Struga

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Struga (Begriffsklärung) aufgeführt.
Struga
Струга
Struga / Strugë
Wappen von Struga
Struga (Mazedonien)
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Basisdaten
Region: Südwesten
Gemeinde: Struga
Koordinaten: 41° 11′ N, 20° 41′ O41.177520.678888888889698Koordinaten: 41° 10′ 39″ N, 20° 40′ 44″ O
Höhe: 698 m. i. J.
Fläche (Opština): 483 km²
Einwohner: 16.559 (2002)
Einwohner (Opština): 63.376 (2002)
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+389) 046
Postleitzahl: 6330
Kfz-Kennzeichen: SU
Struktur und Verwaltung
Gemeindeart: Opština
Gliederung: 51 Ortschaften
Bürgermeister: Zijadin Sela (PDSH)
Webpräsenz:

Struga Zum Anhören bitte klicken! [ˈstruɡa]a a (mazedonisch Струга; albanisch auch Strugë) ist eine am Ohridsee gelegene Kleinstadt mit rund 16.500 Einwohnern im Südwesten Mazedoniens. Sie ist Amtssitz der nach ihr benannten Opština und wird durch den Schwarzen Drin in einen westlichen und in einen östlichen Stadtbereich geteilt. Die Grenze zu Albanien bei Qafë Thana/Čafasan ist acht Kilometer entfernt.

Geographie[Bearbeiten]

Schwarzer Drin in der südlichen Innenstadt mit beidseitigen Promenaden

Struga liegt nördlich des Ohridsees unweit der albanischen Grenze und wird durch den Schwarzen Drin, der den See entwässert, durchflossen. Die Stadt liegt in einer fruchtbaren, landwirtschaftlich genutzten Ebene, die nach ihr – Struga-Ebene (mazedonisch Nivo na Struga Ниво на Струга; albanisch Fusha e Strugës) – benannt ist. Solche Beckenlandschaften bzw. Hochebenen sind für Mazedonien typisch.

In der Nähe des Stadtgebiets gibt es so gut wie keine Wälder, wie dies in der ganzen Ebene der Fall ist. Die Äcker werden ausschließlich für die Landwirtschaft genutzt, weniger für die Viehzucht. Am ganzen Seeufer der Stadt wachsen Schilfrohre, nur im Westen gibt es größere freie Kieselstrände.

Westlich der Stadt erhebt sich der Bergzug der Jablanica.

Die Nachbardörfer von Struga sind (im Uhrzeigersinn drehend von Südwesten beginnend): Kališta/Kalisht, Radolišta/Ladorisht, Šum/Shum, Zagračani/Zagraçan, Dolna Belica/Belica e Poshtme, Vraništa, Moroišta und Misleševo.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima ist mediterran-kontinental geprägt, sodass es im Sommer oft sehr heiß wird und kaum Niederschlag fällt und es im Winter oft sehr kalt wird und sehr viel Niederschlag fällt. Wald- und Buschbrände kommen im Sommer wegen Trockenheit häufig vor.


Monatliche Durchschnittstemperaturen für Struga
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 6 8 11 16 21 26 28 29 23 19 12 6 Ø 17,1
Min. Temperatur (°C) -2 -1 1 4 9 11 13 14 11 8 3 -1 Ø 5,9
Regentage (d) 11 9 11 14 13 6 7 4 10 8 14 11 Σ 118
Luftfeuchtigkeit (%) 86 81 77 76 77 68 65 64 73 80 86 87 Ø 76,6
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Bevölkerung[Bearbeiten]

Daten[Bearbeiten]

Struga hatte 16.559 Einwohner laut der letzten Volkszählung von 2002 und zählt somit zu den kleineren Städten Mazedoniens.[1]

Zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit bezeichneten sich 8.901 als Mazedonier, 5.293 als Albaner, 907 als Türken, 550 als Walachen, 97 als Roma, 72 als Serben und 16 als Bosniaken. 723 Personen gaben eine andere Ethnie an.[1]

Struga wird von zwei Religionen geprägt. Auf der einen Seite ist das orthodoxe Christentum maßgebend, dem die Mehrheit der Bevölkerung angehören (9.197 Einwohner) und auf der anderen Seite ist der sunnitische Islam vertreten, dem die Minderheit angehört (7.075 Einwohner). Weiters gaben im Jahr 2002 sich 23 als römisch-katholisch an; 264 hatten einen anderen Glauben.

Zum Islam gehören die Albaner, Torbeschen und Türken. Zum orthodoxen Christentum zählen sich hauptsächlich die Mazedonier.

Landflucht[Bearbeiten]

In den letzten Jahren sind viele Dörfer in der Gemeinde wüst geworden oder haben einen rapiden Bevölkerungsrückgang verzeichnet (Landflucht), unter anderem sind die ethnisch-mazedonischen Einwohner aus diesen Dörfern in die Stadt eingewandert. Aber auch aus dem östlichen Teil Mazedoniens sind Mazedonier eingewandert. So leben diese mehrheitlich in Wohnungen und Apartments. Diese Bewegungen haben große demographische Veränderungen hervorgerufen.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Fischersiedlung[Bearbeiten]

Der Ort von Struga ist schon seit 3000 v. Chr. bewohnt. Damals im Neolithikum gründeten die ersten Siedler eine Pfahlbausiedlung beim Ausfluss des Ohridsees. Archäologen fanden heraus, dass die Siedler hauptsächlich Fischerei betrieben hatten; die Forscher fanden viele Steinwerkzeuge, Knochen und Waffen aus der frühen Steinzeit.

Illyrer, Makedonen, Römer und Christianisierung[Bearbeiten]

Die illyrischen Bryger und Encheläer waren wohl die ersten Völker, die geschichtlich den Ort besiedelten. Später kamen die ebenfalls illyrischen Dassareten hinzu. Mit dem Verlauf der Jahrhunderte entwickelte sich die Fischersiedlung in einen stadtähnlichen Ort, welcher Enhallon (mögliche Bedeutung: „Aal“) genannt wurde. Bisher wurde jedoch diese Vorgängerin von Struga nicht lokalisiert.

Der antike Historiker Polybios erwähnt Enhallon in seinen Werken und sagt, dass der Ort ab 359 v. Chr. zusammen mit dem benachbarten Lychnidos und anderen Städten am Ohridsee von Philipp II. erobert wurde. Die Stadt war Teil des antiken Makedonien bis ins Jahr 148 v. Chr., wo sie dann von den Römern in ihr Reich einverleibt wurde. Die wichtige römische Handelsstraße Via Egnatia verlief in dieser Zeit durch Enhallon.

Mit der Verbreitung des Christentums ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. zerstörte man die antiken Tempel und auf ihrem Grund wurden Basiliken errichtet, die zum Frühchristentum gehörten. Viele Überreste dieser Basiliken wurden in der Umgebung von Struga entdeckt. So ist auch die Kirche Heiliger Erasmus (mazedonisch Sv. Erazmo Св. Еразмо; albanisch Shën Erazëm) – rund neun Kilometer östlich vom Stadtzentrum an der Straße nach Ohrid gelegen – die erste christliche Missionierung im Gebiet (ca. 6. Jahrhundert).

Im 6. Jahrhundert werden Enhallon, Lychnidos und andere Siedlungen um den See Teil des Oströmischen (Byzantinischen) Reiches. In dieser Zeit siedelt sich der slawische Stamm der Wersiten in der Region an (siehe auch: Landnahme der Slawen auf dem Balkan).

Mittelalter[Bearbeiten]

Zum ersten Mal wurde die Stadt mit ihrem heutigen Namen im 11. Jahrhundert erwähnt. In einer Urkunde des bulgarischen Zaren Kaliman I. Assen vom 13. Jahrhundert wird erwähnt, dass ein Teil der Erträge vom Fischfang in der Stadt für das Athoskloster Zografou am Ägäischen Meer bestimmt waren.

Etwa um das Jahr 1394 kamen die Osmanen in die Region und eroberten u. a. die Städte Ohrid, Pogradec und auch Struga. Mit ihnen fasst zum ersten mal der Islam in der Region Fuß. Er war und ist heute noch sunnitisch geprägt, jedoch wanderten immer wieder auch Sufisten ein und gründeten Tekken.

Osmanische Epoche[Bearbeiten]

Der venezianische Botschafter Lorenzo Bernardo verbrachte während seiner Reise von Venedig nach Konstantinopel in Struga die Nacht zwischen dem 21. und 22. Mai 1591. Er beschreibt in seinem Reisetagebuch, dass die Stadt eigentlich keiner Stadt, sondern eher einem Dorf ähnelt. In einer Karawanserei rastete er. Die Ebene von Struga wird als sehr fruchtbar beschrieben. Der örtliche Wein ist schmackhaft und auch die Ohridforelle ist sehr bekannt. In der Stadt sollen mehrheitlich orthodoxe Bulgaren gelebt haben.[2]

1668 berichtet der osmanische Reisende Evliya Çelebi über die Stadt: Der Großgrundbesitzer Emin Agha soll am Ausfluss des Drin eine Holzbrücke mit zwölf Pfeilern erbaut haben. Auf dieser soll er sein Serail gebaut haben, welches von Wachen beschützt wurde. Die kleine Stadt Struga soll unter der gerichtlichen Zuständigkeit des Kadi von Ohrid gestanden haben. Weiters berichtet er, dass die Stadt 301 zweistöckige Häuser mit Ziegeldächern, die von Obstgärten und Weinreben umringt waren, und 40 Geschäfte gehabt haben soll.[3] In dieser Ära wurden außerdem die Halveti-Hayati-Tekke eines Sufi-Ordens, die sunnitische Große Moschee von Struga und andere osmanische Bauten in der Altstadt errichtet.

Balkan- und Weltkriege und Eintritt in Jugoslawien[Bearbeiten]

Im Ersten Balkankrieg wurde Struga im Jahr 1913 vom Königreich Serbien erobert. Da die bulgarische Führung mit dem Friedensvertrag des ersten Balkankrieges nicht einverstanden war; unter anderem war man mit der Abtretung Mazedoniens an Serbien nicht zufrieden, begann deshalb der Zweite Balkankrieg. Im September 1913 brach in der Region der Ohrid-Debar-Aufstand aus. Er wurde vom Bulgarischen Makedonien-Adrianopeler Revolutionären Komitee (BMARK) sowie von albanischen Clan-Führern organisiert und richtete sich gegen die neue serbische Herrschaft. Der Aufstand wurde zwei Wochen später von der serbischen Armee blutig niedergeschlagen. Über 25.000 Albaner und rund 30.000 Bulgaren flohen aus dem heutigen Westmazedonien nach Albanien und Bulgarien. Diese Ereignisse führten zur Stationierung von einer großen Anzahl serbischer Soldaten und Polizeibeamte in der Region bis weit in den 1920er. Fortan waren mohammedanische Kleidung verboten - so durften Frauen keinen Çarşaf mehr tragen - und viele Moscheen wurden in Kirchen umgewandelt. Mehrere Hundert Muslime flüchteten in die Türkei. Binnen weniger Monate endete die jahrhundertelange Herrschaft der Osmanen.

Für Struga hatte der Erste Weltkrieg keine nennenswerten Folgen, es verblieb unter serbischer Herrschaft. Während des Zweiten Weltkriegs geriet die Region unter der Besatzung der Achsenmächte. 1943 wurde das gesamte Westmazedonien dem faschistischen unter italienischer Kontrolle stehenden Albanien zugeschlagen, welches dann Großalbanien bildete. Bei ihrem Rückzug töteten Nazi-Truppen im benachbarten Dorf Radolišta/Ladorishti rund 80 unbewaffnete Menschen als „Vergeltung“ vorheriger Partisanenangriffe (siehe hierzu: Massaker von Ladorisht). Während dieser Zeit wurden zahlreiche Roma deportiert.

Nach dem Weltkrieg wurde die Region Teil des sozialistischen Jugoslawien unter der Teilrepublik SR Mazedonien. In dieser Zeit wurde Struga leicht industrialisiert: es entstanden unter anderem einige Fabriken im Norden der Stadt. Auch viele Straßen wurden erstellt, die zum Teil bis heute bestehen.

Seit der Unabhängigkeit 1991[Bearbeiten]

Als die Teilrepublik am 8. September 1991 ihre Unabhängigkeit erklärte, folgte ein Bruch im wirtschaftlichen Leben der Stadt; die Betriebe wurden mehrheitlich geschlossen und der Lebensstandard sank stark.

Eine leichte Erholung der Wirtschaft sieht man erst seit den 2000er Jahren, als viele Gewerbebetriebe gegründet wurden und die Touristenzahlen sprunghaft anstiegen.

Nach der Reform der Opštini (Gemeinden) im Jahr 2004 demonstrierten in Struga wie auch in Kičevo Tausende von ethnischen Mazedoniern, da nunmehr die Albaner prozentual am stärksten in der Gemeindebevölkerung vertreten sein werden und die Mazedonier eine (große) Minderheit bilden werden. In den folgenden Jahren stabilisierte sich die Lage jedoch wieder.[4]

Stadtbild[Bearbeiten]

In Struga anzutreffende Hausarchitektur, die im Balkan weit verbreitet ist.

Die osmanische Altstadt ist geprägt von zweistöckigen Häusern, die typisch für die Region sind. Doch in den letzten Jahrzehnten wurden auf deren Grund ohne Rücksicht neue Häuser und Restaurants gebaut. Gegen diese unkontrollierte Bautätigkeit unternahmen die Behörden bisher nichts Großes.

Im Westen der Stadt steht der große Markt (Basar), der einer der größten in der Region ist. Hauptsächlich werden Frischprodukte aus den benachbarten Dörfern zum Verkauf angeboten.

Heute ist Struga eines der Zentren der mazedonischen Tourismusbranche. Viele Hotels, Restaurants, Bars, Cafés, Boutiquen, Läden und Apartments sind in den letzten Jahren entstanden. Diese Bautätigkeit hat das Bild der Stadt maßgebend verändert.

Weiters sind die fünf Brücken - weswegen Struga in Mazedonien auch „Stadt der Brücken“ genannt wird - und die vielen Villen in den Außenbezirken der Stadt, die von Diaspora-Albanern errichtet wurden, Bestandteil des Stadtbildes.

Während der Sommersaison und beim Jahreswechsel ist das Nachtleben an den Flaniermeilen in der Innenstadt und am Flussufer sehr präsent. Die Sandstrände ziehen im Sommer viele Touristen aus dem ganzen Land und auch aus benachbarten Ländern zum Baden in den kühlen Ohridsee an. Oft ist die Stadt dem Andrang der Touristen nicht gewachsen und Folgen sind vor allem Verkehrs- und Umweltprobleme.

Ezerski Lozja[Bearbeiten]

Nach etwa drei Kilometern vom Stadtzentrum führt ein Abzweig der alten Hauptstraße nach Ohrid in das „Villenviertel“ von Struga. Das Viertel wird Ezerski Lozja genannt (albanisch Vreshtat, zu dt. in etwa „Die Weinreben am See“). Das Quartier entstand erst in den letzten Jahren, als der Tourismus in der Region größeren Auftrieb bekam. Im Viertel stehen viele Privat-Villen und aber auch Apartments für Sommertouristen. Die Villen wurden vor allem von Diaspora-Albanern gebaut, die von den benachbarten Dörfern hier Grundstück erwerben konnten. Westlich des Viertels steht eines der größten Hotelkomplexe am Ohridsee: das Eurohotel mit vier Sternen wurde in der jugoslawischen Ära errichtet. Heute ist das Hotel sehr veraltet und verzeichnet wenige Übernachtungen.

Sehenswürdigkeiten und Monumente[Bearbeiten]

Die Große Moschee am Mutter-Teresa-Platz
  • Große Moschee von Struga
  • Holzstauwehr am Ausfluss des Ohridsees
  • Der Hammām von Struga im Stadtzentrum, zum Teil verfallen und nicht zugänglich
  • Mutter Teresa-Statue auf dem gleichnamigen Zentralplatz

Sakralbauten[Bearbeiten]

Struga ist Sitz der gleichnamigen islamischen Gemeinde (albanisch Bashkia fetare islame e Strugës). Ihr Mufti ist Ferat Polisi.

Islamisch
  • Die Große Moschee von Struga aus dem 16. Jahrhundert im Stadtzentrum
  • Die Halveti-Hayati-Hasan-Baba-Tekke aus dem frühen 18. Jahrhundert mit dazugehöriger Moschee, südöstlich des Stadtzentrums gelegen
  • Die Sulejman-Arap-Moschee im Süden der Stadt, am Ohridsee gelegen
Christlich-Orthodox
  • Kirche des Heiligen Nikolaus Drimeni
  • Kirche des Heiligen Georg mit einer Freske aus dem Jahr 1267, welches den Patron der Kirche darstellt; die Kirche wurde auf dem Grund einer älteren errichtet

Weitere bedeutende Kirchen in der Region gibt es in Kališta (rund 5 Kilometer südwestlich am Ohridsee gelegen) und in Vraništa (ca. 4.5 Kilometer nördlich gelegen).

Die Basiliken in den benachbarten Dörfern Zagračani und Oktisi sowie südlich des Dorfes Podmolje stammen vermutlich aus dem 3. bzw. 6. Jahrhundert. Heute sind sie zum Teil verfallen.

Kultur[Bearbeiten]

Struga ist seit jeher das wirtschaftliche Zentrum des Gebiets nördlich des Ohridsees. Durch den Kontakt zwischen Albanern, Mazedoniern (Bulgaren), Türken, Serben, Bosniaken, Aromunen und Roma ist eine vielfältige Kultur entstanden. Das traditionelle Handwerk ist dabei eines der wichtigsten kulturellen Erben der Stadt. Goldverarbeitung, Schmuckherstellung, Strickarbeiten, Tonverarbeitung sowie Holzschnitzerei gehören zur Tradition von Struga.

Kulturelle Veranstaltungen[Bearbeiten]

Auch wenn Struga bei der Quantität und Qualität der kulturellen Veranstaltungen oft im Schatten der Schwesterstadt Ohrid steht, hat sie als Kleinstadt auch ein relativ beliebtes und vor allem traditionelles Angebot. Es wird vor allem im Frühling und Sommer aktiv, wenn der Fremdenverkehr seinen Höhepunkt erreicht und in Struga Touristen vor allem aus albanischen Gebieten Urlaub machen.

Bei Den Abenden der Poesie treffen sich seit 1962 jährlich Dichter, Autoren und Lyrik-Liebhaber in der Stadt am Drin. Das sechstägige Literaturfestival gehört weltweit zu den ältesten und größten seiner Art.

1971 wurde das multikulturelle Trachtenfestival Defileja e Veshjeve Popullore ins Leben gerufen. Das Festival findet jährlich an den Ufern des Drins statt und wird von Musik und Tanz sowie von kulinarischen Spezialitäten begleitet. Verschiedene Vereine präsentieren dabei die traditionellen Trachten ihrer Herkunftsregion.

Beim Musik- und Volkstanzfestival „Këngë Jeho“ treffen sich albanische Vereine, Verbände und Folklore-Ensembles aus der ganzen Welt. Es findet jährlich seit 1992 statt.

Naturhistorisches Museum[Bearbeiten]

1940 wurde das Naturhistorische Nationalmuseum „Dr. Nikola Nezlobinski“ eröffnet. Nezlobinski (1885–1942) war ein russischer Migrant, der 1928 nach Struga ging und eine erste naturhistorische Ausstellung initiierte. 1938 hatte er die Idee, ein Gebäude für die Ausstellungen zu bauen und im selben Jahr begannen die Bauarbeiten. Das Museum wurde ihm zu Ehren benannt und gliedert sich in das naturhistorische, zoologische und botanische Departement, in das historische, archäologische und ethnologische Departement und in das Departement für Kunst und Goldgeschichte – zusammen mit der Kunstgalerie „Vangel Kodžoman“.[5]

Bildung[Bearbeiten]

  • Gymnasium Niko Nestor (Unterricht auf Mazedonisch)
  • Gymnasium Dr. Ibrahim Temo (Unterricht auf Albanisch)
  • Private Hochschule Yahya Kemal (Unterricht auf Türkisch)
  • Hochschule FON
  • Private Hochschule Euro College

Sport[Bearbeiten]

Im Norden der Stadt befindet sich das Heimstadion des FC Vllaznimi Strugë. Außerdem hat Struga ein Schwimmbad, das zu Ehren der Gebrüder Miladinov benannt wurde.

Politik[Bearbeiten]

Amtssitz des Bürgermeisters und des Gemeinderates am Mutter-Teresa-Platz

Legislative[Bearbeiten]

Die Funktionen einer Legislative übernimmt der Gemeinderat (maz. Sovet na Opština Совет на Општина; alb. Këshilli i Komunës). Er besteht aus 27 Mitgliedern, die auf eine Amtsperiode von vier Jahren vom Stimmvolk gewählt werden. Beispielsweise kann der Rat über den jährlichen Haushaltsplan abstimmen, der vom Bürgermeister vorgelegt werden muss.

Für die Legislaturperiode 2013–2017 sieht die Sitzverteilung im Gemeinderat folgendermaßen aus:[6]

Partei Anzahl Sitze
Albanische Demokratische Partei 7
Demokratische Union für Integration 7
Nationale Demokratische Wiedergeburt 2
VMRO-DPMNE in Koalition mit der SDSM 11

Exekutive[Bearbeiten]

Der Bürgermeister wird gleichzeitig mit dem Gemeinderat auf vier Jahre gewählt und hat grundlegende Befugnisse. Er ernennt eine Arbeitsgruppe, mit der er die Gemeindearbeiten durchführt. Zwischen 2005 und 2013 war Ramiz Merko (BDI) Bürgermeister. Er war der erste ethnisch-albanische Bürgermeister der Stadt und wurde 2009 für eine zweite Amtsperiode wiedergewählt.

Am 24. März und 7. April 2013 fanden erneut Kommunalwahlen statt, bei denen Zijadin Sela (PDSH) gewann. Er ist der erste Bürgermeister von Struga aus den Reihen der PDSH.[7]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Opština Struga

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Landwirtschaft ist heute mehrheitlich verfallen. Nur einzelne Familien und Gewerbebetriebe bebauen noch die fruchtbare Niederung von Struga. Viele Äcker sind heute von Bäumen und wilden Sträuchern bewachsen. Einst wurde das ganze Drin-Tal in Struga (Ebene von Struga: 103.407 Hektaren groß) landwirtschaftlich bebaut. Damals waren die Anbauprodukte Mais, Kartoffeln, Tomaten, Sonnenblumen, vereinzelt auch Weizen und vor allem Peperoni. Heute werden diese Pflanzen meist in Gärten in vielen Dörfern des Tales und auf wenigen Äckern in der Niederung angebaut. Heute sind weite Flächen des Tales verwildert.

Tourismus ist heute wohl der wichtigste Wirtschaftsfaktor während der Sommersaison und während des Jahreswechsels (Neujahr). An den Stränden von Struga sind in den letzten Jahren – wie in Ohrid und Pogradec (Albanien) auch – viele Hotels und Restaurants entstanden. Vor allem kommen Touristen aus Mazedonien, dem Kosovo, Albanien, Bulgarien, Griechenland und Serbien in die Stadt am Drin. Seit einigen Jahren sieht man vermehrt auch Holländer und Japaner.

Im nördlichen Industriegebiet an der Hauptstraße nach Skopje und Albanien befinden sich einige Gewerbebetriebe und die Busstation.

Fischerei wird heute noch kaum betrieben; es gibt jedoch noch ein paar wenige Firmen, die vor allem die bekannte Ohridforelle züchten. Das größte Unternehmen dieser Art befindet sich im benachbarten Dorf Šum/Shum.

Verkehr[Bearbeiten]

Nur sieben Kilometer östlich der Stadt liegt der Flughafen Ohrid, der jährlich bis zu 800 Flugbewegungen verzeichnet und 30.000 Passagiere abfertigt.

Aus Struga führen vier wichtige Hauptstraßen. Eine davon ist die alte Hauptstraße nach Ohrid (dort genannt Goce Delčev). Drei davon kommen im Norden von Struga im Industriegebiet zusammen in eine Kreuzung. Die Abzweige führen (von Westen angefangen im Uhrzeigersinn) nach Tirana (Europastraße E852 über den Qafë Thana), Debar, Skopje (Abzweig auch nach Ohrid) sowie in die Innenstadt. Alle Straßen befinden sich in einem guten bis sehr guten Zustand, außer die Strecke nach Debar, diese ist veraltet und befindet sich in einem schlechten Zustand. Etwa 5 km östlich der Stadt befindet sich eine Abzweigung, wo sich die Straße nach Ohrid (E852) und nach Skopje teilt. Der Flughafen Ohrid ist von der Hauptstraße nach Skopje erreichbar. Diese Strecke (Skopje-Tetovo-Struga-Albanien) ist Teil des Paneuropäischen Verkehrskorridor VIII, der die bulgarische Hafenstadt Burgas mit der albanischen Hafenstadt Durrës verbindet. Sie ist momentan Priorität der mazedonischen Regierung zum Ausbau der Straße zu einer Autobahn. Man plant bei diesem Korridor eine neue Eisenbahn zu bauen oder die bestehenden auszubauen (siehe nächsten Abschnitt).

Die nächsten Eisenbahnstationen befinden sich in Pogradec (Albanien), welche 43 km entfernt ist und Kičevo, welche 59 km entfernt ist. Über eine Verbindung zwischen diesen Eisenbahngesellschaften (albanische Hekurudha e Shqipërisë und mazedonische Makedonski železnici) liegen ebenfalls einzelne Planungen vor. Sie ist von beiden Regierungen die Priorität im Bereich Eisenbahn-Infrastruktur. Die beiden Länder verfügen bis heute keine Verbindung zueinander.

Struga und Ohrid sowie ihre Dörfer sind mit einem guten Busstreckennetz verbunden. Darüber hinaus führen Busverbindungen in viele Landesstädte (vor allem Skopje und Bitola), in touristische ausländische Städte (Durrës, Vlora, Thessaloniki, Istanbul und Burgas), nach Westeuropa (Zürich, Wien, München, Köln, Berlin und Kopenhagen) sowie in andere ausländische Großstädte (Belgrad, Sofia, Sarajewo, Athen und Tirana). Die westeuropäischen Ziele werden vor allem von der großen albanischen Diaspora-Gemeinde angereist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Volkszählung 2002: Offizielle Resultate (PDF; 2,3 MB), auf S. 57
  2. 1591 Lorenzo Bernardo: Journey of the Venetian Ambassador. Robert Elsie, abgerufen am 29. Mai 2013 (englisch).
  3. struga.org: Frühe Geschichte von Struga
  4. Struga und Kicevo drohen mit Abspaltung. Eskaliert der Streit um Dezentralisierung in Mazedonien? In: Neue Zürcher Zeitung. 14. August 2004, abgerufen am 11. Oktober 2012.
  5. Offizielle Internetseite des Naturhistorischen Nationalmuseums „Dr. Nikola Nezlobinski“. Abgerufen am 2. Juli 2014 (englisch).
  6. Nesër mbahet mbledhja themeluese e Këshillit të Komunës së Strugës (Morgen wird die konstituierende Versammlung des Rates der Gemeinde Struga abgehalten). Portalb.mk, 26. April 2013, abgerufen am 20. Mai 2013 (albanisch).
  7. Resultate der Kommunalwahlen in Mazedonien 2013. Staatliche Wahlkommission, abgerufen am 7. April 2013 (albanisch, Die Seite wird laufend aktualisiert.).