Palmöl

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Palmöl
Palmöl; erkennbar ist die rötliche Färbung.
Rohstoffpflanze(n)

Ölpalme (Elaeis guineensis)

Herkunft

Fruchtfleisch

Farbe

orangegelb bis braunrot[1]; hellgelb (raffiniert)

Inhaltsstoffe
Ölsäure 32–57 %[2]
Linolsäure 6,4–15 %[2]
Palmitinsäure 32–57 %[2]
Myristinsäure 0,5–2 %[2][3]
Weitere Fettsäuren 2–6,5 % Stearinsäure[2][3]
Σ gesättigte Fettsäuren 49
Σ einfach ungesättigte Fettsäuren 39
Σ mehrfach ungesättigte Fettsäuren 11
Weitere Inhaltsstoffe Tocopherol 400–700 mg/kg[4], Carotinoide 500 mg/kg[1]
Eigenschaften
Dichte 0,921–0,947 kg/l bei 15 °C[4]
Viskosität = 54 mm2/s (bei 20 °C)[5]
Oxidationsstabilität 23,9 h[6]
Schmelzpunkt 30–37 °C[7]
Rauchpunkt 223 °C[4]
Flammpunkt 267 °C[5]; 284 °C[6]; 323 °C[4]
Iodzahl 34–61[5]
Verseifungszahl 196–205[8]
Brennwert 39,5 MJ/kg[9][5]
Cetanzahl 42[5]; 69.8[6]
Herstellung und Verbrauch
Produktion weltweit 39 Mio. t (2007/08)[10]

61,46 Mio. t (2014/15)[11]

Wichtigste Produktionsländer Indonesien, Malaysia, Thailand, Kolumbien[12]
Verwendung Ernährung, Bioenergie, Industrie

Palmöl ist ein Pflanzenöl, das aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen wird. Palmkernöl wird aus den Kernen der Früchte gewonnen und besteht zu über 80 % aus gesättigten Fetten (überwiegend ist Laurinsäure gebunden). Ölpalmen sind dreimal so ertragreich wie Raps und beanspruchen für den gleichen Ertrag etwa 1/6 der Fläche von Soja.[13]

Palmöl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palmöl (auch: Palmfett) wird aus dem Fruchtfleisch der Palmfrüchte gewonnen. Die Früchte werden sterilisiert und gepresst, dabei entsteht das rohe Palmöl, CPO (Crude Palm Oil). Früchte und Öl haben wegen ihres hohen Carotingehaltes eine orangegelbe bis braunrote Färbung, die bei der Raffination entfernt wird. Reines und frisches Palmöl hat einen spezifischen Veilchengeruch, einen süßlichen, angenehmen Geschmack und ist von klarer und heller Farbe. Kommerzielles Öl ist aber aufgrund weniger sorgfältig ausgeführter Präparationsmethoden zumeist trüb und gefärbt. Auch bekommt das Öl durch Alterung eine zunehmende Trübung und einen intensiveren Geruch. Dieser auch als Fermentation bezeichnete Alterungsprozess wird durch Mikroorganismen verursacht. Der Schmelzbereich von Palmöl liegt, je nach Zusammensetzung, zwischen 27 und 42 °C.

Allgemeine chemische Struktur von Ölen, wie Palmöl. Palmöl ist, wie andere Öle, ein Gemisch von Triestern des Glycerins. In der Abbildung steht R1, R2 und R3 für Alkylreste (ca. 50 %) oder Alkenylreste (ca. 50 %) mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen.

Wie in allen Pflanzenölen sind auch in Palmöl verschiedene Fettsäuren in Triglyzeriden gebunden, weiterhin sind Tocopherole, Carotinoide, sowie geringe Mengen an Sterolen enthalten.[1]

Neben einem unterdrückten Fermentationsprozess, der sich in Farbe und Geruch widerspiegelt, war in der Vergangenheit ein weiteres Qualitätskriterium im internationalen Handel mit Palmöl der Gehalt an freien Fettsäuren des Öles. Öle mit geringerem Gehalt an sauren Bestandteilen galten als qualitativ hochwertiger und waren daher auch teurer, vor allem konnte der Säuregehalt durch unsachgemäße Pressung unangenehm ansteigen.

