Debar

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Debar (Begriffsklärung) aufgeführt.
Debar
Дебар
Dibra / Dibër
Wappen von Debar
Debar (Mazedonien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Region: Südwesten
Koordinaten: 41° 31′ N, 20° 32′ O41.52472222222220.527777777778665Koordinaten: 41° 31′ 29″ N, 20° 31′ 40″ O
Höhe: 665 m. i. J.
Fläche (Opština): 145,67 km²
Einwohner: 14.561 (2002)
Einwohner (Opština): 19.542 (2002)
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+389) 046
Postleitzahl: 1250
Kfz-Kennzeichen: OH
Struktur und Verwaltung
Gliederung: 18 Ortschaften
Bürgermeister: Ruzhdi Ljata (BDI)
Webpräsenz:

Debar (mazedonisch Дебар; albanisch Dibra oder Dibër) ist eine Kleinstadt im Westen Mazedoniens. Sie ist Amtssitz der gleichnamigen Opština (alb. Komuna), die neben der Stadt noch 19 Dörfer umfasst. Die Grenze zu Albanien ist nur etwa sechs Kilometer im Nordwesten entfernt.

Geographie[Bearbeiten]

Blick auf den Debarsee

Debar liegt auf einem Hügel rund 100 Meter oberhalb des Debarsees in einer historischen Region, die ebenfalls den Namen Debar/Dibra trägt. Bis zur albanischen Grenze sind es nur fünf Kilometer und nach Peshkopia in Albanien, der zweitgrößten Stadt der Region Debar/Dibra, rund 25 Kilometer. Zur Hauptstadt Skopje sind es rund 130 Kilometer.

Nordöstlich der Stadt befindet sich der Mavrovo-Nationalpark, der flächenmäßig größte Nationalpark in Mazedonien. Nördlich von Debar erhebt sich das Korab-Gebirge mit dem höchsten Berg Mazedoniens, dem Kobilino Pole (alb. Maja e Korabit), mit 2764 m. i. J.

Südöstlich trifft man auf das Stogovo-Gebirge mit der gleichnamigen höchsten Spitze auf 2318 m. i. J.

Am Drin flussaufwärts Richtung Süden gibt es bis ins Struga-Tal einen kilometerlangen Canyon, der teilweise vom Debar- und Globočicasee gebildet wurde.

Bevölkerung[Bearbeiten]

In der Stadt wohnen 14.561 Menschen; zusammen mit den umliegenden Dörfern, die mit der Stadt die Opština von Debar bilden, sind es 19.542 Einwohner. Die Zahlen stammen von der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2002.[1][2]

Die ethnische Verteilung für die Stadt fiel im Jahr 2002 wie folgt aus: 10.768 Albaner (73,95 %), 1.415 Türken (9,72 %), 1.079 Roma (7,41 %), 1.054 ethnische Mazedonier (7,24 %) und 245 Personen anderer Herkunft (1,68 %).[1][2]

94,52 Prozent der Stadteinwohner sahen sich 2002 als Muslime. Von den ethnischen Mazedoniern war ein großer Teil Torbeschen. 4,72 Prozent waren orthodoxe Christen und je 0,38 Prozent bezeichneten sich als römisch-katholisch beziehungsweise hatten einen anderen Glauben.

Geschichte[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Im 5. Jahrhundert v. Chr. als Dober erstmals erwähnt, veränderte sich der Name der Stadt im Laufe der Geschichte nur wenig. Auf mazedonisch wird sie heute Debar (kyrillisch Дебар), auf albanisch Dibra (bestimmte Form, unbestimmte Form: Dibër) und auf türkisch Debre genannt. Während der osmanischen Besatzung wurde der türkische Name auch in erweiterter Form als Debre-i Bâlâ (osmanisch ‏دبرهء بالا‎) benutzt. Auf bulgarisch wird der Stadtname in Дебър geschrieben. Griechisch heißt die Stadt Dívrē (Δίβρη) oder Dívra (Δίβρα).

Antike[Bearbeiten]

Erstmals wird Debar im 5. Jahrhundert v. Chr. von Herodot als Ort Dober erwähnt. Im 1. Jahrhundert n. Chr. erwähnt Strabon einen illyrischen Stamm der Doberer, welcher in der Region des Ortes Dober siedelte. Ptolemäus beschriftet auf einer seiner Karten den Ort Doberus/Dober, welcher vom illyrischen Stamm der Doberer besiedelt wird, ebenfalls. Archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, dass das antike Dober identisch mit der heutigen Stadt ist und sie somit die Vorgängerin von Debar war, die in seiner Region ein bedeutendes Handelszentrum war.

Während der römischen Zeit wuchs der Ort zu einer kleinen Stadt mit dem Namen Deborus, das an einer Römerstraße lag. Als die Byzantiner das Gebiet eroberten, wurde eine Burg errichtet.

Mittelalter und Osmanen[Bearbeiten]

Die Stadt Debar spielte im Mittelalter für den albanischen Widerstand gegen die Osmanen eine wichtige Rolle. Die von Skanderbeg – einem christlichen Fürsten aus der Region Mat – 1444 gegründete Liga von Lezha hatte ihre Ursprünge in Debar. 1443 trafen sich dort schon einige albanische Fürsten, um sich gegen den gemeinsamen Feind zu verbünden. Man kann deswegen sagen, dass Debar Entstehungsort des albanischen Kampfes gegen die osmanische Expansion war.[3]

Im Jahr 1502 ist die Stadt unter dem Namen Dibri von Felix Petancic erwähnt, einem Gesandten von Vladislav II., dem König von Ungarn, Böhmen und Kroatien.

Zu einem regionalen Zentrum mit großem Markt und vielen Läden entwickelte sich der Ort während der osmanischen Herrschaft. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der Kunstschule von Debar, die vor allem für ihre Holzschnitzereien und Ikonostase bekannt war.

Erwachen des Nationalismus[Bearbeiten]

Für die Geschichte der Albaner spielt Debar eine bedeutende Rolle. Im Jahr 1844 fand dort nämlich eine große Schlacht zwischen osmanischen Truppen unter dem Feldherr Hajredin Pascha und albanischen Aufständischen unter der Führung von Iljaz Pascha Qoku. Hajredin Pascha war vorher mit der Aufgabe aus Konstantinopel gesandt, in Debar Gesetzesänderungen und die Entsendung junger albanischer Männer in die osmanische Hauptstadt durchzusetzen. Die Menschen von Debar wehrten sich jedoch gegen diese Forderungen und der Aufstand breitete sich über die Stadt in die ganze Region aus. Laut Berichten gab es insgesamt etwa 12.000 Tote. Die Gräber der gefallenen Soldaten befinden sich nahe der Innenstadt von Debar, wo sie denkmalgeschützt sind.

In der albanischen Volkskultur wird dieser Schlacht mit einem epischen Lied gedacht, das die Tapferkeit der albanischen Soldaten zu ihrem Widerstand gegen die osmanischen Machthaber besingt.[4][5]

Gemäß § 10 des Fermans zur Errichtung des Bulgarischen Exarchats trat nach einer abgehaltener Volksbefragung im Jahre 1897 die christliche Bevölkerung in der Stadt und Region der Bulgarischen-orthodoxen Kirche bei. In der Folge wurde Debar Zentrum einer Eparchie des Bulgarisches Exarchats, das hier für die bulgarische Bevölkerung ein Gymnasium und drei Grundschulen leitete.[6] Vom Anfang des 20. Jahrhunderts sind mehrere Aufstände gegen den Sultan bekannt. In dieser Zeit beträgt die Einwohnerzahl um die 15.000, wobei die Albaner die Mehrheit stellten.[7]

Zeit unter Jugoslawien[Bearbeiten]

Nach der Ausrufung der albanischen Unabhängigkeit am 28. November 1912 war die Mehrheit der Bürger für die Zugehörigkeit ihrer Stadt zu diesem neuen Staat. Serbien konnte aber bei den Großmächten (Londoner Vertrag von 1913) durchsetzen, dass Debar sowie das gesamte albanischsprachige Gebiet der heutigen Republik Mazedonien unter seine Herrschaft kommt. Im September 1913 brach in der Region der Ohrid-Debar-Aufstand aus. Er wurde vom Bulgarischen Makedonien-Adrianopeler Revolutionären Komitee sowie von der albanischen Bevölkerung organisiert und richtete sich gegen die neue serbische Herrschaft. Durch die Lage unmittelbar an der Grenze wurde Debar vom größten Teil seines Hinterlands (Dibra) auf der albanischen Seite abgeschnitten und umgekehrt waren die Dörfer in Albanien nun von ihrem Handelszentrum isoliert. Während des Zweiten Weltkrieges schlug Italien 1941 das Gebiet dem von Italien besetzten Albanien zu. Seit 1944 gehörte die Stadt zur jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien (Sozialistische Republik Mazedonien) und seit 1991 zur unabhängigen Republik Mazedonien.

Sehenswürdigkeiten und Naturlandschaften[Bearbeiten]

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind der Uhrturm (Sahat-Kula) und einige Moscheen aus osmanischer Zeit. Etwa 25 Kilometer nordöstlich der Stadt liegt das Kloster Sveti Jovan Bigorski aus dem 11. Jahrhundert.

Die Umgebung ist außerdem für ihre vielen Naturlandschaften bekannt. Unter anderem sind der Debarsee und die unberührten Landschaften in seiner Nähe von Bedeutung. Der Skiort Mavrovo und der gleichnamige Nationalpark gehören zu den bekanntesten Naturattraktionen Mazedoniens. Sie befinden sich 20 Kilometer Luftlinie östlich der Stadt. Der Korab ist der höchste Berg des Landes und liegt in nur 28 Kilometer Luftlinie Entfernung.

Verkehr[Bearbeiten]

2008 wurde die aus Gostivar herführende Straße neu asphaltiert. Die andere Strecke aus Struga ist eine alte Straße und dementsprechend schlecht ausgebaut. Eine Zollstation an der Grenze zu Albanien ist nur sechs Kilometer nordwestlich entfernt. Von dort führt eine Straße nach Peshkopia und eine durch die Berge über Burrel nach Tirana, die zurzeit ausgebaut wird. Auch eine Zugverbindung soll in ferner Zukunft Debar mit Tirana und der mazedonischen Hauptstadt Skopje verbinden.

Die ganze Region ist im Winter stark lawinengefährdet.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Debar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Volkszählung 2002 in: Staatliches Statistikbüro Mazedoniens, nach Opštini und darin liegenden Orten (PDF-Datei: 384 KB), zuletzt abgerufen am 16. Februar 2012
  2. a b Volkszählung 2002 in: Staatliches Statistikbüro Mazedoniens, nur nach Opštini (PDF-Datei: 2,18 MB)
  3. Në Dibër të Madhe. Top Channel, 22. Oktober 2010, abgerufen am 12. Januar 2013 (albanisch).
  4. Steckbrief zu Iljaz Pascha Qoku (Dibra). Qark Dibra, abgerufen am 11. Januar 2013 (albanisch, PDF-Datei, 15,8 kB).
  5. Vebi Xhemaili: Kryengritja e Dervish Carës, parapërgatiti Lidhjen e Prizrenit. Universität Tetovo, 2009, abgerufen am 11. Januar 2013 (albanisch).
  6. D. M. Brancoff: La Macédoine et sa Population Chrétienne. Paris, 1905, S. 152 153.
  7. Васил Кънчов: Македония. Етнография и статистика. София, 1900, S. 259.