Prichsenstadt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Prichsenstadt
Prichsenstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Prichsenstadt hervorgehoben
Koordinaten: 49° 49′ N, 10° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Höhe: 248 m ü. NHN
Fläche: 48,86 km2
Einwohner: 3139 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97357
Vorwahlen: 09383, 09382
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 158
Stadtgliederung: 11 Gemarkungen mit
18 Gemeindeteilen
Adresse der
Stadtverwaltung:
Karlsplatz 5
97357 Prichsenstadt
Webpräsenz: www.prichsenstadt.de
Bürgermeister: René Schlehr (CSU)
Lage der Stadt Prichsenstadt im Landkreis Kitzingen
Landkreis Bamberg Landkreis Schweinfurt Landkreis Würzburg Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Wiesenbronn Segnitz Rüdenhausen Rödelsee Obernbreit Martinsheim Marktsteft Markt Einersheim Marktbreit Mainstockheim Mainbernheim Kleinlangheim Kitzingen Geiselwind Castell (Unterfranken) Buchbrunn Albertshofen Abtswind Willanzheim Wiesentheid Volkach Sulzfeld am Main Sommerach Seinsheim Schwarzach am Main Prichsenstadt Nordheim am Main Iphofen Großlangheim Dettelbach Biebelried Landkreis HaßbergeKarte
Über dieses Bild

Prichsenstadt ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prichsenstadt (fränkisch Brieschdi) liegt im fränkischen Weinland zwischen Main und Steigerwald. Durch die Gemeindeteile Bimbach, Brünnau, Neuses am Sand, Stadelschwarzach und Laub fließt die Schwarzach.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prichsenstadt hat elf Gemarkungen mit 18 Ortsteilen[2]:

Gmkg-
Schl
Gemarkung Fläche
ha
Einwohner
1.11.2007[3]
Ortsteil(e)
1130 Prichsenstadt 642,73 949 Prichsenstadt, Lohmühle, Schnaudersmühle, Wiesenmühle
1132 Altenschönbach 562,41 390 Altenschönbach, Lochmühle
1117 Bimbach 279,65 163 Bimbach, Erhardsmühle
1115 Brünnau 299,50 200 Brünnau, Stolzenmühle
1145 Rüdern 634,14 12 Rüdern, Ilmbach
1114 Järkendorf 338,42 112 Järkendorf
1131 Kirchschönbach 443,90 377 Kirchschönbach
1128 Laub 575,54 268 Laub
1118 Neudorf 209,49 118 Neudorf
1116 Neuses am Sand 300,97 127 Neuses am Sand
1129 Stadelschwarzach 599,64 525 Stadelschwarzach
  Stadt Prichsenstadt 4886,39 3251 9 Ortsteile

Alle Gemarkungen mit Ausnahme von Rüdern waren früher selbständige Gemeinden. Rüdern wurde 1870 weitgehend abgesiedelt und nach Kirchschönbach eingemeindet.[4] Kirchschönbach (einschließlich Rüdern) sowie die acht übrigen Gemeinden wurden 1972 im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Prichsenstadt eingemeindet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Oberschwarzach, Geiselwind, Wiesentheid, Volkach und Lülsfeld.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westtor

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Urkunde der Grafen zu Castell wird Prichsenstadt 1258 zum ersten Mal erwähnt, als die Grafen dem Ritter Heinrich von 'Briesendorf' es als Kämmererlehen übertrugen.[5] Die Ritter saßen auf dem Schloss Prichsenstadt. 1367 erhielt Prichsenstadt die Stadtrechte von Kaiser Karl IV. verliehen. Anschließend ging es in den Besitz seines Sohnes König Wenzel von Böhmen über. Nach einigen Auseinandersetzungen gelangte der Ort in den Besitz der Burggrafen von Nürnberg und damit später an die Markgrafen von Brandenburg. Mehrmals war die Stadt schweren Zerstörungen ausgesetzt: 1492 durch den Würzburger Bischof Johann III. von Grumbach und 1632 durch kaiserliche Truppen vom Lager Wallensteins sowie in den folgenden Jahren durch umherziehende plündernde Haufen. 1803 kam Prichsenstadt vom 1792 preußisch gewordenen Fürstentum Ansbach, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag, an das Kurfürstentum Bayern.

Jüdische Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien im Ort ansässig, die eine Jüdische Gemeinde bildeten und sich in der Freihofgasse 2 ihre Synagoge und ihr Schulhaus errichteten. Beide Gebäude wurden beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern verwüstet, sie werden seither für andere Zwecke genutzt. An der Friedhofsmauer erinnert eine Gedenktafel an dieses Geschehen und an die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Einwohner in der Shoa.[6] Neben der Jüdischen Gemeinde in Prichsenstadt bestanden in den heutigen Ortsteilen Altenschönbach, Brünnau, Järkendorf und Kirchschönbach Kultusgemeinden.

Wüstungen und Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 15. Jahrhundert wurde das Dorf Kleinschönbach aufgegeben und die Bewohner zogen in das befestigte Prichsenstadt. Bis zur Gemeindegebietsreform gehörte Prichsenstadt zum Landkreis Gerolzhofen. Dieser wurde am 1. Juli 1972 aufgelöst und die bis dahin selbständigen Gemeinden Altenschönbach, Bimbach, Brünnau, Järkendorf, Kirchschönbach, Laub, Neudorf, Neuses am Sand und Stadelschwarzach nach Prichsenstadt eingegliedert.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat hat 16 Mitglieder. Er setzt sich seit der Kommunalwahl vom 16. März 2014 wie folgt zusammen:[8]

Partei / Liste Sitze Stimmenanteil
CSU 7 40,0 %
SPD 3 19,1 %
Stadelschwarzacher Ortsliste 2 14,6 %
Freie Bürgergemeinschaft 4 26,3 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister ist seit der Kommunalwahl 2014 René Schlehr (CSU). Er wurde mit 53,4 % der gültigen Stimmen gewählt. Qua Amt ist er zusätzliches Mitglied des Gemeinderats.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blasonierung
Gespalten von Blau und Rot; vorne ein silberner Turm mit breitem silbernen Dach, hinten ein doppeltschwänziger, silbern gekrönter und silbern bewehrter silberner Löwe, der die Vorderpranken an den Turm legt.
  • Wappengeschichte
Die Darstellung des Turms und des Löwen erscheint bereits in den frühesten bekannten Siegeln, die im 14. Jahrhundert geführt wurden. Der Löwe ist wahrscheinlich der böhmische Löwe. Die Stadt erhielt die Stadtrechte im Jahr 1367 vom König von Böhmen. Bis 1818 blieb das Wappen unverändert, der Löwe wurde 1818 entfernt. Am 21. Mai 1837 wurde jedoch das alte Wappen, nach einem Erlass König Ludwig I. von Bayern, wieder angenommen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein gut erhaltenes mittelalterliches Stadtbild (Kopfsteinpflaster, Fachwerk-/Steinhäuser und Stadttore) erwartet den Besucher. Es gibt ein privates Fossilien- und Mineralien-Museum (Eintritt kostenlos) sowie den Nachtwächter, der allabendlich seine Runden durch die zahlreichen gastronomischen Betriebe dreht und den Besuchern ein Ständchen widmet.

In Bimbach gibt es ein spätbarockes Schloss aus dem Jahr 1703 und die Reste einer keltischen Viereckschanze.

Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kanzelinschrift

Im Mittelalter sah man in der unmittelbaren Nähe zum Allerheiligsten mit den Reliquien eine Anwartschaft der Verstorbenen auf die Erlösung bei der Auferstehung. Eine ähnliche Bedeutung wurde auch dem geweihten Kirchhof zugeschrieben. Außerhalb der Kirchhof- und Stadtmauern fanden Ausgestoßene ihren Platz in ungeweihter Erde. Durch die Reformation änderte sich das grundlegend. Die Gläubigen verließen sich auf das rettende Leiden und Sterben Christi für jeden einzelnen. Friedhöfe wurden vor allem in evangelischen Herrschaftsbereichen nun außerhalb angelegt.

So entstand 1605 vor dem Westtor der Kirchhof mit freistehender Predigtkanzel und Arkadengang. Die in jenem Jahr und später nötigen Ausbesserungen sind im Stein der Kanzel festgehalten. Ähnliche Anlagen sind in Mainbernheim, Wiesenbronn, Repperndorf, Marktsteft und Abtswind zu finden.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Goldeule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Mann, der in Prichsenstadt lebte, besaß eine große Ohreneule. Sie legte ihm jeden Tag statt eines Eies einen Golddukaten. Der Mann hatte die Dienste der Eule viele Jahre in Anspruch genommen und war darüber sehr wohlhabend geworden. Die Eule aber starb trotz ihres hohen Alters nicht. Er überlegte sich nun, dass dieses Wunder nicht ohne Gegenleistung geschehen könne und entschied, die Eule so bald wie möglich los zu werden.

Als eine Frau mit einem Tragekorb auf ihrem Rücken zu ihm kam, setzte der Mann ihr die Eule unbemerkt in den Korb. Die Frau verließ das Haus des Mannes und sank dann plötzlich auf die Knie. Sie sagte: „Was habe ich denn so Schweres in dem Korb?“ Sie drehte sich um und sah in die schaurigen Augen der Eule. Sie wich zurück und die Eule flog wieder in die Stube. Der Mann lebte noch einige Jahre notgedrungen mit der Eule, ehe sie ihn eines Tages tötete und ihm die Augen aushackte.[9]

Von der Klagemutter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines Tages besuchte eine wohlhabende Frau aus der Stadt Prichsenstadt einen Bekannten. Er war schwer erkrankt und die Frau pflegte ihn. Sie kehrte erst gegen Mitternacht in ihr Haus zurück. Als sie sich bereits ins Bett legen wollte, begann es plötzlich vor dem Haus laut zu weinen. Die Frau öffnete die Fenster, sie konnte allerdings niemanden ausmachen. Währenddessen ging das Weinen weiter. Die Frau vermutete, dass die Klagemutter geweint hatte, die sich vor dem Ableben mancher Menschen bemerkbar machte.[10]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Osten der Stadt (unmittelbar in Nähe der B 286) ist ein Gewerbegebiet geplant. Dort sollen Einzelhandel sowie Handwerk und einige Dienstleister vertreten sein.

Die Firma MERO (Stahlrohr-Baukastensystem) hat ihre Produktionsstätte in Prichsenstadt. Daneben existiert in der Stadt eine Zweigstelle der Raiffeisenbank Volkach-Wiesentheid.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeindebereich von Prichsenstadt wird von zwei Bundesstraßen durchquert:

  • Die B 22 erschließt die Ortsteile Laub, Stadelschwarzach, Neuses am Sand, Bimbach und Neudorf.
  • Die B 286 hat eine Abfahrt in Neuses am Sand, an der Kreuzung mit der B 22. Über die B 286 erreicht man in Fahrtrichtung Süden bei einer Fahrtzeit von ca. 10 Minuten die Bundesautobahn 3 (AS-Wiesentheid).

Die Bahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt, die die Ortsteile Järkendorf, Stadelschwarzach und Prichsenstadt tangiert, wird nicht mehr genutzt. Auch Sonderfahrten (z. B. durch den Förderverein Steigerwald-Express) werden nicht mehr durchgeführt. Der Güterverkehr ist bereits seit längerer Zeit eingestellt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Arnholdt: Chronik des Städtchens Prichsenstadt. Gefertigt im Jahre 1929, ergänzt in den Jahren 1930–1938. masch. Prichsenstadt 1938
  • Johann Kaspar Bundschuh: Prichsenstadt. In: Geographisches, statistisch-topographisches Lexikon von Franken. Band 4: Ni–R. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753101, Sp. 398 (franconica.uni-wuerzburg.de).
  • Jesko Graf zu Dohna (Hrsg.): Auf den Spuren der Grafen zu Castell. Vier Türme GmbH, Benedict Press, Münsterschwarzach 2004, S. 136–139.
  • Gottfried Stieber: Prichsenstatt. In: Historische und topographische Nachricht von dem Fürstenthum Brandenburg-Onolzbach. Johann Jacob Enderes, Schwabach 1761, S. 631–638 (Digitalisat).
  • Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim. Geschichtliches, Sehenswertes, Überlieferungen. Volkach 1987

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Prichsenstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111114/171800&attr=OBJ&val=1667
  3. Zahlen und Fakten. Hierbei ist Kirchschönbach nur einschließlich Riedern mit 389 Einwohnern vermerkt. Der Anteil der Gemarkung wird nach der Volkszählung von 1987 auf 12 geschätzt
  4. Daten der Prichsenstädter Geschichte
  5. Jesko Graf zu Dohna (Hrsg.): Auf den Spuren der Grafen zu Castell. Vier Türme GmbH, Benedict Press, Münsterschwarzach 2004, S. 136.
  6. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 184
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 472.
  8. Bayerisches Landesamt für Statistik
  9. Treutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 190
  10. Arnholdt, Johann: Chronik des Städtchens Prichsenstadt. S. 69