Sustenpass

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Sustenpass
Blick vom Sustenpass auf Steingletscher und Steinsee Richtung Süden, in der Bildmitte das Gwächtenhorn

Blick vom Sustenpass auf Steingletscher und Steinsee Richtung Süden, in der Bildmitte das Gwächtenhorn

Himmelsrichtung West Ost
Passhöhe 2224 m ü. M.
Kanton Bern Uri
Wasserscheide Steinwasser, Gadmerwasser, Aare Meienreuss, Reuss, Aare
Talorte Innertkirchen Wassen
Ausbau Passstrasse
Erbaut 1938–1945
Wintersperre November – Mai
Gebirge Urner Alpen
Profil
Denzel-Skala SG 1-2 SG 1-2
Ø-Steigung 5,7 % (1599 m / 28 km) 7,3 % (1308 m / 18 km)
Max. Steigung 9 % 9 %
Karte
Sustenpass (Schweiz)
Sustenpass
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Koordinaten 677251 / 175773Koordinaten: 46° 43′ 43″ N, 8° 26′ 57″ O; CH1903: 677251 / 175773
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Der Sustenpass an der Hauptstrasse 11 verbindet den Kanton Uri mit dem Kanton Bern. Die Passstrasse ist 45 km lang und ist eine der neueren in den Schweizer Alpen. Sie wurde erst zwischen 1938 und 1945 gebaut. Weil sie vor allem dem Tourismus dient, ist sie in der Regel nur von Juni bis Oktober offen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strasse beginnt in Wassen an der Nordrampe des Gotthardpasses und führt durch die im Meiental liegenden Dörfer Meien und Färnigen mit maximal 9 Prozent Steigung. Die Passhöhe wird auf 2224 m in einem Scheiteltunnel unterquert. An der Westrampe im Berner Oberland geht der Abstieg mit ebenfalls 9 Prozent am Steingletscher vorbei durch die Orte Gadmen und Nessental im Gadmertal.

In Innertkirchen (Endpunkt der Meiringen-Innertkirchen-Bahn) vereinigen sich die Strassen vom Sustenpass und vom Grimselpass; an der Aareschlucht vorbei wird Meiringen erreicht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde, darunter der Stamm einer Zirbelkiefer und Torf, weisen darauf hin, dass der Pass in vorgeschichtlicher Zeit zeitweise gletscherfrei war.[1]

Der Name leitet sich ab von Sust, was so viel wie Lager oder Warenhaus bedeutet. Spätestens seit dem Mittelalter führte eine Handelsverbindung über den Susten.

Während der Villmergerkriege in den Jahren 1656 und 1712, als sich die Berner und die Zürcher auf der einen und die Kantone der Waldstätte mit Zug auf der anderen Seite gegenüberstanden, wurden durch Oberstleutnant L. Tillier mit dem «Hasli-Heer» die Vorbereitungen für die Grenzsicherungen auf dem Sustenpass getroffen. Auch auf der Seite Uris wurden grössere Befestigungsanlagen erbaut. Sie lagen auf halben Weg zwischen Wassen und Meien; ihre Ruinen sind noch relativ gut erhalten (Meienschanze[2]).

1810 beschlossen die Kantonsregierungen von Bern und Uri, die Strasse über den Susten auszubauen. Auf der Berner Seite begann man 1811 und stellte den Ausbau um 1817 fertig. Für den Bau wandte die bernische Regierung den für damalige Zeiten hohen Betrag von 210'279 alten Schweizer Franken auf.

An der Sustenstrasse auf der Urner Seite 1974

Vor dem Zweiten Weltkrieg forderte die Armee aus strategischen Gründen eine besser ausgebaute Verbindung. Die neue Strasse führt neben der alten Strasse vorbei und wurde mit grosszügig angelegten Serpentinen in den Hang gebaut. Sie wurde 1945 nach achtjähriger Bauzeit dem Verkehr übergeben. Ihr Bau hatte 32 Millionen Schweizer Franken gekostet, was nach heutigen Preisstand rund 160 Mio. CHF ausmachen würde.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sommersaison von Mitte Juni bis Mitte Oktober fahren täglich mehrere Postautos über den Pass. Diese Postautos verkehren zwischen Meiringen und Andermatt. Der Pass ist eine beliebte Motorradstrecke.[4] Verpflegungsmöglichkeiten gibt es 5 km östlich der Passhöhe im Sustenbrüggli, auf der Passhöhe und 5 km westlich der Passhöhe im Steingletscher.

Sustenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Ingenieure Alfred Bucher aus Kerns OW und Elias Flotron aus Meiringen BE erhielten 1898 die Konzession für eine Eisenbahn von Meiringen über den Sustenpass nach Wassen. Das Geld für diese elektrische Bahn liess sich nicht auftreiben. Zehn Jahre später trat Elias Flotron erneut mit einem Sustenbahn-Projekt an die Öffentlichkeit. Von Meiringen sollte die Bahn via Hasliberg über Gadmen zu einem Sustentunnel führen. Die Bundesversammlung lehnte das Projekt ab.[5]

Befahrung im Radsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sustenpass ist einer von mehreren schweren Alpenpässen, die beim Radmarathon Alpenbrevet befahren werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Zschokke: Die Strasse in die vergessene Landschaft. Der Sustenpass. gta Verlag, Zürich 1997. ISBN 978-3-85676-077-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sustenpass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://klimakatastrophe.wordpress.com/2008/02/28/die-alpengletscher-zur-romerzeit-im-vergleich-zu-heute/
  2. Hans Stadler: Befestigungen; Befestigungen in der frühen Neuzeit. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  3. Bundesamt für Statistik (2009): Teuerungsrechner - Landesindex der Konsumentenpreise
  4. Siehe die Beschreibung der Motorradstrecke Sustenpass
  5. Schweizer Bahnen, Berner Oberland, S. 126, Florian Inäbnit, Prellbock-Verlag, ISBN 978-3-907579-70-1