Johanna Wanka

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Johanna Wanka (2012)

Johanna Wanka (geborene Müller; * 1. April 1951 in Rosenfeld, Landkreis Torgau) ist eine deutsche Politikerin der CDU. Sie ist seit dem 14. Februar 2013 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Von 2000 bis 2009 war sie Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg, von 2010 bis 2013 niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur.

Leben[Bearbeiten]

Johanna Wanka wuchs in Rosenfeld auf. Sie besuchte von 1958 bis 1966 die Polytechnische Oberschule in Großtreben und anschließend bis zum Abitur 1970 die Erweiterte Oberschule in Torgau,[1] wo sie parallel auch den Beruf einer Agrotechnikerin erlernte.[2] Das Studium der Mathematik an der Universität Leipzig schloss sie 1974 mit dem Diplom ab.[1] Ihre Diplomarbeit trug den Titel Räumliche Randwertaufgaben der Potentialtheorie mit Koppelungsbedingungen.[3]

Johanna Wanka ist mit dem Mathematiker Gert Wanka verheiratet und hat zwei Kinder.[4]

Beruf[Bearbeiten]

Ab 1974 war Johanna Wanka als Wissenschaftliche Assistentin an der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg, Sektion Mathematik, tätig. 1980 wurde sie über Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potentialtheoretischen Mitteln zum Dr. rer. nat. promoviert. Von 1985 bis 1993 war sie an der Hochschule Wissenschaftliche Oberassistentin. 1993 erhielt Wanka einen Ruf als Professorin für Ingenieurmathematik an die Hochschule Merseburg, in der ihr Fachbereich aufgegangen war. Im März 1994 wurde sie zur Rektorin ihrer Hochschule gewählt. Sie übte dieses Amt bis zu ihrer Berufung als Ministerin im Oktober 2000 aus.[1]

Von 1994 bis 1998 war sie Vizepräsidentin der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt und von 1995 bis 1998 stellvertretende Vorsitzende des Beirates für Wissenschaft und Forschung des Landes Sachsen-Anhalt.[5]

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Wanka war Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ).[6] Sie trat 1989 der Bürgerbewegung der DDR bei[7] und war Gründungsmitglied des im September 1989 gegründeten Neuen Forums in Merseburg, für das sie auch von 1990 bis 1994 Mitglied des Kreistages Merseburg war.[1]

Im Jahre 2000 wurde Wanka, damals noch parteilos, für die CDU im Kabinett Stolpe III Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg. Diese Funktion übte sie bis November 2009 aus[5] und war im Jahr 2005 Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Während ihrer diesbezüglichen Amtszeit wurde die Reform der deutschen Rechtschreibung eingeführt. Da im Juli 2005 immer noch diskutiert wurde, ob die für den 1. August geplante Einführung der Reform tatsächlich stattfinden solle, appellierte Wanka an die Ministerpräsidenten, die neuen Schreibweisen wie geplant einzuführen. Zudem kritisierte sie die zurückhaltende Haltung Bayerns und Nordrhein-Westfalens und betonte, eine so kurzfristige Verschiebung sei nur Wasser auf die Mühlen derer, die prinzipiell gegen den Bildungsföderalismus seien.[8] Ein halbes Jahr später, kurz nach dem Ende ihrer Amtszeit als Präsidentin der Kultusministerkonferenz, räumte sie gegenüber dem Spiegel ein: „Die Kultusminister wissen längst, dass die Rechtschreibreform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden.“[9]

Seit März 2001 ist Wanka Mitglied der CDU. Von Mai 2003 bis Juni 2010 war sie Mitglied im CDU-Landesvorstand Brandenburg. Im Dezember 2003 wurde Wanka zur Kreisvorsitzenden der CDU Dahme-Spreewald gewählt.[5] Auf dem Parteitag der CDU Brandenburg im Januar 2007 wurde sie zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Nach dem Rücktritt des bisherigen Landesvorsitzenden Ulrich Junghanns nahm sie dieses Amt ab dem 29. Oktober 2008 kommissarisch wahr und wurde durch einen Parteitag am 17. Januar 2009 in Potsdam als Landesvorsitzende gewählt.[10]

Johanna Wanka (2011)

Von 2004 bis 2010 war Wanka Mitglied des Landtages Brandenburg jeweils nach Einzug über die CDU-Landesliste, da sie sich als Direktkandidatin im Wahlkreis Dahme-Spreewald III (Wahlkreis 28) nicht durchsetzen konnte.[11] Bei der Landtagswahl am 27. September 2009 trat sie als Spitzenkandidatin der CDU an. Bei dieser Wahl legte die CDU zwar 0,4 Prozentpunkte zu, blieb jedoch mit einem Ergebnis von 19,8 Prozent deutlich dritte Kraft hinter der SPD (33 Prozent) und Linkspartei (27,2 Prozent).

Nachdem sich die SPD 2009 gegen eine Neuauflage der Koalition mit der CDU entschied und eine Koalition mit der Linken einging, wurde Johanna Wanka am 20. Oktober 2009 zur CDU-Fraktionschefin gewählt. Dieses Amt übte sie bis April 2010 aus, als sie aufgrund ihrer überraschenden Berufung nach Niedersachsen ihr Landtagsmandat in Brandenburg niederlegte. Nachfolgerin im Fraktionsvorsitz war Saskia Ludwig, die am 26. Juni 2010 ebenfalls als CDU-Landesvorsitzende nachfolgte.

Wanka wurde am 27. April 2010 vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) zur niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur in seinem Kabinett ernannt; sie löste Lutz Stratmann in diesem Amt ab.[12] Dieses Amt behielt Wanka auch im Kabinett McAllister. Die Landtagswahl 2013 ergab eine Mehrheit für eine rot-grüne Koalition, wodurch der Verlust dieses von einer CDU-Politikerin in Niedersachsen ausgeübten Amtes absehbar wurde. Nach dem Rücktritt von Bundesbildungsministerin Annette Schavan wurde Wanka als Nachfolgerin vorgeschlagen und trat daher am 13. Februar 2013 vorzeitig als niedersächsische Ministerin zurück. Einen Tag später wurde sie zur Bundesministerin ernannt und am 21. Februar im Bundestag vereidigt.

Kabinette[Bearbeiten]

Brandenburg[Bearbeiten]

Niedersachsen[Bearbeiten]

Bund[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Im September 2010 wurde Johanna Wanka mit der Ernst-Ludwig-Ehrlich-Medaille für Wissenschaften und Künste ausgezeichnet. Das jüdische Begabtenförderungswerk Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk würdigte mit der Ehrung den Einsatz Wankas für die jüdische Bildungsarbeit.[13]

Schriften[Bearbeiten]

  • Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potentialtheoretischen Mitteln. Dissertation an der Fakultät für technische Wissenschaft und Mathematik an der Technischen Hochschule Leuna, Merseburg 1980, DNB 820370274.
  • Johanna Wanka (Hrsg.): Tagungsband zur 1. Tagung der Nachwuchswissenschaftler an der Fachhochschule Merseburg. Applied Science Conference. Shaker, Aachen 2001, ISBN 3-8265-8356-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johanna Wanka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Johanna Wanka – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Prof. Dr. Johanna Wanka. Biografie. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 10. Februar 2013.
  2. Zur Person. Potsdamer Neueste Nachrichten, 20. April 2010, abgerufen am 10. Februar 2013.
  3. Johanna Wanka. Munzinger: Personen – Internationales Biographisches Archiv, abgerufen am 10. Februar 2013.
  4. Andrea Beyerlein: Die neue Perspektive. Berliner Zeitung, 27. Januar 2009, abgerufen am 10. Februar 2013.
  5. a b c Lebenslauf Professorin Dr. Johanna Wanka. Bundesministerium für Bildung und Forschung, abgerufen am 14. Februar 2013.
  6. Ludger Fertmann: Johanna Wanka hatte Mut zur Wende. In: Hamburger Abendblatt. 2. Oktober 2012.
  7. Johanna Wanka im Porträt auf Tagesschau.de; abgerufen: 11. Februar 2013.
  8. Rechtschreibdebatte: Länder beraten über Reform-Verschiebung. In: Spiegel Online. 19. Juli 2005.
  9.  Jan Fleischhauer, Christoph Schmitz: Hit und Top, Tipp und Stopp. In: Der Spiegel. Nr. 1, 2006, S. 124–132 (2. Januar 2006, online).
  10. Thorsten Metzner: Johanna Wanka will einen Neuanfang. Tagesspiegel, 18. Januar 2009, abgerufen am 10. Februar 2013.
  11. 2004 errang sie mit 23,7 Prozent den dritten Platz (Siehe Ergebnisse der Landtagswahl am 19. September 2004. Wahlkreis 28 - Dahme-Spreewald III. Abgerufen am 10. Februar 2013.), 2009 mit 27,1 Prozent den zweiten Platz (Siehe Ergebnisse der Landtagswahl 2009. Wahlkreis 28 - Dahme-Spreewald III. Abgerufen am 10. Februar 2013.)
  12. Niedersächsische Staatskanzlei: Niedersachsen stellt Weichen für 2020 – Änderungen in vier Ministerien, 19. April 2010.
  13. Johannes Frank: Ernst-Ludwig-Ehrlich-Medaille wird 2010 Professorin Dr. Johanna Wanka verliehen. Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk, 2010, abgerufen am 10. Februar 2013.