Global Stratotype Section and Point

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Der „Golden Spike“ des Ediacariums in der südaustralischen Flinderskette

Ein GSSP (Global Boundary Stratotype Section and Point, „Profil und Punkt eines weltweiten Grenz-Schichttyps“) ist ein geologischer Aufschluss, der bei der Festlegung einer chronostratigraphischen Einheit als Referenz dient (Typlokalität). Das geologische Profil des Aufschlusses wird bis ins Detail geologisch untersucht und beschrieben. Auch die Lage des Referenzpunkts im Profil ist exakt definiert. Inzwischen existieren mehr als hundert GSSPs (siehe Liste der GSSPs).

Die Festlegung der weltweit gültigen GSSPs geschieht durch die International Commission on Stratigraphy (ICS), eine Unterorganisation der International Union of Geological Sciences (IUGS). Das dabei anzuwendende GSSP-Verfahren ist ebenfalls genau definiert. Es wurde 1976 in der ersten Ausgabe des International Stratigraphic Guide[1] dokumentiert und erstmals 1977 bei der Festlegung der Grenze zwischen den Systemen Silur und Devon in La Serre im Département Aveyron (Südfrankreich) verwendet.[2]

Verfahren[Bearbeiten]

Methodik[Bearbeiten]

Das GSSP-Verfahren definiert eine chronostratigraphische Einheit durch den Typus und dessen „Fußpunkt“. Der Typus besteht aus einem Referenzprofil, in dessen vertikaler Gesteinsfolge eine bestimmte Position als „Fußpunkt“ der Einheit bestimmt wird. Diese Position wird in Anlehnung an das Bild eines großen, markierenden Nagels als Golden Spike bezeichnet. Die Einheit umfasst alle Gesteine, die zeitlich zwischen dieser Grenze und der Grenze der folgenden Einheit gebildet wurden. Ein GSSP wird durch internationale Gremien wie der International Commission of Stratigraphy nach einem intensiven Auswahlverfahren festgelegt, und wird im Sinne einer eindeutigen inhaltlichen Bezeichnung der chronostratigraphischen Einheiten von quasi allen Geowissenschaftlern akzeptiert.

Vorteile[Bearbeiten]

Gegenüber anderen Verfahren (z. B. der Festlegung mittels der Biostratigraphie oder durch ein geochronologisches absolutes Alter) hat diese Art der Festlegung einer chronostratigraphischen Einheit einige Vorteile: Es ist objektiv in der Art, dass es auf eine unveränderliche und objektive Eigenschaft des Referenzprofils verweist. Subjektiv bleibt alleine die Übertragung auf Vorkommen abseits des Referenzprofils. Mit dem Fortschreiten der Erkenntnis in unabhängigen Hilfsdisziplinen, wie z. B. der Eventstratigraphie, ist eine weitere Präzisierung der Identifikation dieser Grenze in anderen Aufschlüssen möglich. Auch lassen sich dazu heute nicht bekannte, zukünftige Verfahren nutzen.

Das GSSP-Verfahren definiert direkt weder ein absolutes Alter noch ein absolutes Zeitintervall. Eine direkte absolutzeitliche Definition einer Gesteinseinheit ist auch deshalb nicht sinnvoll, weil die Methoden der relativen Datierung derzeit gegenüber den radiometrischen Verfahren der Altersbestimmung ein vielfach höheres Auflösungsvermögen besitzen. Da die korrespondierenden geochronologischen Einheiten jedoch zumindest im Phanerozoikum von den Definitionen der chronostratigraphischen Einheiten abhängen, verändern und verschieben sich deren absolute Zeitwerte mit der Anwendung verbesserter Datierungsverfahren.

Anforderungen[Bearbeiten]

Obwohl ein solcher GSSP sich in jedem beliebigen Profil im Prinzip an einer beliebigen Position definieren lässt, erfüllt ein guter, im Auswahlverfahren mehrheitsfähiger GSSP bestimmte Anforderungen. Er

  • ist im Umfeld des golden spikes möglichst frei von Sedimentationslücken
  • befindet sich in einer Position, die möglichst mit einem leicht erkennbaren und weltweit verfolgbaren Marker korreliert ist
  • bietet eine Fülle von für die Korrelation nutzbaren Informationen
  • ist für wissenschaftliche Untersuchungen verfügbar und zugänglich
  • untersteht einem gewissen Schutz und ist dadurch langfristig gesichert
  • bildet möglichst eine historisch etablierte Grenzposition ab

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hedberg 1976
  2. Martinsson 1977