Palmkernöl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palmkernöl
Rohstoffpflanze(n)

Ölpalme (Elaeis guineensis)

Herkunft

Samen (Kerne)

Farbe

weiß bis gelblich-weiß (raffiniert, fest); hell- bis orange-gelb

Inhaltsstoffe
Ölsäure 9–21 %[3]
Linolsäure 1–3,5 %[3]
Palmitinsäure 6,5–10,3 %[3]
Laurinsäure 40–55 %[3]
Myristinsäure 14–18 %[3]
Weitere Fettsäuren 1,3–3 % Stearinsäure, 2,6–5 % Caprinsäure, 1,9–6,2 % Caprylsäure[3]
Σ gesättigte Fettsäuren 83 %
Σ einfach ungesättigte Fettsäuren 15 %
Σ mehrfach ungesättigte Fettsäuren 2 %
Eigenschaften
Dichte 0,925–0,935 kg/l bei 15 °C[4]
Viskosität = 24 mm2/s (bei 40 °C)[5]
Schmelzpunkt 25–30 °C[7]
Rauchpunkt 220 °C[7]
Iodzahl 14–22[5]
Verseifungszahl 242–254[14]
Brennwert 39,6 MJ/kg[9]
Herstellung und Verbrauch
Produktion weltweit 7,21 Mio. t (2014/15)[11]
Wichtigste Produktionsländer Indonesien, Malaysia, Thailand, Brasilien[12]
Verwendung Industrie, Nahrungsmittel, Oleochemie

Palmkernöl wird aus den Kernen der Ölfrüchte gewonnen. Die Kerne werden getrocknet, gemahlen und dann gepresst. Das Palmkernöl gehört wie das Kokosöl zu den Laurinölen, d. h., es enthält einen großen Anteil (bis zu 55 %) der gesättigten Fettsäure Laurinsäure in gebundener Form. Es gehört zu den festen Pflanzenfetten.

Die Zusammensetzung des Palmkernöls unterscheidet sich deutlich vom Palmöl, das rohe Öl ist hell- bis orange-gelb, nach der Raffination erhält man ein fast weißes bis leicht gelbliches Fett. Palmkernöl ist bei Raumtemperatur fest, der Schmelzbereich liegt zwischen 23 und 30 °C. Bei Körpertemperatur schmilzt es dann jedoch rasch ab und hinterlässt dabei einen angenehmen Kühleffekt. Es wird daher gern in Kakaoglasuren, Eiskonfekt und Eiscremeüberzügen und kühlschmelzenden Schokoladenfüllungen eingesetzt. Durch verschiedene Modifikationsverfahren lassen sich aus dem Palmkernöl hochwertige Spezialfette für die Süßwarenindustrie herstellen.

Palmkernöl findet außerdem Verwendung als feste Komponente bei der Margarineherstellung. Im großen Umfang dient es auch zur Herstellung von oleochemischen Zwischenprodukten, die in der Kosmetik- und Reinigungsmittelindustrie eingesetzt werden. Auch in der Aluminiumindustrie findet es Verwendung.

Produktion weltweit und Anbaugebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 30 Prozent Marktanteil ist Palmöl vor Sojaöl das meist angebaute Pflanzenöl der Welt.[15] Die Weltproduktion von Palmöl stieg in den letzten Jahren zum Teil über 15 % im Jahr. 2009 wurden weltweit 46 Millionen Tonnen Palmöl produziert,[15] im Jahr 2015 waren es bereits 60 Millionen Tonnen.[13] Zum Vergleich: 2001 waren es noch 25,6 Millionen Tonnen.[16]

Die wichtigsten Anbauländer für Ölpalmen sind Malaysia und Indonesien mit zusammen über 85 % der Weltproduktion (2007 ca. 39 Mio. Tonnen Palmöl).[10] Allein Indonesien steigerte seine Produktion seit 2002/03 um 66 %[10] und überholte im Wirtschaftsjahr 2005/06 den Marktführer Malaysia.[17] Die Anbauflächen in Malaysia und Indonesien haben sich seit 1990 verzehnfacht. Tendenz steigend. Laut WWF plant allein Indonesien, die Plantagen bis 2025 auf 20 Millionen Hektar auszudehnen – die Hälfte davon soll auf Borneo Platz finden.[13]

