Welterbe in Tschechien

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Welterbestätten in Tschechien

Zum Welterbe in Tschechien gehören (Stand 2018) zwölf UNESCO-Welterbestätten, alles Stätten des Weltkulturerbes. Tschechien hat ist der Welterbekonvention 1993 beigetreten, die ersten drei Welterbestätten wurden 1992 in die Welterbeliste aufgenommen. Die bislang letzte Welterbestätte wurde 2003 eingetragen. [1]

Welterbestätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle listet die UNESCO-Welterbestätten in Tschechien[2] in chronologischer Reihenfolge nach dem Jahr ihrer Aufnahme in die Welterbeliste (K – Kulturerbe, N – Naturerbe, K/N – gemischt, (R) – auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes).

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten von Welterbestätten: OSM

Bild Bezeichnung Jahr Typ Ref. Beschreibung
Historisches Zentrum von Prag
Historisches Zentrum von Prag 1992 K 616 Das Gebiet umfasst grob die 1784 zu einer Stadt zusammengeschlossenen ehemals rechtlich selbstständigen Städte Staré Město (Altstadt), Nové Město (Neustadt), Malá Strana (Kleinseite) und Hradčany einschließlich der beiden Burganlagen Vyšehrad im Süden und Prager Burg im Norden, eine der größten Burganlagen der Welt, sowie des jüdischen Viertels Josefov innerhalb von Staré Město (Altstadt). Seit 2010 ist auch der Schlosspark in Pruhonitz (Průhonice) aufgenommen.
Historisches Zentrum von Český Krumlov (Böhmisch Krumau)
Historisches Zentrum von Český Krumlov (Böhmisch Krumau) 1992 K 617 Der mittelalterliche Stadtkern der Stadt Český Krumlov, die von der Moldauschleife umschlossen wird, und die umfangreiche Burg- und Schlossanlage bilden ein einzigartiges Beispiel für die mittelalterliche Stadtentwicklung. Burg und Schloss sind vor allem durch ihre weitläufige Anlage gekennzeichnet, es ist die zweitgrößte Burganlage in der Tschechischen Republik nach der Prager Burg. Weiter westlich liegt die Reitschule und ein Park im spätbarocken Stil mit einem Kaskaden-Brunnen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sowie das Lustschloss Bellaria.
Historisches Zentrum von Telč (Teltsch)
Historisches Zentrum von Telč (Teltsch) 1992 K 621 Die historische Innenstadt und die Altstadt von Telč sind eine der wertvollsten städtischen Denkmalreservate in Mähren. Das dominierende und wichtigste Baudenkmal der Stadt ist das Schloss im Renaissancestil, das sich direkt an die Innenstadt anschließt. Zum Welterbe gehört auch die Altstadt, deren historischer Teil um die Kirche der Gottesmutter (Kostel Matky Boží) angeordnet ist.
Wallfahrtskirche Hl. Johannes Nepomuk von Zelena Hora (Grüneberg)
(Lage)
1994 K 690 Die Wallfahrtskirche des Heiligen Johannes von Nepomuk ist eines der wichtigsten Gebäude des Barock-Architekten Johann Blasius Santini-Aichel. Die Kirche wurde im Stil der Barockgotik in den Jahren 1719–1722 auf dem Zelená Hora bei Saar (Žďár nad Sázavou) erbaut.
Historisches Zentrum von Kutná Hora und Marienkirche von Sedlec (Sedletz)
Barbarakirche in Kutná Hora
Historisches Zentrum von Kutná Hora und Marienkirche von Sedlec (Sedletz) 1995 K 732 In der alten Königsstadt Kutná Hora, einer Schatzkammer der böhmischen Könige, wurde Silber abgebaut. Zum Welterbe gehört die historische Altstadt von Kutná Hora mit der spätgotischen Barbarakirche und die Kirche Mariä Himmelfahrt und St. Johannes der Täufer des Klosters Sedlec. Zur historischen Altstadt von Kutná Hora gehören der italienische Hof, das Steinerne Haus, die St. Jakobskirche, das Jesuitenkolleg und das Kloster der Heiligen Ursula.
Kulturlandschaft von Lednice (Eisgrub)-Valtice (Feldsberg)
Schloss Lednice
Kulturlandschaft von Lednice (Eisgrub)-Valtice (Feldsberg) 1996 K 763 Die Kulturlandschaft Lednice-Valtice ist ein Landschaftskomplex mit einer Fläche von 283 Quadratkilometern im Okres Břeclav. Dieses Gebiet an der Grenze zwischen Mähren und Niederösterreich wurde im 18. und 19. Jahrhundert von den Fürsten von Liechtenstein in einen Naturpark umgewandelt. Bei den Gemeinden Valtice und Lednice, die durch die Bezruč-Allee von 1715 verbunden sind, und dem Dorf Hlohovec sind wichtige Landschaftseinheiten künstlich angelegt worden, z. B. der Boří les und die Fischteiche von Lednice. Das Gebiet umfasst auch Teile des Auwaldes an der Thaya südlich von Břeclav. Außerdem gibt es Aquädukte und Reste des ehemaligen Bewässerungssystem für den Schlosspark.
Schloss und Park Kroměříž (Kremsier)
Schloss und Park Kroměříž (Kremsier) 1998 K 860 Der frühbarocke erzbischöfliche Palast, der anschließende Schlosspark und der Blumengarten sind die wichtigsten Kulturdenkmale von Kroměříž.
Historisches Dorf Holašovice
(Lage)
1998 K 861 Das dörfliche Denkmalreservat in Holašovice ist ein mittelalterliches System von Wohngebäuden im sogenannten Bauernbarock, versehen mit einem Stuckdekor. Das Reservat besteht aus 23 einzelnen Gehöften mit insgesamt 120 Gebäuden und Brunnen mit Holzkolbenpumpen und dem Hof Nr. 6, welcher der Sitz einer Bauernfamilie seit 1530 ist.
Schloss Lytomyšl (Leitomischl)
(Lage)
1999 K 901 In Litomyšl ist das Renaissance-Schloss und das Schlossareal aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Welterbe registriert. Dazu gehören die Nebengebäude und der Schlossgarten. Im 18. Jahrhundert wurde das Schloss-Interieur verändert, aber die Renaissance-Sgraffito-Fassaden blieben erhalten.
Dreifaltigkeitssäule in Olomouc (Olmütz)
Dreifaltigkeitssäule und Rathaus
Dreifaltigkeitssäule in Olomouc (Olmütz) 2000 K 859 Die Dreifaltigkeitssäule in Olomouc (auch Pestsäule genannt) ist von 1716 bis 1754 errichtet worden. Sie diente der katholischen Kirche für Gottesdienste und zur Stärkung des Glaubens. Die Errichtung der Säule erfolgte aus Dankbarkeit für das Ende der Pest, die Mähren zwischen 1714 und 1716 heimgesucht hatte. Alle Künstler und Handwerker, die an der Säule gearbeitet haben, waren Bürger von Olomouc. Die etwa 35 m hohe Säule stellt das höchste bildhauerische Kulturdenkmal in Tschechien dar und besitzt eine kleine Kapelle.
Haus Tugendhat in Brno (Brünn)
Ansicht von der Gartenseite
(weitere Bilder)
Haus Tugendhat in Brno (Brünn)
(Lage)
2001 K Die Villa Tugendhat in Brünn ist die bekannteste Villa des Architekten Mies van der Rohe, sie wurde 1929–1930 erbaut. Die Villa verfügt über 3 Ebenen, das Hauptgeschoss mit Eingangsbereich, Arbeits- und Esszimmer, das Kellergeschoss mit Waschraum, Lagerräumen, Dunkelkammer und Heizraum und das Obergeschoss mit Schlafzimmer, Kinderzimmer und Dienstmädchen-Zimmer. Der Garten ist als Teil des Gebäudes konzipiert. Die Villa wurde während des Zweiten Weltkriegs und danach bis in die 1980er Jahre zweckentfremdet, ist aber heute wieder rekonstruiert und zugänglich.
Jüdisches Viertel und Basilika St. Prokop in Trebic (Trebitsch)
Das jüdische Viertel mit der Basilika im Hintergrund
Jüdisches Viertel und Basilika St. Prokop in Trebic (Trebitsch) 2003 K 1078 Das Jüdische Viertel in Třebíč und die St.-Prokop-Basilika sind Bestandteil der Welterbeliste. Die Basilika St. Marien besitzt eine wertvolle Krypta (etwa 700 Jahre alt) mit originalen Deckenmalereien. Die Basilika wurde 200 Jahre für weltliche Zwecke genutzt, dann wurde der Innenraum in den Jahren 1924–1935 von Kamil Hilbert umgestaltet. Zum Jüdischen Viertel gehören das Rathaus, Schulen, Armenhäuser und eine Synagoge. Der alte jüdische Friedhof liegt auf dem Schlosshügel (Kopec Hrádek), er besitzt etwa 3000 Grabsteine und wurde 1631 angelegt. Auf dem jüdischen Friedhof besteht seit 1903 eine Zeremonienhalle, sie ist der einzige Bau ihrer Art außerhalb Israels, der auf der Welterbe-Liste steht.

Tentativliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tentativliste sind die Stätten eingetragen, die für eine Nominierung zur Aufnahme in die Welterbeliste vorgesehen sind.

Aktuelle Welterbekandidaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Stand 2018 sind 17 Stätten in der Tentativliste von Tschechien eingetragen,[3] die letzte Eintragung erfolgte 2015. [4] Die folgende Tabelle listet die Stätten in chronologischer Reihenfolge nach dem Jahr ihrer Aufnahme in die Tentativliste.

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten aktueller Welterbekandidaten: OSM

Bild Bezeichnung Jahr Typ Ref. Beschreibung
Renaissance-Häuser in Slavonice
Renaissance-Häuser in Slavonice
(Lage)
2001 K 1507 Komplex von Bürgerhäusern in Slavonice aus der Spätgotik und Renaissance
Papiermühle in Velké Losiny 2001 K 1508 Papiermühle aus dem 16. Jahrhundert zur Herstellung von Büttenpapier in der Gemeinde Velké Losiny
Fischteich-Netzwerk im Třebon-Becken
Rosenberg-Weiher
Fischteich-Netzwerk im Třebon-Becken 2001 K 1509
Felsenstädte des Český ráj
Felsenstadt Hrubá Skála
Felsenstädte des Český ráj 2001 N 1511 Das Český ráj (deutsch: Böhmisches Paradies) ist eine Mittelgebirgslandschaft im Nordosten Tschechiens, am Mittellauf der Jizera, die geprägt wird durch ihre bekannten Felsenstädte aus Sandstein.
Stätten Großmährens
(Lage)
2001 K 1559 transnationaler Vorschlag von Stätten des Mährerreichs gemeinsam mit der Slowakei (Ref. 5093), umfasst in Tschechien die Burg Morava bei Mikulčice
Industrieanlagen in Ostrava
Industrieanlagen in Ostrava 2001 K 1560
Festung Terezín
(Lage)
2001 K 1561
Kurbad Luhačovice
Hotel im Kurpark
(weitere Bilder)
Kurbad Luhačovice
(Lage)
2001 K 1562 War 2014–2016 auch Bestandteil des Vorschlags Great Spas of Europe (Ref. 5929)
Felsskulpturen von Betlém bei Kuks
Felsskulpturen von Betlém bei Kuks 2001 K 1563
Burg Karlštejn
(Lage)
2001 K 1564
Erweiterung des Weltkulturerbes Prager Altstadt um wichtige Bauwerke der Umgebung
Villa Müller
Erweiterung des Weltkulturerbes Prager Altstadt um wichtige Bauwerke der Umgebung 2001 K 1565 Geplante Erweiterung der bestehenden Welterbestätte (Ref. 616) um Villa Müller, Stift Břevnov und Jagdschloss Hvêzda
Kulturlandschaft des Gestüts Kladruby nad Labem
Kulturlandschaft des Gestüts Kladruby nad Labem 2007 K 5151
Berghotel und Fernsehsender Ještěd
(Lage)
2007 K 5152
Žatec – die Hopfenstadt
Žatec – die Hopfenstadt 2007 K 5153
Westböhmisches Bäderdreieck
Westböhmisches Bäderdreieck 2008 K 5378 umfasst die drei Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad.
Bergbau-Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří
Wolfspinge bei Horní Blatná
Bergbau-Kulturlandschaft Erzgebirge/Krušnohoří 2012 K 5775 transnationaler Vorschlag gemeinsam mit Deutschland (Ref. 5776) Aus Tschechien enthält der Vorschlag Objekte in vier Montanregionen und zwei Einzelobjekte.
Bedeutende Kurorte Europas
Bedeutende Kurorte Europas 2014 K 5929 Der transnationale Vorschlag gemeinsam mit Belgien (Ref. 5932), Deutschland (Ref. 5934), Frankreich (Ref. 5931), Italien (Ref. 5928), Österreich (Ref. 5930) und dem Vereinigten Königreich (Ref. 5935) umfasst in Tschechien die drei Kurorte Karlsbad, Marienbad und Franzensbad.

Der Vorschlag beinhaltete bis 2016 noch das Kurbad Luhačovice (s. eigener Vorschlag Ref. 1562). Nach dessen Rücknahme entsprechen die in dem transnationalen Vorschlag enthaltenen Stätten aus Tschechien denen des separaten nationalen Vorschlags Westböhmisches Bäderdreieck (Ref. 5378).

Ehemalige Welterbekandidaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Stätten standen früher auf der Tentativliste, wurden jedoch wieder zurückgezogen oder von der UNESCO abgelehnt. Stätten, die in anderen Einträgen auf der Tentativliste enthalten oder Bestandteile von Welterbestätten sind, werden hier nicht berücksichtigt. [5]

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten ehemaliger Welterbekandidaten: OSM

Bild Bezeichnung Jahr Typ Ref. Beschreibung
Klosterkirche in Kladruby
Klosterkirche in Kladruby
(Lage)
1993–1994 K 691 1994 von der Unesco abgelehnt
Historisches Zentrum von Olmütz
Historisches Zentrum von Olmütz
(Lage)
1993–2000 K 2000 wurde nur die Dreifaltigkeitssäule in das Welterbe aufgenommen.
Die zeitlose und humanistische Architektur von Jože Plečnik in Ljubljana und Prag
Die zeitlose und humanistische Architektur von Jože Plečnik in Ljubljana und Prag 2015–2018 K 5967 Bei dem gemeinsam mit Slowenien eingebrachten Vorschlag war in Prag die Kirche des heiligsten Herzens des Herrn nominiert. Nachdem klar geworden war, dass diese transnationale Bewerbung nur wenig Aussicht auf Erfolg hätte, beschloss Slowenien die Bewerbung alleine weiterzuverfolgen.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Welterbestätten in Tschechien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Tschechien auf der Website des Welterbezentrums der UNESCO (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tschechien. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 1. März 2018 (englisch).
  2. Deutsche Bezeichnungen entsprechend Welterbeliste. In: www.unesco.de. Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 18. Januar 2018.
  3. Die Tentativliste von Tschechien hat zwar 18 Einträge, aber die Stätte „Montanregion Krušnohoří“ ist dort doppelt eingetragen: einmal als transnationaler Vorschlag mit den Komponenten aus Tschechien und Deutschland und einmal als nationaler Vorschlag nur mit den Komponenten aus Tschechien.
  4. Tentativliste von Tschechien. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 15. März 2018 (englisch).
  5. Former Tentative Sites of Czechia. In: World Heritage Site. Abgerufen am 28. Juli 2017 (englisch).
  6. Slovenia to proceed with UNESCO listing of Plečnik's works alone. STA (Slovenska tiskovna agencija, nationale Nachrichtenagentur Sloweniens), 27. Dezember 2017, abgerufen am 15. März 2018.