Daniel Bahr

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Daniel Bahr (2012)
Wahlkampfkundgebung Mai 2012 in der Wolkenburg (Köln)

Daniel Bahr (* 4. November 1976 in Lahnstein) ist ein deutscher Politiker (FDP). Von Mai 2011 bis Dezember 2013 war er Bundesminister für Gesundheit. Zuvor war er seit Oktober 2009 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit. Bis zur Bundestagswahl 2013 war Bahr zudem Mitglied des Deutschen Bundestages sowie von 1999 bis 2004 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen und von 2010 bis 2012 Landesvorsitzender der FDP Nordrhein-Westfalen.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Daniel Bahr wurde 1976 als Sohn eines Polizisten in Lahnstein geboren. Nach dem Abitur 1996 am Immanuel-Kant-Gymnasium in Münster absolvierte er von 1996 bis 1998 eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Dresdner Bank in Schwerin und Hamburg. Ab dem Wintersemester 1998/99 studierte er Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster und schloss mit einem Bachelor of Science (BSc) ab. Ein berufsbegleitendes Business-Management-Studium mit Schwerpunkt International Health Care and Hospital Management, ebenfalls an der WWU, schloss er neben seiner politischen Arbeit 2008 als Master of Business Administration (MBA) ab. Seit 2003 ist er als Mitarbeiter der Dresdner Bank (mittlerweile Commerzbank) gehaltslos beurlaubt.

Partei[Bearbeiten]

Bahr trat 1990 als 14-jähriger Schüler den Jungen Liberalen (JuLis) bei. 1992 wurde er Mitglied der FDP. 1994 wurde Bahr Vorsitzender des JuLi-Bezirksverbandes Münsterland und hatte dieses Amt bis 1996 inne. Ab 1996 gehörte er dem Bundesvorstand der Jungen Liberalen an. Zunächst war er bis zum Bundeskongress 1998 in Mainz Beisitzer, ehe er zum Stellvertretenden Bundesvorsitzenden mit dem Geschäftsbereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gewählt wurde. Auf dem Bundeskongress 1999 in Dresden wurde Bahr zum Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen gewählt; dieses Amt übte er bis 2004 aus.

Seit 2001 ist er zudem Mitglied im FDP-Bundesvorstand, zunächst als Vertreter der Jungen Liberalen und seit 2001 als gewähltes Mitglied. 2003 wurde er zum Vorsitzenden des Zukunftsforums Frauen, kinderfreundliches Deutschland, Generationengerechtigkeit beim FDP-Bundesvorstand bestellt. Bahr setzt sich unter anderem dafür ein, dass Akademikerinnen bessere Rahmenbedingungen geboten werden, einen Kinderwunsch zu verwirklichen. Er war Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Münster[1]. FDP-Bezirksvorsitzender des Münsterlandes[2] wurde er 2006.

Am 27. November 2010 wurde er auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen FDP zum Landesvorsitzenden gewählt. Im Vorfeld der vorgezogenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai 2012 erklärte Bahr, dieses Amt an den Spitzenkandidat Christian Lindner abgeben zu wollen.[3]

Abgeordneter[Bearbeiten]

Bahr war von 2002 bis 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 2002 bis 2005 Sprecher für demographische Entwicklung, Behindertenpolitik und Pflege der FDP-Bundestagsfraktion. Von 2005 bis 2009 war er gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion.

Daniel Bahr ist stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag eingezogen.

Durch das Scheitern seiner Partei an der 5%-Hürde bei der Bundestagswahl 2013 schied er im Oktober 2013 aus dem Bundestag aus.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten]

Bahr war vom 29. Oktober 2009 bis zum 11. Mai 2011 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit.

2010 geriet er in die Schlagzeilen, als er beim Streit um die Vorschläge von Philipp Rösler zur Einführung einer Gesundheitsprämie dem Koalitionspartner CSU vorwarf, sie sei „als Wildsau aufgetreten“ und habe sich „nur destruktiv gezeigt“.[4][5]

Am 12. Mai 2011 wurde Bahr vom Bundespräsidenten zum Bundesgesundheitsminister ernannt. Sein Amtsvorgänger Philipp Rösler (FDP) wurde Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler. Am gleichen Tag erfolgte seine Vereidigung vor dem Deutschen Bundestag.

Mit dem Antritt des dritten Kabinetts Merkel am 17. Dezember 2013 schied Bahr aus der Bundesregierung aus.

Schwerpunkte[Bearbeiten]

  • Kampf gegen Krebs

Als ein in der Öffentlichkeit positiv aufgenommener Aspekt in Bahrs Gesundheitspolitik hat sich ab dem zweiten Amtsjahr sein „Kampf gegen die Volkskrankheit Krebs“ erwiesen. Bei allem Engagement für die Gesundheitsthemen seines Ressorts hat Bahr 2012 die gesetzlichen Grundlagen zur Einführung klinischer Krebsregister in Deutschland vorbereitet. In Verhandlungen mit Kostenträgern erreichte der Bundesminister die Aufbaufinanzierung durch die Deutsche Krebshilfe und durch Bundesländer.[6] So stehen ab 2013 insgesamt acht Millionen Euro zur Verfügung, wobei 90 Prozent der Mittel aus Spendengeldern kommen, die Bürger der von der Ärztin Mildred Scheel gegründeten Krebshilfe zukommen ließen.[7]Am internationalen Weltkrebstag 2013 überreichte Bundesgesundheitsminister Bahr erstmals den Deutsche Krebshilfe Preis an zwei Krebsforscher, die sich seit Jahren um den Aufbau des Kinderkrebsregisters und des klinischen Krebsregisters in Deutschland verdient machen.[8]

Familie[Bearbeiten]

Sein Vater war Dozent an der Polizeihochschule Münster.

Sein Bruder Thomas ist zehn Jahre älter, Mediziner und Managing Partner der Nürnberger Managementgesellschaft UG-MaS GmbH (Unternehmung Gesundheit Management & Services)[9]

Bahr ist katholisch und seit 2008 mit Judy Witten verheiratet.[10] Ihre gemeinsame Tochter Carlotta Filippa Amelie kam am 26. Juni 2013 zur Welt. [11]

Tätigkeiten neben seinem Mandat[Bearbeiten]

Er war bis September 2009 bei der ERGO Versicherungsgruppe AG in Düsseldorf Mitglied des Beirates sowie ebenfalls Mitglied des Beirates beim DUK Versorgungswerk e. V. in Berlin.

Seit Januar 2011 ist er Schirmherr für das Aktionsbündnis „Schmerzfreie Stadt Münster“.[12] Anfang Februar 2014 begann Bahr mit seiner Arbeit beim US-Think-Tank Center for American Progress in Washington, D.C., welche die US-Gesundheitsreform bearbeitet und begleitet.[13]

Als Beiratsmitglied von Jugend gegen AIDS unterstützt Daniel Bahr eine von Jugendlichen initiierte und geführte Initiative, die Aufklärungs- und Präventionsarbeit auf Augenhöhe betreibt.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Daniel Bahr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Daniel Bahr – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.fdp-muenster.de
  2. www.fdp-muensterland.de
  3. Lindner wird FDP-Spitzenkandidat in NRW in Zeit Online
  4. in der Passauer Neuen Presse, via Gesundheit: Liberale werfen CSU „Wildsau“-Politik vor in Spiegel Online
  5. FDP versus CSU: Seehofer macht Wildsau-Eklat zur Chefsache in Spiegel Online
  6. Verhandlungsbericht, Pressekonferenz vom 13. Dezember 2012, Berlin
  7. Hans-Peter Krämer, Vorstandsvorsitzender Deutsche Krebshilfe Bonn, 14. Dezember 2012
  8. Bundesgesundheitsminister Bahr beim Festakt in der Redoute, 4. Februar 2013, Bonn.
  9. ÄrzteZeitung [1]
  10. Ein Banker als Chef-Arzt. FOCUS Online, 16. Mai 2011, abgerufen am 24. November 2012.
  11. Die Welt [2]
  12. Westfälische Nachrichten: Schmerzfreie Stadt: Bahr wird Schirmherr
  13. Die Welt: Daniel Bahr berät Obama bei Gesundheitsreform vom 2. Februar 2013
  14. Quelle: Kongresshandbuch zum #ändere2014 Jugendkongress, hrsg. von Jugend gegen AIDS e.V.