Top 10 Länder, Palmöl-Produktion 2013

Damit liegt Indonesiens Weltmarktanteil bei 44 % und Malaysia bei 43 %. Andere Produktionsländer wie Kolumbien, Nigeria und Thailand liegen mit jeweils etwa 800.000 Tonnen pro Jahr bei jeweils 2 %.[17]

Die weltweit größte Handelsgesellschaft für Palmöl ist Wilmar International. Des Weiteren zu nennen sind die die südostasiatischen Plantagen besitzenden Unternehmen Sime Darby, IOI Group und Kuala Lumpur Kepong. Die Hauptabnehmer für Palmöl befinden sich vor allem in Europa und Asien. Dabei stellt Indien vor der Europäischen Union, China und Pakistan den wichtigsten Importeur dar. Vor allem in China und Indien nahm die Nutzung als Lebensmittel sehr stark zu, allein im Jahr 2006/07 steigerte sie sich um 4,5 % bzw. 1,2 Millionen Tonnen. Dagegen stieg die industrielle Nutzung vor allem durch die Herstellung von Biodiesel um 8,9 % bzw. 710.000 Tonnen.[18]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe wurde 2011 das weltweit produzierte Palm- und Palmkernöl etwa zu 68 % für Nahrungsmittel (z. B. Margarine, Salat- und Kochöl), etwa 27 % für industrielle Zwecke (z. B. Reinigungsmittel, Kosmetik, Kerzen) und 5 % für die Energiegewinnung verwendet.[19] Laut Greenpeace und WWF steckt Palmöl heute in etwa jedem zweiten Produkt, das in deutschen Supermärkten zu kaufen ist.[13]

Aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme wird Palmöl hergestellt, Palmkernöl wird aus den Kernen der Ölfrüchte gewonnen.

Nutzung als Nahrungsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palmöl und Palmkernöl wird zum größten Teil im Bereich der Ernährung eingesetzt. Dabei wird Palmöl aufgrund seiner ausgezeichneten Hitze- und Oxidationsstabilität vor allem in Asien und Afrika als Speisefett zum Kochen, Braten und Frittieren eingesetzt. Außerdem wird es international für die Herstellung von Backwaren, Margarine und Süßwaren verwendet.[20] Es eignet sich entsprechend gut zum Erhitzen (Braten), da darin kaum mehrfach ungesättigte Fettsäurereste gebunden sind, die sich beim Erhitzen in die physiologisch bedenklichen trans-Fettsäurereste umlagern können. Rotes (unraffiniertes) Palmöl enthält eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Carotinen und Vitamin E, insbesondere von Tocotrienolen. Bereits ein Esslöffel rotes Palmöl enthält mehr als die empfohlene Tagesaufnahme (Recommended Daily Allowance) von Vitamin A, Beta-Carotin und Vitamin E. Von Herstellerseite wird ein Gehalt von 400 bis 800 ppm von Tocopherol und Tocotrienol wie auch von Carotinen angegeben. Rotes Palmöl ist eine der besten Quellen für Tocotrienole, eine Gruppe von Vitamin E-Isomeren, deren gesundheitliche Vorteile gegenüber Tocopherolen seit ca. 25 Jahren erforscht werden.

Palmkernöl findet ebenfalls zu einem großen Anteil Verwendung bei der Herstellung von Margarine, der es einen butterähnlichen Geschmack verleiht. Durch verschiedene Veränderungen kann Palmkernöl auch zu hochwertigen Spezialfetten für die Süßwarenindustrie umgewandelt werden. Zudem wird es aufgrund seiner Schmelzeigenschaften für Kakaoglasuren, Eiskonfekt, Cremeüberzüge und schnellschmelzende Schokoladenfüllungen, Toffees und Karamell verwendet.[20] Denn Palmkernöl ist bei Raumtemperatur fest, bei Körpertemperatur schmilzt es dann jedoch rasch ab und hinterlässt dabei einen angenehmen Kühleffekt.[21]

Verwendung in Wasch- und Reinigungsmitteln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palmkernöl wird für die Herstellung von Tensiden, den waschaktiven Stoffen in konventionellen sowie ökologischen Reinigungsmitteln eingesetzt. Alle Wasch- und Reinigungsmittel enthalten Anteile von 3–30 % Tenside, welche entweder aus Erdöl hergestellt werden oder aus tropischen Ölen, hauptsächlich Palmkernöl. Mit immer größeren Palmölanbauflächen in Asien und in geringerem Maße Südamerika und Afrika, sowie dem Trend zu nachwachsenden Rohstoffen, ist der Anteil von Tensiden auf Basis Palmkernöl stark zunehmend, trotz der damit verbundenen ökologischen und sozialen Probleme.[22] Palmkernöl ist in Wasch- und Reinigungsmitteln nicht deklarationspflichtig und wird daher nicht explizit bei den Inhaltsstoffen erwähnt. Die Angaben betreffend anionischen, nichtionischen oder amphoteren Tenside geben keinerlei Hinweise auf deren Herkunft. Auf Basis von Palmölen sind Zuckertenside (auch mit Fettsäureglycosid bezeichnet), weiterhin enthalten pflanzliche Reinigungsmittel mit Inhaltsstoffen, welche mit Lauryl-, oder Coco- bezeichnet sind (wie z. B. Cocamidopropyl Betaine, Coco-Glucoside, Sodium Coco Sulfate, Cocoate, Natriumlaurylsulfat, etc.) in der Regel Palmkernöl.

Laut Aussagen der Hersteller und gemäß dem Palmölverbrauch der einzelnen Hersteller,[23] ist ein Verzicht auf Palmkernöl als Rohstoff für Reinigungsmittel heutzutage als schwierig einzuschätzen. Nach dem „Forum Waschen“ (des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel) seien die in Mitteleuropa erzeugten Pflanzenöle zur Tensidproduktion für die meisten Anwendungen derzeit technisch nicht geeignet[24] und Reinigungsmittel auf Basis europäischer Öle sind bisher bis auf wenige Ausnahmen kaum erhältlich.[25]

Andere Industrielle Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palmkernöl wird mit Kokosöl aufgrund der spezifischen Eigenschaften zu den Laurinölen zusammengefasst und wird für ein großes Spektrum weiterer Anwendungen in der Oleochemie genutzt. Ebenso wie Palmöl werden diese Öle zur Gewinnung von Laurinsäure verwendet und als Grundstoff für verschiedene Tenside wie Natriumlaurylsulfat und Sorbitanmonolaureat eingesetzt. Weitere Produkte auf der Basis von Palm- und Palmkernöl finden Verwendung in unterschiedlichen Produkten der Kosmetik- und Reinigungsindustrie.[20]

Palmöl als Energiequelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palmöltanks an einem Biokraftwerk werden befüllt

Die Ölpalme hat einen sehr hohen Ertrag an Öl – und damit Energie – pro Fläche. Ein Hektar Palmölplantage erbringt einen Ertrag von 4 bis 6 Tonnen Palmöl pro Jahr, je nach Palmsorte, Wetter und Pflege. Raps liefert lediglich einen Ertrag von 1,5 bis 2,5 Tonnen Rapsöl pro Hektar Anbaufläche pro Jahr. Zugleich erspart 1 t Palmöldiesel gegenüber der Verwendung der gleichen Menge herkömmlichen Diesels 44 GJ Primärenergie und reduziert damit den CO2-Ausstoß entsprechend (CO2-Äquivalente 1,4 t). Da Palmöl zudem gebundene Kohlenwasserstoffketten enthält, die denen mineralischer Öle ähneln, kann es nach Umesterung unproblematisch herkömmlichem Diesel beigemischt werden. Aus diesen Gründen wird dem Palmöl als nachwachsender Energiequelle teils eine gute Öko- und Energiebilanz bescheinigt.

Wenn Palmöl jedoch in großem Maßstab angebaut wird und in Flächenkonkurrenz mit dem tropischen Regenwald tritt, was bei einem Großteil der momentanen Anbaufläche zutrifft, dann sind die Auswirkungen auf die Umwelt negativ.[26]

Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2009 nicht mehr aktuell zu sein: Inbetriebnahmepläne in Singapur, Rotterdam und Österreich.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Malaysia bereitet einen verpflichtenden Wechsel von Diesel auf Biokraftstoffe zum Jahr 2008 vor. Seit 2007 muss in Malaysia verkaufter Diesel 5 % verestertes Palmöl enthalten. Zudem unterstützt die malaysische Regierung aufgrund steigender Mineralölpreise den Bau von Palmöl-Biodiesel-Anlagen der finnischen Firma Neste Oil im Land. Die erste Anlage im finnischen Porvoo startete Mitte 2007 die Produktion des als „Next Generation Biomass-to-Liquid“ (NExBtL) bezeichneten Biodiesels mit einer Jahreskapazität von 170.000 Tonnen. Der dort produzierte NExBtL erreicht eine Cetanzahl von 84 bis 99 und wies in Fahrversuchen mit Bussen abhängig vom Fahrzyklus bis zu 45 % weniger Partikelausstoß und bis zu 20 % weniger Stickoxide (NOx) auf. Ein weiterer Vorteil sind die geringen Kosten für die Herstellung, die bei rund einem Viertel gegenüber anderen Biodieselarten liegen. Zwei weitere Anlage befinden sich im Bau und sollen 2011 die Produktion von jeweils 800.000 t pro Jahr in Singapur[26] und Rotterdam[27] aufnehmen. Die Pläne für eine Palmölraffiniere in Deutschland am Standort Emden scheiterten dagegen Anfang 2007.

Die Herstellung des Kraftstoffs aus Palmöl erfolgt nach einer Vorbehandlung mit Phosphorsäure und Natronlauge. Das Öl wird bei Temperaturen von 320 bis 360 °C und bis zu 80 bar Druck unter Zusatz von Katalysator mit Wasserstoff versetzt (hydriert). Der Wasserstoff wird in Parvoo in einem mit Erdgas betriebenen Dampfreformer erzeugt. Zur Strom- und Dampferzeugung dienen die im Prozess anfallenden Abfallstoffe (Schlämme, Gase und Benzinreste) in einem Blockheizkraftwerk.[26]

Ökologische und sozialethische Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junge Palmöl-Plantage in Ost-Malaysia
Palmölplantage

Vor allem wegen der Nachfrage als Rohprodukt für die kostengünstige Herstellung von Biokraftstoffen, Kerzen und Waschmitteln, der deswegen einhergehenden Abholzung großer Regenwaldflächen zur Anlage von Plantagen in den Wachstumsgebieten der Ölpalme steht der Anbau von Ölpalmen international sowohl bei Umweltschutzorganisationen als auch politisch in der Kritik. Der Anbau der Ölpalmen erfolgt zudem nach gängiger Einschätzung gegenwärtig in ökologisch nicht nachhaltiger Weise. Verschiedene Umweltschutzorganisationen, in Deutschland insbesondere Greenpeace und Rettet den Regenwald, weisen darauf hin, dass für die Errichtung von neuen Ölpalmplantagen in großem Umfang Regenwälder zerstört werden. Diese Aussagen wurden durch Forschungsergebnisse auf der Basis von Daten der FAO bestätigt, nach denen zwischen 1990 und 2005 1,87 Millionen Hektar Palmölplantagen in Malaysia und mehr als 3 Millionen Hektar in Indonesien neu angelegt wurden, von denen mehr als die Hälfte durch Abholzung von Wäldern entstand.[28]

