Bützow

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bützow
Bützow
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bützow hervorgehoben
53.8511.9833333333334Koordinaten: 53° 51′ N, 11° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Rostock
Amt: Bützow-Land
Höhe: 4 m ü. NHN
Fläche: 39,7 km²
Einwohner: 7614 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 192 Einwohner je km²
Postleitzahl: 18246
Vorwahl: 038461
Kfz-Kennzeichen: LRO, BÜZ, DBR, GÜ, ROS, TET
Gemeindeschlüssel: 13 0 72 020
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
18246 Bützow
Webpräsenz: www.buetzow.eu
Bürgermeister: Christian Grüschow (parteilos)
Lage der Stadt Bützow im Landkreis Rostock
Rostock Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Ludwigslust-Parchim Admannshagen-Bargeshagen Bartenshagen-Parkentin Börgerende-Rethwisch Hohenfelde (Mecklenburg) Nienhagen (Landkreis Rostock) Reddelich Retschow Steffenshagen Wittenbeck Baumgarten (Warnow) Bernitt Bützow Dreetz (Mecklenburg) Jürgenshagen Klein Belitz Penzin Rühn Steinhagen (Mecklenburg) Tarnow (Mecklenburg) Warnow (bei Bützow) Zepelin Broderstorf Klein Kussewitz Blankenhagen Poppendorf (Mecklenburg) Roggentin (bei Rostock) Broderstorf Thulendorf Altkalen Behren-Lübchin Boddin Finkenthal Gnoien Lühburg Walkendorf Behren-Lübchin Glasewitz Groß Schwiesow Gülzow-Prüzen Gutow Klein Upahl Kuhs Lohmen (Mecklenburg) Lüssow (Mecklenburg) Mistorf Mühl Rosin Plaaz Reimershagen Sarmstorf Diekhof Dolgen am See Hohen Sprenz Laage Wardow Dobbin-Linstow Hoppenrade Krakow am See Kuchelmiß Lalendorf Lalendorf Alt Sührkow Dahmen Dalkendorf Groß Roge Groß Wokern Groß Wüstenfelde Hohen Demzin Jördenstorf Lelkendorf Prebberede Schorssow Schwasdorf Sukow-Levitzow Thürkow Warnkenhagen Alt Bukow Am Salzhaff Bastorf Bastorf Biendorf (Mecklenburg) Carinerland Kirch Mulsow Rerik Bentwisch Blankenhagen Gelbensande Mönchhagen Rövershagen Benitz Bröbberow Kassow Rukieten Schwaan Vorbeck Wiendorf (Mecklenburg) Cammin (bei Rostock) Gnewitz Grammow Nustrow Selpin Stubbendorf (bei Tessin) Tessin (bei Rostock) Thelkow Zarnewanz Elmenhorst/Lichtenhagen Kritzmow Lambrechtshagen Papendorf (Warnow) Pölchow Stäbelow Ziesendorf Bad Doberan Dummerstorf Graal-Müritz Güstrow Kröpelin Kühlungsborn Neubukow Sanitz Satow TeterowKarte
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Bützow ist eine Kleinstadt im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Sie liegt zwischen der Warnow und dem Bützower See an der Mündung der Nebel. Das breite Warnowtal wird von Grundmoränen und Moränen flankiert. Sie ist Verwaltungssitz des Amtes Bützow-Land, dem weitere elf Gemeinden angehören. Ortsteile sind Parkow, Horst und Wolken.[2] Weitere Siedlungen auf dem Stadtgebiet sind Dreibergen, Eichhof und Vierburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Ab 1171 wurde der Burgward Butissowe bzw. Butessowe öfter genannt und ab 1229 hieß es dann verkürzt Buszowe oder Butzow. Der Ortsname könnte den polabischen Personennamen Butis, Budis oder Bytis enthalten. Gebräuchlich war er bei den Sorben, Tschechen und Polen.[3]

Neben Waren (Müritz), Gnoien und anderen Siedlungsplätzen wird Bützow bereits um 150 n. Chr. von Claudius Ptolemäus als Bunitium erwähnt.

Mittelalter[Bearbeiten]

Bützow und Kloster Bethlehem rechts auf der Vicke-Schorler-Rolle (erstellt 1578–1586)

1171 wurde die slawische Burg (castrum Butissowe) im Land Bützow (Terra Butissowe) erwähnt. Um 1180 wurde Bützow unter Bischof Berno bischöfliche Residenz und von 1229 stammt eine erste Urkunde des Bischofs. Vermutlich ab 1229 erfolgte die planmäßige Anlage als deutsche Stadt, die 1236 das Stadtrecht erhielt. Sie befand sich im Besitz der Bischöfe von Schwerin. 1239 war sie Hauptresidenz des Bistums Schwerin. 1248 wurde das Kollegiatstift der Stadtkirche St. Elisabeth gegründet. Die Stiftslandtage fanden in Bützow statt. 1263 begann der Bau der Befestigung und der Burg. Ab 1270 ist hier ein Archidiakonat.[4] 1468 wurde das Kloster Bethlehem für die Schwestern vom gemeinsamen Leben vor dem Rostocker Tor gegründet und während der Reformation in das Raths-Armenhaus umgewandelt.[5] 1540 wurde das Hochstift Schwerin säkularisiert. Bützow gelangte an die Herzöge zu Mecklenburg. 1556 wurde der Neubau des Schlosses vollendet.

17. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Stadtansicht von Bützow um 1650
Stadtgrundriss von Bützow im Jahr 1692
Schloss während der Sanierung (2012)

1699 bis 1703 siedelten sich 72 Hugenotten-Familien an, welche die Wollverarbeitung betrieben und Tabak anbauten. Nach dem Tod des Herzogs Friedrich Wilhelm übersiedelte für die Zeit von 1713 bis 1749 seine Witwe Sophie mit 56 deutsch-reformierten Angehörigen ihres Hofstaates in das Bützower Schloss und begründete so die deutsch-reformierte Gemeinde in der Stadt.

1716 wurden durch einen Stadtbrand das Rathaus und große Teile der Stadt zerstört. 1760 bis 1789 war das Schloss Sitz der Friedrichs-Universität, die von Herzog Friedrich wegen theologischer Differenzen als Konkurrenz zur Universität Rostock gegründet wurde.

Soziale und politische Spannungen als Auswirkung der Französischen Revolution führten auch in Bützow zu Spannungen; der sogenannte Gänsekrieg von 1794 war Ausdruck der Unzufriedenheit zwischen Bürgern und Rat der Stadt. In seiner Erzählung Die Gänse von Bützow (1866) bezieht sich Wilhelm Raabe auf dieses Ereignis. Von 1812 bis 1879 war das Kriminalkollegium (Obergericht) im Schloss angesiedelt. 1838 erfolgte der Bau der Strafanstalt und des Zuchthauses Dreibergen, der heutigen JVA Bützow.

1850 wurde der Eisenbahnanschluss nach Rostock, Schwerin und Güstrow gelegt. Von 1898 bis 1914 tagte der Bützower Hoftag zur Karnevalszeit in Bützow.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Jüdische Friedhof an der Landstraße nach Kröpelin geschändet, aber nach 1945 auf Befehl des sowjetischen Stadtkommandanten wieder hergerichtet. Von den Bützower Juden lebte nach den Novemberpogromen 1938 nur noch ein betagtes Ehepaar in der Stadt; es wurde im November 1942 ins KZ Theresienstadt gebracht, wo die Eheleute 1943 starben.[6] Während des Zweiten Weltkrieges mussten Frauen und Männer aus Polen (untergebracht in Baracken Am Wall) und der Sowjetunion (untergebracht in Baracken am Bahnübergang Bützow/Wolken) rüstungswichtige Zwangsarbeit verrichten. Von 1933 bis 1945 war das Zuchthaus und Strafgefängnis Dreibergen-Bützow mit durchschnittlich 900 Gefangenen belegt, 1944 waren es sogar 3000. Im Jahre 1942 wurden 16 Gefangene und 1945 70 Gefangene des NS-Regimes hingerichtet, darunter zahlreiche ohne Gerichtsurteil ermordet. Insgesamt starben an den katastrophalen Haftbedingungen 770 Insassen.

Nach dem Einzug der Roten Armee am 3. Mai 1945 wurde das Zuchthaus Dreibergen zunächst als Repatriierungslager benutzt. Für politische Häftlinge wurde dagegen ein Flügel des ehemaligen Zentralgefängnisses am Schlossplatz genutzt. Am 1. Januar 1951 übernahm die Volkspolizei das Zuchthaus. Bützow wurde zur Haftstätte von Hunderten von Gegnern des SED-Regimes. Spektakulär war der Prozess in Bützow 1953 im Rahmen der Aktion Rose gegen 447 inhaftierte Gaststätten- und Hotelbesitzer.[7] Der Name „Zuchthaus Bützow“ wurde für Regimegegner im Norden der DDR zum Inbegriff für eine harte Repression politischer Gegner durch die SED-Diktatur, vergleichbar mit der Justizvollzugsanstalt Bautzen.[8]

Im April und Mai 1946 wurden in Bützow zehn Jugendliche (ab 15 Jahren) und ein Erwachsener durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD verhaftet und unter Folter zu Aussagen gebracht, dass sie im Kriegsfall gegen die Rote Armee kämpfen wollten. Der Erwachsene wurde erschossen, von den verurteilten Jugendlichen kamen drei im Lager um. Die gesamte Gruppe wurde 1993 von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitiert.[9]

Von 1949 bis Anfang der 1990er Jahre war Bützow der Standort eines bedeutenden Möbelwerkes. Von 1952 bis 1994 war Bützow Kreisstadt, zunächst im Bezirk Schwerin, dann in Mecklenburg-Vorpommern.

Nach der Wende wird ab 1991 der historische Stadtkern mit dem Rathaus im Rahmen der Städtebauförderung saniert.

Am 1. Januar 1999 wurde Parkow eingemeindet.[10]

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Schlossplatz mit Krummem Haus, Grundschule und Freizeithaus
Jahr Einwohner
1890 5.323
1910 5.874
1989 10.650
2000 8.772
2006 7.906
2009 7.732
2010 7.681
2011 7.619
2012 7.635

Religion[Bearbeiten]

Katholische Kirche St. Antonius

In Bützow leben fünf christliche Kirchengemeinden:[11]

Politik[Bearbeiten]

Das Rathaus

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde unter der Nr. 70 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: In Rot zwei schräg gekreuzte goldene Bischofsstäbe mit zugewendeten Krümmen, die Kreuzung überdeckt von einer goldenen Mitra.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bützow unterhält Städtepartnerschaften zu Eckernförde in Schleswig-Holstein. Diese Kontakte bestehen schon seit den 1950er Jahren, ruhten jedoch längere Zeit. Seit September 1990 gibt es wieder einen Partnerschaftsvertrag. Mit der Stadt Sillamäe in Estland wurde eine Vereinbarung über Partnerschaft und Zusammenarbeit geschlossen, um die Verständigung zwischen den Menschen ihrer Städte und Staaten zu verbessern, einen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas zu leisten und den europäischen Gedanken zu fördern. Partnerschaftliche und freundschaftliche Beziehungen unterhält die Stadt Bützow seit 1992 zur Stadt Straelen in Nordrhein-Westfalen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stiftskirche
Gänsebrunnen

Gedenken[Bearbeiten]

  • Ehrenmal von 1949 auf dem südwestlichen Teil vom Friedhof der Ev. Kirchengemeinde für über 700 Opfer des Faschismus
  • Gedenkstein auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Bützow für neun namentlich genannte Opfer des NS-Justizterrors
  • Gedenktafel am Markt 6 (zu DDR-Zeiten Platz der Freiheit) für den 1944 in der Shoa umgekommenen jüdischen Bürger Gustav Josephy
  • Gedenktafel am Haus Lange Straße 42 (zu DDR-Zeiten Wilhelm-Pieck-Straße) für das im KZ Theresienstadt umgekommene jüdische Ehepaar Julius Horwitz und Frau
  • Gedenkstein und Gedenktafel von 1986 auf dem ehemaligen Jüdischen Friedhof zur Erinnerung an die Opfer der Shoa
  • Gedenktafel von 1970 am Haus in der 2. Wallstraße 8 für den kommunistischen Stadtverordneten Wilhelm Scherping, die sich seit 1993 im Heimatmuseum befindet
  • Denkmal aus dem Jahre 1963 auf dem Schlossplatz zur Erinnerung an den im KZ Buchenwald ermordeten KPD-Politiker Ernst Thälmann

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bützow ist Sitz der größten Justizvollzugsanstalt des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die sich im Ortsteil Dreibergen befindet und auch größter Arbeitgeber in der Stadt ist. Mit der Warnow-Klinik verfügt Bützow über ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit 73 Betten.

Bildung[Bearbeiten]

Bützow verfügt über das Geschwister-Scholl-Gymnasium, das den Besuch bis zur 12. Klasse mit dem Abschluss der Allgemeinen Hochschulreife ermöglicht. Die ehemaligen Haupt- und Realschulen Käthe-Kollwitz und Kopernikus sind in die Regionale Schule Käthe-Kollwitz übergegangen, welche sich die Räumlichkeiten seit 2008 mit dem Gymnasium teilt. In direkter Nachbarschaft zu Gymnasium und Regionaler Schule befindet sich die Allgemeine Förderschule Bützow. In freier Trägerschaft befinden sich die Freie Grundschule Bützow und die Schule zur individuellen Lebensbewältigung.

Verkehr[Bearbeiten]

Nach Bützow gelangt man auf der Bundesautobahn 19 (BerlinRostock) über den Anschluss Güstrow und die Bundesstraße 104 – Entfernung 28 km oder den Anschluss Laage und die Bundesstraße 103 – Entfernung 23 km. Von der Bundesautobahn 20 (Anschluss Kröpelin) beträgt die Entfernung nach Bützow 17 km.

Der Bahnhof Bützow liegt an der Bahnstrecke Bad Kleinen–Rostock. Außerdem beginnt in Bützow die Bahnstrecke Bützow–Szczecin.

Zum Flughafen Rostock-Laage sind es 26 km (über Güstrow und die B 103)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die in Bützow gewirkt haben[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung, § 16
  3. Ernst Eichler und Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1
  4. Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Band 4: Die Amtsgerichtsbezirke Schwaan, Bützow, Sternberg, Güstrow, Krakow, Goldberg, Parchim, Lübz und Plau. Schwerin 1896, S. 41 ff. Internet Archive
  5. Gerd Schlegel: Klöster im Stiftsland. In: Josef Traeger: Das Stiftsland der Schweriner Bischöfe um Bützow und Warin. Leipzig 1984, S. 65–66.
  6. Bernd Kasten: Verfolgung und Deportation der Juden in Mecklenburg 1938–1945. Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Schwerin 2008, S. 27, ISBN 978-3-940207-16-6
  7. A. Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns, Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Bonn 2007, S. 241–243
  8. Politische Strafjustiz 1945–1989. Der Gefängnisstandort Bützow als Gedenk- und Lernort. Friedrich-Ebert-Stiftung, Schwerin 2008
  9. Benno Prieß: Erschossen im Morgengrauen. Eigenverlag, Calw 2002. Mitherausgeber: Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR. ISBN 3-926802-36-7. S. 191–202
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  11. Bützow von A bis Z

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bützow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien