Richterswil

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Richterswil
Wappen von Richterswil
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Horgenw
BFS-Nr.: 0138i1f3f4
Postleitzahl: 8805
UN/LOCODE: CH RIC
Koordinaten: 696001 / 22937347.2083288.705835408Koordinaten: 47° 12′ 30″ N, 8° 42′ 21″ O; CH1903: 696001 / 229373
Höhe: 408 m ü. M.
Fläche: 7.54 km²
Einwohner: i12'832 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 1702 Einw. pro km²
Website: www.richterswil.ch
Aussicht von Feusisberg auf Richterswil, im Hintergrund Horgen und die Halbinsel Au

Aussicht von Feusisberg auf Richterswil, im Hintergrund Horgen und die Halbinsel Au

Karte
Ufenau Lützelau Zürichsee Greifensee Sihlsee Teufenbachweiher Horgnerbergweiher Ausee ZH Türlersee Zugersee Kanton Schwyz Kanton St. Gallen Kanton Zug Bezirk Affoltern Bezirk Dietikon Bezirk Hinwil Bezirk Meilen Bezirk Uster Bezirk Zürich Adliswil Hirzel Horgen Hütten ZH Kilchberg ZH Langnau am Albis Oberrieden ZH Richterswil Rüschlikon Schönenberg ZH Thalwil WädenswilKarte von Richterswil
Über dieses Bild
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Richterswil, im Volksmund „Richti“ genannt, ist eine politische Gemeinde im Bezirk Horgen des Kantons Zürich in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Uferanlagen, Hafen und Bahnhofsbereich, im Vordergrund die Insel Schönenwirt

Die Gemeinde Richterswil liegt zwischen dem süd-westlichen linken Ufer des Zürichsees und der Hügelkette der Höhronen an der Grenze zum Kanton Schwyz. Die Gemeindefläche umfasst 755 Hektaren und erstreckt sich von 408 m.ü.M. (Zürichsee) bis 725 m.ü.M. (Hüttnersee). Die Distanz zu Zürich beträgt rund 25 Kilometer (Luftlinie).

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Richterswil, Burghalden und Samstagern. Nachbargemeinden Richterswils sind Wädenswil, Schönenberg und Hütten, sowie Wollerau. [2]

Flächennutzung[Bearbeiten]

Im Jahr 2007 bestand die Gemeindefläche von 755 Hektaren zu 50.7% aus Landwirtschafts- und zu 30.5% aus Siedlungsfläche. Historisch betrachtet bedeutet das einen Rückgang der Landwirtschaftsfläche zugunsten der Siedlungsfläche seit 1983 um rund 8%. Der Anteil stehender und fliessender Gewässer an der Gesamtfläche (ohne Zürichsee) beträgt 0.7%, während die bestockte Fläche (d.h. Wald, Gehölz) 7.2% ausmacht. 10.7% der Fläche entfällt auf Verkehrsflächen. Im Jahr 2012 umfassten die Bauzonen 34.6% der Gesamtfläche.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Ende 2013 zählte Richterswil 12'999 Einwohener. Von den Ende 2012 ansässigen Bewohnern (12'781) lebten 9756 Richterswil und 3025 in Samstagern.[4]

  • Bevölkerungsdichte: 1698.7 Einw./km2
  • Anzahl Haushalte: 4452 (Stand: 2000)
  • Konfessionszugehörigkeit: 35,4 % evangelisch-reformiert, 31,6 % römisch-katholisch, 33,0 % andere oder keine konfessionelle Zugehörigkeit (Stand: 2012)[5]

Historische Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1634 1850 1920 1940 1970 1990 2010 2013
Einwohnerzahl 893 3203 4527 4554 7380 9882 12336 12999

Politik[Bearbeiten]

Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Er besteht aus neun Mitgliedern und führt die Geschäfte der politischen Gemeinde. Vorsitzender des Gemeinderats ist der Gemeindepräsident. Die Legislative bildet die Gemeindeversammlung, die de jure aus der Gesamtheit aller stimmberechtigten SchweizerbürgerInnen besteht. Sie findet mindestens zweimal jährlich statt: Als Rechnungs-Gemeindeversammlung im Juni und als Budget-Gemeindeversammlung im Dezember. Dem Gemeinderat bleibt es vorbehalten, weitere Versammlungen einzuberufen, sollten genügend Geschäfte vorliegen.

Der aktuelle Gemeinderat setzt sich wie folgt zusammen (Stand 2014): Als Gemeindepräsident amtiert Hans Jörg Huber (FDP), die weiteren Mitglieder sind - in alphabetischer Reihenfolge - Ivo Beeler (FDP), Bernadette Dubs (SP), Hansjörg Germann (CVP), Ruedi Reichmuth (parteilos), Christian Stalder (SVP), Melanie Züger (FDP), Marcel Tanner (FDP) und Markus Oertle (SP).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde Richterswil ist bahnverkehrstechnisch durch die Anbindung an das Netz der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und der Schweizerischen Südostbahn (SOB) erschlossen. Die Autobahn A3 Zürich–Chur erschliesst Richterswil für den Individualverkehr. Richterswil hat zudem eine Schiffanlegestelle der Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft (ZSG).

In Richterswil gibt es vier Bahnhöfe (Richterswil, Samstagern, Burghalden, Grüenfeld), die von vier S-Bahn-Linien des Zürcher Verkehrsverbunds erschlossen werden. Der Bahnhof Richterswil liegt an der Bahnlinie ZürichChur (SBB), die Bahnhöfe Samstagern und Burghalden sowie die Haltestelle Grüenfeld liegen an der Linie WädenswilEinsiedeln (SOB):


Innerhalb der Gemeinde verbindet die Buslinie 170 die Ortsteile Richterswil, Burghalden und Samstagern. Zudem verkehren die Buslinien 175 und 176 zwischen Richterswil und Wollerau sowie die Linie 189 zwischen Richterswil und Pfäffikon SZ; zwischen Samstagern und Pfäffikon SZ verkehrt die Postauto-Linie 180.


Geschichte[Bearbeiten]

Richterswil 1793, auf einem Stich von Heinrich Brupbacher
Bahnhof Richterswil

Zwischen 700–900 n. Chr. liess sich der Alemanne Richtilo auf dem heutigen Gemeindegebiet von Richterswil nieder. Erstmals urkundlich erwähnt wird Richtliwile im Jahre 1265.

Am Ende des 18. Jahrhunderts residierten bekannte Persönlichkeiten wie Goethe und Lavater beim Richterswiler Arzt Dr. Johannes Hotze.[6]

Dank der Hilfe der Truppen von Napoleon konnte sich Richterswil während der französischen Revolution (Helvetische Republik) von der Herrschaft der Stadt Zürich befreien und wurde eine eigenständige Gemeinde mit dannzumal 2463 Einwohnern. Einige Jahre später wurde Richterswil dem Bezirk Horgen zugewiesen.

Im Jahre 1848 kaufte Richterswil vom Kloster Einsiedeln für 100 Schweizer Franken die ufernahe Insel Schönenwirt in der Bucht zwischen Richterswil und Bäch. Sie ist neben der Ufenau und Lützelau die kleinste der drei Zürichseeinseln. Der historische Kaufbrief wird im Gemeindearchiv aufbewahrt.

1873 erhielt Seidenfabrikant Rudolf Zinggeler-Syfrig (1819–1897) die Nutzungsrechte des Mülibaches für den Antrieb seiner Zwirnereimaschinen. Oberhalb Richterswil entstand durch Aufstauung des Mülibaches der Sternenweiher. Eine zwei Kilometer lange Druckleitung führte das Wasser bis zum Zürichsee hinunter, wo es in der Zwirnerei Zinggelers eine Wasserturbine antrieb. Zur Belustigung und als Symbol der Industrialisierung liess der Fabrikant an Festtagen, wie dem 1. August, das Wasser durch eine Düse emporsteigen. Ein Springbrunnen mit einer Höhe von 80 bis 85 Meter entstand. Diese Fontäne galt lange als die höchste des Kontinents. 1972 wurde die Kraftanlage ausser Betrieb gesetzt und damit auch die Fontäne. Die Reaktivierung der Fontäne wurde 2007 realisiert. Die erste Wiederinbetriebnahme fand am 8./9. Dezember 2007 statt. Dabei wurde der eigens für die Fontäne komponierte Marsch Fontane vive vom Musikverein Richterswil/Samstagern uraufgeführt.[7] Die Fabrik von Rudolf Zinggeler wurde am 10. Juni 2010 durch einen Brand zerstört.

1893 wurde das Spital Richterswil erbaut, welches seit 1994 unter dem Namen Paracelsus-Spital als anthroposophische Klinik geführt wird. 1905 wurde die neue reformierte Kirche, 1914 die katholische Kirche eingeweiht. 1975 wurde der historische Dorfkern von Richterswil als schützenswert erklärt.[8] 1992 erhielt der Bahnhof Richterswil den internationalen "Brunel Award" in der Kategorie For outstanding visual design in public railway transport.


Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Gold ein roter Pfahl

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ruine Alt-Wädenswil

Richterswil birgt mehrere Aussichtspunkte mit Ausblick auf den Zürichsee, die Inseln Ufenau, Lützelau und Schönenwirt und auf die Vorläufer der Glarner- und Appenzelleralpen. Der wohl bekannteste Ausblicksplatz trägt den Namen seines Verehres Gottfried Keller. Als reizvoll gelten auch die Uferanlagen (Halbinsel Horn, Zürichseeinsel „Schönenwirt“) und die Moränenlandschaft im Richterswiler Berg.

Richterswil verfügt über einen malerischen Dorfkern mit vielen gut erhaltenen Fachwerkhäusern sowie über ein denkmalgeschütztes Bahnhofsgebäude. Der Gasthof „Drei Könige“, welcher von der einst grossen Bedeutung Richterswils als Pilgerdurchgangsort (Wallfahrten nach Einsiedeln) zeugt. Die Reformierte Kirche Richterswil und die Katholische Kirche Richterswil sind gute Beispiele für die Sakralarchitektur in der Spätphase des Historismus. In Samstagern befindet sich eine Kapelle der katholischen Kirchgemeinde.

Ebenfalls auf dem Gemeindegebiet befindet sich die Burgruine Alt-Wädenswil, die grösste Festungsruine im Kanton Zürich. Unweit des malerischen Sternensees bei Samstagern sind die Erdwälle einer der zahlreichen Schanzen im konfessionellen Grenzgebiet zur katholischen Zentralschweiz erhalten. Die Schanzwerke waren in den Villmergerkriegen und im Sonderbundskrieg von Bedeutung.

Museen[Bearbeiten]

Mit dem Ortsmuseum im barocken Fachwerkhaus Bären und der Schausägerei mit Museum in der Sagi Samstagern verfügt die Gemeinde über zwei Museen.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Höhepunkte im Dorfleben sind die Chilbi (Kirchweih) und die Räbechilbi am zweiten Samstag im November. Nicht zu vergessen ist die "Haaggeri" im Dorfteil Samstagern, der jeweils in der anderletzten Werchnacht (vorletzten Werknacht) des Jahres in Gruppen von etwa vier bis acht ledigen Burschen gehuldigt wird. Dabei geht es nach alter Tradition um das Austreiben von bösen Geistern mit Geisseln, Glocken und dem "Haaggeri", einem geschnitzten Pferdekopf, mit dem an den Fenstern der Bauernhäuser um Geld gebettelt wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johann Konrad Friedrich von Hotze (1739–1799), österreichischer General. Geboren in Richterswil.
  • Jakob Braendlin-Näf (1775–1845), Textiltechniker und -unternehmer. Geboren in Richterswil.
  • Johann Jakob Staub (1783–1852), Schneidermeister in Paris. Geboren in Richterswil.
  • Johannes Wild (1814–1894), Ingenieur und Kartograph. Geboren und gestorben in Richterswil.
  • Johann Jakob Treichler (1822–1906), Rechtswissenschaftler und Politiker. Geburts- und Bürgerort ist Richterswil.
  • Heinrich Landis (1833–1815) Kaufmann und Politiker. Geboren und gestorben in, Bürger von Richterswil.
  • Heinrich Landis (1879–1922), Elektrotechniker und Unternehmer. Geboren in Richterswil.
  • Paul Burkhard (1888–1964), Bildhauer und Zeichner. Geboren in Richterswil.
  • Hans Streuli (1892–1970), Architekt und Politiker (FDP), Bundesrat. 1928 bis 1935 Gemeindepräsident in Richterswil.
  • Eduard Fueter (1908–1970), Historiker. Gestorben in Richterswil.
  • Bernhard von Arx (1924–2012), Schriftsteller. Lebte in Richterswil.
  • Hans Peter Treichler (* 1941), Journalist, Volkslied und Chanson-Interpret. Lebt in Richterswil.
  • Fredy Staub (* 1952), Theologe. Geboren in Richterswil.
  • Ancillo Canepa (* 1953), Manager. Geboren in Richterswil.
  • André Blattmann (* 1956), Divisionär und Chef der Schweizer Armee. Geboren in Richterswil.
  • Alex Kuprecht (* 1957), Politiker (SVP), Ständerat. Geboren in Richterswil.
  • Peter Walt (* 1964), Radiomoderator. Lebt in Richterswil.
  • Marcel Hähni (* 1970) Radiojournalist SRF. Lebt in Samstagern
  • Elias Schmäh (* 1986), Radrennfahrer. Geboren in Richterswil.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Peter: Von den Anfängen bis zur Reformation. (= Aus der Ortsgeschichte von Richterswil. Band 1). Verlag Buchdruckerei Richterswil, Richterswil 1975.
  • Heinrich Peter: Zweieinhalb Jahrhunderte unter der Herrschaft der Stadt Zürich: die Landvogteizeit 1550–1798. (= Aus der Ortsgeschichte von Richterswil. Band 2). Verlag Buchdruckerei Richterswil, Richterswil 1975.
  • Heinrich Peter: Die Franzosenzeit (Helvetik und Mediation). (= Aus der Ortsgeschichte von Richterswil. Band 3). Verlag Buchdruckerei Richterswil, Richterswil 1980.
  • Heinrich Peter: Der eigene Weg zur Freiheit (Restauration – Regeneration – Sonderbundkrieg). (= Aus der Ortsgeschichte von Richterswil. Band 4). Verlag Buchdruckerei Richterswil, Richterswil 1983.
  • Heinrich Peter: Politische, wirtschaftliche und bauliche Geschichte der Gemeinde. Das Dorf als Kulturzentrum. (= Aus der Ortsgeschichte von Richterswil. Band 5). Verlag Buchdruckerei Richterswil, Richterswil 1985.
  • Heinrich Peter: Geschichte der Gemeinde Richterswil: von den Anfängen bis zum Jahr 1918 und mit einem kurzen Überblick bis 1985. Sonderaufl. Verlag Buchdruckerei Richterswil, Richterswil 1986.
  • Kurt Wild: Alt-Richterswil: ein kulturgeschichtlicher Bilderbogen. Verlag Buchdruckerei Richterswil, Richterswil 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richterswil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Homepage der Gemeinde Richterswil 'Richterswil in Zahlen'. abgerufen am 23. Juli 2014
  3. Statistisches Amt des Kantons Zürich - Datenbank (Gemeindeporträts). abgerufen am 23. Juli 2014
  4. Homepage der Gemeinde Richterswil 'Richterswil in Zahlen'. abgerufen am 23. Juli 2014
  5. Statistisches Amt des Kantons Zürich - Datenbank (Gemeindeporträts). abgerufen am 16. Januar 2014
  6. Christoph Mörgeli: Hotz [Hotze], Johannes im Historischen Lexikon der Schweiz
  7. Gesellschaft historischer Springbrunnen Richterswil
  8. Schützenswerte Ortsbilder von nationaler Bedeutung. In: Verordnung über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Abgerufen am 17. April 2011.