The Artist (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel The Artist
Originaltitel The Artist
The-Artist-Logo.svg
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Englisch
(Zwischentitel und gesprochener Dialog am Ende des Films)
Erscheinungsjahr 2011
Länge 100 Minuten
Altersfreigabe FSK 6[1]
JMK 6[2]
Stab
Regie Michel Hazanavicius
Drehbuch Michel Hazanavicius
Produktion Thomas Langmann
Musik Ludovic Bource
Kamera Guillaume Schiffman
Schnitt Anne-Sophie Bion,
Michel Hazanavicius
Besetzung

The Artist (dt. „Der Künstler“) ist ein Spielfilm des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius aus dem Jahr 2011. Die Tragikomödie spielt zwischen 1927 und 1932 in Hollywood und erzählt die gegenläufige Erfolgsgeschichte zweier Leinwandstars (dargestellt von den französischen Schauspielern Jean Dujardin und Bérénice Bejo) in der Übergangsphase vom Stumm- zum Tonfilm. Hazanavicius konzipierte den Film in 4:3 (Academy-Format) in Schwarzweiß-Bildern mit Zwischentiteln und so gut wie keinem gesprochenen Text.

The Artist wurde am 15. Mai 2011 bei den 64. Internationalen Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt und startete am 12. Oktober 2011 in den französischen Kinos. Von der internationalen Fachkritik überwiegend als brillante Hommage an das alte Hollywood bzw. als Liebeserklärung ans Filmemachen verstanden, gewann The Artist mehr als 30 internationale Filmpreise, darunter 2012 fünf Oscars (u. a. als „Bester Film“), drei Golden Globe Awards, sieben BAFTA Awards und sechs Césars. Deutscher Kinostart war der 26. Januar 2012.

Handlung[Bearbeiten]

Hollywood im Jahr 1927: Der Stummfilmschauspieler George Valentin ist der umjubelte Star der Kinograph Studios. Nach der Uraufführung seines neusten Films A Russian Affair, in dem er mit seinem dressierten Jack Russell TerrierJack“ auftritt, stößt er im Gedränge vor dem Premierenkino mit seinem Fan Peppy Miller zusammen. Der zuerst verärgert wirkende Valentin löst die für Peppy peinliche Situation scherzhaft auf und posiert mit ihr vor den Fotografen.Schließlich küsst die junge Frau den Schauspieler auf die Wange. Dieses Foto erscheint am nächsten Tag auf der Titelseite des Branchenblatts Variety, sehr zum Missfallen von Valentins Ehefrau Doris und des Filmproduzenten Al Zimmer.

Angespornt durch den plötzlichen Ruhm begibt sich Peppy zu den Kinograph Studios, wo sie als Statistin für Valentins neuesten Film A German Affair engagiert wird. Valentin wird auf Peppy aufmerksam, als sie hinter einer Abschirmung Tanzschritte einstudiert. Als Produzent Al Zimmer das Mädchen von der Titelseite wiedererkennt, will er es fortschicken. Valentin setzt sich aber für Peppy ein und sie darf in einer Tanzszene als Statistin mitwirken. Nach den Dreharbeiten schleicht sie sich in Valentins Garderobe, schreibt ein „Thank You!“ auf seinen Wandspiegel und umarmt aus Sehnsucht nach dem Star seinen am Kleiderständer hängenden Mantel. Valentin beobachtet diese Szene, ist gerührt und weiht Peppy in das Geheimnis des Erfolgs ein – sie müsse aus der Masse herausstechen. Er malt ihr daraufhin einen Schönheitsfleck über die Oberlippe. Das intime Zusammentreffen der beiden wird jedoch durch Valentins treuen Chauffeur Clifton unterbrochen und Peppy schleicht sich unbemerkt fort.

Während sich Peppy in den nächsten Jahren mit ihrem neuen Markenzeichen – dem künstlichen Schönheitsfleck – von Statisten- zu Nebenrollen empor spielt, kommt es 1929 zum Bruch zwischen Valentin und Al Zimmer, der nur noch auf Tonfilme setzt. Valentin produziert daraufhin einen eigenen Stummfilm, den kostspieligen Abenteuerfilm Tears of Love, der zum Flop an den Kinokassen gerät. Peppy Millers am gleichen Tag, dem 25. Oktober, startender Tonfilm Beauty Spot wird dagegen zum Publikumserfolg. Noch am selben Abend teilt Valentins Frau ihm mit, dass sie sich von ihm trennt und er das Haus binnen zwei Wochen zu verlassen hat. Obwohl Peppy noch immer etwas für Valentin empfindet, wird ihr Verhältnis durch ein Radiointerview in einem Restaurant getrübt, in dem sie das Publikum zum Wechsel auf den Tonfilm auffordert („Out with the old, in with the new“). Der zufällig ebenfalls anwesende Valentin ist in seinem Stolz gekränkt und verlässt daraufhin das Restaurant. Peppy sieht sich kurz darauf dennoch als eine der wenigen Zuschauer Tears of Love an, der sie sehr berührt.

Zwei Jahre später lebt Valentin, vom Publikum vergessen und dem Alkohol zugetan, gemeinsam mit seinem Chauffeur Clifton und seinem Hund in einer kleinen Wohnung. Sein Geld hat er in seinem Filmprojekt und dem großen Börsencrash von 1929 verloren. Einen Großteil seines Besitzes hat er auf einer Auktion veräußert. Valentin entlässt Clifton, dem er schon lange kein Gehalt mehr zahlen kann, und schenkt ihm als Ersatz sein Auto. Betrunken zündet er seine alten Filmrollen an, wodurch ein Wohnungsbrand ausgelöst wird. Er wird aber von seinem treu ergebenen Hund gerettet, der einen Polizisten zu Hilfe holt. Peppy Miller, die Valentins Lebensweg stets verfolgt hat und zum neuen Star der Kinograph Studios aufgestiegen ist, erfährt von dem Zwischenfall. Sie eilt sofort an Valentins Krankenbett und stellt fest, dass dieser als einzige Filmrolle das Material ihres gemeinsamen Filmes A German Affair vor den Flammen bewahrt hat. Peppy beschließt daraufhin, Valentin zu sich zu nehmen und sich um ihn zu kümmern. Auch ringt sie Al Zimmer das Versprechen ab, Valentin in einem Tonfilm auftreten zu lassen.

Während Peppy bei Dreharbeiten ist, stößt Valentin in ihrer luxuriösen Villa auf seinen gesamten Besitzstand, den die Schauspielerin mit Hilfe ihrer Dienstboten bei der Auktion erworben hatte. In seinem Stolz verletzt, kehrt Valentin in sein abgebranntes Appartement zurück, um sich mit einem Revolver das Leben zu nehmen. Peppy eilt ihm, vom Filmset kommend, mit dem Wagen nach. Als sich Valentin die Pistole in den Mund steckt und ein Zwischentitel „Päng!“ verkündet, ist Peppy mit dem Wagen gegen einen Baum direkt vor Valentins Haus geprallt. Sie klettert unverletzt aus dem beschädigten Fahrzeug und eilt zu Valentin, der, durch den Verkehrsunfall aufgeschreckt, seine Selbstmordabsicht aufgegeben hat. Peppy berichtet ihm vom neuen Filmangebot, das Valentin aber skeptisch beurteilt. Seiner Meinung nach wolle ihn das Publikum nicht „sprechen sehen“. Peppy überredet Valentin jedoch erfolgreich, mit ihr als Stepptanz-Duo (in choreographisch deutlicher Anlehnung an Fred Astaire und Ginger Rogers) in einem Tanzfilm zu erscheinen, in dem er nicht sprechen muss.

Das Paar wird von Produzent Al Zimmer als nächste Unterhaltungssensation gefeiert. Als ihre Tanznummer am Set beendet ist, wird The Artist in der Schlussminute zum Tonfilm: Auf Zimmers „Perfekt! Kriegen wir das noch einmal?“ folgt Valentins erster und einziger hörbarer Satz: „Mit Vergnügen!“

Soundtracks[Bearbeiten]

Die Musik wurde von Ludovic Bource interpretiert.

Nr. Titel
1. The Artist Ouverture
2. 1927 A Russian Affair
3. George Valentin
4. Pretty Peppy
5. At the Kinograph Studios
6. Fantaisie D'amour
7. Waltz for Peppy
8. Silent Rumble
9. 1929
10. In the Stairs
11. The Sound of Tears
12. Comme Une Rosée De La
13. 1931
14. Jungle Bar
15. L'ombre Des Flammes
16. Happy Ending ...
17. Charming Blackmail
18. Ghosts from the Past
19. My Suicide 03.29.1967
20. Peppy and George

