Parchim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Parchim
Parchim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Parchim hervorgehoben
53.41666666666711.83333333333350Koordinaten: 53° 25′ N, 11° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Höhe: 50 m ü. NHN
Fläche: 124,49 km²
Einwohner: 17.129 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 138 Einwohner je km²
Postleitzahl: 19370
Vorwahl: 03871
Kfz-Kennzeichen: LUP, HGN, LBZ, LWL, PCH, STB
Gemeindeschlüssel: 13 0 76 108
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schuhmarkt 1
19370 Parchim
Webpräsenz: www.parchim.de
Bürgermeister: Bernd Rolly (SPD)
Lage der Stadt Parchim im Landkreis Ludwigslust-Parchim
Brandenburg Niedersachsen Schleswig-Holstein Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Rostock Landkreis Nordwestmecklenburg Banzkow Plate Plate Sukow Bengerstorf Besitz (Mecklenburg) Brahlstorf Dersenow Gresse Greven (Mecklenburg) Neu Gülze Nostorf Schwanheide Teldau Tessin b. Boizenburg Barnin Bülow (bei Crivitz) Crivitz Crivitz Demen Friedrichsruhe Tramm (Mecklenburg) Zapel Dömitz Grebs-Niendorf Karenz (Mecklenburg) Malk Göhren Malliß Neu Kaliß Vielank Gallin-Kuppentin Gischow Granzin Obere Warnow Gehlsbach (Gemeinde) Kreien Kritzow Lübz Lübz Marnitz Passow (Mecklenburg) Siggelkow Suckow Tessenow Gehlsbach (Gemeinde) Werder (bei Lübz) Goldberg (Mecklenburg) Dobbertin Goldberg (Mecklenburg) Mestlin Neu Poserin Techentin Goldberg (Mecklenburg) Balow Brunow Dambeck Eldena Gorlosen Grabow (Elde) Karstädt (Mecklenburg) Kremmin Milow (bei Grabow) Möllenbeck (Landkreis Ludwigslust-Parchim) Muchow Prislich Steesow Zierzow Alt Zachun Bandenitz Belsch Bobzin Bresegard bei Picher Gammelin Groß Krams Hoort Hülseburg Kirch Jesar Kuhstorf Moraas Pätow-Steegen Picher Pritzier Redefin Setzin Strohkirchen Toddin Warlitz Alt Krenzlin Bresegard bei Eldena Göhlen Groß Laasch Leussow Lübesse Lüblow Rastow Sülstorf Uelitz Warlow Wöbbelin Blievenstorf Brenz (Mecklenburg) Neustadt-Glewe Neustadt-Glewe Cambs Dobin am See Gneven Pinnow (bei Schwerin) Langen Brütz Leezen (Mecklenburg) Pinnow (bei Schwerin) Raben Steinfeld Domsühl Domsühl Obere Warnow Groß Godems Zölkow Karrenzin Lewitzrand Rom (Mecklenburg) Spornitz Stolpe (Mecklenburg) Ziegendorf Zölkow Barkhagen Ganzlin Ganzlin Ganzlin Plau am See Blankenberg (Mecklenburg) Borkow Brüel Dabel Hohen Pritz Kobrow Kuhlen-Wendorf Langen Jarchow Mustin (Mecklenburg) Sternberg Sternberg Weitendorf (bei Brüel) Witzin Zahrensdorf Zahrensdorf Dümmer (Gemeinde) Holthusen Klein Rogahn Klein Rogahn Pampow Schossin Stralendorf Warsow Wittenförden Zülow Wittenburg Wittenburg Wittenburg Wittendörp Gallin Kogel Lüttow-Valluhn Vellahn Zarrentin am Schaalsee Boizenburg/Elbe Ludwigslust Lübtheen Parchim Parchim Parchim HagenowKarte
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Parchim (umgangssprachlich auch: Pütt, niederdeutsch: Parchen) ist die Kreisstadt des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, 40 km südöstlich der Landeshauptstadt Schwerin. In der amtsfreien Stadt Parchim befindet sich der Verwaltungssitz des Amtes Parchimer Umland, dem zehn Gemeinden angehören. Die Stadt ist eines der 18 Mittelzentren des Landes.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt südlich der Pommerschen Hauptendmoräne. Nördlich der Stadt liegt die Sternberger Seenlandschaft, südöstlich schließt sich die Mecklenburgische Seenplatte und nordwestlich die Lewitz an. Die Landschaft ist im Verlauf der Weichseleiszeit vor etwa 12.000 Jahren in den Urstromtälern und Sandern des Pommerschen Stadiums entstanden.

Durch Parchim fließt der Fluss Elde, der sich hier in einige Arme aufteilt und Inseln bildet. Im Nordosten der Stadt befindet sich der 60 Hektar große Wockersee, an dessen nördlichem Ufer die Wocker einmündet. Durch die Stadtlage sind etwa zwei Drittel des Westufers und das Südufer bebaut. Er dient der Stadt als Naherholungsgebiet. Im Norden und Osten wird der See von Wäldern und Wiesen, im Norden auch von Feuchtwiesen umgeben. Im Süden Parchims existiert mit dem „Slater Moor“ ein naturbelassenes Feuchtgebiet. Größere Waldgebiete befinden sich im Norden bei den Ortsteilen Neuhof und Dargelütz sowie im Süden bei Slate und Kiekindemark. Östlich von Parchim überwiegt die ackerbauliche Nutzung der Flächen. Im Südosten liegt das „Buchholz“. Westlich des eigentlichen Stadtgebietes befindet sich eine kleinere Exklave, an deren Westgrenze der Störkanal in die Müritz-Elde-Wasserstraße mündet.

