Bundesautobahn 100

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Bundesautobahn 100 in Deutschland
Bundesautobahn 100
Karte
Verlauf der A 100
Basisdaten
Betreiber: Bundesrepublik Deutschland
Gesamtlänge: 21 km

Bundesland:

Berlin

Die Bundesautobahn 100 (Abkürzung: BAB 100) – Kurzform: Autobahn 100 (Abkürzung: A 100) – verläuft mitten in Berlin und verbindet in einem Südwestbogen die Bezirke Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln. Sie war ursprünglich als Ringautobahn konzipiert, inzwischen ist eine Schließung als Autobahnring jedoch nicht mehr vorgesehen, sondern nordöstlich der Innenstadt lediglich als normale innerstädtische Straße. Dennoch trägt sie die Beinamen Berliner Stadtring und Stadtautobahn. In weiten Teilen folgt die A 100 der Trasse der Berliner Ringbahn, dem inneren Berliner S-Bahn- und Eisenbahnring.

Bauphasen[Bearbeiten]

Die Bundesautobahn 100 ist als Kernstück eines West-Berliner Autobahnnetzes geplant worden, die halbrunde Struktur sollte im Fall der Deutschen Wiedervereinigung zu einer Ringstrecke vervollständigt werden. Spätere Planungen nach der Wiedervereinigung sind von diesem Plan abgerückt, da er große städtebauliche Einschnitte zur Folge gehabt hätte.

Vor der Einführung des jetzigen Nummerierungssystems war für die Strecke einige Zeit die Nummer A 53 vorgesehen;[1] 1975 erhielt sie die Bezeichnung A 10, die aber nach der Wiedervereinigung auf den Berliner Ring übertragen wurde.

Die Autobahn wurde in folgenden Teilabschnitten dem Verkehr übergeben:[2]

  • 1958 AS Kurfürstendamm – AS Hohenzollerndamm
  • 1960 AS Hohenzollerndamm – provisorische AS Detmolder Straße
  • 1961 AD Funkturm – AS Hohenzollerndamm
  • 1962 AD Charlottenburg – AS Kaiserdamm-Süd
  • 1963 AS Kaiserdamm-Süd – AD Funkturm
  • 1969 AS Detmolder Straße – AS Wexstraße
  • 1973 AS Seestraße – AS Jakob-Kaiser-Platz
  • 1976 AK Schöneberg – provisorische AS Sachsendamm
  • 1978 AS Wexstraße – AK Schöneberg
  • 1979 AD Charlottenburg – AS Jakob-Kaiser-Platz
  • 1981 AS Alboinstraße – AS Gradestraße (als Kreuz Tempelhof geplant)
  • 1987 provisorische AS Suadicanistraße – AS Alboinstraße
  • 1996 provisorische AS Sachsendamm – provisorische AS Suadicanistraße; Wegfall beider provisorischen Anschlussstellen
  • 2000 AS Gradestraße – AS Buschkrugallee
  • 2004 AS Buschkrugallee – AS Grenzallee

Ab dem Autobahndreieck Neukölln wird die Trasse derzeit als A 113 in Richtung Flughafen Berlin-Schönefeld und Dresden weitergeführt. Im Anschluss an das Autobahndreieck Neukölln sind folgende Teilabschnitte als A 100 geplant:

  • AS Grenzallee – AS Am Treptower Park (16. Bauabschnitt, bis 2022)
  • AS Am Treptower Park – AS Frankfurter Allee (17. Bauabschnitt, frühestens 2020)

Eine darüber hinausgehende mögliche Schließung des Autobahnringes wurde aus der Flächennutzungsplanung gestrichen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Blick auf die A 100 und das Kraftwerk Wilmersdorf vom Funkturm gesehen

Die Rudolf-Wissell-Brücke wurde in den Jahren von 1959 bis 1962 errichtet. Sie überspannt über 930 Meter in einem Bogen die Gleise der Berlin-Hamburger Bahn und der Berlin-Lehrter Bahn sowie die Charlottenburger Spree. Sie ist die längste Brücke Berlins. Einige Aus- bzw. Auffahrten des Autobahndreiecks Charlottenburg befinden sich auf der Brücke selbst, die Ausfahrt Siemensdamm an einer der Verbindungskurven liegt linksseitig.

Auf dem Abschnitt Sachsendamm zwischen der Ausfahrt Innsbrucker Platz und Alboinstraße unterquert die Autobahn mehrere Eisenbahntrassen. Am Westende beginnt die Strecke mit der 260 Meter langen Untertunnelung des Innsbrucker Platzes und der Berlin-Potsdamer Eisenbahn. Direkt am Ausgang des Tunnels läuft die Strecke als untere Ebene des Autobahnkreuzes Schöneberg weiter. Hinter dem Kreuz wird die Bahnstrecke Berlin–Halle (Anhalter Bahn) unterquert, was neben den Bahngleisen auch mehrere parallele Straßenbrücken beinhaltet. Der geläufige Name dieses Abschnittes bezieht sich auf den parallel zur Autobahn laufenden Sachsendamm, der von 1972 bis 1996 als Teilstück benutzt werden musste, weil die Trasse unter dem bereits stillgelegten Stellwerk Tpa der Bahnstrecke Berlin–Dresden (Dresdener Bahn) durchführte, die Verhandlungen mit der Deutschen Reichsbahn, damaligen Inhaber der Betriebsrechte (mittelbar die DDR) allerdings ergebnislos blieben.[3] Am Ostende des Güterbahnhofs Tempelhof wurde quer unter der Autobahntrasse ein Anschlussgleis zur Belieferung einer Propangasabfüllstation (Fa. Geppert) gebaut. Dieses 1978 gebaute Gleis wird seit Anfang der 2000er Jahre nicht mehr benutzt, da die Abfüllstation geschlossen wurde. Bis dahin wurde Propangas in Druckgaskesselwagen zugestellt.[4]

Zwischen den Anschlussstellen Tempelhofer Damm und Oberlandstraße befindet sich das Areal des ehemaligen Flughafens Tempelhof, das seit 2008 als Tempelhofer Feld der Öffentlichkeit für Freizeitaktivitäten zugänglich ist.

Der Tunnel Ortskern Britz wurde im Juli 2000 eröffnet. In den alten Planungen sollte der Tunnel als Hochstrecke geführt werden. Bis zum Fall der Berliner Mauer wurde jedoch nicht an eine Ausführung gedacht. Um den Ortsteil Britz (im engeren Sinne Neubritz) nicht in zwei Teile zu spalten, wurden die Planungen geändert, und der Ortsteil mit einem Tunnel von 1700 Metern Länge unterquert. Innerhalb des Tunnels führt in östlicher Richtung die Halbanschlussstelle Britzer Damm in den Ortsteil. Darüber befindet sich der Carl-Weder-Park.

Neben diesen markanten Bauwerken liegen entlang der Strecke weitere bauliche Besonderheiten, wie sie bei nachträglich in eine Stadtstruktur eingearbeiteten Autobahnen häufig vorkommen. Durch die beengten Platzverhältnisse im Bereich um den Funkturm befindet sich dort auf wenigen hundert Metern eine komplexe Ballung von Brücken, Tunneln und Ausfahrten, darunter der 210 Meter lange Tunnel unter dem Rathenauplatz, der im November 1958 eröffnet wurde.

Erweiterungen[Bearbeiten]

Karte der geplanten Bauabschnitte 16 und 17

Derzeit endet die A 100 hinter dem neu gebauten Autobahndreieck Neukölln an der provisorischen Anschlussstelle Grenzallee. Der Weiterbau der A 100 bis zur Frankfurter Allee ist in zwei Abschnitten vorgesehen.

Der erste Abschnitt (BA 16) ist im Bau und führt entlang der Ringbahn und am ehemaligen Güterbahnhof Treptow vorbei bis zur AS Am Treptower Park.[5] Der geplante BA 17 führt von dort aus zum großen Teil unterirdisch bis zur Frankfurter Allee. Dort soll die Autobahn dauerhaft enden.

Bauabschnitt 16[Bearbeiten]

Am Dreieck Neukölln beginnend wird die Autobahn nach Nordosten geführt und in einem Tunnel die Grenzallee sowie die Neuköllnische Allee unterqueren, dann über eine Anschlussstelle an die Sonnenallee angebunden werden und in ihrem weiteren Verlauf parallel zum Güterbahnhof Treptow verlaufen, bevor sie nach Unterquerung der Kiefholzstraße und der Ringbahn an der Anschlussstelle Am Treptower Park vorläufig endet.[6]