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius

Regisseur Michel Hazanavicius hatte bereits Anfang der 2000er Jahre geplant, ein solches Filmprojekt zu realisieren, war jedoch laut eigenen Angaben mit seinem Vorschlag nicht ernst genommen worden. Erst nach den Erfolgen seiner beiden Agenten-Parodien OSS 117 – Der Spion, der sich liebte (2006) und OSS 117 – Er selbst ist sich genug (2009) mit Jean Dujardin in der Hauptrolle, zeigte sich Produzent Thomas Langmann bereit, das Filmprojekt zu unterstützen. Hazanavicius hatte ursprünglich damit geliebäugelt, einen Agentenfilm im Stile von Fritz Langs Spione (1928) zu drehen, wollte sich dann aber doch von den OSS-Filmen lösen und ernsthafte Themen anschneiden. Gleichzeitig plante Hazanavicius, erneut mit seiner Lebensgefährtin Bérénice Bejo und Dujardin zusammenzuarbeiten, die in dem ersten OSS-Film eine tragende Rolle bekleidet hatte. Daraufhin entwarf er die Geschichte des Zusammentreffens zwischen einen Stummfilmstar und einem jungen Starlet und legte diese als Melodram an.[3]

In Vorbereitung auf das Drehbuch, das über 124 Szenen verfügt und das er innerhalb von vier Monaten verfasste, sah Hazanavicius laut eigenen Angaben 150 Stummfilme.[4] Neben Sunrise sei er auch von Murnaus City Girl, den Filmen von Frank Borzage sowie King Vidors The Crowd inspiriert worden.[5] Ebenfalls gäbe es laut Hazanavicius Nachklänge von Douglas Fairbanks, Gloria Swanson, Joan Crawford und entfernt der Geschichte von Greta Garbo und John Gilbert.[6] Beim Schreiben orientierte er sich auch am Hays Code, der früher auf die moralisch akzeptable Darstellung von unter anderem Sexualität in US-amerikanischen Spielfilmen Wert legte. „Menschen küssten sich nicht, es gibt kein Geküsse in meinem Film, die Tanzszenen sind die Liebesszenen.“, so der Regisseur.[7] Etwa zehn bis zwölf Filme wählte Hazanavicius als Bezugspunkte aus, die er an das Filmteam weitergab.[4] U. a. machte er keinen Hehl daraus, die komplette Frühstückssequenz aus Orson Welles Citizen Kane entnommen zu haben.[8][9]

The Artist wurde in 35 Tagen an Originalschauplätzen in Hollywood abgedreht.[10] Als Drehorte wurden u. a. die Filmstudios der Paramount Pictures und von Warner Bros. ausgewählt. Für Peppy Millers Haus und Schlafzimmer diente das Originalanwesen der früheren Hollywood-Schauspielerin Mary Pickford.[11] Um die Schauspieler, die ohne Text agieren mussten, auf die Szenen einzustimmen, ließ Hazanavicius am Filmset u. a. Musik von Bernard Herrmann, Max Steiner (Boulevard der Dämmerung), Franz Waxman, George Gershwin, Cole Porter, Marvin Hamlisch (So wie wir waren) oder Philippe Sarde (Die Dinge des Lebens) auflegen. Auch verwendete er die bereits für den Film komponierte Musik von Ludovic Bource, um Emotionen hervorzurufen.[12] Bource spielte seine Kompositionen mit dem 80 Musiker umfassenden Brussels Philharmonic ein. Dennoch enthält der Film auch bereits zuvor veröffentlichte Musik – Der „Jubilee Stomp“ stammt ursprünglich von Duke Ellington, Estancia Op. 8 von Alberto Ginastera. „Pennies from Heaven“, die Titelmelodie aus dem gleichnamigen Film stammt von Arthur Johnston und Johnny Burke und wurde bei der Oscarverleihung 1937 als bester Filmsong nominiert. Im Finale des Films wird Bernard Herrmanns Thema aus Alfred Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958) zitiert, das ursprünglich nur als Übergangslösung gedacht war.[13]

Obwohl als Schwarzweißfilm konzipiert, verwendete Kameramann Guillaume Schiffman für den Dreh körnigeren 500 ASA Farbfilm und moderne Kameras. Er verstärkte den Glanz mit zusätzlichen Filtern, durch die sich die Weißtöne mehr verteilen und das Schwarz mehr Kraft bekommen konnte. Ebenfalls wurden bei den Dreharbeiten Spezialoptiken mit Linsen ohne Anti-Reflex-Schichten und wesentlich stärkere Scheinwerfer als aus den 1950er und 1960er Jahren verwendet.[14]

Der Film wurde von La Petite Reine produziert. Die Kosten lagen bei 13,47 Mio. Euro. Als weitere Produzenten fungierten u. a. Michel Hazanavicius mit seiner Firma La Classe Américaine, France 3 und Studio 37.[15] Der Filmtitel The Artist wurde nicht vom Regisseur Michel Hazanavicius selbst, sondern vom Produzenten Thomas Langmann bestimmt. Die ursprünglichen Arbeitstitel lauteten Peppy and George, dann Beauty Spot. „Für mich ist [George Valentin] hochmütig, egoistisch, ichbezogen. Ich sehe nicht, wie er ein Künstler sein kann, aber er [Langmann] denkt, er ist ein Künstler.“, so Hazanavicius.[16]

Rezeption[Bearbeiten]

In Frankreich und in den Vereinigten Staaten[Bearbeiten]

Uraufführung beim Filmfestival von Cannes, v. l. n. r.: Filmkomponist Ludovic Bource, Regisseur Michel Hazanavicius, die Schauspieler Missi Pyle, Bérénice Bejo und Jean Dujardin, Kameramann Guillaume Schiffman und Produzent Thomas Langmann

The Artist wurde im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2011 uraufgeführt. Ursprünglich hatte der Film außer Konkurrenz gezeigt werden sollen, war aber wenige Tage vor Festivalbeginn in den offiziellen Wettbewerb um die Goldene Palme aufgenommen worden.[17] Die französische Fachpresse zählte den Film zum Favoritenkreis auf den Hauptpreis des Festivals, der aber letztendlich an den US-amerikanischen Beitrag The Tree of Life von Terrence Malick vergeben wurde.[18] Die französische Tageszeitung Le Monde lobte den ersten Teil des Films, der mit einer „aufregenden Virtuosität“ gemacht sei sowie den „besonderen Charme“ von Bérénice Bejo und die „clevere“ Filmmusik von Ludovic Bource. Der Niedergang George Valentins sei weniger überzeugend inszeniert, da mit dem langsameren Tempo keine erhöhte Intensität der Emotionen einher ginge. Jean Dujardins Spiel werde zwischen den Szenen nuancierter und realistischer.[19] In Frankreich erreichte der Film bei seinem Kinostart am 12. Oktober 2011 mit 78.000 Zuschauern allein am ersten Tag auf Anhieb Platz eins in den französischen Kinocharts und konnte mehr als eine Mio. Kinobesucher erreichen.[20]

Der US-amerikanische Branchendienst Variety beschrieb den Film ebenfalls als „Liebeserklärung an das Stummfilmkino“ und hob den Charme von Jean Dujardin hervor.[21] In den Vereinigten Staaten wurde The Artist ab 23. November 2011 in ausgewählten Kinos gezeigt, wo der Film mit The Weinstein Company auch einen einflussreichen Verleiher finden konnte. The Artist erhielt dort nahezu ausnahmslos positive bis sehr gute Kritiken.[22] Bis Februar 2012 spielte der Film weltweit 76,5 Mio. US-Dollar ein, davon 31,9 Mio. in den Vereinigten Staaten.[23]

Für eine Beschwerde seitens der US-amerikanischen Schauspielerin Kim Novak sorgte die Tatsache, dass im Finale von The Artist Herrmanns bekannte Filmmusik aus Hitchcocks Vertigo (1958) zitiert wird. Herrmann hatte einen Großteil der Musik während der Dreharbeiten von Vertigo geschrieben, bei der Novak die weibliche Hauptrolle übernommen hatte. Unter dem Titel „I want to report a rape“ („Ich möchte eine Vergewaltigung anzeigen“) buchte Novak Anfang Januar 2012 eine ganzseitige Anzeige im Branchenblatt Variety, in der sie sich beschwerte, dass ihr Werk misshandelt worden sei und die Macher von The Artist Gefühle heraufbeschwören, die sie als ihre eigenen ausgäben. Michel Hazanavicius entgegnete, sein Film sei ein Liebesbrief ans Kino und er liebe die Musik von Herrmann. Er respektiere Novak und bedauere, dass sie anderer Ansicht sei.[13]

Deutschsprachige Kritik[Bearbeiten]

The Artist war für die Cinema „rührend, charmant und voller Eleganz“ und einer der schönsten Filme des Kinojahres,[24] für die Neue Zürcher Zeitung „brillant“ und „witzigster Film seit langem“.[25] Man nannte ihn ein Vergnügen (Die Presse)[26] oder er mache das Filmvergnügen der Stummfilmzeit nachvollziehbar (Die Welt),[27] biete Momente des reinen Glücks (film-dienst)[28] oder lasse den Zuschauer sprachlos vor Glück zurück (Der Tagesspiegel).[29] Seine Auszeichnungen habe der Film gemäß taz verdient.[30] Doch der Tages-Anzeiger fand nicht alles an ihm gelungen,[31] und Ray war er „sich seines eigenen Charmes eine Spur zu gewiss“ und von der anglophonen Kritik übermäßig gefeiert.[32]

Über den „Reigen der offenen und versteckten Zitate“[33] würden sich ältere Zuschauer freuen,[24] der Film sei wie ein Bilderalbum zum wehmütigen Betrachten der Epoche.[34] Eine „hinreißende“[33] oder schöner nicht denkbare[25] Liebeserklärung an das klassische Hollywood sei das, eine meisterliche[33] oder „souverän gemeisterte, stimmige“ Hommage.[30] The Artist begegne dem Stummfilm mit Verehrung und einem Augenzwinkern: „Das eine wäre bloß museal, das andere nur ein Spaß; beides zusammen ist unwiderstehlich.“[33]

Er sei wie ein „enzyklopädisches Archiv der elaborierten Erzähltechniken dieser Phase“, die er konsequent ausschöpfe,[30] „bedient sich schamlos bei den Klassikern […] und schafft ein Meta-Genre, an dem alles künstlich und perfekt scheint.“[26] Ahme er laut Ray raffiniert die „verlorene Ästhetik“ des Stummfilms nach,[32] sah der film-dienst keine Nachahmung, sondern lobte den Charme eines Meta-Films.[28] Die Welt: „Wie geschmeidig Bildeinfälle, Schauspielstil und die überragende Musik von Ludovic Bource ineinandergreifen, wie dabei der Bogen von der luftigsten, illustrativen Verspieltheit hin zur expressiv verdüsterten Welt Fritz Langs oder Friedrich Wilhelm Murnaus gespannt ist, wie stimmig und unangestrengt alle Film- und Musikzitate diesen Stummfilm aus dem Jahr 2011 umarmen anstatt erdrücken: Es ist ein regressives, niemals aber dümmliches Kinoglück.“[27] Die Zeit nannte Hazanavicius’ Film „ein Kunstwerk, dessen Größe darin besteht, den Stummfilm nicht als Beschränkung, sondern als vollkommen entstaubte Bühne einer uralten und ewig neuen Geschichte zu begreifen.“[35] Die Ausdrucksform des Stummfilms erzähle „beredter und ergreifender“ als das Gros der Gegenwartsfilme,[27] alle Stilmittel „strotzen nur so vor Ausdruckslust.“[28] Dabei dosierten die Darsteller die Stumfilm-Mimik und -Gestik so, dass sie nicht lächerlich oder albern wirkten.[27][36] Hingegen störte sich der Tages-Anzeiger an der „arg plumpen“ Symbolik,[31] und Ray bemerkte über den Film: „Für ihn ist das Schweigen doch nur Silber. The Artist ist ein falscher Stummfilm: einer, der zum Ton drängt.“[32]

The Artist handle von einer technologischen Übergangszeit und daher auch von der Gegenwart.[34] Anders als Singin’ in the Rain, das die Ablösung des Stumm- durch den Tonfilm begrüßte, stehe The Artist auf der Seite des Untergegangenen.[28] In der Zeit hieß es: „Der, der sich auf seinem Ruhm zu lange ausgeruht hat, muss seinen Platz räumen und fällt aus der Gesellschaft; die, die sich in die neue Welt am schnellsten einfindet, wird ihn ersetzen. Es sind die Grundkoordinaten unseres kapitalistischen Gesellschaftssystems, die Michel Hazanavicius verspielt verfremdet.“[35] Viele Kritiker befanden, dass das Werk in einer Zeit, in der Filme von Computertechnik, 3D und Motion Capture geprägt sind, aufzeige, dass der Reiz des Kinos und seine Fähigkeit zur Verzauberung nicht in solcher Technik liege.[25][26][33][34][35] Hazanavicius setze darauf, „dass sich Hollywood beim Betrachten dieser Jugendbilder heute etwas aufgedunsen, träge und saturiert vorkommt“.[34]

Teils lobten die Kritiker die Fülle an Ideen,[25][28][35] teils erklärten sie die Handlung für einfach und „massentauglich“[26] oder einfach und „nicht ganz neu“.[31] Die Ausstattung sei „meisterhaft“[36] oder „akkurat nachempfunden“,[29] die „exquisiten“ Bilder[31] eine Meisterleistung[25] in schönstem[30] oder „kostbar funkelndem“ Schwarzweiß.[27] Die Schauspieler bewiesen großes Talent,[25] und der Hund sei „sensationell“.[26] Man lobte Dujardins Mimik,[29] sein unwiderstehliches Gesicht,[37] und seinen Charme.[31][35] Nach den OSS-117-Filmen beweise er erneut, dass er ein charismatisches Idol spielen könne.[37] Er und Bérénice Bejo ergänzten sich perfekt.[35] Vielfach erwähnt wurde die Szene in der Garderobe, in der Bejo pantomimisch mit Valentins Mantel spielt, als „ein Bild der Hingabe und des Verliebtseins“,[35] zum Heulen schön[31] oder „hinreißend“.[29] Der Tages-Anzeiger bemängelte allerdings, Bejo „ist zwar lustig und schön, sieht aber schlicht zu modern (und zu dünn) aus für einen Stummfilmstar.“[31]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Jean Dujardin in Cannes (2011)

The Artist konkurrierte bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2011 im Wettbewerb und gewann den Darstellerpreis für Jean Dujardin. Bis Januar 2012 wurde Hazanavicius’ Film mit mehr als 70 internationalen Festival- und Kritikerpreisen ausgezeichnet und für über 70 weitere Auszeichnungen nominiert. Zu den gewonnenen Preisen zählen u. a. die amerikanischen New York Film Critics Circle Awards und Broadcast Film Critics Association Awards, die Oscars, Golden Globes, British Academy Film Awards und französischen Césars in den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“.

Oscars 2012

Gewonnen:

  • Bester Film
  • Beste Regie (Michel Hazanavicius)
  • Bester Hauptdarsteller (Jean Dujardin)
  • Beste Filmmusik (Ludovic Bource)
  • Bestes Kostümdesign (Mark Bridges)

Nominiert:

  • Beste Nebendarstellerin (Bérénice Bejo)
  • Bestes Original-Drehbuch
  • Bester Schnitt
  • Beste Kamera
  • Bestes Szenenbild

Golden Globes 2012

Gewonnen:

  • Bester Film – Komödie oder Musical
  • Bester Hauptdarsteller – Komödie oder Musical (Jean Dujardin)
  • Beste Filmmusik

Nominiert:

  • Beste Regie (Michel Hazanavicius)
  • Beste Nebendarstellerin (Bérénice Bejo)
  • Bestes Drehbuch

Eine Auswahl der weiteren Nominierungen und Auszeichnungen:

2011:

  • Internationale Filmfestspiele von Cannes 2011: Darstellerpreis für Jean Dujardin, „Palm Dog Award“ für Filmhund Uggie
  • Hamptons International Film Festival 2011: Publikumspreis („Best Narrative Feature“)
  • Hollywood Film Festival 2011: „Spotlight Award“ für Jean Dujardin und Bérénice Bejo
  • Festival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián 2011: Publikumspreis
  • St. Louis International Film Festival 2011: Publikumspreis („Best International Feature“)
  • New York Film Critics Circle Award 2011: Auszeichnungen für den Besten Film und für die Beste Regie
  • Europäischer Filmpreis 2011: Beste Filmmusik, Nominierungen in den Kategorien Film, Darsteller (Jean Dujardin) und Kamera
  • American Film Institute 2011: Spezialpreis
  • Boston Society of Film Critics Awards 2011: Bester Film und Beste Filmmusik
  • Chicago Film Critics Association Awards 2011: Bester Film und Bestes Originaldrehbuch
  • Detroit Film Critics Society Awards 2011: Bester Film und Beste Regie
  • Florida Film Critics Circle Awards 2011: Bestes Originaldrehbuch
  • Houston Film Critics Society Awards 2011: Beste Filmmusik
  • Oklahoma Film Critics Circle Awards 2011: Bester Film, Beste Regie und Bestes Originaldrehbuch
  • Phoenix Film Critics Society Awards 2011: Bester Film, Beste Regie, Hauptdarsteller (Jean Dujardin), Nebendarstellerin (Bérénice Bejo), Bestes Originaldrehbuch, Filmmusik, Schnitt, Kostüme
  • Satellite Awards 2011: Bestes Szenenbild
  • Washington D.C. Area Film Critics Association Awards 2011: Bester Film und Beste Filmmusik
Bérénice Bejo mit ihrem gewonnenen César (2012)

2012:

  • Alliance of Women Film Journalists 2012: Bester Film und Regie
  • Vancouver Film Critics Circle Awards 2012: Bester Film und Bestes Drehbuch
  • Broadcast Film Critics Association Awards 2012: Bester Film, Regie, Kostüme und Filmmusik
  • Denver Film Critics Society Awards 2012: Beste Regie und Filmmusik
  • Prix Lumière: Bester Film und Beste Hauptdarstellerin (Bérénice Bejo)
  • London Critics’ Circle Film Awards 2012: Bester Film, Beste Regie und Hauptdarsteller (Dujardin)
  • Producers Guild of America Award (PGA Award) 2012: Darryl F. Zanuck Award für Thomas Langmann
  • Directors Guild of America Award 2012: Beste Regie an einem Kinofilm
  • Screen Actors Guild Awards 2012: Bester Hauptdarsteller (Dujardin), Nominierungen in den Kategorien Beste Nebendarstellerin (Bejo) und Bestes Schauspielensemble
  • British Academy Film Awards 2012: Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller (Dujardin), Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Beste Filmmusik, Beste Kostüme, fünf weitere Nominierungen (Beste Hauptdarstellerin – Bejo, Bester Schnitt, Szenenbild, Kostüme, Ton, Maske)
  • César 2012: Bester Film, Beste Regie, Hauptdarstellerin (Bejo), Kamera, Filmmusik, Bestes Szenenbild, vier weitere Nominierungen (Bester Hauptdarsteller – Dujardin, Bestes Originaldrehbuch, Schnitt, Kostüme)
  • Independent Spirit Awards 2012: Bester Film, Beste Regie, Hauptdarsteller (Dujardin), Kamera, eine weitere Nominierung in der Kategorie Bestes Drehbuch
  • Goldenes Halsband 2012 der Dog News Daily: Filmhund Uggie[38]
  • Europäischer Filmpreis 2012: Nominierung für den Publikumspreis

Literatur[Bearbeiten]

Gespräche[Bearbeiten]

  • Mit Michel Hazanavicius in der Welt, 25. Februar 2012, S. 25: „Beschränkungen sind unglaublich befreiend“

Kritikenspiegel[Bearbeiten]

Positiv

  • Cinema Nr. 2/2012: The Artist
  • epd Film Nr. 1/2012, S. 37, von Rudolf Worschech: The Artist
  • film-dienst Nr. 2/2012, S. 52, von Felicitas Kleiner: The Artist
  • Focus, 23. Januar 2012, S. 86, von Harald Pauli: Aus der Zeit gefallen
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2012, S. 31, von Andreas Kilb: Und eine Feder knallt auf das Parkett
  • Neue Zürcher Zeitung, 26. Januar 2012, S. 47, von Susanne Ostwald: Vom Hunde ganz zu schweigen
  • Die Presse, 25. Januar 2012, von Norbert Mayer: „The Artist“: Das große Leuchten aus Hollywoods letzten Stummfilm-Tagen
  • Der Spiegel, 23. Januar 2012, S. 125, von Lars-Olav Beier: Hollywoods Kindertage
  • Der Tagesspiegel, 25. Januar 2012, S. 19, von Christian Schröder: Das Glück des Schweigens
  • taz, 26. Januar 2012, S. 17, von Thomas Groh: Eine wahre Räuberpistole
  • Die Welt, 25. Januar 2012, S. 25, von Cosima Lutz: Verliebt in Licht und Schatten
  • Die Zeit, 26. Januar 2012, S. 57, von Kilian Trotier: Wozu noch Worte?

Eher positiv

  • Ray, Nr. 2/2012, S. 51, von Gerhard Midding: The Artist
  • Tages-Anzeiger, 26. Januar 2012, Züritipp S. 5, von Thomas Bodmer: Traum in schwarzweiss

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: The Artist (film) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 35 kB) der FSK
  2. Freigabe der Jugendmedienkommission, abgerufen am 5. Februar 2012
  3. Offizielles Presseheft (PDF-Datei; 4,70 MB) bei festival-cannes.com, S. 5–6 (abgerufen am 1. Januar 2012).
  4. a b Woodward, Adam: Michel Hazanavicius bei littlewhitelies.co.uk, 21. Dezember 2011 (abgerufen am 31. Dezember 2011).
  5. Offizielles Presseheft (PDF-Datei; 4,70 MB) bei festival-cannes.com, S. 6–8 (abgerufen am 1. Januar 2012).
  6. Offizielles Presseheft (PDF-Datei; 4,70 MB) bei festival-cannes.com, S. 8 (abgerufen am 15. Januar 2012).
  7. Interview: Michel Hazanavicius bei avclub.com, 23. November 2011 (abgerufen am 15. Januar 2012).
  8. Jeffries, Stuart: The Artist: the silent film they said no one wanted to see bei guardian.co.uk, 8. Dezember 2011 (abgerufen am 31. Dezember 2011).
  9. Emerick, Laura: A Frenchman's hooray for Hollywood. In: Chicago Sun-Times, 23. Dezember 2011, S. 6.
  10. Offizielles Presseheft (PDF-Datei; 4,70 MB) bei festival-cannes.com, S. 49 (abgerufen am 1. Januar 2012).
  11. Offizielles Presseheft (PDF-Datei; 4,70 MB) bei festival-cannes.com, S. 11–12 (abgerufen am 1. Januar 2012).
  12. Offizielles Presseheft (PDF-Datei; 4,70 MB) bei festival-cannes.com, S. 17–18 (abgerufen am 1. Januar 2012).
  13. a b Kim Novak vs. „The Artist“: Hollywood-Diva wütet gegen Oscar-Favoriten bei Spiegel Online, 10. Januar 2012 (abgerufen am 16. Januar 2012).
  14. Offizielles Presseheft (PDF-Datei; 4,70 MB) bei festival-cannes.com, S. 48 ff. (abgerufen am 6. Januar 2012).
  15. Lemercier, Fabian: Ebullition pour La conquête et le candidat Sarkozy bei cineuropa.org (abgerufen am 15. Januar 2012).
  16. Emerick, Laura: ‘The Artist’ is director’s love letter to early Hollywood, 21. Dezember 2011 (abgerufen am 15. Januar 2012).
  17. Wachthausen, Jean-Luc: Chut!. In: Le Figaro, 11. Mai 2011, Nr. 20768, S. 29.
  18. Übersicht der französischen Fachpresse bei lefilmfrancais.com (französisch; abgerufen am 16. Januar 2012).
  19. Sotinel, Thomas: Le virtuose Michel Hazanavicius pastiche le cinéma des années 1920. In: Le Monde, 17. Mai 2011, S. 25.
  20. Köhler, Margret: Robust, kreativ, solide: Zuschauerrekorde im Nachbarland Frankreich bei film-dienst.kim-info.de (abgerufen am 5. Februar 2012).
  21. The Artist. In: Variety, 23. Mai 2011, S. 16.
  22. Gemäß der Auswertung von Metacritic.com, abgerufen am 16. Januar 2012. Von den 40 berücksichtigten US-amerikanischen Filmkritiken bewerteten nach dem Auswertungsverfahren von Metacritic 39 den Film „positiv“, nur eine negativ. 13 Kritiken werden mit der Bestnote 100, sechs Kritiken mit 90 oder mehr Punkten, 16 mit 80 und mehr Punkten, vier mit 70 und mehr Punkten, eine mit 78 Punkten dargestellt.
  23. Profil bei boxofficemojo.com (englisch; abgerufen am 26. Februar 2012).
  24. a b Cinema Nr. 2/2012: The Artist
  25. a b c d e f Susanne Ostwald: Vom Hunde ganz zu schweigen. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. Januar 2012, S. 47
  26. a b c d e Norbert Mayer: „The Artist“: Das große Leuchten aus Hollywoods letzten Stummfilm-Tagen. In: Die Presse, 25. Januar 2012
  27. a b c d e Cosima Lutz: Verliebt in Licht und Schatten. In: Die Welt, 25. Januar 2012, S. 25
  28. a b c d e Felicitas Kleiner: The Artist. In: film-dienst Nr. 2/2012, S. 52
  29. a b c d Christian Schröder: Das Glück des Schweigens. In: Der Tagesspiegel, 25. Januar 2012, S. 19
  30. a b c d Thomas Groh: Eine wahre Räuberpistole. In: taz, 26. Januar 2012, S. 17
  31. a b c d e f g Thomas Bodmer: Traum in schwarzweiss. In: Tages-Anzeiger, 26. Januar 2012, Züritipp S. 5
  32. a b c Gerhard Midding: The Artist. In: Ray, Nr. 2/2012, S. 51
  33. a b c d e Andreas Kilb: Und eine Feder knallt auf das Parkett. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2012, S. 31
  34. a b c d Lars-Olav Beier: Hollywoods Kindertage. In: Der Spiegel, 23. Januar 2012, S. 125
  35. a b c d e f g Kilian Trotier: Wozu noch Worte?. In: Die Zeit, 26. Januar 2012, S. 57
  36. a b Rudolf Worschech: The Artist. In: epd Film Nr. 1/2012, S. 37
  37. a b Harald Pauli: Aus der Zeit gefallen. In: Focus, 23. Januar 2012, S. 86
  38. Terrier aus „The Artist“ gewinnt „Goldenes Halsband“ bei stern.de, 14. Februar 2012.