Während für Palmöl und andere biogene Energieträger ein in der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung seit 2007 gesetzlich vorgeschriebenes Zertifizierungssystem die ökologische und soziale Nachhaltigkeit des Anbaus in Zukunft gewährleisten und damit ungewollte Auswirkungen wie Urwaldrodung und Menschenrechtsverletzungen verhindern soll, wird die Produktion der anderen Palmölprodukte wie Kosmetika und Margarine weiterhin nicht Nachhaltigkeitskriterien unterworfen sein. Der im Jahr 2003 auf Initiative des WWF gegründete Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO) versucht als zentrale Organisation nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern und so die Umweltschädigung zu begrenzen.[29] Mitglieder des Roundtable sind neben Umweltschutzverbänden und anderen NGOs vor allem Firmen und Institutionen aus der Wertschöpfungskette des Palmöls, darunter Plantagenbetreiber, Händler und industrielle Abnehmer von Palmöl, aber auch Investoren und Banken.[30] Immer wieder kritisieren NGOs, dass die Vertreter der Palmölindustrie bei weitem in der Überzahl seien (394 Vertreter der Palmölindustrie gegenüber 22 Vertretern aus Umwelt und Soziales) und der Einfluss industrieller Interessen auf die Zertifizierung somit zu hoch sei.[22]

Seit Juni 2011 können Lebensmittelhersteller und Handel ein Siegel beim RSPO beantragen. Es kennzeichnet Lebensmittel und Kosmetika, die RSPO-zertifiziertes Palmöl enthalten. Das Siegel garantiert laut Eigenwerbung, dass für das Palmöl keine tropischen Regenwälder gerodet oder Torfmoore trockengelegt wurden.[31] Rettet den Regenwald gibt jedoch an, dass das RSPO-Siegel weder die Regenwaldrodung ausschließe noch den Klimaschutz in irgendeiner Weise berücksichtige.[32] Am RSPO wird ferner kritisiert, dass Monokulturen zugelassen sind.[33]

Arbeiter sollen mit falschen Versprechungen angelockt und zu Zwangsarbeit gezwungen worden sein.[34] Es wird von Tausenden von Kindern berichtet, die auf Palmölplantagen Fronarbeiten zu leisten hätten. Die indigene Bevölkerung wird teilweise von den RSPO-zertifizierten Firmen mit Gewalt vertrieben, Menschenrechtsverstöße werden kaum geahndet. Auch wird in vielen Palmölplantagen das Herbizid Paraquat eingesetzt, das jährlich zu Tausenden Vergiftungsfällen bei Plantagenarbeiterinnen und Kleinbauern führt. Paraquat ist in der Europäischen Union, der Schweiz und einigen anderen Ländern aus gesundheitlichen Gründen verboten.[35]

Immer wieder erscheinen Berichte über Brandstiftungen, um für neue Palmölplantagen Raum zu schaffen, z. B. Sumatra 2014.[36] Spektrum schreibt 2014: „Allein aus dem Absetzbecken einer typischen südostasiatischen Palmölplantage entweichen demnach pro Jahr über 3000 Tonnen Methan – das entspricht den Kohlendioxidemissionen von mehr als 22.000 Autos in den USA im gleichen Zeitraum. Der gesamte Methanausstoß der indonesischen Produzenten erhöht die Treibhausgasemissionen des Landes um ein Drittel.“[37]

Auch Bio-Palmöl soll in Anbau und Herstellung nicht unbedingt nachhaltiger sein, bis auf einen kleinen Teil, der in afrikanischen Kooperativen angebaut wird.[38]

Gesundheitliche Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt vor sogenannten Prozesskontaminanten in Lebensmitteln, die raffiniertes Palmöl enthalten[39]. Das sind unerwünschte Stoffe, die bei der industriellen Verarbeitung entstehen. Auch in Lebensmitteln mit anderen stark erhitzten pflanzlichen Ölen und Fetten als Zutat können diese Schadstoffe vorkommen. Es handelt sich um Glycidyl-Fettsäureester (GE), 3-MCPD-Fettsäureester und 2-MCPD-Fettsäureester. Die höchsten Konzentrationen dieser Estern wurden in Palmölen und Palmfetten gefunden, gefolgt von anderen Ölen und Fetten, so die EFSA. Nach Angaben der Risikostudie der EFSA enthält Palmöl/Palmfett im Mittelwert 3.955 μg/kg (Mikrogramm pro Kilogramm) Glycidol, hingegen Sonnenblumenöl 269 μg/kg, Rapsöl 166 μg/kg, Olivenöl 15 μg/kg. Bei 3-MCPD und 2-MCPD werden ähnliche Verhältnisse angegeben.[40]

Glycidol hat erbgutverändernde und krebserzeugende Eigenschaften und wurde von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ (Gruppe 2A) eingestuft. 3-MCPD betrachtet die Agentur als genotoxisch.

Medienanstalten und Verbraucherschutzorganisationen haben Markenprodukte - darunter Babymilch, Kekse, Kindersnacks und Kartoffelchips, die Palmöl enthalten, in Labors untersuchen lassen und Berichte über die darin festgestellten Kontaminanten veröffentlicht.[41][42][43][44]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Krist, Gerhard Buchbauer, Carina Klausberger: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Springer Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-211-75606-5, S. 330–337.
  • Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie: Sozial-ökologische Bewertung der stationären energetischen Nutzung von importierten Biokraftstoffen am Beispiel von Palmöl. Studie vom Februar 2008 (Pressemitteilung und Endbericht).
  • Friedel Hütz-Adams: Palmöl: vom Nahrungsmittel zum Treibstoff? Entwicklungen und Prognosen für ein umstrittenes Plantagenprodukt. online (PDF; 1,09 MB), auf suedwind-institut.de, abgerufen am 7. Mai 2017.
  • Oi-Ming Lai, Chin-Ping Tan, Casimir C. Akoh: Palm Oil: Production, Processing, Characterization, and Uses. AOCS Press, 2012, ISBN 978-0-9818936-9-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Eintrag zu Palmöl. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 3. November 2015.
  2. a b c d e Frank Gunstone: Vegetable Oils in Food Technology. Second Edition, Wiley-Blackwell, 2011, ISBN 978-1-4443-3268-1, S. 26.
  3. a b c d e f g h Oi-Ming Lai, Chin-Ping Tan, Casimir C. Akoh: S. 384.
  4. a b c d e Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umwelfragen: Pflanzenölbetriebene Blockheizkraftwerke. Teil 1, 2002, S. 11, 18, online (PDF; 2,12 MB), lfu.bayern.de, abgerufen am 30. April 2017.
  5. a b c d e f g FNR: Biokraftstoffe Basisdaten Deutschland Oktober 2008, (PDF; 526 kB).
  6. a b c Jens Schaak: Emissionen aus der dieselmotorischen Verbrennung von Pflanzenölen und... Dissertation, Tech. Univ. Braunschweig, Cuvillier, 2012, ISBN 978-3-95404-173-2, S. 364.
  7. a b c Bertrand Matthäus: Welches Fett und Öl zu welchem Zweck? Merkmale und Spezifikationen von Ölen und Fetten. (PDF; 183 kB).
  8. C. L. Alsberg, A. E. Taylor: The Fats and Oils. Stanford University Press, 1928, S. 18.
  9. a b B. A. Stout: Biomass Energy Profiles. Ausgabe 54, FAO, 1983, ISBN 92-5-101302-0, S. 86.
  10. a b c S. Graser, N. Jack, S. Pantoulier (Hrsg.): Agrarmärkte 2007. In: Schriftenreihe der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. 4/2008, S. 83–85.
  11. a b USDA: Oilseeds: World Markets and Trade. Oktober 2015, (PDF; 852 kB).
  12. a b FAO Statistk 2014.
  13. a b c d A. Schadwinkel: Die Welt braucht neues Öl. In: Zeit Online. 5. Nov. 2015.
  14. Alain Karleskind: Manuel des corps gras. 2. Volumes, AFCEG, TEC DOC, Paris 1992, ISBN 978-2-85206-662-5.
  15. a b Puder aus Palmen In: Focus Money. vom 12. Mai 2010.
  16. Preise für Pflanzenöl ziehen kräftig an. (Memento vom 17. Dezember 2012 im Webarchiv archive.is) In: FAZ. 28. April 2008.
  17. a b Indonesia: Palm Oil Production Prospects Continue to Grow. Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten|United States Department of Agriculture (USDA) Foreign Agricultural Service, 31. Dezember 2007.
  18. Palm Oil Continues to Dominate Global Consumption in 2006/07. (Memento vom 19. Oktober 2012 im Internet Archive) (PDF; 33 kB). Oilseeds: World Markets and Trends FOP 6-06, United States Department of Agriculture (USDA) Juni 2006.
  19. Palmölnutzung weltweit 2010 (Palmöl und Palmkernöl) FNR-Mediathek. In: fnr.de. Abgerufen am 15. Dezember 2016.
  20. a b c Sabine Krist, Gerhard Buchbauer, Carina Klausberger: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Springer Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-211-75606-5, S. 330–337.
  21. Walter Rau AG über die Eigenschaften des Palmkernöls
  22. a b Palmöl - Das grüne Gift (Memento vom 17. März 2016 im Internet Archive).
  23. Artikel. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original, abgerufen am 2. Mai 2017.@1@2Vorlage:Toter Link/wwf.panda.org (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven).
  24. Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V.: Forum Waschen: Fakten zur Verwendung von Palm(kern)ölen in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln in Deutschland 28. März 2013 (Memento vom 2. Dezember 2016 im Internet Archive) (PDF; 145 kB).
  25. Sofia Delgado: Good Soaps reinigt auf Basis einheimischer Pflanzen. Interview mit Regine Schneider, muenchen-querbeet.de, 18. November 2013.
  26. a b c Premium-Biodiesel aus Palmöl bedroht Regenwald in VDI-Nachrichten, 11. April 2008.
  27. Neste Oil to build a NExBTL renewable diesel plant in Rotterdam, Pressemitteilung von Neste Oil, 13. Juni 2008.
  28. Tropical forests axed in favour of palm oil. NewScientist Environment 31. Mai 2008.
  29. Roundtable on Sustainable Palm Oil, Website.
  30. Players in the Palm Oil Supply Chain auf den Seiten des Roundtable on Sustainable Palm Oil.
  31. Markenzeichen für nachhaltiges Palmöl schafft Transparenz für Verbraucher. (Memento vom 2. April 2015 im Webarchiv archive.is) Pressemeldung OVID vom 9. Juni 2011.
  32. Schmutziges Öl: Die Palmöl-Recherche auf wheaty.com, 9. Oktober 2012.
  33. NGOs sorgen für Unbehagen auf tier-im-fokus.ch, 23. September 2014.
  34. E. Benjamin Skinner: Indonesia’s Palm Oil Industry Rife With Human-Rights Abuses. In: Bloomberg. 20. Juli 2013, abgerufen am 31. August 2016.
  35. Stop Paraquat. (Memento vom 14. März 2014 im Webarchiv archive.is).
  36. Sumatras Wälder brennen. In: dw.de. Abgerufen am 15. Dezember 2016.
  37. Pflanzenöle: Palmöl ist noch umweltschädlicher. In: spektrum.de. Abgerufen am Dezember 2016.
  38. Ist Bio-Palmöl besser? auf wheaty.com, 2. September 2014.
  39. Prozesskontaminanten in Pflanzenölen und Lebensmitteln. EFSA, 3. Mai 2016, abgerufen am 9. November 2016.
  40. EFSA: Risks for human health related to the presence of 3- and 2-monochloropropanediol (MCPD), and their fatty acid esters, and glycidyl fatty acid esters in food. In: EFSA Journal. Volume 14, Issue 5, e04426, 2016, doi:10.2903/j.efsa.2016.4426 (englisch). Online auf academia.edu, (siehe Tabelle 11, 12, 13, sowie Grafik 5).
  41. Ergebnisse Laborprüfung Nuss-Nougat Cremes. ZDF Wiso, 2. November 2015, abgerufen am 9. November 2016. (PDF; 65 kB).
  42. Inchiesta Olio de palma – Merende indigeste. Altroconsumo, Juni 2016, abgerufen am 9. November 2016 (italienisch).
  43. Huile de palme et santé: nouvelles inquiétudes. RTS, 11. Oktober 2016, abgerufen am 9. November 2016 (französisch).
  44. Neue Schadstoffe in Babymilch. SRF, 11. Oktober 2016, abgerufen am 9. November 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Palmöl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Palmöl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien