Höchst (Vorarlberg)

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Höchst
Wappen von Höchst
Höchst (Vorarlberg) (Österreich)
Höchst (Vorarlberg)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Vorarlberg
Politischer Bezirk: Bregenz
Kfz-Kennzeichen: B
Fläche: 20,97 km²
Koordinaten: 47° 27′ N, 9° 38′ O47.4544444444449.6408333333333403Koordinaten: 47° 27′ 16″ N, 9° 38′ 27″ O
Höhe: 403 m ü. A.
Einwohner: 7.733 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 369 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6973
Vorwahl: 05578
Gemeindekennziffer: 8 02 17
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 15
6973 Höchst
Website: www.hoechst.at
Politik
Bürgermeister: Herbert Sparr (ÖVP)
Gemeindevertretung: (2010)
(27 Mitglieder)
14 ÖVP
6 Parteiunabhängige Liste „Höchste Zeit“
6 FPÖ
1 SPÖ
Lage der Gemeinde Höchst im Bezirk Bregenz
Alberschwende Andelsbuch Au Bezau Bildstein Bizau Bregenz Buch Damüls Doren Egg Eichenberg Fußach Gaißau Hard Hittisau Höchst Hörbranz Hohenweiler Kennelbach Krumbach Langen bei Bregenz Langenegg Lauterach Lingenau Lochau Mellau Mittelberg Möggers Reuthe Riefensberg Schnepfau Schoppernau Schröcken Schwarzach Schwarzenberg Sibratsgfäll Sulzberg Warth Wolfurt VorarlbergLage der Gemeinde Höchst (Vorarlberg) im Bezirk Bregenz (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Ortsbild aus südlicher Richtung
Ortsbild aus südlicher Richtung
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Naturschutzgebiet Rheindelta bei Höchst
„Alter Rhein“ bei Höchst

Höchst ist eine Gemeinde in Österreich in Vorarlberg im Bezirk Bregenz mit 7733 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014).

Geographie[Bearbeiten]

Höchst liegt im westlichsten Bundesland Österreichs, Vorarlberg, im Bezirk Bregenz südlich des Bodensees auf 403 Metern Höhe und ist somit die zweitwestlichste Gemeinde Österreichs. Durch die spezielle Lage im Rheindelta sowie die Nähe zum Bodensee sind klimatische und geografische Unterschiede zum restlichen Vorarlberg gegeben. Im Winter reguliert der Bodensee als Wärmespeicher die Temperaturen am Tag sowie in der Nacht ausgleichend. Im Winter sinken sie dadurch nicht so schnell und stark wie zum Beispiel im nur etwa 10½ km entfernten Dornbirn.

Höchst ist in fünf Ortsteile aufgeteilt: Brugg, Hasenfeld, Kirchdorf, Oberdorf und Unterdorf.

Der Ortskern der Gemeinde Höchst liegt im Süden der gesamten Fläche von 20,15 km², wovon 1,4 % bewaldet und 150 ha Streuwiesen unter Naturschutz gestellt sind. Dadurch sind die Häuser der Gemeinde von Hochwasser weniger betroffen als die Gemeinden Hard und Bregenz, die direkt am Bodensee bebaut sind. Bei einem Hochwasser wird in Höchst das im Norden gelegene Naturschutzgebiet sowie Teile der landwirtschaftlichen Flächen überflutet (z. B. Hochwasser 1999).

Es existieren keine Katastralgemeinden in Höchst. Zusammen mit Fußach und Gaißau bildet Höchst das von allen Seiten mit Wasser umgebene Rheindelta, im Osten an den Rhein, im Süden an den Alten Rhein und im Westen und Norden an den Bodensee bzw. die Nachbargemeinden Gaißau und Fußach grenzend. Das Rheindeltagebiet ist ein äußerst wichtiges Vogelschutzgebiet in Europa und ein bedeutendes Feuchtgebiet nach der Ramsar-Konvention. Es ist als Natura 2000-Gebiet nach der EU-Vogelschutzrichtlinie und FFH-Richtlinie unter Schutz gestellt. Bis heute wurden hier über 330 Vogelarten und 70 Libellenarten beobachtet.

Auch ist eine Vielzahl seltener Pflanzen- und Kleintierarten in Höchst beheimatet, wovon manche europaweit bedroht sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste urkundliche Nennung am 22. Juni 808 von Höchst: Cunradat schenkt dem Kloster St. Gallen aus Sorge um sein eigenes Seelenheil und das Schicksal seines Sohnes seinen Besitz zu „Hostadio“ (Höchst); er knüpft an die Schenkung allerdings die Bedingung, dass sein Sohn Albini sein Leben lang im Kloster versorgt wird und in den Orden eintreten darf, wenn er sich dessen als würdig erweist.

Im Jahre 881 eine urkundliche Erwähnung als „Hostetharro marcha“ (die Mark der Höchster). Die Höchster Mark umfasste Höchst, St. Margerethen, Fußach über Gaißau bis hinauf nach Walzenhausen und erstreckte sich weiter bis zur Grenze von Thal.

Auf der Durchreise nach Rom weilte Kaiser Otto II. (HRR) am 29. Oktober 980 in „Hochstedi“ (Höchst). Auf Bitten seiner Gattin Theophanu und des Abtes Immo verzichtete der Kaiser auf alle öffentlichen Abgaben und Ansprüche, die seine Beamten gegen Klosterbesitzungen gemacht hatten.[1]

Nachdem der Mannesstamm der Udalrichinger um das Jahr 1150 erlosch, ging ein Teil des Erbes mit Höchst durch Ehe an das Adelsgeschlecht der Montforter über. Das Gebiet splitterte sich in den nächsten Jahrhunderten durch Erbteilungen laufend auf, wobei Höchst dem Grafen von Montfort-Feldkirch unterstand.[2] Aus dieser Zeit begründet sich auch die jahrhundertelange Beziehung von Höchst zu Feldkirch. Der kinderlose Graf Rudolf V von Montfort verkaufte jedoch am 22. Mai 1375 die Grafschaft Feldkirch, das Landgericht Rankweil, den Hinteren Bregenzerwald, Dornbirn und Höchst-Fußach um 30.000 Gulden an den Herzog Leopold III von Österreich. Er durfte aber sein Land bis zu seinem Ableben 1390 als habsburgischer Vogt verwalten und gewährte den bekannten Feldkircher Freiheitsbrief. Den Gotteshausleuten zu Höchst und Fußach aber erließ er eine Art Erbschaftssteuer. Wie schon beschrieben war Höchst ein sehr altes St. Gallener Lehen.

Es war ein Doppeldorf welches linksrheinisch aus St. Margrethen-Höchst und rechtsrheinisch aus St. Johann-Höchst bestand. Obwohl die rechtsrheinischen Gebiete der Habsburger Landeshoheit unterstanden, regierte der Abt von St. Gallen bis ins 15. Jahrhundert fast alleine. Dies änderte sich erst, als das Adelsgeschlecht der Toggenburger im Jahre 1417 die Grafschaft Feldkirch incl. Höchst als Pfandschaft erhielten und die damalige Schwäche des Klosters ausnützten. Erst am 30. März 1473 konnte ein Vertragsabschluss zwischen der Habsburger Seite, geführt von dem Feldkircher Vogt, und dem Kloster St. Gallen erzielt werden, die die gegenseitigen Rechte und Pflichten regelte.[3] Durch die entstehende Eidgenossenschaft wurde der Rhein jedoch immer mehr zur Grenze, weshalb sich St. Margrethen kirchlich zwischen den Jahren 1498 und 1516 und politisch im Jahre 1612 abspaltete.[4] Trotzdem konnte das Kloster St. Gallen seine Rechte auch rechtsrheinisch behaupten, was die Höchster zu nutzen wussten, als zum Beispiel im Dreißigjährigen Krieg die Schweden am 4. Jänner 1647 die nördlichen Verteidigungslinien von Vorarlberg durchbrachen und plündernd und brandschatzend durchs Land zogen und dabei auch Höchst nicht verschonten. Die schwedische Artillerie wurde in Höchst einquartiert und es mussten Brandschatzungen bezahlt werden. Da diese Kontributionen aber ausständig waren, wurde bereits die Exekution angedroht. Jedoch setzte sich das Kloster von St. Gallen für Höchst ein und so konnte beim schwedischen Oberkommandierenden Gustav Wrangel die offene Zahlung von 1000 auf 600 Reichstaler herabgesetzt werden.[5] Diese Verbindung zum Kloster St. Gallen blieb bis zu ihrer Auflösung 1798 aufrecht. Fußach wurde zwar bereits im Jahre 1690 eine eigenständige Pfarre, politisch blieb das Gericht Höchst-Fußach jedoch weiterhin bestehen. Die Habsburger regierten die Orte in Vorarlberg wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus. Erst nach einem weiteren verlorenen Krieg, diesmal gegen Frankreich, und dem darauffolgenden Preßburger Frieden 1805, wurde Vorarlberg an Napoleons Verbündeten, Bayern, abgetreten, wobei es nachfolgend zu modern-zentralistischen Reformen kam und im Jahre 1806 das Gericht Höchst-Fußach dem Landgericht Dornbirn zugewiesen und die politische Trennung zwischen St. Johann-Höchst und Fußach 1810 vollzogen wurde.[6] Ab 1814 gehörte der Ort dann wieder zu Österreich. Zum österreichischen Bundesland Vorarlberg gehört Höchst seit der Gründung 1861.

Eine weitere politische Änderung nach der Abschaffung der Monarchie in den Jahren 1918/19 ergab sich ab dem 1. Jänner 1930, als aus verkehrstechnischen Gründen die Rheintalgemeinden der Bezirkshauptmannschaft Bregenz und dem Bezirksgericht Bregenz zugeteilt wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren für die Gemeinden Fußach, Gaißau und Höchst die Bezirkshauptmannschaft Feldkirch und das Bezirksgericht Dornbirn zuständig.[7]

Nach dem Anschluss von Österreich an das Deutsche Reich wurden auf Grundlage der §§ 4 und 5 der Deutschen Gemeindeverordnung ex 1935 die Gemeinden Höchst (2400 Ew.), Fussach (600 Ew.) und Gaissau (500 Ew.) per 30. September 1938 zur neuen Gemeinde mit Namen Rheinau vereinigt.[8] Dieser Zusammenschluss wurde jedoch nach Volksabstimmungen in den betroffenen Orten von der Vorarlberger Landesregierung am 31. Dezember 1946 wieder außer Kraft gesetzt.[9]

Der Ort war 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Der Ausländeranteil lag Ende 2002 bei 14,6 Prozent.

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht aus 27 Mitgliedern. Bei der Gemeindevertretungswahl 2010 erreichte die ÖVP 14 Mandate, die Parteiunabhängige Liste "Höchste Zeit" 6 Mandate, die FPÖ ebenfalls 6 Mandate und die Höchster Sozialdemokraten 1 Mandat. Zum Bürgermeister wurde wieder Werner Schneider von der ÖVP gewählt. Im Frühjahr 2013 trat Werner Schneider aus Altersgründen zurück. Zum Nachfolger wählte die Gemeindevertretung Herbert Sparr.

Die Gemeindeeinnahmen aus Steuern und sonstigen Abgaben lagen 2001 bei 7.164.322 €, die gemeindlichen Ausgaben bei 17.280.537 Euro. Der Schuldenstand betrug 2001 16.919.374 Euro.

Wappen[Bearbeiten]

Das Höchster Wappen wurde 1960 von der Vorarlberger Landesregierung verliehen und zeigt einen roten Sparren im silbernen Schild.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Höchst (Vorarlberg)

Pfarrkirche St. Johann (1908–1910)[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Johann

Unmittelbar nach der Jahrhundertwende wurden die meisten Kirchen in Vorarlberg von Schweizer Architekten gebaut – hier von Albert Rimli. Diese Architekten vertraten meist eine Spielart des Historizismus. Die moderneren, wie Rimli, versuchten eine Weiterführung barocker Ideen und kamen manchmal zu erstaunlichen Neuformulierungen. Das Interessante an dieser Kirche ist die Verbindung von Barock und Jugendstil. Der mit 81 Metern höchste Kirchturm Vorarlbergs beherbergt seit dem Jahre 2005 ein großes, siebenstimmiges Geläut der Karlsruher Glockengießerei Bachert (Disposition: as0–c1–es1–f1–as1–b1–c2), das jeden Samstagabend um 17 Uhr zum Einläuten des Sonntags erklingt. Freitags um 15 Uhr kündet die große Christusglocke vom Tod Christi am Kreuz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Am Ort gab es im Jahr 2003 154 Betriebe der gewerblichen Wirtschaft mit 4.144 Beschäftigten und 273 Lehrlingen. Lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige gab es 2.811. Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen an der Gesamtfläche liegt bei 52,1 %.

Verkehr[Bearbeiten]

Die stark befahrene Schweizer Straße B 202 führt von Bregenz über Höchst zur Schweizer Grenze.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die größten Arbeitgeber in Höchst sind die beiden Möbelbeschlägehersteller Blum und Grass (Würth-Gruppe).

Vereine[Bearbeiten]

In Höchst sind über 70 Vereine registriert. Die zwei bekanntesten sind wohl der FC Höchst, dessen Kampfmannschaft seit dieser Saison wieder in der Regionalliga West spielt, sowie der RC Mazda Hagspiel Höchst, der im Radball schon international erfolgreich war.

Bildung[Bearbeiten]

Im Ort gibt es (Stand Jänner 2003) 880 Schüler, die zwei Volksschulen (Unterdorf und Kirchdorf) und eine Hauptschule besuchen. In Höchst gibt es zudem drei Kindergärten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde
  • Julius Blum (* 1924 in Höchst; † 2006), Unternehmer und Gründer der Julius Blum GmbH
  • Alfred Grass (* 1914 in Höchst; † 2003), Unternehmer und Gründer der Firma Grass Beschläge
  • Emil Schneider (* 1883 in Höchst; † 1961), Unterrichtsminister der Republik Österreich (1922–1926)
  • Oswald Schobel (* 1901 in Höchst; † 1980), Landesrat in der Vorarlberger Landesregierung (1954–1964)
  • Klaus Ströbele (* 1903 in Höchst; † 1988), Architekt der Moderne
  • Renato Wohllaib (* 1960 in Höchst), Sänger der Schlagergruppe Die Paldauer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brunner Ivo (1989): Damals in Höchst. Kulturreferat der Gemeinde Höchst (Hrsg.) Bregenz-Lochau: Russ-Druck
  2. Land Vorarlberg (Hrsg.) (2005): Vorarlberg Chronik. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Dornbirn: Vorarlberger Verlagsanstalt
  3. Burmeister, Karl-Heinz (1998): "Das Weistum Höchst von 1473" In: Höchst, Rheintalgemeinde und Landkultur" Heimatbuch Band 2 (1998), S. 15 - 23.
  4. Leipold-Schneider, Gerda (1994c): "Grenzentstehung an See und Rhein" In: "Höchst, Grenzgemeinde an See und Rhein" Heimatbuch Band 1 (1994), S. 57 - 63
  5. Bilgeri, Benedikt (1977): Geschichte Vorarlbergs. Band III, Ständemacht, Gemeiner Mann - Emser und Habsburger. Graz: Hermann Böhlaus Nachf.
  6. Hämmerle, Markus (1982): "Die Auswanderung aus Vorarlberg von 1815 bis 1914". Dissertation an der Universität Wien
  7. Vorarlberger Landesarchiv (2013): Bezirkshauptmannschaft Feldkirch I 1919-1940. URL: https://www.vorarlberg.at/pdf/rep_14-024bezirkshauptma1.pdf (Zugriff am 14. Oktober 2014)
  8. Weber, Wolfgang (1999): NS-Herrschaft am Land. Die Jahre 1938 bis 1945 in den Selbstdarstellungen der Vorarlberger Gemeinden des Bezirks Bregenz. Regensburg: Roderer Verlag
  9. Gemeinde Gaißau (o.J.): Facetten der Geschichte von Gaißau Online im Internet: URL: http://www.gaissau.at/Geschichte.330.0.html (Zugriff am 9. Jänner 2009)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Höchst (Vorarlberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien