Bondorf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bondorf (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bondorf
Bondorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bondorf hervorgehoben
48.5166666666678.8333333333333460Koordinaten: 48° 31′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Böblingen
Höhe: 460 m ü. NHN
Fläche: 17,55 km²
Einwohner: 5702 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 325 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71149
Vorwahl: 07457
Kfz-Kennzeichen: BB, LEO
Gemeindeschlüssel: 08 1 15 004
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hindenburgstraße 33
71149 Bondorf
Webpräsenz: www.bondorf.de
Bürgermeister: Bernd Dürr
Lage der Gemeinde Bondorf im Landkreis Böblingen
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Über dieses Bild
Evangelische Kirche in Bondorf (Juli 2007)

Bondorf ist eine Gemeinde im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Es ist der südlichste Ort des Regierungsbezirks Stuttgart und der Region Stuttgart.

Geographie[Bearbeiten]

Bondorf liegt im Korngäu bzw. oberen Gäu, 10 km südlich von Herrenberg, 16 km nordöstlich von Horb am Neckar und 10 km nordwestlich von Rottenburg am Neckar. Außerdem liegt Bondorf 45 km südwestlich von Stuttgart entfernt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zu Bondorf gehören das Dorf Bondorf, die Orte Haitinger Höfe, Herdweghöfe, Hohenreutin, Niederreutin, Weildorf und Wurmfeld sowie die abgegangenen Ortschaften Schorre und Uffhofen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Bondorf wurde um 1150 erstmals in Urkunden des Klosters Reichenbach erwähnt. In diesem Text wurde über ein schönes Dorf namens Baumdorf geredet, das als Ursprung des heutigen Namens Bondorf gilt. Das Gebiet der Gemeinde war bereits zu römischer Zeit besiedelt, worauf die 1975 ausgegrabene Villa Rustica hinweist (siehe unten). 1559 ist Bondorf mitsamt Kirche und Turm bis auf vier Häuser vollständig abgebrannt. Im Jahre 1685 sind infolge eines Blitzes 41 Wohnungen nebst Scheunen abgebrannt. In einer weiteren Brandkatastrophe brannten am 23. Oktober 1815 in der Zeit von nur zwei Stunden abermals 40 Gebäude ab. Jedes Mal jedoch bauten die Bewohner alles wieder auf. Im Jahre 1879 wurde eine Bahnlinie in Richtung Stuttgart und Horb eingerichtet. 1905 schließlich wurde die Gäuwasserversorgung mit Sitz in Bondorf gegründet.

Während der Zeit des NS-Regimes lag in der Nähe von Bondorf ein Nachtjägerflugplatz, an den heute nur noch ein langer Kiesweg erinnert, der damals die Start- und Landebahn darstellte. Der Flugplatz wurde vor allem von Häftlingen aus dem KZ Hailfingen-Tailfingen in Zwangsarbeit erbaut; das KZ war ein Nebenlager des KZ Natzweiler. Dabei starben viele Häftlinge durch die Strapazen und durch Erschießungen. 72 Opfer wurden in einem Massengrab am östlichen Ende der Landebahn verscharrt. Am 1. Juni 1945 wurde den französischen Soldaten von drei Überlebenden das Massengrab gezeigt, das am folgenden Tag geöffnet wurde. Die männliche Bevölkerung von Oberndorf, Hailfingen und alle Bürger aus Bondorf und Tailfingen mussten zu Fuß zum Flugplatz und dort die Leichen ausgraben, die Tailfinger Männer mussten das Massengrab aufdecken; dabei kam es zu Misshandlungen durch französische Soldaten an deren Folgen zwei Bondorfer Bürger starben.[3] An die Opfer von Krieg und KZ-Terror erinnern ein Mahnmal in der romanischen Turmstube und ein Kirchenfenster des Künstlers Emil Jo Homolka in der evangelischen Kirche.[4]

1972 wurde das neu gebaute Rathaus in der Hindenburgstraße in Betrieb genommen. Zwei Jahre später wurde auch die Ortskanalisation vervollständigt und die Kläranlage Bondorf-Hailfingen fertiggestellt (Abfluss des Wassers über den Kochhart-Graben). Ein Jahr später wiederum wurde die neu erbaute Gäuhalle fertiggestellt, die 1999 komplett modernisiert wurde. Jedoch wurde auch die 1966 erbaute Hauptschule um eine Grundschule im Jahre 1985 erweitert und schließlich zwei weitere Male aufgestockt (1995, 2005).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[5] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 1.362
1. Dezember 1880 ¹ 1.681
1. Dezember 1890 ¹ 1.666
1. Dezember 1900 ¹ 1.609
1. Dezember 1910 ¹ 1.666
16. Juni 1925 ¹ 1.659
16. Juni 1933 ¹ 1.671
17. Mai 1939 ¹ 1.616
13. September 1950 ¹ 2.359
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 2.309
27. Mai 1970 ¹ 2.576
31. Dezember 1980 3.090
27. Mai 1987 ¹ 3.457
31. Dezember 1990 3.768
31. Dezember 1995 4.368
31. Dezember 2000 5.223
31. Dezember 2005 5.845
31. Dezember 2010 5.861

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Bondorf hat 14 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis[6]. Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 56,23 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
55,01 %
26,19 %
18,80 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,29 %p
+0,99 %p
+4,30 %p
FW Freie Wähler Bondorf 55,01 7 60,3 9
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,19 4 25,2 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 18,8 3 14,5 2
gesamt 100,0 14 100,0 14
Wahlbeteiligung 56,23 % 56,1 %

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf rotem Dreiberg drei grüne Ähren (Dinkel).“

Die älteste bekannte Darstellung des Ortswappens findet sich auf einem von Feldmesser Christian Maier von Bondorf im Jahre 1818 gezeichneten Plan im Gemeindearchiv. Es zeigt 3 grüne Ähren (Dinkel) nebeneinander in silbernem Feld. Das Wappen scheint in der Folgezeit in Vergessenheit geraten zu sein, denn aus dem 19. und dem 1. Drittel des 20. Jahrhunderts sind nur Gemeindesiegel mit den württembergischen Hirschstangen bekannt. Erst 1930 griff die Gemeinde auf das alte Wappen zurück und führt es seitdem in der oben beschriebenen Weise.

Villa Rustica[Bearbeiten]

Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannte römische Ansiedlung (Villa rustica) auf der Gemarkung Bondorf wurde 1975 großflächig ausgegraben.[7] Dieses Gebiet war seit der Vorgeschichte ein beliebter Ansiedlungspunkt. Mit einer Ausdehnung von 2,5 ha und 12 Gebäuden gehörte diese Ansiedlung aus der Mitte des 2. Jahrhunderts zu den größten Gutshöfen im südwestdeutschen Raum. Neben dem Haupt- und dem Badegebäude, sind ein Tempel, ein Wirtschaftsgebäude, ein Stall und weitere Nebengebäude Teil der Anlage.

Die Anlage diente hauptsächlich landwirtschaftlichen Zwecken. Die erwirtschafteten Güter waren sowohl für den Eigenbedarf, als auch für den Verkauf in der naheliegenden stadtartigen Siedlung Rottenburg (Sumelocenna) gedacht. Qualitativ hochwertige Steinskulpturen belegen den Wohlstand der im Gutshof lebenden Menschen. Nach etwa 100 Jahren wurde die „Villa Rustica“ etwa 240 n. Chr. von ihren Bewohnern aufgegeben.

Die Reste der „Villa Rustica“ von Bondorf liegen heute genau unter der Autobahnausfahrt Rottenburg/Bondorf der Bodenseeautobahn A 81.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bondorf ist durch die Bundesstraße 28a (RottenburgHorb) an das überregionale Straßennetz angebunden. Die Ausfahrt „Rottenburg“ der Bundesautobahn 81 befindet sich auf Bondorfer Gemarkung.

Die Gäubahn verbindet Bondorf über das Schienennetz mit Stuttgart, Singen, Freudenstadt und den öffentlichen Verkehrsmittel des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Bondorf besitzt eine eigene Grund- und Hauptschule, sowie fünf (seit Sommer 2010 vier) Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 93–94.
  3. Beschreibung der Vorgänge der Öffnung des Massengrabes am 2. Juni 1945
  4. Ulrike Puvogel und Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, Band I, Bonn 1996, ISBN 3-89331-208-0, S. 27 und 36 (PDF-Download bpb.de).
  5. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012
  6. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  7. Dieter Planck: Die villa rustica von Bondorf, Kreis Böblingen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 5. Jg. 1976, Heft 3, S. 112–116 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bondorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien