Janusz Korwin-Mikke

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Janusz Korwin-Mikke (2007)
Korwin-Mikke mit Anhängern (2014)

Janusz Ryszard Korwin-Mikke (* 27. Oktober 1942 in Warschau) ist ein polnischer Politiker. Er ist Ehrenmitglied des Kongresses der Neuen Rechten[1] und seit 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments. Mit einem vom Internetportal money.pl geschätzten Privateigentum in Höhe von 10.000.000 Złoty zählt er zu den reichsten Politikern Polens. Sein Einkommen bezieht er zum Großteil aus dem wöchentlich von ihm herausgegebenen Magazin Najwyższy Czas! (dt. Höchste Zeit!).[2][3]

Leben[Bearbeiten]

Korwin-Mikke studierte Mathematik, Recht, Soziologie, Psychologie und Philosophie an der Universität Warschau. In der Zeit des kommunistischen Regimes war er einer der Mitbegründer der antikommunistischen Opposition und wurde 1968 wegen antikommunistischer Tätigkeit inhaftiert.[4] Später war er Mitglied der auf den bürgerlichen Mittelstand ausgerichteten Blockpartei Stronnictwo Demokratyczne (dt. Demokratische Partei, kurz SD).[5] Anschließend gründete er 1987 die damals illegale Bewegung für Realpolitik. die nach dem Systemwechsel 1989 als Unia Polityki Realnej (dt. Union der Realpolitik, kurz UPR) in eine politische Partei umgewandelt wurde.

2005 trat er aus der UPR aus und gründete unter dem Namen Wolność i Praworządność (dt. Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, kurz WiP) eine neue Partei. Im Vorfeld der polnischen Parlamentswahlen fusionierten beide Parteien jedoch 2011 zum Kongress der Neuen Rechten (pln. Kongres Nowej Prawicy, kurz KNP), dessen Vorsitzender Korwin-Mikke wurde. Bei der Europawahl 2014 gelang ihm zudem neben drei weiteren Kandidaten des KNP der Einzug in das Europäische Parlament.[6]

Während eines Empfangs für Abgeordnete des Europäischen Parlaments im Gästehaus des polnischen Außenministeriums am 11. Juli 2014, verpasste Korwin-Mikke dem Europaabgeordneten Michał Boni von der Bürgerplattform (pln. Platforma Obywatelska, kurz PO) eine Ohrfeige.[7] Korwin-Mikke begründet den Vorfall damit, dass Boni ihn in der Vergangenheit mehrfach im Fernsehen als meschugge bezeichnet habe und warf ihm außerdem vor, dass Boni insgeheim Informant des polnischen Staatssicherheitsdienstes gewesen war.[8] Letzteres stellte sich als Wahrheit heraus. Boni rechtfertigte diese Tätigkeit jedoch mit einer angeblichen Erpressung. [9]

Bei den am 16. November 2014 abgehaltenen Kommunalwahlen erreichte der KNP mit durchschnittlich 3,89 % allerdings kein einziges Mandat.[10] Als Konsequenz daraus trat Korwin-Mikke vom Vorsitz der Partei zurück und gründete am 22. Januar 2015 eine neue politische Gruppierung mit dem Namen Koalicja Odnowy Rzeczypospolitej Wolność i Nadzieja (dt. Koalition der Erneuerung der Republik Freiheit und Hoffnung, kurz KORWiN).[11]

Er trat bei der Präsidentschaftswahl in Polen 2015 für seine neue Partei an[12] und ließ sich dafür am 9. März 2015 als erster Kandidat bei der staatlichen Wahlkommission (Państwowa Komisja Wyborcza) registrieren. Laut eigenen Aussagen wurden über 200.000 Unterstützer-Unterschriften gesammelt.[13] Im ersten Wahlgang am 10. Mai 2015 erreichte er den vierten Platz mit 3,26 Prozent der Wählerstimmen.

Korwin-Mikke ist verheiratet und hat acht Kinder.

