Lichtverschmutzung

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Die Erde bei Nacht (2007; Kompositaufnahme aus Satellitenbildern)
Sichtbarer Sternenhimmel in der Großstadt und auf dem Land, Sternbild Stier

Der Begriff der Lichtverschmutzung (aus englisch light pollution), auch Lichtsmog[1] bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch Lichtquellen, deren Licht in den Luftschichten der Erdatmosphäre gestreut wird. Lichtverschmutzung kann störend auf die Flora und Fauna wirken und kann einen negativen Einfluss auf astronomische Beobachtungen des Nachthimmels haben. Lichtverschmutzung, d. h. die unerwünschte Beeinflussung der Umwelt durch (meist, aber nicht ausschließlich künstliche) Lichtquellen, ist eine Form der Umweltverschmutzung.

Ursachen der Lichtverschmutzung[Bearbeiten]

Hongkong: lichtverschmutzter Nachthimmel
Lichtglocke der Universitätsstadt Jena aus 7 km Entfernung
Lichtglocke über Karlsruhe aus 7 km Entfernung von der Stadtmitte aus. Das Hausdach ist deutlich dunkler als der Himmel

Ursächlich für die Lichtverschmutzung ist hauptsächlich der große nach oben abgestrahlte oder reflektierte Anteil des Lichts, der dann an Schichten der Atmosphäre, atmosphärischen Stäuben oder Wasser abermals reflektiert und weitum zerstreut wird: Luft wird aufgehellt, wenn sie von Licht durchdrungen wird. Das wird vor allem durch den Tyndall-Effekt hervorgerufen, durch die Streuung von Licht (genauer durch die Mie-Streuung) an Schwebeteilchen in der Luft wie beispielsweise an Nebeltröpfchen, Schwebstaub oder sonstigen Aerosolen sowie durch Reflexion und Refraktion. Dadurch ergeben sich die bekannten Lichtglocken über den Städten – so hellt beispielsweise eine Stadt mit einer Einwohnerzahl von 30.000 den Himmel in einem Umkreis von etwa 25 Kilometern auf.[2] Diese Störung ist der „Lichtsmog“ im eigentlichen Sinne, als diffuser Nebel aus Licht.[1] Die größten Verursacher von Lichtverschmutzung sind Großstädte und Industrieanlagen, die die Nacht durch Straßenbeleuchtung, Leuchtreklamen, Videowände, Flutlichtanlagen und Industriebeleuchtung erhellen. Verantwortlich für dieses nach oben geleitete Licht sind vor allem Beleuchtungsanlagen, die ihr Licht weitgehend ungenutzt zu den Seiten und nach oben abstrahlen (Lichtverluste). Eine solche Abstrahlung kann jedoch auch ein gewollter Effekt bei der Gebäude- und Anlagenbe- oder -ausleuchtung sein.

Ein anderes großes Störpotential haben starke gerichtete Strahler. Dazu gehört beispielsweise das Fernlicht der Kraftfahrzeuge, das, um zumindest 200–300 Meter ausreichend auszuleuchten, noch in vielen Kilometern Entfernung stark blenden kann. Seit einigen Jahren verwenden Diskothekenbetreiber Projektionsscheinwerfer nach Art von Suchscheinwerfern, die Skybeamer, die tanzende Lichtkegel an den Nachthimmel projizieren. In Einzelfällen wurden gegen diese Art der Werbung rechtliche Maßnahmen erfolgreich durchgesetzt.[3] Auch der Beitrag von Lichtkunst oder Lasershows zur allgemeinen Lichtverschmutzung wird zunehmend kritisch betrachtet. Als jüngste Ursache treten starke Laserpointer hinzu.[4] Neben allgemeiner Blendgefährung sind solche plötzlichen Lichtblitze sich bewegender Richtstrahler auch in der Astronomie sehr lästig, weil sie Langzeitbelichtungen innerhalb eines Augenblicks unbrauchbar machen können oder Artefakte produzieren, die das Aufspüren echter astronomischer Ereignisse erschweren.

Lichtverschmutzung ist eine Begleiterscheinung der Industrialisierung und tritt demnach vor allem in dicht besiedelten Regionen der Industrienationen auf. In Europa beispielsweise ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung davon betroffen. Der jährliche Zuwachs der Lichtverschmutzung beträgt weltweit durchschnittlich 6 %[5]. In Deutschland liegt er bei ca. 6 %, in Italien 10 % und in anderen Ländern wie z. B. Japan bei bis zu 12 %. Spitzenwerte des Wachstums wurden und werden in schnell wachsenden Ballungsräumen vor allem in den USA gemessen, so stieg die Lichtausstrahlung in Südontario mit etwa 7–10 % pro Jahr an, in Tucson vor 1972 sogar jedes Jahr um bis zu 15 %. Manche Schätzungen gehen sogar von einem jährlichen 30-prozentigen Anstieg in manchen US-amerikanischen Städten aus.[6] In den letzten 150 Jahren sei in Berlin die Helligkeit klarer Nächte um das Zehnfache, die von wolkigen Nächten um bis zum Tausendfachen gestiegen.[7]

Folgen der Lichtverschmutzung[Bearbeiten]

Lichtverschmutzung beeinflusst bestehende Ökosysteme. So wie verschmutzte Meere, Böden oder Lufträume für viele Spezies nicht mehr bewohnbar sind, so hat auch die Zerstörung der Nacht vielfältige Folgen.

Wirkung auf lebende Organismen[Bearbeiten]

Ansammlung toter Insekten in einer Straßenlaterne

Fachgebiet der Untersuchungen über die Auswirkungen von Dunkelheit auf Lebewesen ist die relativ junge Disziplin der Scotobiologie (‚Dunkelheitsbiologie‘).

Pflanzen werden durch eine künstlich aufgehellte Umgebung in ihrem Wachstumszyklus beeinflusst: Was bei Zuchtpflanzen in Gärtnereien durchaus erwünscht ist, kann für empfindliche Naturpflanzen zum Problem werden. So wurde bereits vielfach beobachtet, dass Laubbäume in unmittelbarer Nähe von Straßenlampen ihre Blätter verspätet verlieren, wodurch es wiederum zu Frostschäden kommen kann.

Die verbreiteten weißen Lichtquellen mit hohem Blauanteil im Spektrum stellen ein erhebliches Problem für die Navigation oder Orientierung nachtaktiver Insekten und auch für Zugvögel dar.[8] Insbesondere die Auswirkungen von nächtlicher Kunstbeleuchtung auf Insekten sind gut dokumentiert. Untersuchungen aus dem Jahr 2000 zeigen, dass in Deutschland in einer einzigen Sommernacht an einer Straßenlaterne durchschnittlich 150 Insekten zugrunde gehen. Rechnet man das auf die ca. 6,8 Millionen Straßenlaternen auf deutschen Straßen hoch, sind dies jede Nacht über eine Milliarde Insekten.[9] Zahlreiche andere Lichtquellen wie die Beleuchtung von Gewerbe- und Industriegebieten, Werbeflächen oder Privathaushalten sind dabei noch nicht berücksichtigt.[10] Je größer die Wellenlänge des Lichts, desto geringer ist die Lockwirkung auf Nachtfalter (Cleve 1964).

Neben Insekten werden zahlreiche weitere Tierarten durch Lichtverschmutzung geschädigt. So beeinträchtigt nächtliches Kunstlicht beispielsweise die Orientierung von Zugvögeln und führt unter anderem dazu, dass Vögel in hell erleuchtete Gebäude fliegen und dabei verletzt werden oder zu Tode kommen (das sogenannte „Towerkill-Phänomen“).[11] Ebenfalls gut dokumentiert ist der negative Einfluss von nächtlicher Beleuchtung auf verschiedene Arten von Meeresschildkröten, deren Nachwuchs an einem zu hell erleuchteten Strand den Weg ins Wasser nicht findet und somit zur leichten Beute von Raubtieren wird.[12] Auswirkungen auf zahlreiche weitere nachtaktive Spezies wie beispielsweise Fledermäuse oder Frösche wurden beobachtet, in den meisten Fällen von vermuteter Beeinflussung besteht jedoch noch weiterer Forschungsbedarf.

Die Auswirkungen auf die Chronobiologie des menschlichen Organismus (wie auch auf andere Tiere) sind ebenfalls noch nicht abschließend erforscht. Störungen im Hormonhaushalt des Menschen (Tag-Nacht-Zyklus, Menstruationszyklus der Frau) sind jedoch bereits nachgewiesen bzw. Gegenstand aktueller Forschung.[13] Weitere physiologische Störungen sind nicht auszuschließen – so veröffentlichte beispielsweise eine israelische Forschergruppe im Jahr 2008 Daten, die einen Zusammenhang zwischen der Stärke nächtlicher Kunstbeleuchtung und dem Risiko von Brustkrebserkrankungen nahelegen.[14] Postuliert wird auch ein Beitrag der verlängerten Helligkeit zur Akzeleration, beispielsweise dem verfrühten Einsetzen der Pubertät.

Soziale und kulturelle Folgen[Bearbeiten]

Im Zuge der Erfindung der künstlichen Beleuchtung hat sich bei vielen Menschen der Tag-Nacht-Rhythmus verschoben: Die Menschen waren früher fast ausschließlich tags aktiv und ruhten nachts. Durch die permanente Verfügbarkeit von Beleuchtung hat sich das verändert. Es ist umstritten, welche Auswirkungen das auf den Menschen hat (siehe auch: Subjektiver und sozialer Tag). Auch die Wahrnehmung von für die Vorgenerationen noch selbstverständlichen Naturphänomenen, die nur bei weitgehender Dunkelheit zu sehen sind, ist insbesondere in Großstädten und Ballungsräumen durch die künstliche Erhellung der Nacht stark eingeschränkt. Hierzu zählen zum Beispiel die Milchstraße, die unmittelbare Erfahrung der Planeten, Sternschnuppen oder auch Glühwürmchen.

Einschränkung der astronomischen Beobachtung und Forschung[Bearbeiten]

Das Sternbild Orion, aufgenommen unter dunklem (links) und lichtverschmutztem Himmel (rechts).

Die Abwesenheit eines wirklich dunklen Nachthimmels beeinträchtigt in besonderem Maße die astronomische Beobachtung und Forschung. Über einer hell erleuchteten Stadt sind mit bloßem Auge in der Regel nur noch wenige sehr helle Sterne zu sehen. Ausgedehnte lichtschwächere Objekte wie die Milchstraße, die Große und die Kleine Magellansche Wolke, die Andromedagalaxie oder den berühmten Großen Orionnebel kennen viele Menschen nur noch aus der Erzählung.

In einer Studie in der Schweiz wurde festgestellt, dass man Sterne nur noch bis zu Grenzgröße von 4 mag sieht, anstatt bis 6 mag: Die Zahl der mit bloßem Auge sichtbaren Sterne liegt zumeist bei nur noch 200 bis 500, in Innenstädten sogar nur bei einigen Dutzend, während sie früher generell – heute nur noch in sehr dunklen Gegenden – bei bis zu 6500 lag.[15] Sternwarten, die noch im letzten Jahrhundert in manchen Großstädten in Betrieb waren, mussten mittlerweile den wissenschaftlichen Betrieb einstellen oder an abgelegene Orte verlagert werden (bekanntes Beispiel: die Vatikanische Sternwarte).[16]

Neben optischer Beeinträchtigung wird hier das Problem des Elektrosmogs (englisch radio-wave pollution) für die Radioastronomie ebenfalls zu einem immer größeren Problem.[17]

Unnötiger Energieverbrauch[Bearbeiten]