Die höchsten Erhebungen im Stadtgebiet liegen bei Slate und Kiekindemark im Süden und erreichen mit dem Großen Vietingsberg 108,9 m ü. HN und dem Maiblumenberg 116,2 m ü. HN. Die Anhöhen fallen steil zur Müritz-Elde-Wasserstraße ab.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Zu Parchim gehören die Ortsteile Dargelütz, Kiekindemark, Neuhof, Neu Klockow und Slate.[2] Zum 25. Mai 2014 kam die Gemeinde Damm mit den Ortsteilen Malchow, Möderitz und Neu Matzlow zum Stadtgebiet hinzu.

Panoramablick von der Kirche St. Georgen in Richtung Osten (für die Westrichtung hier klicken)

Geschichte[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Der Name Parchim ist aus dem Slawischen abgeleitet. Nach einer sehr freundlichen Version soll der Name von dem Sonnengott Parchom abstammen. Der altpolabische Name Parchom könnte andererseits von parch abstammen und übersetzt aus dem polnischen/niedersorbischen etwa Räude heißen und somit Ort der wüsten Feldmark bedeutet haben. Die Schreibweise veränderte sich im Lauf der Jahre nur wenig, und schon 1170 heißt es Parchim oder 1202 Parchem, wobei beide Formen früher wechselweise zur Anwendung kamen.[3]

Als inoffizielle und volkstümliche Bezeichnung der Stadt wird „Pütt“ seit den 1920er Jahren erstmals in der Literatur erwähnt und ist heute in der Region weit verbreitet. Das plattdeutsche Wort für „Pfütze“ spielte wahrscheinlich auf die Größe des Parchimer Wockersees an, wird aber heute mit der Stadt in Zusammenhang gebracht.[4]

Mittelalter[Bearbeiten]

Parchim im Mittelalter (Skizze von 1896)

Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg Parchim erfolgte 1170 in einer Urkunde des Kaisers Friedrich I. zu Frankfurt am Main. Erweitertes Stadtrecht erhielt Parchim 1225/26 durch Heinrich Borwin II. Von 1238 bis 1248 war Parchim Residenz des Fürstentums Parchim-Richenberg. Fürst Pribislaw I. gründete 1240 am westlichen Eldeufer die Parchimer Neustadt. Beide Städte (Alt- und Neustadt) schlossen sich 1282 zusammen. 1289 brannte ein Teil der Altstadt ab.

Die St. Georgenkirche, damals noch eine Basilika, wurde schwer beschädigt. Sie wurde neu aufgebaut und 1307 geweiht. 1246 kamen Mitglieder des Franziskanerordens nach Parchim. Die Brüder errichten ihren Konvent am Rande der Neustadt (Aufhebung im Zuge der Reformation 1552/53). Um 1250 wurde auch mit dem Bau der gotischen Marienkirche in der Neustadt begonnen. 1278 erfolgte die Weihe der Kirche der Neustadt St. Marien.

Zwischen 1289 und 1310 errichtete man die Stadtmauer, teilweise noch sichtbar, mit einer Länge von 2,7 Kilometern, einer Dicke von 90 Zentimetern und einer Höhe von 5,5 Metern. In die Stadt kam man durch die drei Stadttore: Neues Tor, abgebrochen 1797, 1833 und 1838, Kreuztor, abgebrochen 1847/48, Wockertor. Das Wallhotel, die heutige Sparkasse am Moltkeplatz, ist das erste Gebäude, das 1863 außerhalb der Stadtmauer gebaut wurde.

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Parchimer Landwehr errichtet. Sie war der äußerste Ring der mittelalterlichen Stadtverteidigungsanlagen in Parchim. Im Norden an der Straße zu Sternberg ist von der alten Wehranlage noch ein Wartturm, der sogenannte Fangelturm erhalten geblieben. An der Südgrenze des Stadtgebietes befinden sich ebenfalls gut erhaltene Reste dieser spätmittelalterlichen Wallanlage zur Grenzsicherung.

1316 tritt Parchim als Sprecher auf dem Städtelandtag auf. 1377 kaufte die Stadt die Fürstenburg und 1384 verpflichtete Parchim den Münzmeister Tile von Kampen. 1410 wurde die Schützengilde gegründet. Um 1500 hatte die Stadt ca. 3.000 Einwohner.

16. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Schon um 1530 fand in Parchim die Reformation statt und 1540 ließ sich der Generalsuperintendent „Riebling” in Parchim nieder. Bald darauf verließen 1550 die Franziskanermönche die Stadt. Joachim Loew arbeitete ab 1548 als erster Buchdrucker in der Stadt. 1563 fanden immer noch Hexenprozesse statt. Die Große Stadtschule (Lateinschule) wurde 1564 errichtet. Erneut wurde in Parchim 1586 durch einen Stadtbrand die halbe Altstadt zerstört. Auch wurde die Stadt 1604 von einer Pest betroffen.

1612 vernichtete ein Stadtbrand wieder große Teile der Stadt. 1620 hatte die Stadt ca. 5.000 Einwohner. Die Pestepidemie von 1626 ging nicht spurlos an Parchim vorbei, sie forderte 1.600 Todesopfer. Der Dreißigjährige Krieg hinterließ von 1637 bis 1639 unermessliche Schäden. 1648 lebten in Parchim nur noch ca. 1.300 Menschen.