Korwin-Mikke während einer Debatte in Sanok (2013)

Politische Positionen[Bearbeiten]

Korwin-Mikke vertritt libertäre Positionen und ist Anhänger einer freien Marktwirtschaft ohne jegliche staatliche Intervention. Er ist zudem Gegner der Europäischen Union und fordert stattdessen, dass Polen der nordamerikanischen Freihandelszone (kurz NAFTA) beitreten solle.[14] Zudem ist er Befürworter der Monarchie.[15][16]

Mehrfach zog er außerhalb Polens Aufmerksamkeit auf sich, nachdem er die Wiedereinführung der Todesstrafe und Prügelstrafen für geringere Vergehen forderte.[17]

Nachdem Korwin-Mikke 2014 in einem Fernsehinterview nach seiner Haltung zur Vergewaltigung in der Ehe befragt wurde, äußerte er, Frauen gäben grundsätzlich nur vor, Widerstand zu leisten. Der Mann müsse daher selbst wissen, wann Geschlechtsverkehr angebracht sei. Diese Äußerung führte zu Ermittlungen der polnischen Staatsanwaltschaft gegen ihn.[18] Er äußerte außerdem, Frauen seien durchschnittlich weniger intelligent als Männer.[19]

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Janusz Korwin-Mikke seine acht wichtigsten Programmpunkte für die Präsidentschaftswahl 2015:[20]

  • 1) Abschaffung der Einkommensteuer, sowie Umsatzsteuer(zusammen mit der Abschaffung von Sozialleistungen), was eine Beseitigung der Arbeitslosigkeit zur Folge hat.
  • 2) radikale Reduzierung der Bürokratie und eine Vereinfachung der Gesetze.
  • 3) Beseitigung der Korruption durch Privatisierungen
  • 4) Einführung eines privaten Bildungs- und Gesundheitssystems, welches die Qualität steigert und Kosten reduziert.
  • 5) Einlegen eines Vetos bei geplanten Steuererhöhungen
  • 6) deutliche Verbesserung der Staatsanwaltschaft, wie auch des Gerichtswesens
  • 7) eine starke, 100.000 Soldaten aufweisende Armee
  • 8) Polen soll im ukrainisch-russischen Konflikt, Neutralität deklarieren

Populärkulturelle Wirkung[Bearbeiten]

Aufgrund seines öffentlichen Auftretens wird Korwin-Mikke als Exzentriker wahrgenommen.[21][22] Von mehreren deutschsprachigen Medien wird er als „Politclown“[23] oder „Enfant terrible der polnischen Politik“ bezeichnet.[17] Unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit ist er auch Mitglied des Konservativ-Monarchistischen Klubs. Janusz Korwin-Mikke erfreut sich im Internet großer Beliebtheit. So hat er zum Beispiel über 600.000 „Gefällt mir“-Angaben auf seiner Facebook-Seite. Dies stellt den mit Abstand größten Wert unter allen polnischen Politikern dar.

Bridgespieler[Bearbeiten]

Korwin-Mikke gilt als passionierter Bridgespieler und war eigenen Angaben zufolge bereits polnischer Landesmeister.[24] Gemeinsam mit Andrzej Macieszczak, der 1978 Weltmeister im Bridge wurde,[25] ist er Verfasser der Kartenspielkolumne Pewnego razu… (dt. Es war einmal…).[26][27]

Bücher über Bridge[Bearbeiten]

  • Brydż („Bridge“), 1976.
  • Bez impasu. Elementy logiki i psychologii w brydżu („Ohne Sackgasse. Logische, sowie psychische Elemente im Bridge“), 1980, ISBN 83-203-0213-7.
  • Brydż dla początkujących („Bridge für Anfänger“), 1980, ISBN 83-225-0005-X.
  • Brydż sportowy („Sportbridge“), 1986, ISBN 83-217-2535-X.
  • Quizy brydżowe, 1987, ISBN 83-225-0170-6.
  • Pewnego razu... („Es war einmal...“), 1993, ISBN 8395761039.

Fernsehauftritte und Musik[Bearbeiten]

Janusz Korwin-Mikke hat in mehreren Filmen und in einer Fernsehserie mitgespielt.[28]

  • 1993: Kraj Świata, Tylko strach, Co się stało?
  • 1994: Nocna zmiana, Jest jak jest
  • 2001: Wtorek

Des Weiteren verfasste er mit Krzysztof Skiba 1998 ein Lied mit dem Titel „Stop podatki!” (dt. Stopp der Steuern).[29]

Ergebnisse bei Präsidentschaftswahlen[Bearbeiten]

Seit 1995 hat Korwin-Mikke bei jeder Präsidentschaftswahl Polens kandidiert. Das beste Ergebnis erzielte er 2010 auf dem vierten Platz. Im Einzelnen:

Jahr Anzahl der Stimmen Wahlergebnis (%) Rangliste
1995[30] 428 969 2,40% 8/13
2000[31] 252 499 1,43% 6/12
2005[32] 214 116 1,43% 6/12
2010[33] 416 898 2,48% 4/10
2015[34] 486 084 3,26 % 4/10

Werke[Bearbeiten]

  • Program Liberałów („Programm der Liberalen“), 1979.
  • Katechizm robotnika liberała („Katechismus Arbeiter Liberaler“), b.d.
  • Apel („Appell“), 1980.
  • Dramat – czy szansa? („Drama oder Chance“), 1980.
  • Gospodarka po sierpniu 1980, czyli co proponuje P. Józef Pińkowski („Wirtschaft nach dem August 1980, also was Józef Pińkowski vorschlägt“), 1980
  • Do dołu nogami („Auf den Boden mit den Beinen“), 1981.
  • Mała niebieska książeczka („Kleines blaues Buch“), 1981.
  • Historia i zmiana („Geschichte und Veränderung“), 1982.
  • Zastanawiająca tęsknota („Merkwürdige Sehnsucht“), 1983.
  • Janusza Korwin-Mikkego do Stefana Bratkowskiego List Otwarty („Janusz Korwin-Mikke an Stefan Bratkowski“), 1983.
  • Jakich wyborów nie chcemy („Welche Wahlen wir nicht wollen“), 1985.
  • JK-M vs. NN, 1985.
  • My i wybory („Wir und die Wahlen“), 1985.
  • Ubezpieczenia („Versicherungen“), 1985.
  • Liberum veto („Liberum veto“), 1986
  • Ratujmy państwo! („Retten wir den Staat!“), 1990, ISBN 83-219-0572-2.
  • Nie tylko o Żydach. Artykuły o sprawach narodowych („Nicht nur über Juden. Artikel über nationale Angelegenheiten“), mit Antoni Zambrowski, 1991.
  • Prowokacja? („Provokation?“), 1991.
  • Vademecum ojca („Väterleitfaden“), 1991, 4. Auflage. 2007, ISBN 978-83-89467-40-9.
  • Rząd rżnie głupa!, czyli, Mowy sejmowe, mit Zdzisław Kościelak, 1993.
  • Wizja parlamentu w nowej Konstytucji Rzeczypospolitej Polskiej („Vision des Parlaments in einer neuen Konstitution Polens“), 1994.
  • Kara śmierci („Todesstrafe“), 1995, ISBN 83-86741-01-5.
  • U progu wolności („An der Schwelle zur Freiheit“), mit Stanisław Michalkiewicz (Nachwort), 1995, ISBN 83-901661-4-3.
  • Niebezpieczne ubezpieczenia („unsichere Versicherungen“), 2000, ISBN 83-911760-2-9.
  • Ekonomikka. („Ökonomikk“), 2001, ISBN 83-911760-7-X.
  • Rok 2007 („Jahr 2007“), 2001, ISBN 83-911760-6-1.
  • Dekadencja („Dekadenz“), 2002, ISBN 83-915648-2-7.
  • Naprawić Polskę, no problem („Polen reparieren, kein Problem“), 2004, ISBN 83-89011-44-1.
  • Podatki czyli rzecz o grabieży („Steuern, also Plünderung“), 2004, ISBN 83-911760-5-3.
  • Nerwy puściły, czyli kupa wariatów („Nerven strapazieren, also ein Haufen Verrückter “), 2007, ISBN 978-83-60504-18-5.
  • Kto tu dymi? („Wer raucht hier?“), 2007, ISBN 978-83-60504-37-6.
  • Wolność do trzymania za mordę, 2007, ISBN 978-83-60504-36-9.
  • Rusofoby w odwrocie („Russophobe auf dem Rückzug“), 2009, ISBN 978-83-60504-69-7.

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Janusz Korwin-Mikke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. youtube.com
  2. tvp.info
  3. prawo.money.pl
  4. Ein Exzentriker sorgt für eine Sensation. In: Polen-Analysen Nr. 148. Deutsches Polen-Institut, Forschungsstelle Osteuropa, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, 1. Juli 2014, S. 5, abgerufen am 5. Februar 2015 (PDF).
  5. Andrzej Chwalba: Kurze Geschichte der Dritten Republik Polen 1989 bis 2005. Verlag Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2010, S. 47.
  6. Website der polnischen Wahlkommission, Komitet Wyborczy Nowa Prawica – Janusza Korwin-Mikke, abgerufen am 27. Mai 2014
  7. Janusz Korwin-Mikke uderzył Michała Boniego w twarz. "To nie jest normalne", Gazeta Wyborcza vom 12. Juli 2014.
  8. wiadomosci.onet.pl
  9. TVN24, Boni: podpisałem deklarację o współpracy z SB, 31. Oktober 2007
  10. ewybory.eu
  11. tvn24.pl
  12. Maverick MEP Korwin-Mikke launches new party. In: TheNews.pl. 23. Januar 2015.
  13. tvp.info
  14. Adam Krzemiński: Amerika und Polen. Zum polnisch-amerikanischen Verhältnis heute. In: Amerika und Europa, Mars und Venus? Das Bild Amerikas in Europa. Wallstein, 2004, S. 165.
  15. gazetakrakowska.pl
  16. natemat.pl
  17. a b Gerhard Gnauck: Mit den polnischen Ostseefischern auf Stimmenfang. In: Die Welt. 29. August 2000.
  18. reuters.com Poland investigates Eurosceptic MEP over 'What is rape?' comment. Reuters, 28. Mai 2014.
  19. polskieradio.plInterview im polnischen Radio, 20. Mai 2014.
  20. https://pl-pl.facebook.com/janusz.korwin.mikke/photos/a.10150563803222060.370988.277681892059/10152824369082060/?type=1
  21. Gabriele Lesser: Die „Jedwabne-Diskussion“ in antisemitischen und rechtsextremen Medien. In: Transodra. Nr. 23, Dezember 2001.
  22. Kai-Olaf Lang: Präsidentschaftswahlen in Polen. Teil I: Die Kandidaten. In: Aktuelle Analysen. Nr. 35/2000, S. 2.
  23. Rettungsaktion für die polnischen Secondhand-Kleiderläden. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Juni 2002.
    Die Welt. zitiert in Monarchie und Libertarismus (PDF; 431 kB) In: Corona - Nachrichten für Monarchisten. Jahrgang 4, Nr. 9, 27. Juni 2010, S. 1.
  24. korwin-mikke.pl
  25. pl.wikipedia.org
  26. korwin-mikke.pl
  27. archiwum.wyborcza.pl
  28. filmweb.pl
  29. discogs.com
  30. Obwieszczenie Państwowej Komisji Wyborczej z dnia 7 listopada 1995 r. o wynikach głosowania i wyniku wyborów Prezydenta Rzeczypospolitej Polskiej, zarządzonych na dzień 5 listopada 1995 r. In: Dziennik Ustaw, sejm.gov.pl. 7. November 1995, abgerufen am 8. Januar 2013 (polnisch).
  31. Obwieszczenie Państwowej Komisji Wyborczej z dnia 9 października 2000 r. o wynikach głosowania i wyniku wyborów Prezydenta Rzeczypospolitej Polskiej, zarządzonych na dzień 8 października 2000 r. In: Dziennik Ustaw, sejm.gov.pl. 9. Oktober 2000, abgerufen am 8. Januar 2013 (polnisch).
  32. Obwieszczenie Państwowej Komisji Wyborczej z dnia 10 października 2005 r. o wynikach głosowania i wyniku wyborów Prezydenta Rzeczypospolitej Polskiej, zarządzonych na dzień 9 października 2005 r. In: Dziennik Ustaw, sejm.gov.pl. 10. Oktober 2005, abgerufen am 8. Januar 2013 (polnisch).
  33. Obwieszczenie Państwowej Komisji Wyborczej z dnia 21 czerwca 2010 r. o wynikach głosowania i wyniku wyborów Prezydenta Rzeczypospolitej Polskiej, zarządzonych na dzień 20 czerwca 2010 r. In: pkw.gov.pl. 21. Juni 2010, abgerufen am 8. Januar 2013 (PDF; 111 kB, polnisch).
  34. http://prezydent2015.pkw.gov.pl/319_Czesciowe_wyniki_w_Polsce