Christoph Waltz

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Christoph Waltz bei der Oscarverleihung 2010

Christoph Waltz (* 4. Oktober 1956 in Wien) ist ein österreichisch-deutscher[1] Schauspieler und zweifacher Oscar-Preisträger.

Leben

Waltz ist der Sohn des Bühnen- und Kostümbildnerehepaares Johannes Waltz und Elisabeth Urbancic; seine Mutter ist Österreicherin, sein Vater Deutscher. Er entstammt einer Theaterfamilie: Bereits seine Großeltern mütterlicherseits, Maria Mayen und Emmerich Reimers, waren als Schauspieler am Burgtheater tätig.[2] Sein Stief-Urgroßvater mütterlicherseits war der aus Altona stammende Schauspieler Georg Reimers.

Privatleben

Aus einer früheren Ehe mit einer US-Amerikanerin stammen drei Kinder. Er ist mit einer Kostümbildnerin verheiratet.[3] Aus der Beziehung entstammt eine weitere Tochter.[4] Er wohnte 2009 in London und Berlin.[5] Mittlerweile (2013) lebt er überwiegend in Los Angeles und Berlin,[6] wo er seinen Hauptwohnsitz hat.[7] Waltz spricht fließend Deutsch, Französisch und Englisch.[8]

Staatsbürgerschaft

Waltz selbst versteht sich als Österreicher. Im August 2010 kam es in den österreichischen Medien zu einer Debatte über seine Staatsbürgerschaft, als bekannt wurde, dass er die deutsche, aber nicht die österreichische Staatsbürgerschaft besaß. Da sein Vater Deutscher war, erhielt auch Waltz als Sohn eines deutschen Vaters, nach seiner Geburt in Wien, automatisch dessen Staatsangehörigkeit.[9][10] Er zeigte sich von Spekulationen um seine Staatsbürgerschaft irritiert; auf Journalistenfragen äußerte er dazu, er fühle sich als Österreicher, die deutsche Staatsbürgerschaft sei lediglich eine juristische, staatsbürgerliche Banalität:[11]

„Ich bin in Wien geboren, ich bin in Wien aufgewachsen, ich bin in Wien zur Schule gegangen, ich habe in Wien Matura gemacht, ich habe in Wien studiert, ich habe in Wien mein Berufsleben begonnen, ich habe in Wien zum ersten Mal Theater gespielt, ich habe in Wien zum ersten Mal gedreht, es gibt noch ein paar Wiener Details. Wie österreichisch wollen Sie es denn noch haben?“

Christoph Waltz, zitiert nach wien.orf.at[10]

Am 24. August 2010 genehmigte die österreichische Bundesregierung im Ministerrat auch[12] die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft an Waltz. Im Herbst 2010 fand die Verleihungszeremonie durch die Stadt Wien statt.[10][13]

In der US-Comedyshow Saturday Night Live ging Waltz 2013 erneut auf das Thema ein:

„Ich bin nicht Deutscher, ich bin Österreicher. Und wir Österreicher haben einen wunderbaren Sinn für Humor. Die Deutschen nicht so.“

Christoph Waltz, zitiert nach spiegel.de[14]

Karriere

Anfänge

Als Schüler besuchte er das Theresianum im Wiener Gemeindebezirk Wieden und das Gymnasium Billrothstraße in seinem Heimatbezirk Döbling, wo er auch maturierte. Ursprünglich wollte Waltz Kameramann werden, da ihn die Technik interessierte. Seiner eigenen Aussage nach sei er nur mangels anderer Ideen zum Film gekommen.[15] Später studierte er Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar und am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. 1977 stand er erstmals in seiner Heimatstadt auf der Theaterbühne. Es folgten Theater-Engagements in Zürich und Köln, er spielte außerdem in Frankfurt am Main, Hamburg, Salzburg und Wien. 1982 erhielt er den renommierten O.E. Hasse-Preis. Seit Ende der 1970er Jahre wirkte er in zahlreichen Fernseh- und auch Kinofilmen mit und übernahm Episodenrollen in den Krimiserien Derrick, Der Alte, Schimanski, Kommissar Rex, Polizeiruf 110, Rosa Roth, Unter Verdacht, Der letzte Zeuge, SOKO Rhein-Main und Stolberg.

Theater- und Fernsehlaufbahn

Ende der 1980er-Jahre sollte Waltz die Rolle des Wiener Tatort-Ermittlers Inspektor Passini übernehmen, sein Engagement kam jedoch nicht über eine Folge hinaus.

Obwohl er in der Vergangenheit überwiegend fürs Fernsehen arbeitete, stand Waltz immer wieder auch für internationale Produktionen vor der Kamera, drehte fürs französische, australische und britische Fernsehen. Anfang der 1990er Jahre spielte er neben Ian Richardson in der Miniserie Der große Reibach (The Gravy Train, The Gravy Train Goes East), einer Politsatire um die Brüsseler Bürokratie in Zeiten neu aufbrechender Absatzmärkte in Osteuropa, den jungen EU-Beamten Dorfmann, der sich mit Verve und großem Idealismus den Herausforderungen seiner neuen Tätigkeit stellt. In Krzysztof Zanussis Film Leben für Leben über den Minoritenpater Maximilian Kolbe verkörperte Waltz 1991 einen entflohenen KZ-Häftling, der mit Schuldgefühlen kämpft. Mit Die Farbe des Lebens (Our God's Brother) folgte 1997 eine weitere Zusammenarbeit mit dem polnischen Regisseur. 1993 übernahm Waltz in Tom Toelles Historien-Zweiteiler König der letzten Tage den Part des Täufers Jan van Leiden. 1995 gehörte er zur Darstellerriege der international besetzten Fernsehproduktion Katharina die Große mit Catherine Zeta-Jones in der Titelrolle. Einem breiteren Publikum bekannt wurde er zunächst als Roy Black in der Verfilmung von dessen Lebensgeschichte und, ebenfalls unter der Regie Peter Keglevics, in der Rolle des gewieften wie skrupellosen Entführers in Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker.

Für seine darstellerische Leistung in Du bist nicht allein – Die Roy Black Story wurde er 1996 mit einem Sonderpreis bei den Baden-Badener Tagen des Fernsehspiels und 1997 mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2002 erhielt er gemeinsam mit Regisseur Peter Keglevic und den Schauspieler-Kollegen Sebastian Koch und Tobias Moretti für die Verfilmung der Entführung des Industriellensohns Richard Oetker, Der Tanz mit dem Teufel, den Adolf-Grimme-Preis.

Im Jahr 2000 führte Waltz erstmals selbst Regie bei dem Fernsehfilm Wenn man sich traut, dessen Drehbuch er auch mitverfasste.

Internationaler Durchbruch

Christoph Waltz 2009 in Cannes

2009 spielte Waltz den SS-Standartenführer Hans Landa in Quentin Tarantinos Film Inglourious Basterds. Tarantino hatte sich nach einem Casting für Waltz als Darsteller entschieden, da Waltz als einziger der Vorsprechenden Gedichte in jeder gewünschten Sprache vortragen konnte.[16] Für die Rolle des Hans Landa erhielt Waltz 2009 und 2010 mehrere Auszeichnungen als Bester Nebendarsteller, darunter den Golden Globe Award, den Screen Actors Guild Award, den British Academy Film Award und den Oscar. Damit wurde 48 Jahre nach Maximilian Schell, der 1962 den Oscar als Bester Hauptdarsteller für Das Urteil von Nürnberg gewann, erstmals wieder ein deutschsprachiger Schauspieler von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences geehrt. Bereits im Mai 2009 war Waltz mit dem Preis für den besten Darsteller bei den 62. Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet worden.[17]

Christoph Waltz im Jahr 2013 bei der Premiere von Django Unchained in Paris

Nach dem Erfolg von Inglourious Basterds wurde der Schauspieler für weitere US-Produktionen verpflichtet, so verkörperte er in der Comic-Verfilmung The Green Hornet den Bösewicht Chudnofsky und war in dem im April 2011 angelaufenen Streifen Wasser für die Elefanten als ein Zirkusdirektor zu sehen.

Im März 2010 gab 20th Century Fox bekannt, dass Waltz die Regie für den Film Auf und davon übernehmen wird, an dessen Drehbuch er auch mitarbeitete. Der Film handelt vom Geschäft mit Liebesgefühlen, ein Thema, das Christoph Waltz laut Eigenaussage schon mehrere Jahre im Visier gehabt hat, und basiert lose auf dem gleichnamigen Roman von Meike Winnemuth und Peter Praschl.[18] Außerdem spielte Waltz eine der vier Hauptfiguren in der Adaption des Theaterstücks Der Gott des Gemetzels durch Roman Polanski.

2012 stand Waltz für Tarantinos Film Django Unchained vor der Kamera. In dem Western spielt er den deutschen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz. The Hollywood Foreign Association nominierte Waltz für einen Golden Globe in der Kategorie „Best Supporting Actor“,[19] den er am 13. Januar 2013 erhielt. Damit gewann Waltz zum zweiten Mal in einer von Tarantino besetzten Rolle den Golden Globe als bester Nebendarsteller.[20] Auch gewann Waltz für diese Rolle seinen zweiten Oscar. Christoph Waltz ist erst der zweite Schauspieler nach Dianne Wiest, der seine beiden Oscars ein und demselben Regisseur (Quentin Tarantino) verdankt. Bei Dianne Wiest war es Woody Allen.

Am 16. Februar 2013 durfte Christoph Waltz als erster Gastgeber mit deutscher Muttersprache durch die legendäre US-amerikanische Comedyshow Saturday Night Live führen.[14] Im selben Jahr wurde er in die Jury der 66. Filmfestspiele von Cannes berufen, im Jahr darauf in die Jury der 64. Berlinale. 2013 inszenierte er in Antwerpen mit dem Rosenkavalier erstmals eine Oper.[21] Am 3. März 2014 übergab Waltz den Oscar für die Beste Nebendarstellerin an Lupita Nyong’o.

Musiktheater-Regisseur

Filmografie (Auswahl)

Auszeichnungen (Auswahl)

Nominierungen

Literatur

Weblinks

 Commons: Christoph Waltz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Christoph Waltz im Munzinger-Archiv, abgerufen am 15. August 2013 (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Christoph Waltz – Biography in www.christophwaltzfans.com abgerufen am 5. Juni 2011
  3. Christoph Waltz ist längst heimlich verheiratet. In: Focus, 13. Januar 2013.
  4. vgl. Christoph Waltz. In: Internationales Biographisches Archiv 08/2009 vom 17. Februar 2009 (hy), ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 51/2009 (aufgerufen am 18. Januar 2010 via Munzinger Online)
  5. Anja Daeschler: Schauspielerei ein Albtraumberuf. In: Bunte, 13. Dezember 2007, aufgerufen am 9. September 2009 (Interview).
  6. Marc Pitzke: "Hollywood ist das Ziel - immer" In: Spiegel Online, 24. Februar 2013 (Interview).
  7. Christoph Waltz fehlen in Hollywood die Jahreszeiten. In: Frankfurter Rundschau, 17. Januar 2013.
  8. Alex Billington: Interview: Col. Hans 'The Jew Hunter' Landa – Christoph Waltz, firstshowing.net. 20. August 2009. Abgerufen am 28. August 2009. 
  9. Österreichische Staatsbürgerschaft für Christoph Waltz. In: Der Standard, 8. August 2010.
  10. a b c Christoph Waltz erhält Staatsbürgerschaft. In: ORF, 24. August 2010, abgerufen am 10. Januar 2013.
  11. Waltz fühlte sich schon immer als Österreicher. In: Die Zeit, 20. August 2010.
  12. Waltz sagte 2011 in einem Interview, er habe nun „auch“ den österreichischen Pass: tz München: Oscar-Preisträger Christoph Waltz im tz-Interview Nicht zu nett, aber Vollprofi 27. April 2011, abgerufen am 21. März 2013.
  13. Polanski-Film: Waltz dreht mit Winslet. In: Oberösterreichische Nachrichten, 28. September 2010, abgerufen am 20. Dezember 2010.
  14. a b Killer-Jesus begeistert US-Medien. In: Spiegel Online, 18. Februar 2013, abgerufen am 21. März 2013.
  15. "Im Journal zu Gast": Christoph Waltz auf Ö1 vom 23. Februar 2013 abgerufen am 23. Februar 20113
  16. Michael Althen: Der sanft säuselnde Psychopath. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2009.
  17. Preisträger bei festival-cannes.fr, abgerufen am 24. Mai 2009 (englisch).
  18. Christoph Waltz debütiert als Kino-Regisseur. In: Rheinische Post, 19. März 2010, abgerufen am 26. August 2010.
  19. 2013 Golden Globe Nominations. In: goldenglobes.org, 13. Dezember 2012 (englisch).
  20. Christoph Waltz gewinnt Golden Globe. In: Rhein-Zeitung, 14. Januar 2013.
  21. Hollywood guckt durch den Feldstecher. In: FAZ.net vom 16. Dezember 2013
  22. Hollywood guckt durch den Feldstecher in FAZ vom 17. Dezember 2013, Seite 25
  23. Ehrenkreuz für Waltz. In: news.at, 6. Juni 2012, abgerufen am 6. Juni 2012.