Aktuell gibt es noch keine Untersuchungen darüber, wie viel Energie durch die umstrittenen Lichtquellen und die Gebäudebeleuchtung verbraucht wird. Für die USA wird allerdings geschätzt, dass bereits in den 1990er Jahren knapp eine Milliarde Dollar pro Jahr für die nächtliche Beleuchtung ausgegeben wurde.[18]

Abhilfemöglichkeiten und Problembewusstsein[Bearbeiten]

Konkrete technische Maßnahmen[Bearbeiten]

Verschiedene Lichtradien bei Straßenbeleuchtung: Die Variante rechts beschreibt zielgerichtete Beleuchtung, ohne zugleich nennenswerte Einschränkungen hinnehmen zu müssen.

UNESCO, IAU (Internationale Astronomische Union) und CIE (Internationale Beleuchtungskommission) haben schon 2007 ein umfangreiches Maßnahmenprogramm zur Vermeidung von Lichtverschmutzung erstellt, der unter dem Paradigma intelligente Beleuchtung steht. Der Katalog bezieht sich auf Beleuchtung des öffentlichen Raumes ebenso wie Privatbeleuchtung, und umfasst:[19]

  • begrenzte und angepasste Beleuchtungszeiten der Aussenbeleuchtungen, wie auch der Werbung oder der Dekorationsbeleuchtung (Starlight Saving Time[20], zu Nachtzeiten nur während hohen bis mittleren Verkehrsaufkommens, also primär den beginnenden Nachtstunden)
  • Reduzierung unnötiger Beleuchtung (sowohl zu intensiver, wie auch zu wenig zielgerichteter)
  • gerichtetere Beleuchtung (von oben anstatt von unten oder gegen der Horizont)
  • Abschirmung von Lichtquellen, um eine Abstrahlung nach oben und zu den Seiten zu verhindern
  • völliger Verzicht auf dezidiert nur nach oben strahlende Leuchtkörper (etwa Skybeamer, Laser-Flutlichteffekte, Bodenleuchten)
Beleuchtungssituation auf La Palma nach Wechsel auf nach unten strahlenden orangen Straßenlampen

Hier wurde der Begriff der Upward Light Ratio (ULR, aufwärtsgerichteter Lichtanteil) eingeführt. Dort, wo gezielt Lichtschutzmaßnahmen getroffen werden, sollte diese geräteseitig 0 sein, und im Betrieb gemessen (einschließlich Reflexionen) über der Horizontalebene von unter 0,5 cd/klm (Lichtstärke je Quell-Lichtstrom). Empfohlene Richtkennungen für Leuchtmittel sind Full Cut-off (FCO) oder CIE G6.[19] Mit Empfehlungen wie Guide to the lighting of urban areas (CIE-136-2000) oder Guide on the limitation of the effects of obtrusive light from outdoor lighting installations (CIE 150–2003) stehen heute auch moderne technisch orientierte Richtlinien zu Lichtschutz zur Verfügung. Auch älteres Regelwerk wird dahingehend neu überarbeitet.

Straßenbeleuchtung wird beispielsweise verändert, indem Dimmer eingesetzt und die bisher verwendeten Hochdruck-Quecksilberdampf- durch Natriumdampflampen ersetzt werden. Oder LED-Technologie wird eingesetzt. Durch solche Umstellungen konnte beispielsweise in der Augsburger Innenstadt der Stromverbrauch um 20 Prozent gesenkt werden.[21] Eine weitere Maßnahme, die getestet wird, ist konkretes Einschalten der Straßenbeleuchtung über Bewegungsmelder, damit also nur diejenigen Abschnitte erhellt sind, die verwendet werden.[22]

Eine Kritikposition besagt, dass eine Reduzierung der Beleuchtung automatisch auch eine Reduzierung der Sicherheit auf den Straßen bewirke.[23] Außerdem sind gewisse Mindeststärken der Beleuchtung heute etwa im Rahmen der Gewährleistung des Wegerhalters gesetzlich vorgeschrieben.

Eine in Lichtschutzzonen eingesetzte Maßnahme ist der Verzicht auf das Fernlicht im Straßenverkehr. Diese können über viele Kilometer enorme Helligkeit erreichen. Das impliziert aber eine generelle nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 km/h, soferne die Straßen nicht erst recht wieder künstlich beleuchtet würden.

Internationale Programme und Lichtschutz-Gesetzgebung[Bearbeiten]

Lichtschutzzonen werden im Sinne eines Vertragsnaturschutzes schon immer um Standorte von Groß-Observatorien eingerichtet, damit dort ungestört beobachtende Astronomie betrieben werden kann (die erste Regelungen dieser Art war zum Schutz des städtischen Observatoriums im Jahr 1958 in Flagstaff/Arizona).[24]

Seit 1999 existieren ausgewiesene Lichtschutzgebiete (englisch dark sky places) in Kanada und bald darauf auch den USA, 2009 wurden die ersten in Europa ausgewiesen. Schon 2007 veröffentlichten UNESCO, UNWTO, IAU und andere internationale Organisationen auf einer Konferenz in La Palma 2007 die Declaration in Defence of the Night Sky and the Right to Starlight (La Palma Declaration; Initiative Starlight 2007).[25] Dort wurde auch das Konzept eines UNESCO-Starlight Reserves erarbeitet. Im Zuge des International Year of Astronomy 2009 (IYA2009) wurde auch die Initiative Dark Skies Awareness begonnen, als Netzwerk und Öffentlichkeitsarbeitsplattform in Bezug auf die Problematik.[26] Ebenfalls seit 2009 beschäftigt sich die IUCN Dark Skies Advisory Group (DSAG), eine Arbeitsgruppe der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), mit der Ausweisung und Klassifizierung von Lichtschutzgebieten sowie mit den Kriterien dafür. Bei der DSAG sind derzeit über 50 Gebiete registriert. Dadurch kann Lichtschutz auch in die Verordnungen und Managementpläne zu Schutzgebieten mitaufgenommen werden.

In einigen Staaten wurden inzwischen auch explizite Gesetze eingeführt, um die Lichtverschmutzung in den Griff zu bekommen:[24]

  • das erste Gesetz weltweit war 1988 das spanische Ley del Cielo"[27]
  • Chile hat 1999 Gesetze erlassen (Norma de la Contaminación Lumínica), um die Lichtverschmutzung in den nördlichen Zonen zu begrenzen und so das Land als Standort für die Observatorien zu erhalten (ESO, CTIO-NOAO, u.a.m.). Zuständig ist das Oficina de Protección de la Calidad del Cielo del Norte de Chile (OPCC)[28]
  • Die Region Lombardei verfasst 2000 ein Lichtschutzgesetz (L.R. della Lombardia 17/00), inzwischen haben die meisten Provinzen Italiens relativ strenge Vorschriften [29]
  • Tschechien war der Vorreiter in der nationalen Gesetzgebung zu Lichtverschmutzung, setzte seine 2002 geschaffenen strengen Vorlagen bisher aber nur teilweise um (ein erstes Schutzgebiet wurde erst 2009 grenzübergreifend mit Polen errichtet).[30]
  • Slowenien hat seit dem 30. August 2007 ein Anti-Lichtverschmutzungsgesetz (Verordnung über die Grenzwerte der Lichtverschmutzung, U.l. RS 81/2007).[31]

In Deutschland war 2007 eine öffentliche Petition zur Lichtverschmutzung ins Leben gerufen worden.[32]

Regionale Programme[Bearbeiten]

Vor allem auf einigen regionalen Ebenen laufen derzeit Anstrengungen zur Eindämmung der Lichtverschmutzung:

Auf der kanarischen Insel La Palma, UNESCO-Biosphärenreservat, wurden aufgrund des Lichtschutzgesetzes Straßenlaternen verändert und die Beleuchtungszeiten gesetzlich geregelt. In den Höhenlagen des dortigen Roque de los Muchachos ist − auch wegen des dort angesiedelten Observatoriums (Europäische Nordsternwarte) − die Benutzung des Fernlichts untersagt.

In Österreich gibt es seit den frühen 2000ern das Projekt Die Helle Not, welches von Land (Tirol), Bund (Lebensministerium) und Europäischer Union unterstützt wird und 2005 den CIPRA-Wettbewerb Zukunft in den Alpen gewann.[33]

Augsburg gilt deutschlandweit als „Modellstadt für umweltfreundliche Beleuchtung“.[34] In Deutschland gibt es auch einige Initiativen zu Lichtschutzgebieten.

Im Rahmen der IUCN-Schutzgebietseinstufung gibt es auch die Kategorie Dark Sky Community (‚Lichtschutz-Gemeinde‘), dort sind erst wenige Gemeinden registriert, doch soll eine enger Verbindung mit der lokalen Agenda 21, dem Nachhaltigkeitsprogramm der UNO, oder Europa-Programmen wie Energieeffiziente Gemeinde/Energiestadt/European Energy Award[35] erfolgen.

Einteilung[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu Seeing-Skalen erfolgt die Bestimmung des Grades der Lichtverschmutzung vorwiegend ohne optische Hilfsmittel. Neben einigen einfachen Methoden zur Einordnung, wie das Auszählen von Sternen einer bestimmten Himmelsregion, gibt es auch anerkannte Skalen. Am meisten verbreitet ist die im Februar 2001 veröffentlichte Bortle-Skala nach John E. Bortle.

Das Konzept der UNESCO-Starlight Reserves empfiehlt für die Kernzone von Schutzgebieten das Vollmond-Kriterium (< 0,27 lux), das heißt, die künstliche nächtliche Beleuchtung bleibt zumindest unterhalb der maximalen natürlichen.[19]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • P. Cinzano, F. Falchi, C. Elvidge:The first world atlas of the artificial night sky brightness. In: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 328, 2001, S. 689–707 (PDF; 880 kB; Weblink ctio.noao.edu).
  • R. Gastl: Management Summary: Lichtverschmutzung, 2009 (auf cmrg.ch)
  • Franz Hölker, et al.: The Dark Side of Light: A Transdisciplinary Research Agenda for Light Pollution Policy. In: Ecology and Society, 2010.
  • B. Mizon: Light Pollution – Responses and Remidies. Springer-Verlag, 2001, ISBN 1-85233-497-5.
  •  Thomas Posch, Anja Freyhoff, Thomas Uhlmann (Hrsg.): Das Ende der Nacht – Die globale Lichtverschmutzung und ihre Folgen. 1 Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2010, ISBN 978-3-527-40946-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • H.E. Schwarz: Light Pollution: The Global View. Kluwer Academic Publishers, 2003, ISBN 1-4020-1174-1.
  •  David Owen: Our Far-flung Correspondents. The Dark Side. Making war on light pollution. In: The New Yorker. 20. August 2007 (online, 5 S.).
  • Madeleine Klein: Lichtverschmutzung – Eine neue Umweltproblematik, Ludwigsburg, 2004, pdf-Datei

Astronomie:

  • Johannes Andersen: Astronomy and the Degrading Environment. In: Science, 21. April 2000, S. 443–444.

Biologie:

  • B. Steck: Zur Einwirkung von Außenbeleuchtungsanlagen auf nachtaktive Insekten, LiTG Publikation, ISBN 3-927787-15-9.
  • Umweltbundesamt: Die helle Not. Künstliche Lichtquellen – Ein unterschätztes Naturschutzproblem., Innsbruck. 2003 (pdf-Datei 1,7 MB, umweltbundesamt.at).
  • Martin Held, Franz Hölker, Beate Jessel (Herausgeber): Schutz der Nacht. Lichtverschmutzung, Biodiversität und Nachtlandschaft. Grundlagen, Folgen, Handlungsansätze, Beispiele guter Praxis, Bundesamt für Naturschutz (pdf-Datei, bfn.de).

Richtlinien und Empfehlungen:

Regionales:

  • Dennis Köhler, Stefan Hochstadt, Manfred Walz (Hrsg.): LichtRegion – Positionen und Perspektiven im Ruhrgebiet, Klartext, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0404-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lichtverschmutzung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Organisationen:

Materialien:

Berichte:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Der Begriff Lichtsmog (aus dem Englischen light smog) wird üblicherweise umfangreicher gesehen, er umfasst nicht nur die Aufhellung des Nachthimmels sondern auch die Aufhellung von Schlafräumen sowie das „Flimmern“ von künstlichen Lichtquellen und von Bildschirmen aufgrund der Bildwiederholfrequenz.
    Vgl. Krank durch Kunstlicht bei br.de; Florian König: Natürliche Wechselfelder, Elektrosmog und Lichtsmog und ihre Wirkung auf den Menschen, NET-Journal, Jahrgang Nr.15, Heft Nr. 7/8, Juli/August 2010
  2. Andreas Hänel: Schutzgebiete für den Sternenhimmel. In: Nationalpark 4/2007, S. 12–16.
  3. so untersagte beispielsweise das Oberverwaltungsgericht Koblenz im Jahr 2003 den Betrieb eines Skybeamers in Kandel mit Verweis auf das „Ruhe- und Erholungsbedürfnis“ der Bevölkerung (Aktenzeichen: 8 A 11286/02.OVG).
  4. Diese sind selbst bei astronomischen Feldveranstaltungen beliebt geworden, da man damit inzwischen am wahren Sternenhimmel genausogut zeigen kann wie in Planetarien. Trotzdem gilt auch hier Vorsicht wie auch Umsicht in der Verwendung, und auch Rücksicht auf Lichtschutz anderer. Green Laser Pointer Usage, The Royal Astronomical Society of Canada (engl.)
  5. F. Hölker, et al., The dark side of light: a transdisciplinary research agenda for light pollution policy, Ecol. Soc., 2010, 15(4), 13. http://www.ecologyandsociety.org/vol15/iss4/art13/
  6. Schweizer Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft – BUWAL (pdf)
  7. Lichtverschmutzung bei Nacht: Der Himmel über Städten färbt sich rot – SPIEGEL ONLINE. Website Spiegel Online. Abgerufen am 11. August 2012.
  8. NABU
  9. Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern, 2005
  10. NZZ: Wenn die Nacht zum Tag wird
  11. Longcore, T. & Rich, C.: Ecological Light Pollution, Frontiers in Ecology and the Environment 2(4):191–198, 2004
  12. Zum Einfluss künstlicher Beleuchtung auf Tiere, Webseite der Universität Wien
  13. wissenschaft-online
  14. Kloog, I., Haim, A; Stevens, R.G.; Barchana, M. & Portnov, B.A.: Light at night co-distributes with incident breast but not lung cancer in the female population of Israel, In: Chronobiology International 2008 Feb;25(1):65-81
  15. heise.de: Sag mir, wo die Sterne sind, wo sind sie geblieben?
  16. Westdeutscher Rundfunk: Trübe Aussichten für Sternengucker (web.archive.org).
  17. David Tenenbaum: Blinded by the light. Feeling light-headed. 20. April 2000, auf whyfiles.org
    Literature on Space-borne Radio Interference. Committee on Radio Astronomy Frequencies (CRAF), European Science Foundation (ESF), craf.eu.
    vergl. die National Radio Quiet Zone in den USA
  18. Crawford, D.: Light Pollution: The Problems, the Solutions, Preserving The Astronomical Windows. Proceedings of Joint ASP Conference, Vol 139, 1998. SAO/NASA ADS
  19. a b c  UNESCO-WHC, UNESCO - IAU, CIE, OTPC-IAC (Hrsg.): Starlight Reserve. Concept – Dimensions – Categories – Criteria. Recommendations. 2009 Monat= 03, Abschnitte Zonation Criteria und General recommendations on outdoor lighting, S. 19 ff resp. 24 ff (pdf, starlight2007.net).
  20. in Analogie zu englisch daylight saving time für Sommerzeit
  21. Westdeutscher Rundfunk: Trübe Aussichten für Sternengucker – Augsburg nimmt die Lichtverschmutzung ernst, web.archive.org (jährliche Kostenersparnis von 250.000,- Euro, das ist 1 € pro Einwohner und Jahr).
  22. Intelligente Steuerungssysteme, hellenot.org
  23. home.uni-osnabrueck.de mit weiterführenden Links
  24. a b Normen & Verordnungen: Vorschriften und Richtlinien in weiteren Ländern, hellenot.org, abgerufen 28. Oktober 2013
  25. Declaration in Defence of the Night Sky and the Right to Starlight (La Palma Declaration) (PDF; 1,3 MB). International Conference in Defence of the Quality of the Night Sky and the Right to Observe the Stars, La Palma, Canary Islands, Spain - 2007. Hgg. Starlight Initiative, La Palma Biosphere Reserve, Government of the Canary Island, La Palma, 2007 – mit dem Originaltext der Dekleration; Weblink: Declaration in Defence of the Night Sky and the Right to Starlight, auf starlight2007.net
  26. Programs to Involve the Public in Dark Skies Awareness during the International Year of Astronomy, Dark Skies Awareness: seeing in the dark (darkskiesawareness.org).
  27. Ley 31/1988 de 31 de octubre, sobre Protección de la Calidad Astronómica de los Observatorios del Instituto de Astrofísica de Canarias. (Ley del Cielo, Weblink, iac.es)
  28. La Oficina de Protección de la Calidad del Cielo del Norte de Chile – OPCC (opcc.cl)
  29. Misure urgenti in Tema di Risparmio energetico ad Uso di Illuminazione esterna e di Lotta all’Inquinamento luminosoVorlage:§§/Wartung/alt-URL Legge n.17 del 27/03/00 della Regione Lombardia (Material in einem Tread auf cielobuio.org).
    Stand 2013: Lombardia 17/00, Emilia-Romagna 113/03, Marche 10/02, Lazio 23/00, Campania 13/02, Veneto 22/97, Toscana 37/00, Piemonte 31/00, Valle d'Aosta 17/98, Basilicata 41/00, Abruzzo 12/05, Umbria 20/05, Puglia 15/05, Friuli–Venezia Giulia 15/07, Liguria 22/07; Leggi contro l'inquinamento luminoso, Pierantonio Cinzano: Inquinamento luminoso in Italia – Light Pollution in Italy (lightpollution.it, mit Übersichtskarte)
  30. heise.de: Kampf um die Schönheit der Nacht
  31. 4165. Uredba o spremembah in dopolnitvah Uredbe o emisiji snovi v zrak iz malih in srednjih kurilnih naprav, Stran 11093.Vorlage:§§/Wartung/alt-URL Uradni list RS, št. 81/2007 (i.d.g.F. online, uradni-list.si).
    Slowenisches Lichtverschmutzungsgesetz, kuffner-sternwarte.at (inhaltliche Übertragung ins Deutsche);
    Light Pollution Law of Republic Slovenia, 2007, amper.ped.muni.cz
  32. Insgesamt gab es 7828 Unterstützer/Mitzeichner. Öffentliche Petition beim Deutschen Bundestag, auf itc.napier.ac.uk
  33. hellenot.org - Über uns. Projekt schreibt Geschichte. Die Helle Not, abgerufen am 26. Oktober 2013.
  34. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Modellstadt Augsburg
  35. vergl. CIPRA, Kanton St.Gallen: Die Alpen: Quelle erneuerbarer Energie. Publikation zur Tagung «Wege zur Energiestadt» vom 3./4. Mai 2012 in St. Gallen (pdf, umwelt.sg.ch; 5,8 MB)
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