalschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1989 wurde der Ortskern von Bödingen in seiner Gesamtheit als sog. Denkmalbereich unter Denkmalschutz gestellt.[4] Der Denkmalschutz erstreckte sich dabei nicht nur auf die Wallfahrtskirche, sondern den gesamten Dorfkern, der nach der Feuersbrunst im Jahr 1636 wieder neu aufgebaut wurde. Viele der schönen Fachwerkhäuser sind noch gut erhalten. Bei dem ältesten Fachwerkhaus, das direkt gegenüber der Wallfahrtskirche steht, handelt es sich um ein ehemals als Pilgerheim, dann als Gaststätte dienendes Gebäude aus dem Jahr 1681.[5]

Seit 2008 gehört Bödingen zum Denkmalbereich "Historische Kulturlandschaft 'Unteres Siegtal: Stadt Blankenberg - Bödingen'".[6] Der Bereich umfasst als wesentliche Komponenten einerseits Stadt Blankenberg mit der Burg und andererseits den Wallfahrtsort Bödingen mit der Wallfahrtskirche "Zur schmerzhaften Mutter". Neben dem Burgberg von Stadt Blankenberg und dem gegenüberliegenden Marienberg mit Bödingen gehört dazu auch die gesamte dazwischenliegende, beide Seiten verbindende Siegaue.

Gemeinschaftsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine und Gemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bödingen leben rund 350 Einwohner (Stand: 2018). Die Dorfgemeinschaft konkretisiert sich in mehreren Vereinen und Gemeinschaften:

  • Heimatverein Bödingen e. V.[7]
  • Schützenbruderschaft Sankt Augustinus Bödingen 1969 e. V.[8]
  • Musikverein Allner 1953 e. V.[9] mit Sitz in Bödingen
  • Reitverein Bödingen e. V.[10]
  • Sportverein Allner-Bödingen e. V.[11]
  • Förderverein Kindergarten "Pusteblume" Bödingen[12]
  • Chor Capriccio Bödingen (Zusammenschluss von Familienchor und Marienchor)[13]
  • Kirchenchor "Cäcilia" (Männerchor)
  • Berglandecho Bödingen

Regelmäßige Veranstaltungen und Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Bödingen ein Wallfahrtsort ist, spielen hier natürlich die katholischen Kirchenfeste eine wichtige Rolle, die meist mit einem Festgottesdienst in der Wallfahrtskirche begangen werden. Zu Fronleichnam und zum oben bereits erwähnten Kompassionsfest findet zusätzlich jeweils eine Prozession statt.

Zu den erwähnenswerten regelmäßigen nichtkirchlichen Veranstaltungen gehört zunächst das jährliche Sommerfest des Heimatvereins Bödingen[7] für die ganze Familie, das immer an einem Sonntag in der zweiten Junihälfte im Ortszentrum stattfindet und erstmals 1972 als Kinderfest durchgeführt wurde.

Weiter gehört dazu das jährliche Schützenfest der Schützenbruderschaft Sankt Augustinus,[8] das zum Kirchweihfest der Wallfahrtskirche jeweils am ersten Juli-Wochenende – meist zwei Wochen nach dem Sommerfest – auf einem Festplatz in der Ortsmitte stattfindet und traditionell jeweils von Freitag bis Montag dauert.

Seit 2011 findet im Rahmen des Siegtal-Festival-Sommers[14] jährlich am ersten Septemberwochenende die Veranstaltung Son et Lumiere (Klang und Licht) in Bödingen statt.[15] Die Wallfahrtskirche wird dazu nicht nur von außen, sondern vor allem auch von innen stimmungsvoll beleuchtet und zum Ort eines multimedialen Abends, an dem ein Konzert mit nachdenklichen Wortbeiträgen zum Vortrag kommt. Dabei steht jeweils ein meditatives Thema im Vordergrund, das im christlichen und geistigen Kontext betrachtet wird.

Außerdem findet – ebenfalls jährlich – in der Vorweihnachtszeit, am Samstag vor Totensonntag in einem Hof gegenüber der Wallfahrtskirche unter dem Namen Augenschmaus ein kleiner Weihnachtsmarkt statt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bödingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hennef: Wohnplatzverzeichnis, Einwohnermeldeamt der Stadt Hennef
  2. Kompassionsfest in Bödingen im Kölner Stadt-Anzeiger; abgerufen am 11. Februar 2018.
  3. Karl Ludwig Grotefend: Busch, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 640 f.
  4. Denkmale in Hennef Denkmalliste der Stadt Hennef, Teil D, Denkmalbereiche; abgerufen am 20. Januar 2018.
  5. Ältestes Fachwerkhaus und neugotische Kapelle auf der Website des Heimatvereins Bödingen; abgerufen am 20. Januar 2018.
  6. Siegtal - Kulturlandschaft & Lebensraum auf der Website des Heimatvereins Bödingen; abgerufen am 20. Januar 2018.
  7. a b Heimatverein Bödingen
  8. a b Schützenbruderschaft Sankt Augustinus Bödingen
  9. Musikverein Allner
  10. Reitverein Bödingen
  11. SV Allner-Bödingen
  12. Förderverein Kindergarten "Pusteblume" Bödingen
  13. Chor Capriccio Bödingen
  14. Siegtal-Festival-Sommer
  15. Faszination in Licht und Klang im General-Anzeiger (Bonn); abgerufen am 23. Februar 2018