Sauli Niinistö

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Sauli Niinistö (2015)

Sauli Väinämö Niinistö [ˈsɑu̯li 'væi̯næmœ 'niːnistœ] (* 24. August 1948 in Salo) ist ein finnischer Politiker, Bankier und Jurist. Niinistö gehört der konservativen Nationalen Sammlungspartei an. Seit dem 1. März 2012 ist er Präsident der Republik Finnland.

Herkunft und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niinistö wurde 1948 als Sohn von Väinö Pellervo Niinistö, einem Auflagenverantwortlichen, und Hilkka Niinistö, einer Krankenschwester, als jüngstes von vier Kindern in Salo geboren. In seiner Familie wurde traditionell konservativ gewählt.[1] Von 1968 bis 1969 leistete er seinen Wehrdienst und wurde als Leutnant entlassen. Nach dem Abitur 1966 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Turku, welches er 1974 abschloss.[2] Bevor er 1978 seine eigene Kanzlei eröffnete, arbeite er als Polizist. Mit seinem Einzug in das finnische Parlament, beendete er 1988 seine Tätigkeit als Jurist und schloss seine Kanzlei.[3]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sauli Niinistö und seine zweite Ehefrau Jenni Haukio im Juni 2012.

Im Jahr 1974 heiratete Niinistö Marja-Leena Alanko, mit der er zwei Söhne, Nuutti (* 1975) und Matias (* 1980), hat. 1995 kam sie bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Seine Erfahrungen über die Alleinerziehung seiner Söhne verarbeitete er 2005 in seinem Buch Viiden vuoden yksinäisyys (dt.: Fünf Jahre Einsamkeit). Niinistö war mit seinen Söhnen in Thailand, als sich das Seebeben im Indischen Ozean 2004 ereignete, und überlebte mit großem Glück. 2009 heiratete er die Dichterin Jenni Haukio. Im Februar 2018 erwartet das Paar das erste gemeinsame Kind.[4]

Seine Neffe ist der ehemalige Umweltminister und Vorsitzende des Grünen Bundes, Ville Niinistö.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parlamentsabgeordneter (1987 bis 2003; 2007 bis 2011)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1987 wurde Niinistö das erste Mal für seine Heimatstadt Salo in den Eduskunta gewählt. Dort gehörte er der Fraktion der Nationalen Sammlungspartei an. Von 1977 bis 1992 saß er in Salo auch im Stadtrat.[5]

Im Jahr 2006 verkündete er, dass er bei der Wahl 2007 wieder in das Parlament einziehen will und erhielt 60.498 Wählerstimmen, so viele wie in der hundertjährigen Geschichte der Wahlen in Finnland noch niemand vor ihm.[6][7] Im April 2007 erfolgte seine Wahl zum Präsidenten des Finnischen Parlaments. Dieses Amt übte er bis zum Ende der Legislaturperiode 2011 aus.

Kabinette Lipponen (1995 bis 2003)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Parlamentswahl 1995, bei der Niinistö Spitzenkandidat war, wurde die Sammlungspartei mit 17,9 Prozent nur drittstärkste Kraft. Wahlsieger war der sozialdemokratische Paavo Lipponen. Im sogenannten Regenbogen-Kabinett, bestehend aus SDP, Sammlungspartei, Grüner Bund und der Schwedischen Volkspartei, war Niinistö bis 2001 stellvertretender Ministerpräsident von Finnland. In der Regierung Lipponen fungierte er zunächst auch als Justizminister, wurde aber im Jahr 1996 zum Finanzminister ernannt.

Bei der Parlamentswahl 1999 war Niinistö erneut Spitzenkandidat seiner Partei, die mit 21 Prozent wieder nur drittstärkste Kraft wurde. In der zweiten Regierung Lipponen, bestehend aus SDP, Sammlungspartei, Schwedische Volkspartei und Linksbündnis, war er weiterhin Finanzminister. Stellvertretender Ministerpräsident wurde Pertti Salolainen. In seine Amtszeit als Finanzminister fielen die Gründung der Europäische Zentralbank und die Schaffung des Euros, für dessen Einführung er sich in Finnland eingesetzt hat.[8]

Nach seiner Zeit in den Kabinetten war er bis 2007 Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank.