Parchim konnte sich jedoch wieder erholen. Von 1667 bis 1708 war der Sitz des Hof- und Landgerichts in Parchim. Von 1733 bis 1788 befand sich Parchim unter einer preußischen Pfandbesetzung. Die Einwohnerzahl erhöhte sich wieder bis 1789 auf ca. 4.000. Im 18. Jahrhundert siedelten sich auch Juden im Ort an, die sich am Voigtsdorfer Weg westlich des Wockersees ihren Jüdischen Friedhof einrichteten, auf dem bis 1938 Begräbnisse stattfanden.

Ein letzter großer Rückschlag erfolgte während der Besetzung durch napoleonische Truppen im Jahre 1806. In den folgenden Befreiungskriegen wurde 1813 der Parchimer Landsturm gegen Napoleon geführt. Nach 1815 erholte sich die Stadt allmählich.

Von 1818 bis 1840 hatte anstelle des Hof- und Landgerichts das Oberappellationsgericht seinen Sitz in Parchim. Dafür wurde das Rathausgebäude 1818 erweitert und umgebaut (s. Rathaus).

Volksschulhaus von 1892, heute: Fritz-Reuter-Schule

1827 entstand das Friedrich-Franz-Gymnasium, 1838 die Gewerbeschule, 1841 die Realschule, 1848 die städtische Volksschule, 1873 das Mittelschulhaus, 1890 ein größeres Gymnasialgebäude, die heutige Goethe-Schule und 1892 das neue Volksschulhaus, die heutige Fritz-Reuter-Schule.

Parchim erhielt 1832 eine demokratischere Stadtverfassung und 1838 eine neue Gesindeordnung.

Schon 1819 wurde eine Tuchfabrik errichtet, dann folgten 1841 die Papiermühle, 1858 die Maschinenfabrik Bauer, 1874 die Backofenfabrik und 1889 die Viktoriamühle. Ab 1863 fand die weitere Bebauung auch außerhalb der Stadtmauer statt. 1867 wurde Parchim Standort des 2. Mecklenburgischen Dragonerregimentes Nr. 18.

Der Ausbau der Infrastruktur erfolgte u. a. 1841 mit dem Bau der Ludwigsluster Chaussee, 1862 mit dem Telegrafenamt und der Gasanstalt und 1880 bekam die Stadt Eisenbahnanschluss, die Strecke Parchim–Ludwigslust wurde in Betrieb genommen und 1885 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz der Mecklenburgischen Südbahn auf der Strecke Neubrandenburg-Parchim. Dazu wurde in Parchim die Mecklenburgische Südbahn-Gesellschaft im Jahr 1883 gegründet.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Wasserturm von 1906
Zentrales Pionierferienlager 'Kurt Bürger'

1905 wurde die Villa Heucke zum Krankenhaus umgebaut. 12.805 Einwohner hatte die Stadt um 1910. 1906 entstand das Wasserwerk und 1921 erhält Parchim elektrischem Strom. Seit 1925 ist Parchim Amtssitz bzw. Kreisstadt. Das neue Gebäude des Landratsamts wird 1936 gebaut.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges war am Stadtrand von Parchim auf dem ehemaligen Kavallerieexerzierplatz eines der größten Kriegsgefangenenlager Deutschlands mit einer Kapazität von bis zu 25.000 Gefangenen eingerichtet worden. Unter trostlosen Bedingungen waren hier zeitweise 15.000 Kriegsgefangene aus Russland, Frankreich, Belgien, Serbien und England untergebracht. Insgesamt 1402 von ihnen starben hier. Auf Initiative und mit Spenden der Lagerinsassen wurde auf dem Lagerfriedhof am Dammer Weg ein Denkmal errichtet und am 4. Juni 1916 geweiht. Die Pflege und Erhaltung der Anlage obliegt seit 1922 der Stadt Parchim.

Mitte 1937 wurde von der Luftwaffe der Flugplatz Parchim in Betrieb genommen. Der nationalsozialistische Terror erfasste auch Parchim: 1937 wurden 22 jüdische Familien misshandelt; sie wanderten aus oder sie wurden in ein KZ deportiert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Jüdische Friedhof geschändet und zerstört. Von 1939 bis 1945 wurde ein Zwangsarbeiterlager im Stadtteil Bramfeld betrieben, in dem etwa 1.000 polnische und sowjetische Frauen und Männer untergebracht waren, die in rüstungswichtigen Bereichen Zwangsarbeit verrichten mussten. Außerdem wurde ein Durchgangslager für ausländische Zwangsarbeiter errichtet, das eine Frequenz von 50.000 Personen aufgewiesen haben soll. An sie erinnert außer einem Grabstein kein Zeichen des Gedenkens. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadt selber weitgehend unzerstört. Um den 3. Mai 1945 erfolgte der Einzug der Roten Armee.

Der Flugplatz wurde von 1945 bis 1992 von den Luftstreitkräften der Sowjetunion genutzt.

In der Schweriner Straße 3/4 errichtete während der SBZ-Zeit die sowjetische Geheimpolizei NKWD eine Dienststelle, in deren Gefängnis im Keller brutale Verhöre von angeblich antisowjetischen Festgenommenen stattfanden. Eine Gedenktafel erinnert daran seit 1993. 1951 wurden die Lehrer am Gymnasium Erich Creutzfeldt und Dr. Karl Richter mit anderen Parchimern verhaftet. Nach der Verurteilung zu 20 Jahren Zwangsarbeit wurden sie in das sibirische Lager Taischet in der UdSSR deportiert, wo Richter starb und Creutzfeldt stark erkrankte.[5]

1946 wurde – wie in vielen Orten – ein Kulturbund gegründet. Die Tuchfabrik wurde 1948 enteignet und zum „Volkseigentum“. Der Zusammenschluss von Tischlern zu einer Produktionsgenossenschaft erfolgte 1955 und 1958 entstand ein „Volkseigenes Gut“. 1961 wurde das Gasbetonwerk und 1968 das Hydraulikwerk gebaut. Ab 1963 entwickelte sich die Weststadt als Großwohnsiedlung, zumeist in Plattenbauweise. Die Stadt wurde um 1970 in die Liste der regionalen Stadtdenkmale der DDR aufgenommen, die Altstadt aber nicht saniert.

Zu DDR-Zeiten unterhielt der VEB Filmfabrik Wolfen in Parchim das Zentrale PionierferienlagerKurt Bürger“ für die Kinder seiner Betriebsangehörigen.

Auch nach der Wende von 1989/90 blieb 1994 Parchim Kreisstadt des neuen, größeren Landkreises Parchim.

Nach 1991 wurde die historische Altstadt im Rahmen der Städtebauförderung und des Programmes Städtebaulicher Denkmalschutz wieder gründlich saniert. 1992 wurde auch die 37 Hektar große Regimentsvorstadt als Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme in die Stadterneuerung einbezogen und bis etwa 2005 zu einem Wohnpark umgewandelt. 1997 erfolgte die Fertigstellung der Rathaussanierung. Von 1993 bis 2011 wurde die Wohnsiedlung Parchimer Weststadt durch Wohnumfeldverbesserung im Rahmen von Stadtumbau-Ost und der Rückbauförderung saniert und aufgewertet.

Im Zuge der Kreisgebietsreform 2011 wurde Parchim zum Sitz des neuen Landkreises Ludwigslust-Parchim. Im Vorfeld gab es einen erheblichen Streit über die künftige Kreisstadt, zur Debatte standen Ludwigslust und Parchim.

Trotz Kreisstadtstatus veranlasste der neue Landrat des Landkreises, der ehemalige Landrat Christiansen des Landkreises Ludwigslust, dass erhebliche Teile der Verwaltung des Landkreises aus Parchim abgezogen wurden. Weite Teile des Landratsamtes in Parchim stehen leer, die Kriminalpolizei zog nach Ludwigslust, das Amtsgericht lebt nur noch als Zweigstelle weiter.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

„Kaiserliches Postamt“ am Schuhmarkt

(ab 1990 jeweils zum 31. Dezember)

  • 1500 – 3.000
  • 1620 – 5.000
  • 1648 – 1.300
  • 1789 – 4.000
  • 1830 – 5.800
  • 1850 – 6.270
  • 1910 – 12.804
  • 1939 – 16.000
  • 1974 – 23.000
  • 1990 – 23.800
  • 2000 – 20.048
  • 2005 – 19.348

Politik[Bearbeiten]

Stadtvertretung[Bearbeiten]

Rathaus von Parchim, das Wahrzeichen der Stadt

Die Wahl der Stadtvertretung am 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 35,2 % (2009: 37,9 %) zu folgendem Ergebnis:[6]

Partei / Liste Stimmen % G/V Sitze G/V
CDU 39,80 % + 6,74 10 + 2
SPD 29,31 % − 0,58 7 ± 0
Die Linke 17,15 % + 0,72 4 ± 0
FDP 5,15 % − 5,38 1 − 2
Grüne 3,91 % + 1,51 1 ± 0
Einzelbewerber Schultze 2,18 % 1
Einzelbewerber Hermann 1,75 % 1

G/V: Gewinne / Verluste gegenüber der Wahl 2009

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin festgelegt und unter der Nr. 21 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „In Rot ein hersehender schwarzer Stierkopf mit schwarzen Hörnern, um die je drei goldene Binden geschlungen sind und eine goldene Krone, die fünf, abwechselnd mit Lilien und Perlen besteckte Zinken zeigt; zwischen den Hörnern, aus dem Stierkopf aufwachsend, die vierendigen Stangen eines goldenen Hirschgeweihs. Der Stierkopf ist beseitet: in Höhe des Kronenreifs von zwei sechsstrahligen goldenen Sternen, darunter von zwei, mit den Blättern schräg nach außen gekehrten grünen Kleestängeln.“[7]

Flagge[Bearbeiten]

Flagge der Stadt Parchim

Die Flagge der Stadt ist gleichmäßig längsgestreift von Schwarz, Rot und Grün. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.[7]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Präsidentenhaus (Parchim)

Bauten[Bearbeiten]

St. Georgen
Marienkirche
  • Der Stadtkern von Parchim mit seinen zwei Zentren in der Altstadt (um St. Georgen) und in der Neustadt (um St. Marien), durchflossen von der Elde und umgeben von den Wallanlagen, ist ein gut erhaltenes regionales Flächendenkmal mit vielen Einzeldenkmalen.
  • Die Pfarrkirche St. Georgen ist eine Hallenkirche aus Backsteinen in der Altstadt. 1289 wurde mit dem Bau der gotischen Kirche begonnen. Im Inneren sind Reste von mittelalterlichen Wandmalereien erhalten. Der neugotische Altaraufsatz von Gotthilf Ludwig Möckel wurde am Ende des 19. Jahrhunderts gefertigt. Beachtlich sind die beiden spätgotischen Triumphgruppen, das achteckige steinerne Taufbecken von 1619, die Kanzel von 1580, der Leptzow-Altar von 1421 und das Ratsgestühl (1608/1623).
  • St.-Marien.Kirche ist eine Pfarrkirche und Hallenkirche, die in der Neustadt steht. Die Gewölbe und die Strebepfeiler stammen aus dem 14. Jahrhundert. Der Westturm von 1310 hatte die Türme der Lübecker Marienkirche zum Vorbild. Zu den wertvollsten Ausstattungsstücken zählen die BronzeTauffünte von 1365, der Marienaltar aus der Zeit um 1500, zwei Glocken von 1514, die Kanzel und die Orgelempore von 1601 und die jüdischen Grabsteine aus dem 13. und 14. Jahrhundert.
  • Zahlreiche Fachwerkhäuser prägen den Historischen Stadtkern der Altstadt und den der Neustadt von Parchim. Hervorzuheben sind die Häuser Alter Markt 2 (1618), Langestr. 24 (1612), Lindenstr. 3 (1583), Lindenstr. 6 (1604/1650), Mühlenstraße 37/38 (1691), Mittelstr. 12 (nach 1588), Schuhmarkt 7 (1612) und in der Apothekenstraße 1 die Apotheke von 1703.
  • Das Zinnhaus in der Langenstraße 24 von 1612 ist der zweitälteste erhaltene Profanbau in Parchim. Das Fachwerkhaus – einst auch Haus des Stadtwachtmeisters – hat sich nach seiner hervorragenden Sanierung zu einem wichtigen Kunst- und Kulturzentrum entwickelt.
  • Das Rathaus am Alten Markt ist ein langgestreckter zweigeschossiger Backsteinbau, ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert. 1818 wurde der Bau für das Mecklenburgische Oberappellationsgericht von dem Architekten Johann Georg Barca grundlegend umgebaut, wobei die gotische Architektur beibehalten wurde. Der neue Eingang vom Altmarkt liegt mittig zur Längsachse, ergänzt um einen Vorbau. Um 1995 wurde das Rathaus nochmals gründlich saniert und modernisiert.
  • Die mittelalterliche Stadtbefestigung ist nur noch in Teilen als Mauer und sehr gut als Wallanlage erkennbar. Die Mauer im Bereich des Wallhotels ist bis zu einem Meter breit. Die mittelalterlichen Stadttore sind leider im 19. Jh. abgetragen worden.
  • Das ehemalige Kaiserliche Postamt von 1883 am Schuhmarkt ist ein gutes Beispiel für die öffentlichen Bauten aus der Zeit um 1900. Der Entwurf stammte von Prof. Hubert Stier aus Hannover.
  • Zu den interessantesten Bauten der Stadt gehören die 1934/35 errichtete damalige städtische Sparkasse, heute Dresdner Bank (Schuhmarkt 8) und das 1935/36 gebaute Kreishaus, das heutige Amtsgericht am Moltkeplatz. Beide Bauten sind Werke von Paul Schultze-Naumburg.

Kunst, Kino, Theater, Museum[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet befinden sich mehrere kulturelle Einrichtungen:

  • in der zentralen Blutstraße das Mecklenburgische Landestheater Parchim mit Schauspielen für Erwachsene, Kinder und Jugendliche sowie einer Jugendtheatergruppe,
  • in der Regimentsvorstadt das Multiplex-Kino mit drei Kinosälen und Kunstfilm-Tagen,
  • stadtauswärts in Richtung Lübz ist die ebe-art-Galerie zu finden,
  • im ehemaligen Schulgebäude am Ziegeleiweg 1c befindet sich die Landeskirchliche Gemeinschaft Parchim,
  • das Museum der Stadt Parchim ist in der Lindenstraße 38.

Schulen[Bearbeiten]

Evangelische Grundschule „Paulo Freire“ 2010
  • Evangelische Grundschule „Paulo Freire“, die in den 1990er Jahren eröffnet wurde und den Namen des brasilianischen Reformpädagogen Paulo Freire trägt.
  • Regionale Schule „J.W.Goethe“
  • Regionale Schule „Fritz-Reuter“

Musik und Unterhaltung[Bearbeiten]

Parchim verfügt über einige heimische Musiker und Bands, welche unterschiedlichsten Musikrichtungen angehören, wie z. B. Blues, Rock, Independent Music, Folk, etc. Diese treten zu verschiedenen Veranstaltungen in und um Parchim auf. Darüber hinaus findet alljährlich, jeweils einmal im Frühjahr und Herbst, in der Innenstadt ein Musikfest statt, die sogenannte Musikmeile. In dieser treten verschiedene internationale Bands und Einzelmusiker in unterschiedlichen Gaststätten, Bars und Kneipen auf.

Ein Stadtfest im Mai und eine „Einkaufsnacht“ (seit 2005) an einem Samstag im Juni werden jedes Jahr veranstaltet. In jedem Jahr findet am ersten Novemberwochenende der „Martinimarkt“ statt. Seit einigen Jahren gibt es einen „Adventsmarkt“ rund um die St. Marienkirche.

Gebäude unter Denkmalschutz[Bearbeiten]

Zinnhaus in der Langen Straße 24
Fachwerkhaus in der Lindenstraße 3

siehe auch: Liste der Baudenkmale in Parchim, Liste der Baudenkmale in Parchim (Außenbereiche)

In Parchim standen 2007 um 473 Gebäude oder Bauteile unter Denkmalschutz. Die Gebäude – zumeist Wohnhäuser oder Wohn- und Geschäftshäuser sowie vereinzelt ehemalige Speicher – stehen vornehmlich in der Altstadt, der Neustadt und Regimentsvorstadt wie u. a. in

Alte Mauerstraße (7), Alter Markt (11), Am Ilepool (7), Am Kreuztor (4), Am Rathaus (4), Am Wallhotel (6), Apothekenstraße (4), Auf dem Brook (18), Auf dem Sassenhagen (25, u. a. das Basaltpflaster und die Feuerwehr mit Turm), August-Bebel-Straße (4), Baadestraße (7), Bahnhofsstraße (4, u. a. der Bahnhof mit den Nebengebäuden), Bauhofstraße (7), Bleicherstraße (2), Blutstraße (13), Brunnenstraße (5), Buchholzallee (16), Clara-Zetkin-Straße (1), Eichberg (Kriegerdenkmal), Fichtestraße (8), Fischerdamm (4, u. a. die Mühle), Floerkestraße (2), drei Friedhöfe (u. a. Gedenkstätten, Grabmäler, Kapellen), Fritz-Reuter-Straße (Kriegerdenkmal), Hakenstraße (8), Heidestraße (7) Kirchen (3), Kirchgasse 2), Lange Straße (25), Lindenstraße (26), Ludwigsluster Straße (15), Marienstraße (2), Marstall (7), Meyenburger Straße (2), Mittelstraße (7), Mittelstraße (3, St. Bartholdomäuskapelle) Moltkeplatz (5, u. a. Park, Denkmal, Amtsgericht, Landratsamt), Mönchhof (2: Schule, Transformatorenhaus), Mühlenberg (4), Mühlenstraße (17), Neue Mauerstraße (10), Neuer Markt (1), Pfaffenhaus (4), Piepenhäger Straße (3), Putlitzer Straße (22) (u. a. Kasernen), Rosenstraße (23), Schumarkt (7, u. a. Rathaus und Post), Schweriner Straße (9), Spiekerstraße (3), Stegemannstraße (1), Stiftstraße (1), Voigtsdorfer Weg (4), Vor dem Neuen Tor (3), Waagestraße (3), Wallanlage und Stadtmauer, Wallallee (4, u. a. Schule), Wasserberg (3), Wockerstraße (2), Ziegenmarkt (5).

Denkmäler in Parchim[Bearbeiten]

  • 1876 Denkmal mit Standbild Helmuth Karl Bernhard von Moltke von Bildhauer Ludwig Brunow
  • 1892 Gedenkstein Otto Heucke im Buchholz
  • 1896 Kriegerdenkmal 1870/71
  • 1900 Denkmal (Obelisk) Helmuth von Moltke im Buchholz
  • 1906 Gedenkstein mit Bronzerelief Bürgermeister Friedrich Stegemann von Bildhauer Ludwig Brunow (heute im Museum Parchim)
  • 1916 Denkmal für die im Kriegsgefangenenlager verstorbenen Soldaten
  • 1920 Kriegerdenkmal 1914/18 des Turnvereins Parchim (zerstört)
  • 1922 Kriegerdenkmal 1914/18 des Dragonerregiments Nr. 18
  • 1922 Kriegerdenkmal 1914/18 „Kruzifix“ in der Marienkirche von Bildhauer Wilhelm Wandschneider
  • 1930 Kriegerdenkmal 1914/18 der Lehrer und Gymnasiasten in der Aula des Gymnasiums von Bildhauer Wilhelm Wandschneider (zerstört)
  • 1931 Kriegerdenkmal 1914/18 „Heldenhain“ von Architekt Werner Cords-Parchim
  • 1946 Ehrenhain auf dem Neuen Friedhof für 40 Opfer des Todesmarsches der Häftlinge der KZ Sachsenhausen und KZ Ravensbrück, die von SS-Männern ermordet wurden
  • 1950 Gedenkstein für den Antifaschisten Paul Sasnowski, Flörkestr. 44 A (heute fast unzugänglich)
  • 1950 Gedenkstein für den Spanienkämpfer Otto Volckmann, Flörkestr. 44 A (heute fast unzugänglich)
  • 1950 Gedenkstein in der Parkanlage zwischen Goetheschule und Krankenhaus für Opfer des Todesmarsches des KZ Sachsenhausen vom April 1945. Dahinter seit 1970 Sandsteinplastik „Stürzende“ der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger
  •  ? Gedenkstein auf dem Neuen Friedhof für 110 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern
  • 1962 Gedenkstein am Dammer Weg mit den Massengräbern für 465 Männer, Frauen und Kinder aus der Sowjetunion, die Opfer der Zwangsarbeit wurden
  • 1970er Jahre Gedenkstein an der Ecke Leninstraße/Walter-Hase-Straße an Walter Hase und die Sowjetbürger Awramenko und Etschkola, die Widerstandsarbeit gegen die Kriegsproduktion geleistet hatten und deswegen ermordet wurden
  • 1971 Gedenkstätte für den 1969 zum Städtischen Friedhof verlegten Jüdischen Friedhof zur Erinnerung an den Friedhof und die jüdischen Opfer der Shoa
  • 1972 Gedenktafel an Auf dem Sassenhagen 8, für Otto Volkmann, der 1936 in Spanien fiel. Die Tafel wurde 1990 entfernt und befindet sich im Stadtmuseum.
  •  ? Gedenktafel an der Alten Mauerstraße 21 für den Antifaschisten Paul Sasnowski, der 1944 ermordet wurde. Die Tafel wurde 1990 entfernt und befindet sich im Stadtmuseum.
  • 1976 Gedenktafel im Ortsteil Slate an der Hauptstraße, von Putlitz kommend links am ersten Grundstück, für die Opfer des Todesmarsches der Häftlinge des KZ Sachsenhausen
  • 1985 Büste und Ehrenhain für Otto Volckmann auf dem Broock, Bildhauer Manfred Wagner
  • 1988 Gedenktafel an der Goetheschule in der Wallallee zur Erinnerung an den Dichter Erich Mühsam, der in dieser Schule lernte und 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde
  • 1988 Gedenktafel an der Goetheschule in der Wallallee zur Erinnerung an den Erfinder Alexander Behm, der hier zur Schule ging
  • 1996 Zwei Gedenkstelen des Bildhauers Wieland Schmiedel zwischen Parchim und Slate sowie vor dem Ortseingang von Parchim aus Richtung Crivitz für die Opfer des KZ-Todesmarsches
  • 2001 Brunnen „Weib auf Stierkopf“ von Bildhauer Michael Mohns

Sport[Bearbeiten]

  • Für überregionales sportliches Interesse sorgt in Parchim der MC Mecklenburgring Parchim. Auf dem „Mecklenburgring“, einer Langbahn die Weltmeisterschaftsbedingungen bietet, finden regelmäßig Sandbahnrennen mit internationaler Beteiligung, jedoch auch Konzert-Events statt.
  • Seit der Saison 2000/01 spielen die Volleyballerinnen des 1. VC Parchim in Zusammenarbeit mit dem Schweriner SC erfolgreich in der 2. Bundesliga/Nord der Frauen.
  • Bekanntester Fußballverein ist der Parchimer FC, welcher insgesamt drei Spielzeiten in der DDR-Liga absolvierte.
  • Der Radsportverein „Vorwärts“ Parchim wurde 1990 gegründet, nachdem es die Armeesportvereinigung Vorwärts mit dem Ende der DDR nicht mehr gab. Vorgänger der ASG Vorwärts Parchim, die seit Dezember 1977 bestand, war die Sektion Radsport in der BSG Einheit Parchim, die 1953 gegründet wurde. Die damalige Radsport-Sektion der Betriebssportgemeinschaft Einheit Parchim (BSG) führte 1959 das traditionelle Querfeldein-Rennen erstmals ein, eine Disziplin des Radsports die im Oktober 2009 zum 50. Mal ausgetragen wird.
  • Die 2007 gegründete Rollstuhltanzgruppe Parchimer Tanzteufel beim SV Einheit 46 Parchim e.V. trat 2010 beim Deutschlandpokal der Breitensportler im Rollstuhltanz in Rheinsberg an und errang zwei Pokale[8].

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Flughafen[Bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe der Stadt liegt der Flughafen Schwerin-Parchim, der auch die Landeshauptstadt Schwerin bedient. Der Flughafen wurde 1934 erbaut, 1945 zerstört und dann von den sowjetischen Besatzern wieder aufgebaut und als Militärflugplatz genutzt. Nach deren Abzug 1991 und einigen Umbaumaßnahmen wurde er für zivile Zwecke weitergenutzt und zunächst von der Stadt und dem Landkreis Parchim bewirtschaftet. Es folgte eine Verpachtung an die Wiggins Group, ein US-kanadisches Luftfahrt-Beratungsunternehmen, in der Hoffnung, er werde ein regionaler Reise- und Frachtflughafen. Nach der Insolvenz der Wiggins Group und zwischenzeitlicher Vermarktung durch Stadt und Landkreis wurde u. a. eine Lagerhalle gebaut.

Der Flughafen soll nun ein reines Fracht-Drehkreuz werden, für dessen Zwecke sich ein schweizerisches Logistikunternehmen ansiedelte. Von Seiten des Landes wurden 36 Mio. Euro an Fördermitteln eingesetzt. Als Vorteile für den Standort Parchim gelten die gute Anbindung an Straßen- und Schienennetz sowie eine 24-stündige Flugerlaubnis und eine für Großflugzeuge geeignete 3000-Meter-Landebahn.

Das chinesisches Frachtunternehmen LinkGlobal Logistics Co. Ltd. hat im Mai 2007 den Flughafen Parchim sowie die umliegenden Gewerbeflächen vom Landkreis gekauft. Neben Frachtflügen von der zentralchinesischen Stadt Zhengzhou in der Provinz Henan sind auch wöchentliche Passagierflüge ins Auge gefasst. Man hofft in absehbarer Zeit auf[9] 1000 neue Arbeitsplätze. Der Flugbetrieb ist für das zweite Quartal 2014[veraltet] angekündigt.[10]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bahnhof Parchim mit Stellwerk und Lint 41 der Ostseeland-Verkehr, abfahrbereit Richtung Schwerin

Durch Parchim führt die als Müritz-Elde-Wasserstraße staugeregelte Elde. Über die Bundesstraßen 191 und 321 ist Parchim mit den Städten Lübz, Sternberg, Plau am See, Crivitz, Goldberg und Schwerin verbunden. Außerdem gibt es eine Direktverbindung zur Bundesautobahn 24.

Die Stadt ist über die Parchim-Ludwigsluster Eisenbahn an Ludwigslust, die Mecklenburgischen Südbahn an Waren und Neustrelitz sowie über die Bahnstrecke Schwerin–Parchim an die Landeshauptstadt Schwerin und Rehna angeschlossen. Alle Strecken werden von der ODEG betrieben. Bis 1945 existierte zudem eine Strecke nach Suckow.

Innerhalb der Stadt existiert von Montag bis Freitag ein Stadtbusverkehr mit zwei Linien von 5:30 Uhr bis 18:30 Uhr, betrieben von der Reisedienst Parchim GmbH. An Wochenenden findet seit dem 9. Dezember 2012 kein Stadtbusverkehr mehr statt.[11]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Das älteste in der Stadt ansässige Unternehmen ist nach Schließung der Mühle Anfang 2008 (diese bestand seit 1809) ein Backofenbaubetrieb, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1874 zurück reichen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Engel-Gedenktafel

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Bernhard Latomus (1560–1613), deutscher Historiker; war Rektor der Parchimer Stadtschule und starb in Parchim
  • Jacob Friedrich Friese (1765–1833), Schulmeister, Organist und Orgelbauer; hatte seine Werkstatt in Parchim und starb hier
  • August Drechsler (1821–1897), Jurist und Bürgermeister von Parchim, Ehrenbürger
  • Heinrich Behm (1853–1930), deutscher Theologe und Landesbischof; war 1887 Pfarrer an St. Marien zu Parchim
  • Erich Mühsam (1878–1934), politischer Aktivist, Anarchist, Publizist und Schriftsteller; machte in Parchim Abitur
  • Alexander Behm (1880–1952), deutscher Physiker; ging in Parchim zur Schule
  • Carl Moltmann (1884–1960), deutscher Politiker; absolvierte seine Berufsausbildung 1898 bis 1901 zum Tischler in Parchim
  • Friedrich Griese (1890–1975), deutscher Schriftsteller; wohnte in der Markower Mühle bei Parchim
  • Hermann Kant (* 1926), deutscher Schriftsteller; lebte ab 1940 bei den Großeltern in Parchim und absolvierte hier eine Lehre zum Elektriker
  • Uwe Kant (* 1936), deutscher Schriftsteller; lebte ab 1940 bei den Großeltern in Parchim und legte hier 1956 das Abitur ab
  • Johann Riebling (1494–1554), erster mecklenburgischer Superintendent, gestorben in Parchim
  • Johannes Gillhoff (1861–1930), deutscher Schriftsteller und Lehrer, gestorben in Parchim
  • Fritz Reuter (1810–1874), niederdeutscher Schriftsteller, legte 1831 Parchim das Abitur ab
  • Dethloff Carl Hinstorff (1811–1882), mecklenburgischer Verleger, gründete in 1831 in Parchim den Hinstorff Verlag
  • Christian Karl Friedrich Wilhelm von Nettelbladt (1779–1843), deutscher Jurist und Freimaurer, 1818–1840 Präsident des Oberappellationsgerichts, gründete 1818 die Parchimer Freimaurerloge
  • Pribislaw I. (1224–1275), war von 1238 bis 1256 Herr (Fürst) zu Parchim-Richenberg
  • Ernst Sellin (1867–1946), Prof. und Theologe, von 1891 bis 1894 Gymnasialoberlehrer in Parchim, grub 1908/09 Jericho aus
  • Bellachini (1827–1885), Zauberkünstler verstarb in Parchim
  • Helmuth Schröder (1842–1909), deutscher Lehrer und niederdeutscher Mundartdichter, war 1866 Lehrer in Parchim
  • Carl Guesmer (1929–2009), deutscher Lyriker und Bibliothekar, wuchs im Pfarrhaus Parchim auf
  • Ernst Röhl (* 1937), deutscher Satiriker und Kabarettist, legte 1956 in Parchim das Abitur ab
  • Bernhard Kremser (* 1954), deutscher Bildhauer, Designer, Grafiker und Schauspieler, lebte und arbeitete von 1973 bis 1988 in Parchim

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Umgebung Parchims ist Handlungsort einer vor allem regional bekannten Sage, in der Räuber Vieting eine Hauptfigur ist. Durch Überlieferungen gibt es mehrere Versionen. Vieting soll Kaufleute und andere Reisende beraubt und zumeist ermordet haben. Einem aus Slate oder Umgebung stammenden und gefangengenommenen Mädchen gelingt es durch eine List, einen Schwur zu umgehen und Stadtsoldaten auf die Spur des gesuchten Räubers zu führen, die ihn fassen. Der Räuber Vieting wird zum Tode verurteilt und äußert als letzten Wunsch einen Kuss der Verräterin, bei dem er ihr die Zunge abbeißt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Asmus: Eisenbahnen in und um Parchim – Chronik eines Eisenbahnstandorts in Mecklenburg. GVE-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-89218-078-4
  • Ingo Ulpts: Die Bettelorden in Mecklenburg. Saxonia Franciscana 6. Werl 1995
  • Wolfgang Kaelcke: Parchimer Persönlichkeiten. 7 Teile, 1996–2005, aus der Schriftenreihe des Museums der Stadt Parchim,
  • Gerd Behrens: Parchim – Stadtgeschichte in Daten. Teil 1: 1170–1900, Teil 2: 1901–1945, Teil 3: 1945–1988, Schriftenreihe des Museums der Stadt Parchim, Heft 14, 20 und 23, 2002–2007
  • Friedrich Johann Christoph Cleemann, Chronik und Urkunden der Mecklenburg-Schwerinschen Vorderstadt Parchim, 1825, Digitalisat

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. § 12 der Hauptsatzung (PDF; 61 kB) der Stadt
  3. Ernst Eichler und Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1
  4. Wörterbuch auf stadt-parchim.de
  5. A. Kaminsky (Hrsg.): Orte des Erinnerns, Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. Bonn 2007, S. 260 f.
  6. Website Parchim
  7. a b § 1 der Hauptsatzung (PDF; 61 kB) der Stadt
  8. Parchimer Tanzteufel abgerufen am 23. Januar 2012
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatInvestor kündigt wöchentliche Charterflüge vom Flughafen Parchim an. airliners.de, 24. Mai 2007, abgerufen am 26. August 2014.
  10. Investor kündigt für Flughafen Parchim Flugbetrieb ab 2014 an. airliners.de, 28. Juni 2013, abgerufen am 28. Juni 2013.
  11. Aktuelles, reisedienst-parchim.com

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Parchim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien