Tann (Niederbayern)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Tann
Tann (Niederbayern)
Deutschlandkarte, Position des Marktes Tann hervorgehoben
Koordinaten: 48° 19′ N, 12° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Rottal-Inn
Verwaltungs­gemeinschaft: Tann
Höhe: 447 m ü. NHN
Fläche: 37,57 km2
Einwohner: 3924 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 104 Einwohner je km2
Postleitzahl: 84367
Vorwahl: 08572
Kfz-Kennzeichen: PAN, EG, GRI, VIB
Gemeindeschlüssel: 09 2 77 148
Marktgliederung: 105 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 6
84367 Tann
Webpräsenz: www.tann.de
Bürgermeister: Adi Fürstberger
Lage des Marktes Tann im Landkreis Rottal-Inn
Geratskirchen Zeilarn Wurmannsquick Wittibreut Unterdietfurt Triftern Tann (Niederbayern) Stubenberg (Niederbayern) Simbach am Inn Schönau (Rottal) Roßbach (Niederbayern) Rimbach (Landkreis Rottal-Inn) Reut Postmünster Pfarrkirchen Mitterskirchen Massing Malgersdorf Kirchdorf am Inn (Landkreis Rottal-Inn) Julbach (Inntal) Johanniskirchen Hebertsfelden Gangkofen Falkenberg (Niederbayern) Ering Egglham Eggenfelden Dietersburg Bad Birnbach Bayerbach (Rottal-Inn) Arnstorf Landkreis Landshut Landkreis Dingolfing-Landau Landkreis Deggendorf Landkreis Passau Landkreis Altötting Landkreis Mühldorf am Inn ÖsterreichKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Tann ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Tann.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus von Tann

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tann liegt im Südosten Niederbayerns in dessen typischer Hügellandschaft etwa 13 km nordöstlich von Simbach bzw. 14 km von Braunau, 16 km südwestlich der Kreisstadt Pfarrkirchen, 16 km südöstlich von Eggenfelden sowie jeweils 23 km von Burghausen und Altötting entfernt. Die nächstgelegene Bahnstation befindet sich im elf Kilometer entfernten Marktl.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tann hat 105 Ortsteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 927, sie steht in Zusammenhang mit dem Salzburger Erzbischof Adalbert II. Die "Edlen von Tann" sind um 1060 urkundlich nachweisbar und in weiteren Urkunden sind in den Jahren 1100–1200 u.a. ein Reimbert von Tann, ein Reginbrecht von Tann sowie ein Hartmann von Tann erwähnt. Nach dem Aussterben des Tanner Edelgeschlechtes um 1200 gingen Schloss und Herrschaft Tann an die Grafen von Leonberg über. Nach deren Aussterben erbten vorerst 1319 die Grafen von Hals, einhergehend mit Erbstreitigkeiten gelangten schließlich 1379 die Liegenschaften an die Grafen von Ortenburg. Im Jahre 1386 wurde Tann vom Herzogtum Bayern gekauft und bereits 1389 wurden die Marktrechte verliehen. Im Jahr 1481 erhielt Tann das Recht zur Abhaltung von Märkten. Der Martinimarkt, der heute noch abgehalten wird, geht auf dieses Jahr zurück. In anderen Quellen wird angenommen, dass bereits um 1230 von Herzog Ludwig dem I. das Recht verliehen wurde, öffentliche Märkte abzuhalten.
In der Zeit um 1300 entstanden die ersten Woll- und Leinwebereien, die in den folgenden Jahrhunderten mit ihren Qualitätsprodukten in den europäischen Handelszentren namhaft wurden. Besonders der Handel von Segeltuch führte die Tanner Leinweber und Tuchmacher in die Seehäfen von Triest, Venedig, Genua und Amsterdam. Aber auch qualvollen Zeiten mit Pestepidemien, den Dreißigjährigen Krieg und die Erbfolgekriege des 18. Jahrhunderts musste der Ort durchleiden. So war um 1743 Tann von den Panduren besetzt. Den Tuchmachern jedoch brachte die Anfertigung roter Stoffe für deren Uniformen gute Einnahmen.

Wappen (Ausschnitt aus der Tanner Freiung am Rathaus)

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert erfolgte dann der Niedergang der Tanner Tuchmacher. Gefangen in ihrem erstarrten Standesdünkel waren sie weder in der Lage, sich den sozialen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu stellen, noch die aufkommende Technisierung zu ihrem Vorteil zu nutzen. Zu dieser Entwicklung trug auch die Abtrennung des Innviertels von Bayern und die Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 bei. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die jährliche Wallfahrt zum "Herrgott von Tann", die in den folgenden 200 Jahren auch wirtschaftliche Bedeutung für den Ort erlangte. Deswegen wurde trotz der zunehmenden Säkularisierung im Mai 1799 mit dem Neubau der jetzigen Kirche ohne Genehmigung der Regierung begonnen. Sie wurde schließlich am 13. Mai 1805 vom Salzburger Erzbischof eingeweiht.

Evangelische Dreieinigkeitskirche in Tann

Dennoch wird Tann relativ spät, erst 1849 eine selbstständige Pfarrei, bis dahin war es Filiale von Zimmern. Bei einem Großbrand am 17. November 1885 wurde ein Teil des Ortes vor allem in Richtung Schildthurn zerstört.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl der Zweite Weltkrieg für Tann am späten Nachmittag des 1. Mai 1945 mit dem Einmarsch der US-Armee ohne jegliche Kampfhandlung endete, waren diese Tage und die Folgezeit eine besondere Herausforderung für den Ort. Vor der Roten Armee flüchtend, hatten bereits wenige Tage zuvor mehr als 50.000 Ungarn (Zivilisten und Militär) Tann mit der Absicht erreicht, sich den US-Amerikanern zu ergeben. In einem formellen Zeremoniell am Marktplatz nahm US-Generalmajor Millikin von Ex-Ministerpräsident Ferenc Szálasi und dem Oberkommandierenden der Ungarischen Streitkräfte Károly Beregfy die Kapitulation entgegen. [3] Für die gesamte Besatzungszeit wurde in Tann das Hauptquartier der 13. US-Army-Panzerdivision eingerichtet und auf dem Gebiet der heutigen Mitterfeldstraße, entstand umgehend ein großes Gefangenenlager. Hier wurden in der Größenordnung von 20.000 Kriegsgefangenen, meist ehemalige Wehrmachtsangehörige durchgeschleust, oder ins Zivilleben entlassen. Mit der Eingliederung vieler Heimatvertriebener wuchs nach 1945 eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. So folgte der Bau der Dreieinigkeitskirche in den Jahren 1958 und 1959 nach Plänen des Architekten Hanns Egon Wörlen aus Passau.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach anhaltenden Regenfällen wurde der Ortskern von Tann am 31. Mai 2016 unter Wasser gesetzt und machte etliche Straßen unpassierbar.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde das Gemeindegebiet, das bis dahin nur den jetzigen Ortskern umfasst hatte, am 1. Januar 1972 wesentlich vergrößert. Ortsnahe Flächen der vormaligen Gemeinden Randling und Schildthurn wurden mit einbezogen und mit den bis dahin selbstständigen Gemeinden Walburgskirchen und Zimmern und Teilen der aufgelösten Gemeinde Rogglfing wurde die heutige Gemeinde gebildet.[4] Mit der Gemeinde Reut ging man eine Verwaltungsgemeinschaft ein. Am 1. Januar 1980 wurde jeweils ein Gebiet der Gemeinden Reut und Zeilarn mit jeweils etwas weniger als 100 Einwohnern in den Markt Tann umgegliedert.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marktplatz mit dem Marienbrunnen

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Einrichtungen prägen das kulturelle Leben des Ortes. Dazu zählen:

  • Tanner Kulturzentrifuge e. V.
  • Kultur e. V.
  • Thalia Theater-Tann e. V.
  • Theatergruppe Walburgskirchen

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turn- und Sportverein Tann (TSV Tann) von 1891, mit den Sparten Damengymnastik, Fußball, Laufgruppe, Skiclub, Stockschützen, Tennis und Tischtennis ist mit annähernd tausend Mitgliedern die größte Sportvereinigung in der Gemeinde. Weitere sportliche Aktivitäten finden sich bei den Stockschützen, beim EC Walburgskirchen sowie für die Wintersportler beim Skiclub Langeck. Der TUS Walburgskirchen beheimatet die dortigen Fußballaktivitäten. Obwohl der Verein Feuerschützen Tann auch ein Traditionsverein ist, muss man ihn den Sportaktivitäten zuordnen. Sie warten regelmäßig mit überregionalen Erfolgen bis auf Landesebene auf.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In allen vier Gemeindeorten werden nach wie vor selbstständige, modern ausgestattete Freiwillige Feuerwehren von gut ausgebildeten Einsatzkräften betrieben. Die Freiwillige Feuerwehr des Ortes Tann ist eine mit zeitgemäßen Fahrzeugen und Geräten ausgestattete Feuerwehr.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengasse mit der katholischen Pfarrkirche

Während die Grund- und Hauptschule Tann zu einem Schulverband mit Reut und Zeilarn gehört, wird die Grundschule Walburgskirchen selbstständig von der Gemeinde Tann betrieben. Die beiden Kindergärten in Tann und Walburgskirchen sind gemeindliche Einrichtungen.

Seniorenbetreuung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Altenpflegeheim Zum Laaberg in Eiberg und Seniorenheim Tann e. V. in Tann werden von privaten Unternehmen betrieben.

Kirchliche Einrichtungen und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholischer Pfarrverband Tann mit den Pfarreien Tann, Eiberg, Zimmern, Walburgskirchen, Taubenbach und Reut
  • Evangelische Pfarrei Tann.
  • Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB)
  • Katholischer Frauenbund, jeweils in Eiberg, Tann, Walburgskirchen und Zimmern
  • Katholische Landjugend (KLJB)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunstmarkt in Tann
  • Der Wachsmarkt, ein von jeher sehr stark besuchter Markt mit politischen Kundgebungen in mehreren Gasthäusern findet am Donnerstag vor Mariä Lichtmess (2. Februar) statt.
  • Das Sonnwendfeuer der Freiwilligen Feuerwehr findet am Wochenende um den 24. Juni statt.
  • Am 2. Augustwochenende findet das bei der Bevölkerung beliebte Weinfest statt. Dieses wird von den Feuerschützen Tann e. V. organisiert und abgehalten.
  • Der Kunstmarkt am letzten Sonntag im August hat sich in dieser Form seit 1986 aus dem traditionellen Bartholomäusmarkt entwickelt. Die "Open Air"-Veranstaltungen finden Anklang durch alle Bevölkerungsschichten aus nah und fern.
  • Eine Gedenkfeier der Landsmannschaften am Mahnmal des Deutschen Ostens am Rahmenberg findet an einem Sonntag Mitte September statt. Ausrichter ist der Tanner Förderverein Denkmal der Heimatvertriebenen.
  • Der Martinimarkt am zweiten Sonntag im November hat über 600 Jahre Tradition in Tann.
  • Der Nikolausmarkt findet am Samstag vor dem 6. Dezember statt.
  • Jeden 22. Dezember veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr Markt Tann die Wintersonnwendfeier

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Tann-Nord

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kreistag des Landkreises Rottal-Inn: Der Land Kreis Rottal Inn. Neue Presse Verlag, Passau 1975
  • Markt Tann: Markt Tann, Geschichte und Geschichten. Eigenverlag, Tann 1989

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111201/200337&attr=OBJ&val=818
  3. 13th Armored Division
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 552.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 630.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tann (Niederbayern) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien