Dobbin-Linstow

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Dobbin-Linstow führt kein Wappen
Dobbin-Linstow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dobbin-Linstow hervorgehoben
53.61666666666712.35805555555660Koordinaten: 53° 37′ N, 12° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Rostock
Amt: Krakow am See
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 65,41 km²
Einwohner: 484 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 7 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18292
Vorwahl: 038457
Kfz-Kennzeichen: LRO, BÜZ, DBR, GÜ, ROS, TET
Gemeindeschlüssel: 13 0 72 026
Adresse der Amtsverwaltung: Markt 2
18292 Krakow am See
Webpräsenz: www.amt-krakow-am-see.de
Bürgermeister: Wilfried Baldermann (CDU)
Lage der Gemeinde Dobbin-Linstow im Landkreis Rostock
Rostock Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Ludwigslust-Parchim Admannshagen-Bargeshagen Bartenshagen-Parkentin Börgerende-Rethwisch Hohenfelde (Mecklenburg) Nienhagen (Landkreis Rostock) Reddelich Retschow Steffenshagen Wittenbeck Baumgarten (Warnow) Bernitt Bützow Dreetz (Mecklenburg) Jürgenshagen Klein Belitz Penzin Rühn Steinhagen (Mecklenburg) Tarnow (Mecklenburg) Warnow (bei Bützow) Zepelin Broderstorf Klein Kussewitz Blankenhagen Poppendorf (Mecklenburg) Roggentin (bei Rostock) Broderstorf Thulendorf Altkalen Behren-Lübchin Boddin Finkenthal Gnoien Lühburg Walkendorf Behren-Lübchin Glasewitz Groß Schwiesow Gülzow-Prüzen Gutow Klein Upahl Kuhs Lohmen (Mecklenburg) Lüssow (Mecklenburg) Mistorf Mühl Rosin Plaaz Reimershagen Sarmstorf Diekhof Dolgen am See Hohen Sprenz Laage Wardow Dobbin-Linstow Hoppenrade Krakow am See Kuchelmiß Lalendorf Lalendorf Alt Sührkow Dahmen Dalkendorf Groß Roge Groß Wokern Groß Wüstenfelde Hohen Demzin Jördenstorf Lelkendorf Prebberede Schorssow Schwasdorf Sukow-Levitzow Thürkow Warnkenhagen Alt Bukow Am Salzhaff Bastorf Bastorf Biendorf (Mecklenburg) Carinerland Kirch Mulsow Rerik Bentwisch Blankenhagen Gelbensande Mönchhagen Rövershagen Benitz Bröbberow Kassow Rukieten Schwaan Vorbeck Wiendorf (Mecklenburg) Cammin (bei Rostock) Gnewitz Grammow Nustrow Selpin Stubbendorf (bei Tessin) Tessin (bei Rostock) Thelkow Zarnewanz Elmenhorst/Lichtenhagen Kritzmow Lambrechtshagen Papendorf (Warnow) Pölchow Stäbelow Ziesendorf Bad Doberan Dummerstorf Graal-Müritz Güstrow Kröpelin Kühlungsborn Neubukow Sanitz Satow TeterowKarte
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Dobbin-Linstow ist die südlichste Gemeinde im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Die Gemeinde wird vom Amt Krakow am See mit Sitz in der gleichnamigen Stadt verwaltet.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Dobbin-Linstow entstand am 1. Januar 2000 durch den Zusammenschluss der vormals selbständigen Gemeinden Dobbin und Linstow.[2] Das 65 km² große Gemeindegebiet liegt in einer waldreichen und sehr dünn besiedelten Region der Mecklenburgischen Seenplatte. Der Linstower See ist durch den Oberlauf der Nebel mit dem Krakower See im Westen der Gemeinde verbunden. Die Südhälfte der Gemarkung Dobbin-Linstow gehört zum Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, der sich auch auf die angrenzenden Landkreise Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte erstreckt. Das Naturschutzgebiet Krakower Obersee wurde bereits 1939 ausgewiesen und bietet mit seinen Wald-, Moor- und Wiesenflächen Brut- und Rastplätze für eine Vielzahl von Wasservögeln. Man kann sich das Gebiet über einen Rundwanderweg mit Schautafeln erschließen.

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Groß Bäbelin
  • Hinrichshof
  • Klein Bäbelin
  • Linstow
  • Neu Dobbin
  • Zietlitz

Geschichte[Bearbeiten]

Linstow war jahrhundertelang Stammsitz des Adelsgeschlechtes Linstow. Es war ein kleines Gutsdorf.

1939/40 kamen 73 wolhyniendeutsche Familien nach Linstow, die nach dem Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag nach Deutschland übersiedelten. Sie errichteten ihre traditionellen, strohgedeckten Holzhäuser. Nach der Kollektivierung verließen viele Neusiedler den Ort in Richtung Westdeutschland. Ein restauriertes Haus beherbergt seit 1993 das Wolhynier Umsiedler-Museum Linstow. Inzwischen ist eine Scheune hinzugekommen. Die meisten Häuser sind später in nicht mehr charakteristischer Form umgebaut worden. Jährlich finden Treffen der Wolhyniendeutschen in Linstow statt.[3]

Siehe auch: Wolhynier in Linstow

In Linstow gab es ein Gut, das bis 1945 als Domäne betrieben und dann entschädigungslos enteignet wurde. Letzter Pächter war ein Herr von Benckendorff.

Dobbin ist ein altes Gutsdorf. Im Dreißigjährigen Krieg war es entvölkert. Um 1860 wurde das Gut mit repräsentativem Schloss, Park, Alleen und Wirtschaftsgebäuden unter Anton von Brocken neu errichtet. Das Schloss war ein stattlicher, zweigeschossiger Putzbau von dreizehn Achsen mit Mansarddach und dreiachsigem, durch Attika abgeschlossenem Mittelrisalit.


Nach den Familien von Barold, von Lepel und von Brocken wurde 1901 das Niederländische Königshaus Besitzer von Schloss, Gut und Wäldern (2.800 ha). In diesem Jahr hatte Prinz Heinrich von Mecklenburg-Schwerin die niederländische Königin Wilhelmina geheiratet. 1936 übernahm der holländisch-britische Ölmagnat Sir Henri Deterding das Gut von der seit 1934 verwitweten Königin. 1945 hatte das Gutsdorf viele Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten aufzunehmen. Das Gut wurde entschädigungslos enteignet, das Dorf musste von der deutschen Bevölkerung geräumt werden und wurde 1945/46 Durchgangslager für 13.000 frühere "Ostarbeiter" vor ihrer Rückführung in die UdSSR. Das Schloss wurde durch sowjetische Soldaten beschädigt, danach im Jahre 1947 abgerissen. Erhalten blieben das Inspektorenhaus, in reduzierter Form das Kavaliershaus (gebaut für Gäste der niederländischen Königsfamilie) und der Marstall.

Dobbin hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Bahnstation, die für den nunmehrigen Prinzen Hendrik der Niederlande und seine Frau, Königin Wilhelmina, angelegt wurde, da sich das Paar hier oft aufhielt.

Zur Geburt der (späteren Königin der Niederlande) Juliana setzte die Gemeinde Dobbin 1909 einen Gedenkstein.

In Dobbin und in Linstow wurden bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Wassermühlen an der Nebel betrieben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das ehemalige Schloss Glave, zu DDR-Zeiten abgerissen
Das ehemalige Schloss Dobbin, zu DDR-Zeiten abgerissen
  • Dorfkirche von Linstow-Kieth mit historischen Grabstätten auf dem Kirchhof. Die Backsteinkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert, stand 1648 nach dem Dreißigjährigen Krieg „wüst und leer“, wurde 1871 neugotisch umgebaut und in den Jahren 2000/2001 umfangreich saniert.
  • Alte Schule“ im Fachwerkstil vor dem Kirchengelände
  • Wolhynier-Museum in Linstow im Stil eines landestypischen Bauernhauses für die hierher umgesiedelten Wolhyniendeutschen.
  • In Linstow befindet sich ein ehemaliges Gutshaus. Es wurde von 2006 bis 2009 ökologisch saniert und ist heute ein Café und Hotel. Im Park des Gutshauses stehen zwei etwa 135 Jahre alte Weymouth-Kiefern. Eine Tafel weist darauf hin, dass es sich hier um die stärksten Exemplare Mecklenburgs handelt. Ein kleiner Wanderweg am Nordufer des Linstower Sees führt zum Eichwerder. Dies ist ein mit 400 Jahre alten Eichen bewachsener Hudewald.
  • Dorfkirche in Dobbin im Backsteinstil. Der Turm der alten Kirche stammt erst von 1872.
  • Als bauliche Reste der früheren Gutsanlage in Dobbin finden sich noch das Kavaliershaus für Gäste des niederländischen Königshauses (in Nachbarschaft des nach 1945 beseitigten Schlosses), der Marstall und das Inspektorenhaus.
  • Julianenstein in Dobbin von 1909 zur Erinnerung an die Geburt der Königstochter
  • Wassermühlen in Dobbin und Linstow
  • Sehenswert ist das 1994 restaurierte Fachwerk-Gutshaus im Ortsteil Glave aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und Reste des ehemaligen Gutsparks mit seltenen Bäumen. An seinem Rand finden sich einige Mauerteile des vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammenden, dreigeschossigen Schlosses aus weißem Kalkstein, das 1945 nach der sowjetischen Besetzung durch Brandstiftung vernichtet wurde. Letzter Besitzer von Gut und Schloss war Ernst August von Blücher.

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

Auf dem Kirchhof von Linstow findet sich das Grab der Pastorenfrau Edith von Dobbeler, die sich am 3. Mai 1945 nach „Gewalterfahrungen“ durch sowjetische Soldaten zusammen mit ihren drei Kindern das Leben genommen hat.[4] Nach Zeitzeugenbericht war die junge Frau in der Kirche vergewaltigt worden, in die sie sich mit ihren kleinen Söhnen geflüchtet hatte. Der Findling als Grabstein an der bis dahin namenlosen Grabstelle ist erst nach der „Wende“ aufgestellt worden.

Auf dem Friedhof von Linstow gibt es zwei Gräber mit Holzkreuz, das an sowjetische Kriegsgefangene aus dem Stammlager XD erinnert, die Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Von dem nach 1945 abgerissenen Schloss in Dobbin findet man noch unbedeutende Ruinenreste, davor eine versteckte Schautafel. Früherer Schlosspark.

Auf dem kleinen Friedhof in Glave befindet sich ein seit 65 Jahren gepflegtes Grab eines unbekannten deutschen Soldaten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der Tourismus prägt heute das Bild der Gemeinde. Zahlreiche Ferienhäuser und Pensionen sind in den letzten Jahren neu entstanden. In Dobbin werden Forellen gezüchtet.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet führt die Bundesautobahn 19 von Rostock nach Berlin, von der Anschlussstelle Linstow führen Verbindungsstraßen nach Krakow am See und nach Waren (Müritz). Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Malchow, Lalendorf und Waren (Müritz).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dobbin-Linstow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2000
  3. Frank Pergande:Die fremde Hälfte. In Mecklenburg-Vorpommern hatten Vertriebene die Bevölkerungsstruktur völlig verändert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Oktober 2012
  4. Schautafel vor dem Kirchhof in Linstow