Rudersberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Rudersberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Rudersberg
Rudersberg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rudersberg hervorgehoben
48.8855555555569.5280555555556279Koordinaten: 48° 53′ N, 9° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Rems-Murr-Kreis
Höhe: 279 m ü. NHN
Fläche: 39,37 km²
Einwohner: 11.033 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 280 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73635
Vorwahl: 07183
Kfz-Kennzeichen: WN, BK
Gemeindeschlüssel: 08 1 19 061
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Backnanger Straße 26
73635 Rudersberg
Webpräsenz: www.rudersberg.de
Bürgermeister: Martin Kaufmann (SPD)
Lage der Gemeinde Rudersberg im Rems-Murr-Kreis
Allmersbach im Tal Allmersbach im Tal Althütte Auenwald Backnang Backnang Burgstetten Fellbach Großerlach Kaisersbach Kaisersbach Kaisersbach Kaisersbach Kirchberg an der Murr Leutenbach (Württemberg) Leutenbach (Württemberg) Leutenbach (Württemberg) Murrhardt Oppenweiler Plüderhausen Plüderhausen Plüderhausen Rudersberg Schorndorf Schwaikheim Spiegelberg Sulzbach an der Murr Waiblingen Waiblingen Waiblingen Weissach im Tal Welzheim Winnenden Winterbach (Remstal) Aspach (bei Backnang) Berglen Berglen Weinstadt Kernen im Remstal Urbach (Baden-Württemberg) Alfdorf Alfdorf Korb (Württemberg) RemshaldenKarte
Über dieses Bild
Luftbild von Rudersberg

Rudersberg ist eine Gemeinde im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Rudersberg liegt am westlichen Rand des Welzheimer Waldes im Wieslauftal in 270 bis 536 Meter Höhe zwischen Schorndorf und Backnang. Das Gemeindegebiet hat Anteil an den Naturräumen Schurwald und Welzheimer Wald, Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Rudersberg gehören 29 separat gelegene Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser sowie einige Wüstungen, die wie folgt den ehemaligen Gemeinden vor der baden-württembergischen Gebietsreform der 1970er zugeordnet sind.

  • Zur ehemaligen Gemeinde Asperglen gehören das Dorf Asperglen, der Ort Krehwinkel und der Weiler Necklinsberg.
  • Zur Gemeinde Rudersberg im Gebietsstand vor der Gebietsreform der 1970er Jahre gehören die Dörfer Rudersberg, Klaffenbach, Mannenberg, Oberndorf und Zumhof, die Weiler Königsbronnhof, Steinbach und Waldenstein, die Höfe Birkenberg, Burghöfle, Buschhöfle, Edelmannshof, Grauhaldenhof, Kirchenacker, Kirschhaldenhof, Schafhaus, Schloßhöfle und Seelach und die Wohnplätze Sauerhöfle und Strümpfelhof sowie die abgegangenen Ortschaften Commenthurhof, der möglicherweise zu Rodmannsweiler gehörte, Hofstatt, Hofstetten, Ödin und Rodmannsweiler.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Schlechtbach gehören das Dorf Unterschlechtbach, die Gemeindeteile Mittelschlechtbach und Oberschlechtbach, die Weiler Lindental und Michelau, das Gehöft Kirschenwasenhof sowie die abgegangene Ortschaft Weiler.
  • Zur ehemaligen Gemeinde Steinenberg gehören das Dorf Steinenberg sowie die Weiler Obersteinenberg und Steinbruck, die allerdings nach der Gemeindereform der Stadt Welzheim zugeordnet wurden.[3]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Rudersberg grenzt (im Uhrzeigersinn) an die Gemeinden Allmersbach im Tal, Weissach im Tal, Althütte, Kaisersbach, Welzheim, Schorndorf und Berglen.

Alte Wappen der Ortsteile[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Rudersberg 1686 im Kieserschen Forstlagerbuch

Die erste urkundliche Erwähnung von Rudersberg in einer Urkunde von Papst Innozenz IV. stammt aus dem Jahre 1245.

Schlechtbach wurde 1298 als Minneslechbach im Rahmen einer Übergabe eines Hofteils an das Kloster Adelberg erwähnt. Bereits 1181 findet Diepoldus de Slechbach, ein Gefolgsmann von Kaiser Friedrich I., Erwähnung.

Steinenberg wurde im Jahre 1234 erstmals urkundlich erwähnt.

Die Ortschaften Asperglen und Krehwinkel wurden 1411 im Rahmen einer Übereignung von Gütern des württembergischen Grafen Eberhard III. an Georg von Urbach erwähnt.

Der Ortsteil Michelau liegt an der südlichen Gemeindegrenze als „Tor zur Gemeinde Rudersberg“ und wurde 1284 in einer Urkunde von Konrad von Waldenstein erstmals erwähnt. Dieser Konrad von Waldenstein war Dienstmann am kaiserlichen Hof und verspricht einem Albert von Michenlowe, dass dieser das Kloster Lorch wegen eines im Dorfe gelegenen Gutes nicht mehr anfechten wolle. Der Name Michelau stammt aus dem altdeutschen und bedeutet „Hof in der Au“. Im Jahre 1821 wurde Michelau kirchlich und schulisch der damaligen Gemeinde Steinenberg zugeordnet. Kommunalpolitisch gehörte der Ort jedoch zu Unterschlechtbach. In Michelau waren eine Mahlmühle sowie eine Ölmühle ansässig. Diese Mühlen wurden durch einen ca. 2,5 km langen Mühlbach angetrieben, dessen Wasser aus der Wieslauf entnommen wurde. Die Ölmühle dient heute als Museum.

Bis 1910 wurde in den heute zu Rudersberg gehörenden Ortschaften Weinbau betrieben. Weil die Reblaus den gesamten Rebenbestand vernichtete, wurde auf Obstbau umgestellt. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich die größten zusammenhängenden Streuobstwiesen der Region, was Rudersberg zur Gemeinde mit dem im Verhältnis höchsten Streuobstwiesenanteil Deutschlands macht.

Im Jahre 1942 übernahm die Gestapo - Stapoleitstelle Stuttgart - die Gaststätte „Zur Ritterburg“ und ließ sie zum Arbeitserziehungslager (AEL) für 140 Frauen umbauen. Unter miserablen Lebensbedingungen und Schikanen mussten sie Zwangsarbeit im Holzwerk Horn in Rudersberg, bei der Firma Bauknecht in Welzheim und in der Landwirtschaft verrichten. Nach den Bombardierungen der Polizeigefängnisse von Stuttgart war das Lager mit über 300 Personen total überbelegt. Das Lager fungierte auch als Durchgangsstation für die Deportation in Konzentrations- und Vernichtungslager wie Ravensbrück und Auschwitz.[4] Insgesamt durchliefen rund 3500 Frauen das Lager.[5] Ein Denkmal auf dem Friedhof erinnert an das Schicksal der inhaftierten Frauen.

Am 25. Februar 1972 wurde Asperglen nach Rudersberg eingemeindet. Am 1. Oktober 1972 wurden die Gemeinden Rudersberg und Steinenberg zur neuen Gemeinde Rudersberg vereinigt, die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung dieser Gemeinde mit der Gemeinde Schlechtbach (so seit dem 16. Februar 1967, vorher Unterschlechtbach) gebildet.

Im Ortsteil Waldenstein befindet sich der Rest der Burg Waldenstein, heute eine Burggaststätte.

Religionen[Bearbeiten]

Seit Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert ist Rudersberg evangelisch-lutherisch geprägt. Noch heute gibt es drei evangelische Gemeinden und ein Pfarramt im Ort. Inzwischen ist aber auch die römisch-katholische Kirche wieder mit einem Pfarramt vertreten. Zudem gibt es eine evangelisch-methodistische und eine neuapostolische Gemeinde im Ort.

Politik[Bearbeiten]

Das Rudersberger Rathaus

Gemeinderat[Bearbeiten]

In Rudersberg wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Rudersberg hat nach der letzten Wahl 27 Mitglieder (vorher 24). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem vorläufigen Ergebnis.[6] Das amtliche Endergebnis wird vom Statistischen Landesamt gegen Ende des Jahres bekannt gegeben. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
32,50 %
29,49 %
26,70 %
11,30 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,76 %p
+8,79 %p
+4,16 %p
-5,20 %p
FW Freie Wähler 32,50 9 40,26 10
RB Rudersberger Bürger 29,49 8 20,70 6
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,70 7 22,54 5
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 11,30 3 16,50 3
gesamt 100,0 27 100,0 24
Wahlbeteiligung 50,30 % 53,43 %

Ortschaftsräte[Bearbeiten]

In den Ortschaften Asperglen, Schlechtbach und Steinenberg gibt es je einen Ortschaftsrat. Die Ortsvorsteher/innen der Ortschaften Asperglen und Steinenberg arbeiten ehrenamtlich, der/die Ortsvorsteher/in von Schlechtbach ist hauptamtlich bei der Gemeinde tätig.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Rudersberg unterhält seit 1991 partnerschaftliche Beziehungen zur Stadt Ranis in Thüringen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof von Rudersberg, im Hintergrund die evangelische Stadtkirche

Rudersberg-Oberndorf ist die heutige Endhaltestelle des planmäßigen Zugverkehrs auf der 1908 bis Rudersberg eröffneten Wieslauftalbahn von Schorndorf. Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten das Rudersberger Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIb.[7] Während der Hauptverkehrszeiten verkehrt die Bahn im Halb-Stunden-Takt. Ein darauf abgestimmtes Buszubringungkonzept versorgt die nicht an der Bahnlinie liegenden Ortsteile. Die 1911 fertiggestellte und 1988 nach einem Hangrutsch gesperrte Fortführung der Bahnstrecke nach Welzheim wird seit Mai 2010 wieder an Sonn- und Feiertagen in den Sommermonaten und der Adventszeit von Touristikzügen nach einem besonderen Fahrplan befahren.[8] Die Verbindung zum überregionalen Straßennetz, B 14 in Backnang, B 29 in Schorndorf und A 81 in Mundelsheim, wird durch Landesstraßen hergestellt.

Rudersberg möchte sich neben der Gemeinde Bohmte (Niedersachsen) als eine der ersten Gemeinden in Deutschland an dem Verkehrsprojekt Shared Space beteiligen.[9]

Bildung[Bearbeiten]

Am Schulzentrum Rudersberg gibt es eine Grundschule, eine Hauptschule, eine Realschule sowie eine Förderschule. In Schlechtbach und Steinenberg gibt es jeweils eine Grundschule. Die Grundschule in Steinenberg trägt den Namen August-Lämmle-Schule.

Sport[Bearbeiten]

Der 1906 gegründete TSV Rudersberg überschritt 1986 die 1000-Mitglieder-Marke. 1919 wurde der TSV Schlechtbach gegründet, 1924 der TSV Oberndorf. Die SF Steinenberg haben rund 650 Mitglieder (2008).

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Weru AG, Hersteller von Fenstern und Türen mit 800 Mitarbeitern und einem Umsatz von 110 Millionen € (2007)[10]
  • Adolf Föhl GmbH + Co KG, Druckguss - und Spritzgusshersteller mit 401 Mitarbeitern (2012) und einem Umsatz von 63,3 Millionen € (2011)[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

In Rudersberg gibt es ein Heimatmuseum. Im Ortsteil Michelau ist die Ölmühle zum Museum ausgebaut.

Wieslauftalbahn[Bearbeiten]

Der Verein DBK Historische Bahn führt an Sonn- und Feiertagen in den Sommermonaten Sonderfahrten mit historischen Zügen auf der Wieslauftalbahn Schorndorf–Welzheim durch.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Maitreff – Tag der offenen Türe der Rudersberger Unternehmen
  • Rudersberger Motocross – auf der Rennstrecke am Königsbronnhof
  • Apfelmarkt – Tag der offenen Türe der Rudersberger Unternehmen rund ums Thema Apfel (immer am 3. Oktober)
  • Adventswald – Weihnachtsmarkt im Zentrum Rudersbergs

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Weitere Personen[Bearbeiten]

  • Karl Buck (1894–1977), SS-Hauptsturmführer, Kommandant von mehreren KZ, lebte von 1955 bis zu seinem Tod in Rudersberg.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudersberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 540–544
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 73, ISBN 3-89331-208-0
  5. Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart 2013, 2. Aufl. ISBN 3-89657-145-1, S. 154ff.
  6. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  7.  Rainer Stein: Der württembergische Einheitsbahnhof auf Nebenbahnen. In: Eisenbahn-Journal Württemberg-Report. Band 1, Nr. V/96, Merker, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-96-0, S. 80–83.
  8. http://www.schwaebische-waldbahn.de
  9. Shared Space in Rudersberg, Website der Gemeinde Rudersberg
  10. Unternehmensdarstellung WERU
  11. Unternehmensdarstellung Föhl
  • Ackermann, Gotthilf: Auswanderer der Gemeinde Unterschlechtbach. Ein Beitrag zum Schwäbischen Weltwanderbuch. Unterschlechtbach 1936.