Die Auslegung der Planfeststellungsunterlagen erfolgte im März 2009, eine vierwöchige öffentliche Anhörung zu den Einwendungen wurde Ende 2009 durchgeführt.[7] Im Oktober 2012 wies das Bundesverwaltungsgericht die Klagen gegen den Weiterbau weitestgehend zurück, unmittelbar darauf begannen bauvorbereitende Arbeiten. Am 8. Mai 2013 erfolgte der feierliche erste Spatenstich, ausgeführt von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD). Die Ingenieurbauwerke sollen ab Herbst 2013 errichtet werden. Mit der Fertigstellung des neuen Teilstücks wird 2021/2022 gerechnet. Die Baukosten werden mit 417 Millionen Euro veranschlagt, hinzu kommen Grunderwerbskosten in Höhe von 56 Millionen Euro.[8]

Bauabschnitt 17[Bearbeiten]

Der Zeithorizont für den Weiterbau bis zur Frankfurter Allee (BA 17) ist nicht absehbar. Sieben Trassierungsvarianten wurden untersucht. Die Autobahn soll in diesem Abschnitt zu einem großen Teil in einem doppelstöckigen Tunnel geführt werden. Der Bauabschnitt beginnt an der Anschlussstelle Am Treptower Park, überquert die Spree und unterquert das Ostkreuz nach Norden, um dann weiter unterirdisch entlang der Neuen Bahnhofstraße/Gürtelstraße bis zur Anschlussstelle Frankfurter Allee zu führen und dort zu enden.

Die Kosten für diesen Abschnitt wurden 1999 auf 286,3 Millionen Euro geschätzt. Eine aktualisierte Kostenschätzung im Zuge der Anmeldung zum Bundesverkehrswegeplan 2015 veranschlagt diese nun (Stand: Ende 2013) mit 531,2 Millionen Euro.[9] Unter dem Bahnhof Ostkreuz werden bei dessen Umbau bereits Vorleistungen errichtet, hierzu sind 16,3 Millionen Euro im Investitionsrahmenplan vorgesehen.[10]

Die Lücke zwischen der Frankfurter Allee und dem Stadtstraßenring (Ostseestraße/Michelangelostraße) soll über eine noch zu bauende Stadtstraße zwischen Frankfurter Allee und Storkower Straße entlang der Ringbahn geschlossen werden.[11][12]

Politische Kontroverse der Weiterführung[Bearbeiten]

In der Beermannstraße müssen mehrere Wohnhäuser für den Ausbau abgerissen werden

Gegen den Ausbau haben sich die Bürgerinitiative BISS (Bürgerinitiative Stadtring Süd) und das Aktionsbündnis A 100 stoppen! gegründet. Sie organisierten zahlreiche Protestaktionen wie beispielsweise eine Fahrrad-Demonstration am 19. April 2009 mit 1500 Teilnehmern[13] oder Aktionen wie einen Flashmob auf einer Kreuzung an der Oberbaumbrücke am 21. Juni 2010.[14] Die Initiative Wirtschaft pro A100 setzt sich dagegen für den Weiterbau ein.

Um den Weiterbau gab es 2009 Streit in der damaligen rot-roten Koalition: Die Linkspartei war gegen den Ausbau, die SPD war auf einem Parteitag zunächst gegen, später aber wieder für den Bau. Die Kontroverse um die Ausbauplanungen führte am 5. Oktober 2011 zu einem Scheitern der rot-grünen Koalitionsverhandlungen im Anschluss an die Abgeordnetenhauswahl 2011.[15]

Unter der rot-schwarzen Koalition nahm Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am 15. Dezember 2011 das Teilstück in den Investitionsrahmenplan 2011–2015 auf. Der Bau sollte ursprünglich 2012 beginnen und 2016 abgeschlossen werden.[10]

Auf Antrag des Naturschutzverbandes BUND und mehrerer privater Antragsteller untersagte das Bundesverwaltungsgericht am 9. Februar 2012 der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung durch Eilbeschluss, an der für die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 vorgesehenen Trasse bauvorbereitende Maßnahmen durchzuführen, insbesondere Teile der Trasse freizulegen.[16] Am 10. Oktober 2012 wies das Bundesverwaltungsgericht die Klagen gegen den Weiterbau zurück.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Abendliche Winteraufnahme der A 100 vom Kaiserdamm in Richtung Norden
  • Der Abschnitt Dreieck FunkturmKurfürstendamm war 2005 mit einer Belastung von 191.400 Kraftfahrzeugen pro Tag[17] die am meisten befahrene Straße Deutschlands. Fünf weitere Teilstücke der A 100 sind in der Top 10 der meistbefahrenen Straßen Deutschlands vertreten.
  • Bei der aktualisierten Verkehrserhebung aus dem Jahr 2010 war die A 100 noch mit fünf Abschnitten in den Top 10 vertreten.[18]
    • Platz 01: 186.100 Fahrzeuge auf dem Abschnitt Dreieck Funkturm – Kurfürstendamm
    • Platz 02: 171.400 Fahrzeuge auf dem Abschnitt Kurfürstendamm – Hohenzollerndamm
    • Platz 04: 162.900 Fahrzeuge auf dem Abschnitt Innsbrucker Platz – Kreuz Schöneberg
    • Platz 05: 159.800 Fahrzeuge auf dem Abschnitt Hohenzollerndamm – Schmargendorf
    • Platz 08: 151.300 Fahrzeuge auf dem Abschnitt Kaiserdamm-Süd – Dreieck Funkturm
  • Die Zufahrt an der Anschlussstelle Kurfürstendamm in südlicher Richtung liegt in einer Kurve und ist – baulich bedingt – eine der kürzesten Deutschlands.
  • Bis zur Fertigstellung der durchgehenden Verkehrsführung im Bereich des Sachsendamms (Kreuz Schöneberg) in den 1990er Jahren wurde die Autobahn durch eine Ampelanlage unterbrochen, was zu erheblicher Staubildung führte („längster Parkplatz Berlins“).
  • Beim Bau der A 100 in den 1960er Jahren wurden am Rand der Autobahn mehrere Bushaltestellen[19] angelegt, die in Form von Ausbuchtungen realisiert wurden, welche über Treppenhäuser oder Fußgängertunnel zugänglich waren. Grund für diese Maßnahme war die Einrichtung der damaligen BVG-Linie A65 (später: Linie 105), die als verkehrspolitische Alternative zur parallel verlaufenden S-Bahn (die von der Deutschen Reichsbahn betrieben wurde) gedacht war. Verkehrstechnisch problematisch war in diesem Zusammenhang das Wiedereinfädeln der Linienbusse in den fließenden Verkehr. Mit der Wiedereröffnung der Berliner Ringbahn im Jahr 1993 wurde der parallele Busverkehr wieder aufgegeben, die Haltestellen sind seither geschlossen. Einige der Zugangsbauwerke werden inzwischen anderweitig genutzt, beispielsweise als Imbissstände. Im Einzelnen befanden sich die Haltestellen am

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesautobahn 100 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste auf autobahn-online.de
  2. Andreas Jüttemann: Stadtautobahnbau in Westberlin 1965–1989.
  3. Autobahnbau am Sachsendamm nach über 20 Jahren fertig. In: Berliner Zeitung. 8. Oktober 1996.
  4. Homepage der Firma unter Geschichte
  5. Bund bezahlt die A 100. In: Berliner Zeitung. 28. November 2012.
  6. PDF-Flyer der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt zum Autobahnabschnitt
  7. Weiterbau der A 100 vorgestellt – Beginn der Planfeststellung. Pressemitteilung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, 27. Februar 2009
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSpatenstich und Baubeginn des 16. Bauabschnitts der A 100. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, 8. Mai 2013, abgerufen am 10. Mai 2013.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJeder Kilometer der neuen A100 kostet 130 Millionen Euro. In: Der Tagesspiegel. 13. Dezember 2013, abgerufen am 14. Dezember 2013.
  10. a b A 100-Ausbau: Grünes Licht von Ramsauer. In: B.Z. 15. Dezember 2011, Zugriff am 5. Januar 2012
  11. Die Erweiterung der A 100 ist konsequent. stadtentwicklung.berlin.de
  12. Flächennutzungsplan bei stadtentwicklung.berlin.de
  13. Radfahrer und Skater rollen gegen A 100-Ausbau. In: Berliner Morgenpost. 19. April 2009
  14. Flashmob: Liegender Protest gegen A 100. In: Der Tagesspiegel. 20. Juni 2010
  15. Rot-Grün in Berlin scheitert an der A 100. In: Berliner Morgenpost. 5. Oktober 2011
  16. A 100 in Berlin: Bundesverwaltungsgericht untersagt Freilegung der Trasse. Bundesverwaltungsgericht, 2. Februar 2012
  17. Bericht Bundesanstalt für Straßenwesen
  18. Presseinformation Nr. 01/2012 Bundesanstalt für Straßenwesen
  19. Artikel bei den Berliner Verkehrsseiten