Präsident der Republik Finnland (seit 2012)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. März 2012: Sauli Niinistö übernimmt das Präsidentenamt von Tarja Halonen

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 gewann Niinistö gegen Pekka Haavisto in der Stichwahl und übernahm am 1. März 2012 das Präsidentenamt von Tarja Halonen, die nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal zu Wahl antreten durfte.[9] Es ist das erste Mal seit 30 Jahren, dass wieder ein Konservativer Präsident von Finnland ist. Als Präsident nimmt Niinistö überwiegend representative Aufgaben war, er empfängt Staatsgäste oder bereist andere Länder. Zudem ist er Oberbefehlshaber der finnischen Armee.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niinistö ist Mitglied der Nationalen Sammlungspartei, deren Vorsitzender er von 1994 bis 2001 war. Bei den Wahlen 1995 und 1999 war er Spitzenkandidat seiner Partei, die bei beiden Wahlen nur drittstärkste Kraft wurde.

Präsidentschaftskandidaturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niinistö ließ sich bei den Präsidentschaftswahlen 2000 nicht als Kandidat aufstellen, obwohl ihm gute Chancen zugeschrieben wurden. Er begründete dies unter anderem damit, dass er Junggeselle sei, was für einen Präsidenten seiner Meinung nach nicht passend sein konnte.

2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niinistö war Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2006 und unterlag mit 48,2 % der Stimmen gegen Tarja Halonen.

2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der finnischen Präsidentschaftswahl 2012 war Niinistö erneut Kandidat der Nationalen Sammlungspartei. Im ersten Wahlgang erreichte er im Januar mit 37 Prozent die meisten Stimmen, verfehlte aber die erforderliche absolute Mehrheit. Am 5. Februar 2012 trat er in einer Stichwahl gegen Pekka Haavisto (Grüner Bund) an, der auf 18,8 Prozent gekommen war.[10] Niinistö gewann die Wahl und trat das Amt des Präsidenten am 1. März 2012 an.

2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2017 verkündete Niinistö, dass er bei der Präsidentschaftswahl 2018 für eine zweite Amtszeit, diesmal als unabhängiger Kandidat, antreten werde. Seine Kandidatur wird von der Nationalen Sammlungspartei und den Christdemokraten unterstützt.[11][12] Laut Umfragen könnte es Niinistö gelingen, die absolute Mehrheit schon im ersten Wahlgang zu erreichen.[13][14]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niinistö gilt als gemäßigt-konservativ und bezeichnet sich selbst als überzeugten Europäer. Die Europäische Union möchte er vertiefen und sie zur Basis, zu mehr Solidarität und den Kriterien von Maastricht, zurückführen. Er ist der Auffassung, dass jeder Mitgliedsstaat der EU seine Finanzpolitik so steuern sollte, dass keinem anderen Partner geschadet wird.[15]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sauli Niinistö und Wladimir Putin bei einem Treffen im Juli 2017.

In seiner Neujahrsansprache 2015 verurteilte Niinistö die Annexion der Krim durch Russland.[16] Generell möchte er aber eine europäische Annäherung an Russland und sieht darin für Finnland, als Nachbarland, eine zentrale Rolle.[17] In seiner Amtszeit hat er sich mehrmals mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen.

Migration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 hielt er vor dem finnischen Parlament eine Rede, in der er sagte, dass "Migration ein ernstes Problem" sei und warnte davor, dass die vielen Migranten eine "Herausforderung für die westlichen Werte" werden. Er setzt sich für strengere Kontrolle für die Einreise in die Europäische Union ein und möchte Wirtschaftsmigraten an der Einreise hindern, solange die Migrationszahlen nicht abgenommen haben. Kriegsflüchtlingen möchte er helfen.[18]

Gleichzeitig setzt sich Niinistö für ein offenes und multikulturelles Finnland ein. Als der Basisfinnen-Abgeordnete Olli Immonen im Juli 2015 auf Facebook von einem "Albtraum namens Multikulturalismus" schrieb, versammelten sich in Helsinki mehr als 10.000 Menschen zu einer Demonstration. Präsident Niinistö veröffentliche dazu eine Erklärung, in der er sich für ein multikulturelles Finnland aussprach und sich mit den Demonstranten solidarisierte.[19]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staatliche Orden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FIN Order of the White Rose Grand Cross BAR.png Großkreuz des Orden der Weißen Rose mit Collane

FIN Order of the Lion of Finland 1Class BAR.png Großkreuz des Orden des Löwen

Großkreuz des Orden des Freiheitskreuzes

AUT Honour for Services to the Republic of Austria - 1st Class BAR.png Groß-Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich

EST Order of the Cross of Terra Mariana - 1st Class BAR.png Orden des Marienland-Kreuzes mit Collane

Ritter des Elefanten Ordens

ISL Icelandic Order of the Falcon - Grand Cross BAR.png

Collane des Falkenordens

ITA OMRI 2001 GC-GCord BAR.svg

Großkreuz mit Großer Ordenskette des Verdienstorden der Italienischen Republik

LTU Order of Vytautas the Great with the Golden Chain BAR.png

Großkreuz des Orden Vytautas des Großen mit Collane

Ordre du Lion d'Or de la Maison de Nassau ribbon.svg Großkreuz des Nassauischen Hausorden vom Goldenen Löwen

POL Order Orła Białego BAR.svg Ritter des Orden des Weißen Adlers

NLD Order of Orange-Nassau - Knight Grand Cross BAR.png Großkreuz des Orden von Oranien-Nassau

NOR Royal Norwegian Order of Merit - Grand Cross BAR.png Den kongelige norske fortjenstorden storkors stripe.svg Großkreuz des Verdienstordens von Norwegen

St Olavs Orden storkors stripe.svg Großkreuz des Sankt-Olav-Orden

Order of the Seraphim - Ribbon bar.svg

Ritter des Königlichen Seraphinenorden

SWE King Carl XVI Gustaf Jubilee Medal III.png

Empfänger des Abzeichen anlässlich des 70. Geburtstages von König Carl XVI. Gustaf

Ehrendoktorwürden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sauli Niinistö – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.finn-land.net/finnland-n/niinistosauli.htm
  2. https://www.britannica.com/biography/Sauli-Niinisto
  3. https://www.britannica.com/biography/Sauli-Niinisto
  4. [1] President Sauli Niinistö und Frau Jenni Haukio erwarten ein Kind - Webseite, (finnisch), (abgerufen am 10. Oktober 2017)
  5. http://www.tpk.fi/public/default.aspx?nodeid=44811&culture=en-US&contentlan=2
  6. http://192.49.229.35/E2007/e/valitut/kokomaaval.htm
  7. http://www.kansanarkisto.fi/kotila.htm
  8. https://www.welt.de/politik/ausland/article117771374/Wir-koennen-uns-Illusionen-nicht-mehr-leisten.html
  9. Finnische Präsidentenwahl: Euro-Befürworter Sauli Niinistö gewinnt erste Runde der Wahl bei focus.de, 23. Januar 2012 (abgerufen am 23. Januar 2012).
  10. Finnische Präsidentenwahl: Euro-Befürworter Sauli Niinistö gewinnt erste Runde der Wahl bei focus.de, 23. Januar 2012 (abgerufen am 23. Januar 2012).
  11. https://yle.fi/uutiset/3-9637391
  12. https://yle.fi/uutiset/3-9786011
  13. http://www.is.fi/kotimaa/art-2000005235595.html
  14. http://www.hs.fi/politiikka/art-2000005370145.html
  15. https://www.welt.de/politik/ausland/article117771374/Wir-koennen-uns-Illusionen-nicht-mehr-leisten.html
  16. http://www.presidentti.fi/public/default.aspx?contentid=319060&nodeid=44807&contentlan=2&culture=en-US
  17. https://www.welt.de/politik/ausland/article117771374/Wir-koennen-uns-Illusionen-nicht-mehr-leisten.html
  18. https://www.welt.de/politik/ausland/article117771374/Wir-koennen-uns-Illusionen-nicht-mehr-leisten.html
  19. https://www.welt.de/politik/ausland/article144565979/Tausende-Finnen-demonstrieren-fuer-Multikulti.html
  20. http://www.hayek-stiftung.de/preisverleihungen.html