Römisch-katholische Kirche auf der Insel Irland

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Die römisch-katholische Kirche auf der Insel Irland blickt auf eine lange Geschichte zurück. Heute gehören ihr 76,7 % der Bevölkerung an, der größte Teil davon in der Republik Irland (dort 86,8 % der Bevölkerung), die übrigen im Landesteil Nordirland (dort 40,8 %) des Vereinigten Königreichs.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Die römisch-katholische Kirche in Irland führt ihre Tradition auf den hl. Patrick zurück. Im keltischen Christentum bestand im ersten Jahrtausend eine große Mönchstradition. Zahllose Klöster mit verschiedenen Ordensregeln, jedes hatte für gewöhnlich eine eigene, besiedelten das Land. Hierbei gab es einen großen Hang zur Mission, der sich durch das Opfer des heimatlichen Wegzuges erklären lässt (siehe: Wandermönch). Heilige wie Columban zogen auf das europäische Festland und gründeten neue Mönchszellen, welche zur Christianisierung Europas einen großen Beitrag leisteten. Geprägt durch einen strengen Bußcharakter, entwickelte sich hier die bis heute gebräuchliche Ohrenbeichte.

Die zahlreichen Äbte der Klöster waren zugleich Quasibischöfe, welche sich einen Weihbischof für die Pontifikalfunktionen hielten, da sie selbst zumeist keine Bischofsweihe besaßen. Erst mit der Synode von Rathbreasail im Jahr 1111 bildeten sich Diözesen im heutigen Sinne, die zumeist von ihrer Fläche eher klein waren. Zugleich verlor die irische Kirche ihre Bedeutung für die Weltkirche und erhielt diese erst durch einen neuen Missionsaufschwung im 19. Jahrhundert wieder. Zahlreiche Ordensgründungen, wovon viele in die Mission gingen, und zahlreiche Berufungen zum Priester- und Ordensleben gaben der katholischen Kirche von Irland wieder weltkirchliche Bedeutung.

Unter englischem Einfluss[Bearbeiten]

Mit der Ausbreitung Englands auf der Insel geriet die einheimische Bevölkerung immer weiter ins Hintertreffen. Bereits die Statuten von Kilkenny (1367) verboten den aus England stammenden Kolonisten die Übernahme irischer Gebräuche und auch die Heirat zwischen Iren und Engländern. Die Aufnahme von Iren in Kollegiatskapitel oder Klöstern wurde untersagt. Doch hatte dieser Beschluss keine Auswirkung auf die normalen Landgeistlichen. König Heinrich III. hatte bereits im Jahre 1217 an seinen Justiziar für Irland geschrieben, dass die Berufung von Iren auf einen Bischofsstuhl nicht zuzulassen sei, da die irischen Bischöfe immer wieder Probleme bereiten. Ein Protest der irischen Geistlichkeit führte dazu, dass Papst Honorius III. das Königsdekret 1220 und 1224 für unzulässig erklärte. In den folgenden Jahren ergriff man nun in den Gebieten der irischen Fürsten ähnliche Maßnahmen und verbot den Kapiteln und Klöstern die Aufnahme von Engländern. Auch die Beziehung zwischen englischen und irischen Klerikern war alles andere als harmonisch. Lediglich ihre Loyalität zum Papst einte sie noch. Mit der Zeit zeigte sich jedoch auch dem Papst, dass eine Aussöhnung der beiden Parteien nicht möglich war. So erließ Papst Leo X. eine nationale Trennung des Stifts von St. Patrick in Dublin und sprach es den Iren zu. Engländer sollten, so der päpstliche Erlass, keine Aufnahme mehr finden.

Gab es in Irland im 13. Jahrhundert noch ein aktives Bischofswahlrecht, so bedurfte der Erwählte im frühen 14. Jahrhundert bereits der Zustimmung des Königs von England. Schon wenige Jahre später ernannte der König gänzlich frei. Die "Wahl" war lediglich noch eine Meinungsäußerung des Kapitels. Entsprechend sahen oftmals auch die Bischofsernennungen aus. Die Kandidaten hatten ein größeres Interesse an einer politischen Karriere, denn an der Leitung ihres Bistums. Oftmals hielten die Bischöfe zugleich auch hohe politische Ämter. Innerhalb ihrer Diözese war ihr Einfluss eher gering, da der Großteil der Patronate in den Händen des Adels lag, der die entsprechenden Geistlichen einsetzte. So besaß der Earl of Kildare über vierzig Patrozinien in fünf Diözesen. Wie die Bischöfe, so hielten auch viele Pfarrer keine Residenz, sondern ließen sich durch schlecht bezahlte Vikare vertreten.

Unter König Heinrich VIII. gelangte ganz Irland an England. Wie in England, so kam es nun auch in Irland zum Kampf um den Supremat und in der Folge zur Säkularisierung zahlreicher Klöster und kirchlicher Einrichtungen. Doch anders als in England, traf der König hier auf einen vehementen Widerstand. Die königlichen Reformationsversuche brachten genau das Gegenteil hervor und Bevölkerung, Klerus und Bischöfe standen fester denn je auf der Seite des Papstes.

Zur Zeit Heinrichs VIII. gab es in Irland 231 Häuser der Augustinerchorherren, 36 der Prämonstratenser, 22 der Johanniter, 14 der Trinitarier, 9 der Benediktiner, 42 der Zisterzienser, 43 der Dominikaner, 65 der Franziskaner, 26 der Augustiner, 25 der Karmeliten und 43 verschiedenartige Nonnenklöster.

König Edward VI., Heinrichs Nachfolger, versuchte nun die katholischen Gottesdienste zu unterdrücken. Hierbei wurden 1548 eigens Prediger entsandt, welche der Bevölkerung den Glauben an die Realpräsenz der Eucharistie austreiben sollte. Gleichzeitig setzten die neuen Bischöfe, welche vom König ernannt wurden, dass Book of Common Prayer durch.

Mit der Krönung von Königin Mary wurde die Katholische Kirche noch einmal in ihre alten Rechte eingesetzt und erhielt ihre Besitztümer, wie z. B. die Kathedrale von Dublin, zurück. Da sich die meisten Bischöfe als "Papstanhänger" bewiesen hatten, tauschte man nur noch die Kanoniker der zurückerstatteten Kollegiatsstifte aus. Gleichzeitig wurde das Book of Common Prayer verboten und es geschah eine Erneuerung der katholischen Religionsausübung. Zu einer Verfolgung der Protestanten kam es nicht. Da die Reform durch die Regierung erzwungen worden war, hatte sie so gut wie keine Anhänger gefunden.

Königin Elizabeth I., die ihrer Schwester 1558 auf den Thron gefolgt war, verfolgte wieder eine antikatholische Haltung. Schon bald wurden leitende Persönlichkeiten in Irland stark überwacht. Das Book of Common Prayer kam erneut in Gebrauch, durfte jedoch nur in Privathäusern verwandt werden. Erst 1560 beschloss das Parlament die allgemeine und alleinige Verwendung des Book of Common Prayer und überwies der Krone erneut die Herrschaft über die Kirche und damit auch die Ernennung der Bischöfe. Auf Zuwiderhandlung standen Geldstrafen, Haft und Tod.

Erneut stieß London an seine Grenzen. Bischöfe, Klerus und Volk leisteten Widerstand. Lediglich zwei Bischöfe beugten sich der Königin. Bischofsstühle konnte sie nicht besetzen, da sich in Irland niemand dazu bereit fand. Bei Vakanz wurden die Bischöfe nun sofort vom Papst ernannt, ohne es der Königin überhaupt mitzuteilen.

Bereits 1560 sandte Papst Pius V. eine Delegation nach Irland, die nicht nur die dortige Kirche visitieren, sondern auch die Namen würdiger Priester nach Rom senden sollte, welche im Falle einer Vakanz umgehend zu Bischöfen erhoben werden konnten. Da die theologische Ausbildung in Irland aber kaum noch möglich war, verließen viele Priesteramtskandidaten Irland und studierten in Rom (Italien), Löwen (Belgien) oder Frankreich.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Von 1937 bis 1973 genoss die Kirche eine hervorgehobene Stellung in der Verfassung der irischen Republik. Nach dem Zweiten Vatikanum hat es verschiedene Veränderungen in der Kirche gegeben. So ist normale Zivilkleidung für Priester und Ordensschwestern heute die Regel und auch viele Klöster wurden zugunsten von Niederlassungen, welche in einem Wohnhaus untergebracht sind, aufgegeben. Doch durchlebt die katholische Kirche in Irland, wie alle anderen europäischen Länder auch, zur Zeit eine Krise. Sinkende Zahlen der Gottesdienstbesucher und entsprechend sinkende Zahlen bei Priestern und Ordensleuten zeigen das Bild einer beginnenden Kirchenkrise. So verstarben 2007 160 Priester, doch gab es nur neun Priesterweihen.

Im Jahr 2009 galt die römisch-katholische Kirche in Irland als „in einer ihrer tiefsten Krisen“ befindlich:[1] Nach Veröffentlichung des Ryan-Berichtes über systematischen Missbrauch in danach „Häuser des Horrors“ genannten katholischen Schulen und Heimen zwischen 1940 und 1990 im Mai 2009[2] deckte Ende November 2009 der Murphy-Bericht einen Missbrauchsskandal der römisch-katholischen Kirche in Irland auf, der weltweit Beachtung fand und sich in die weltweiten Fälle von sexuellem Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche einreiht.[1] Daraufhin entschuldigte sich Kardinal Seán Brady, Primas von Irland und Erzbischof von Armagh, mehrmals öffentlich für den jahrzehntelangen u. a. sexuellen Missbrauch.[3]

Während der Christmette traten an Heiligabend 2009 nach öffentlichem Druck und anhaltender Kritik mit Eamonn Oliver Walsh und Raymond Field der vierte und fünfte irische Bischof zurück.[1] Diarmuid Martin, Erzbischof von Dublin, forderte daraufhin in seiner Heiligabend-Predigt, „kriminelles Verhalten“ müsse in jedem Fall verfolgt werden, die Erneuerung der Kirche müsse damit beginnen, dass die Vergangenheit „ernsthaft und brutal“ aufgeklärt werde.[1] In den Wochen zuvor waren bereits die Bischöfe Brendan Comiskey, Donal Brendan Murray und James Moriarty von ihren Ämtern zurückgetreten.[4]

Daten[Bearbeiten]

Die volkstümlich geprägte Kirche gliedert sich in vier Kirchenprovinzen, mit zusammen 26 Bistümern. In ihnen leben 4.063.000 Katholiken, 76,7 % der Bevölkerung. 3.160 Diözesan- und 1.833 Ordenspriester versorgen hier im Jahre 2002 1.367 Pfarreien, in welchen auch 8.678 Ordensschwestern leben.

Liste der Bistümer nach Kirchenprovinz[Bearbeiten]

Bischofslisten[Bearbeiten]

  1. Liste der Erzbischöfe von Armagh
  2. Liste der Erzbischöfe von Dublin
  3. Liste der Erzbischöfe von Tuam
  4. Liste der Bischöfe von Clogher
  5. Liste der Bischöfe von Clonfert
  6. Liste der Bischöfe von Raphoe
  7. Liste der Bischöfe von Waterford und Lismore

Das zentrale Organ der irischen Bischöfe ist die Irische Bischofskonferenz.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Contemporary Catholicism in Ireland: A Critical Appraisal (Taschenbuch), hrg. von John Littleton, Eamon Maher, Columbia Press, 2008, ISBN 1-85607616-4
  • Eamonn Conway: "Gute und schlechte Nachrichten. Die Kirche in Irland nach einem schwierigen Jahrzehnt" In: herder korrespondenz. monatshefte für gesellschaft und religion, ISSN 0018-0645, j. 58 (2004), n. 1, p. 11-16
  • Brian Girvin: "Church, State, and Society in Ireland since 1960" In: Éire-Ireland - Volume 43:1&2, Earrach/Samhradh / Spring/Summer 2008, pp. 74-98
  • Tom Inglis: Moral Monopoly: The Rise and Fall of the Catholic Church in Modern Ireland, Univ College Dublin Press, 2nd Revised edition, 1998, ISBN 1-90062112-6
  • Moira J. Maguire: "The changing face of catholic Ireland: Conservatism and Liberalism in the Ann Lovett and Kerry Babies Scandal" In: feminist studies. fs, ISSN 0046-3663, j. 27 (2001), n. 2, p. 335-359

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Sexueller Missbrauch durch Geistliche. Irische Bischöfe reichen Rücktritt ein (Version vom 27. Dezember 2009 im Internet Archive) In: tagesschau.de, 25. Dezember 2009.
  2. Ralf Borchard: Bericht über jahrzehntelangen Missbrauch veröffentlicht. Erschütterndes aus Irlands „Häusern des Horrors“ (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung. In: tagesschau.de, 20. Mai 2009.
  3. Martin Alioth: Skandal in Irlands Kirche. Geschlagen, gedemütigt, vergewaltigt. In: Spiegel Online, 20. Mai 2009. Untersuchungsbericht. Tausende Kinder in Heimen der irischen Kirche missbraucht. In: Spiegel Online, 20. Mai 2009. Brady calls for change of culture. In: RTÉ News, 20. Oktober 2007. Patsy McGarry: Primate urged Cardinal Connell to drop action. In: The Irish Times, 12. Februar 2008.
  4. Missbrauchsskandal. Irische Bischöfe bieten an Heiligabend Rücktritt an. In: Spiegel Online, 25. Dezember 2009.