Welterbe in Tschechien

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Welterbestätten in Tschechien

Zum Welterbe in Tschechien gehören (Stand 2017) zwölf UNESCO-Welterbestätten, alles Stätten des Weltkulturerbes. Tschechien hat ist der Welterbekonvention 1993 beigetreten, die ersten drei Welterbestätten wurden 1992 in die Welterbeliste aufgenommen. Die bislang letzte Welterbestätte wurde 2003 eingetragen.[1]

Welterbestätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle listet die UNESCO-Welterbestätten in Tschechien[2] in chronologischer Reihenfolge nach dem Jahr ihrer Aufnahme in die Welterbeliste (K – Kulturerbe, N – Naturerbe, K/N – gemischt, (R) - auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes).

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten von Welterbestätten: OSM, Google

Bild Bezeichnung Jahr Typ Ref. Beschreibung
Historisches Zentrum von Prag
Historisches Zentrum von Prag 1992 K 616 Das Gebiet umfasst grob die 1784 zu einer Stadt zusammengeschlossenen ehemals rechtlich selbstständigen Städte Staré Město (Altstadt), Nové Město (Neustadt), Malá Strana (Kleinseite) und Hradčany einschließlich der beiden Burganlagen Vyšehrad im Süden und Prager Burg im Norden, eine der größten Burganlagen der Welt, sowie des jüdischen Viertels Josefov innerhalb von Staré Město (Altstadt). Seit 2010 ist auch der Schlosspark in Pruhonitz (Průhonice) aufgenommen.
Historisches Zentrum von Český Krumlov (Böhmisch Krumau)
Historisches Zentrum von Český Krumlov (Böhmisch Krumau) 1992 K 617 Der mittelalterliche Stadtkern der Stadt Český Krumlov, die von der Moldauschleife umschlossen wird, und die umfangreiche Burg- und Schlossanlage bilden ein einzigartiges Beispiel für die mittelalterliche Stadtentwicklung. Burg und Schloss sind vor allem durch ihre weitläufige Anlage gekennzeichnet, es ist die zweitgrößte Burganlage in der Tschechischen Republik nach der Prager Burg. Weiter westlich liegt die Reitschule und ein Park im spätbarocken Stil mit einem Kaskaden-Brunnen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sowie das Lustschloss Bellaria.
Historisches Zentrum von Telč (Teltsch)
Historisches Zentrum von Telč (Teltsch) 1992 K 621 Die historische Innenstadt und die Altstadt von Telč sind eine der wertvollsten städtischen Denkmalreservate in Mähren. Das dominierende und wichtigste Baudenkmal der Stadt ist das Schloss im Renaissancestil, das sich direkt an die Innenstadt anschließt. Zum Welterbe gehört auch die Altstadt, deren historischer Teil um die Kirche der Gottesmutter (Kostel Matky Boží) angeordnet ist.
Wallfahrtskirche Hl. Johannes Nepomuk von Zelena Hora (Grüneberg) 1994 K 690 Die Wallfahrtskirche des Heiligen Johannes von Nepomuk ist eines der wichtigsten Gebäude des Barock-Architekten Johann Blasius Santini-Aichel. Die Kirche wurde im Stil der Barockgotik in den Jahren 1719–1722 auf dem Zelená Hora bei Saar (Žďár nad Sázavou) erbaut.
Historisches Zentrum von Kutná Hora (Kuttenberg) und Marienkirche von Sedlec (Sedletz)
Barbarakirche in Kutná Hora
Historisches Zentrum von Kutná Hora (Kuttenberg) und Marienkirche von Sedlec (Sedletz) 1995 K 732 In der alten Königsstadt Kutná Hora, einer Schatzkammer der böhmischen Könige, wurde Silber abgebaut. Zum Welterbe gehört die historische Altstadt von Kutná Hora mit der spätgotischen Barbarakirche und die Kirche Mariä Himmelfahrt und St. Johannes der Täufer des Kloster Sedlec. Zur historischen Altstadt von Kutná Hora gehören der italienische Hof, das Steinerne Haus, die St. Jakobskirche, das Jesuitenkolleg und das Kloster der Heiligen Ursula.
Kulturlandschaft von Lednice (Eisgrub)-Valtice (Feldsberg)
Schloss Lednice
Kulturlandschaft von Lednice (Eisgrub)-Valtice (Feldsberg) 1996 K 763 Die Kulturlandschaft Lednice-Valtice ist ein Landschaftskomplex mit einer Fläche von 283 Quadratkilometern im Okres Břeclav. Dieses Gebiet an der Grenze zwischen Mähren und Niederösterreich wurde im 18. und 19. Jahrhundert von den Fürsten von Liechtenstein in einen Naturpark umgewandelt. Bei den Gemeinden Valtice und Lednice, die durch die Bezruč-Allee von 1715 verbunden sind, und dem Dorf Hlohovec sind wichtige Landschaftseinheiten künstlich angelegt worden, z. B. der Boří les und die Fischteiche von Lednice. Das Gebiet umfasst auch Teile des Auwaldes an der Thaya südlich von Břeclav. Außerdem gibt es Aquädukte und Reste des ehemaligen Bewässerungssystem für den Schlosspark.
Schloss Kroměříž Schloss Kroměříž (Kremsier) mit Schlosspark und Blumengarten 1998 K Der frühbarocke erzbischöfliche Palast in Kroměříž, der anschließende Schlosspark und der Blumengarten sind die wichtigsten Kulturdenkmale von Kroměříž.
Dorfanger Holašovice Historisches Dorf Holašovice (Hollschowitz) 1998 K Das dörfliche Denkmalreservat in Holašovice ist ein mittelalterliches System von Wohngebäuden im sogenannten Bauernbarock, versehen mit einem Stuckdekor. Das Reservat besteht aus 23 einzelnen Gehöften mit insgesamt 120 Gebäuden und Brunnen mit Holzkolbenpumpen und dem Hof Nr. 6, welcher der Sitz einer Bauernfamilie seit 1530 ist.
Schloss Litomyšl Schloss Litomyšl (Leitomischl) 1999 K In Litomyšl ist das Renaissance-Schloss und das Schlossareal aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Welterbe registriert. Dazu gehören die Nebengebäude und der Schlossgarten. Im 18. Jahrhundert wurde das Schloss-Interieur verändert, aber die Renaissance-Sgraffito-Fassaden blieben erhalten.
Dreifaltigkeitssäule und Rathaus von Olomouc Dreifaltigkeitssäule in Olmütz 2000 K Die Dreifaltigkeitssäule in Olomouc (auch Pestsäule genannt) ist von 1716 bis 1754 errichtet worden. Sie diente der katholischen Kirche für Gottesdienste und zur Stärkung des Glaubens. Die Errichtung der Säule erfolgte aus Dankbarkeit für das Ende der Pest, die Mähren zwischen 1714 und 1716 heimgesucht hatte. Alle Künstler und Handwerker, die an der Säule gearbeitet haben, waren Bürger von Olomouc. Die etwa 35 m hohe Säule stellt das höchste bildhauerische Kulturdenkmal in Tschechien dar und besitzt eine kleine Kapelle.
Villa Tugendhat von der Gartenseite Villa Tugendhat in Brünn 2001 K Villa Tugendhat ist die bekannteste Villa des Architekten Mies van der Rohe, sie wurde 1929–1930 erbaut. Die Villa verfügt über 3 Ebenen, das Hauptgeschoss mit Eingangsbereich, Arbeits- und Esszimmer, das Kellergeschoss mit Waschraum, Lagerräumen, Dunkelkammer und Heizraum und das Obergeschoss mit Schlafzimmer, Kinderzimmer und Dienstmädchen-Zimmer. Der Garten ist als Teil des Gebäudes konzipiert. Die Villa wurde während des Zweiten Weltkriegs und danach bis in die 1980er Jahre zweckentfremdet, ist aber heute wieder rekonstruiert und zugänglich.
Jüdisches Viertel und Sankt-Prokop-Basilika in Třebíč Jüdisches Viertel und St.-Prokop-Basilika in Třebíč (Trebitsch) 2003 K Das Jüdische Viertel von Třebíč und die Basilika St. Prokop sind Bestandteil der Welterbeliste. Die Basilika St. Marien besitzt eine wertvolle Krypta (etwa 700 Jahre alt) mit originalen Deckenmalereien. Die Basilika wurde 200 Jahre für weltliche Zwecke genutzt, dann wurde der Innenraum in den Jahren 1924–1935 von Kamil Hilbert umgestaltet. Zum Jüdischen Viertel gehören das Rathaus, Schulen, Armenhäuser und eine Synagoge. Der alte jüdische Friedhof liegt auf dem Schlosshügel (Kopec Hrádek), er besitzt etwa 3000 Grabsteine und wurde 1631 angelegt. Auf dem jüdischen Friedhof besteht seit 1903 eine Zeremonienhalle, sie ist der einzige Bau ihrer Art außerhalb Israels, der auf der Welterbe-Liste steht.

Tentativliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tentativliste sind die Stätten eingetragen, die für eine Nominierung zur Aufnahme in die Welterbeliste vorgesehen sind.

Aktuelle Welterbekandidaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Stand 2017 sind neunzehn Stätten in der Tentativliste von Tschechien eingetragen, die letzte Eintragung erfolgte 2015.[3] Die folgende Tabelle listet die Stätten in chronologischer Reihenfolge nach dem Jahr ihrer Aufnahme in die Tentativliste.

Bild Datum K/N Name Beschreibung
Slavonice - Horní náměstí čp. 518 - (66).JPG 2001 K Renaissance-Häuser in Slavonice
Papiermühle von Velké Losiny 2001 K Papiermühle von Velké Losiny
Rosenberg-Weiher 2001 K Fischzuchtteiche bei Třeboň
Schloss Hrubá Skála und Burgruine Trosky 2001 N Český ráj Das Český ráj (deutsch: Böhmisches Paradies) ist eine Mittelgebirgslandschaft im Nordosten Tschechiens, am Mittellauf der Jizera, die geprägt wird durch ihre bekannten Felsenstädte aus Sandstein.
Mikulčice Archaeopark 01.JPG 2001 K Mährerreich: Burg Morava bei MikulčiceSt. Margareta (Kopčany)
ArcelorMittal Ostrava, pohled z Nové radnice, srpen 2011.jpg 2001 K Industrieregion Ostrava
THERES2.jpg 2001 K Festung Terezín
Luhacovice2.JPG 2001 K Kurbad Luhačovice
Betlém u Kuksu - Narození Krista.jpg 2001 K Naturgalerie Betlém bei Kuks
Hrad Karlštejn, pohled od jihu.jpg 2001 K Burg Karlštejn
Villa-Mueller-Prag.jpg 2001 K Erweiterung des Weltkulturerbes Prager Altstadt mit Sehenswürdigkeiten der Umgebung Villa Müller, Stift Břevnov und Jagdschloss Hvêzda
Kladruby 1.jpg 2007 K Nationalgestüt Kladruby nad Labem
Jested3 2-2.jpg 2007 K Fernsehturm Ještěd
BlickaufSaaz.jpg 2007 K Žatec
Vřídlo 002.JPG 2008 K Westböhmisches Bäderdreieck
Horní Blatná Blatenský příkop.jpg
2012 K Montanregion Krušnohoří Eine Aufnahme der Montanregion Erzgebirge wird gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland angestrebt. Auf tschechischer Seite wurde für den Vorschlag bisher Objekte zu 6 Vorschlägen zusammengefasst. Es ist auf der Tentativliste zweifach gelistet.
Franzensbad.jpg 2014 K Große europäische Kurbäder In Tschechien sind Karlovy Vary, Mariánské Lázně , Františkovy Lázně und Luhačovice nominiert. Die Nominierung beinhaltet die Nominierungen Westböhmisches Bäderdreieck und Kurbad Luhačovice.
Church of the Sacred Heart Prague-Vinohrady.jpg
2015 K Die zeitlose und humanistische Architektur von Jože Plečnik in Ljubljana und Prag In Prag ist die Kirche des heiligsten Herzens des Herrn nominiert

Ehemalige Welterbekandidaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Stätten standen früher auf der Tentativliste, wurden jedoch wieder zurückgezogen oder von der UNESCO abgelehnt. Stätten, die in anderen Einträgen auf der Tentativliste enthalten oder Bestandteile von Welterbestätten sind, werden hier nicht berücksichtigt.[4]

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten ehemaliger Welterbekandidaten: OSM, Google

Bild Bezeichnung Jahr Typ Ref. Beschreibung
Klosterkirche in Kladruby
Klosterkirche in Kladruby
(Lage)
1993–1994 K 691 1994 von der Unesco abgelehnt
Historisches Zentrum von Olmütz
Historisches Zentrum von Olmütz
(Lage)
1993–2000 K 2000 wurde nur die Dreifaltigkeitssäule in das Welterbe aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Welterbestätten in Tschechien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Tschechien auf der Website des World Heritage Centre (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tschechien. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 28. Juli 2017 (englisch).
  2. Deutsche Bezeichnungen entsprechend Welterbeliste. In: www.unesco.de. Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 18. Januar 2018.
  3. Tentativliste von Tschechien. In: whc.unesco.org. UNESCO World Heritage Centre, abgerufen am 28. Juli 2017 (englisch).
  4. Former Tentative Sites of Czechia. In: World Heritage Site. Abgerufen am 28. Juli 2017 (englisch).