Thomas Hitzlsperger

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Thomas Hitzlsperger

Thomas Hitzlsperger bei West Ham United
im März 2011

Spielerinformationen
Geburtstag 5. April 1982
Geburtsort MünchenDeutschland
Größe 184 cm
Position Mittelfeld
Vereine in der Jugend
1988–1989
1989–2000
2000–2001
VfB Forstinning
FC Bayern München
Aston Villa
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
2001–2005
2001
2005–2010
2010
2010–2011
2011
2011–2012
2012–2013
2012–2013
Aston Villa
FC Chesterfield (Leihe)
VfB Stuttgart
Lazio Rom
West Ham United
West Ham United Res.
VfL Wolfsburg
FC Everton
FC Everton Reserves
99 0(8)
5 0(0)
125 (20)
6 0(1)
11 0(2)
2 0(0)
6 0(0)
7 0(0)
3 0(0)
Nationalmannschaft
1997–1998
1998–1999
1999–2000
2000–2001
2001–2002
2002–2004
2004–2010
Deutschland U-15
Deutschland U-16
Deutschland U-17
Deutschland U-18
Deutschland U-20
Deutschland U-21
Deutschland
12 0(1)
14 0(1)
10 0(3)
8 0(2)
4 0(1)
20 0(3)
52 0(6)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Thomas Hitzlsperger (* 5. April 1982 in München) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Der größte Erfolg seiner Karriere war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart in der Bundesliga-Saison 2006/07. Außerdem erreichte Hitzlsperger mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2006 den dritten Platz und wurde bei der Europameisterschaft 2008 Vizeeuropameister.

Karriere[Bearbeiten]

Verein[Bearbeiten]

Er begann seine Karriere beim VfB Forstinning. 1989 verließ er den Verein und wechselte in die Jugendabteilung des FC Bayern München, bevor er 2000 zum englischen Premier-League-Verein Aston Villa wechselte.

Thomas Hitzlsperger bei der Meisterfeier des VfB Stuttgart 2007

Nachdem er dort im Nachwuchsteam gespielt hatte, debütierte er am 13. Januar 2001 bei der 0:3-Heimniederlage gegen den FC Liverpool in der Liga. Bis zum Saisonende blieb es sein einziger Einsatz für Villa. Zu Beginn der Spielzeit 2001/02 wurde Hitzlsperger an den FC Chesterfield verliehen. Doch bereits nach zwei Monaten beorderte ihn der neue Trainer Graham Taylor wieder nach Birmingham, da bei Aston Villa einige Spieler verletzt ausgefallen waren. Fortan spielte er sich in die Stammmannschaft und wurde Leistungsträger sowie Publikumsliebling. Insgesamt absolvierte der Linksfüßer 99 Spiele, schoss acht Tore und verdiente sich aufgrund seiner Schusskraft den Spitznamen „Hitz The Hammer“.

Vor der Saison 2005/06 wechselte Hitzlsperger ablösefrei zum VfB Stuttgart und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Am ersten Spieltag, den 6. August 2005, gab Hitzlsperger sein Bundesligadebüt gegen den MSV Duisburg. Am 16. April 2006 erzielte er in der Partie bei Hannover 96 sein erstes Bundesligator. Im August 2007 wurde sein Vertrag bis Ende Juni 2010 verlängert. Er erzielte an den letzten zwei Spieltagen der Saison 2006/07 in den Spielen beim VfL Bochum und gegen Energie Cottbus jeweils das wichtige 1:1 auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft, die er mit seiner Mannschaft am 19. Mai 2007 erringen konnte. Sein an diesem Tag gegen Cottbus erzielter Ausgleichstreffer, bei dem er eine Ecke seines Mitspielers Pável Pardo volley aus einer Distanz von rund 20 Metern verwandelte, gilt als eines der spektakulärsten und wichtigsten Tore auf dem Weg zum fünften Deutschen Meistertitel der Stuttgarter.[1] Insgesamt erzielte er in dieser Meistersaison in 30 Ligaspielen sieben Treffer und belegte damit als Mittelfeldspieler zusammen mit Roberto Hilbert hinter den Stürmern Mario Gómez und Cacau den dritten Platz in der vereinsinternen Torschützenliste der Meistermannschaft des VfB.

Nach der Absetzung von Fernando Meira als Mannschaftskapitän wurde Hitzlsperger vor der Saison 2008/09 zum neuen Kapitän des VfB ernannt. Sein 100. Bundesligaspiel bestritt er am 14. Februar 2009 gegen Hannover 96. Am 1. Dezember 2009 enthob VfB-Teamchef Markus Babbel Hitzlsperger vom Kapitänsamt. Grund dafür war eine anhaltende Talfahrt zur Hinrunde der Saison 2009/10.[2]

Am 31. Januar 2010 wechselte Hitzlsperger zum italienischen Erstligisten Lazio Rom.[3] Dort gab er am 7. Februar 2010 bei der 0:1-Heimniederlage gegen Catania Calcio sein Debüt.[4] Insgesamt bestritt er sechs Spiele für Lazio in der Serie A. Am 38. Spieltag erzielte Hitzlsperger beim 3:1-Sieg gegen Udinese Calcio mit der 1:0-Führung sein erstes und einziges Ligator in Italien.

Zur Saison 2010/11 wechselte Hitzlsperger zum englischen Premier League-Club West Ham United.[5] Aufgrund einer schweren Oberschenkelverletzung verpasste er jedoch den Saisonstart und fiel mehrere Wochen aus.[6] Bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz, dem FA Cup-Achtelfinale gegen den Zweitligisten FC Burnley, erzielte er mit dem zwischenzeitlichen 1:0 seinen ersten Treffer für West Ham; in der Liga gelang dies am 5. März 2011 (29. Spieltag) beim 3:0-Heimsieg über Stoke City. Am Ende der Saison stieg West Ham ab, wonach sich Hitzlsperger mit dem Verein über eine Vertragsauflösung einigte.[7]

Nachdem er in den Wochen nach dem Saisonende zunächst keinen neuen Verein gefunden hatte, verpflichtete im August 2011 der VfL Wolfsburg Hitzlsperger.[8] Am 19. August 2011 gab er sein Debüt für den VfL beim 1:4 gegen Borussia Mönchengladbach in der Startelf.[9] Nach Saisonende 2012 wurde der noch bis 2014 laufende Vertrag mit Hitzlsperger auf Wunsch des Spielers in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst.[10]

Nachdem er zuvor seit März 2012 durch Verletzungen im Sprunggelenk und einen Außenmeniskusanriss beeinträchtigt gewesen war, absolvierte er Ende September 2012 ein Probetraining beim englischen Erstligisten FC Everton.[11] Anfang Oktober 2012 debütierte er in der U-21 Premier League für den FC Everton und stand über 90 Minuten auf dem Platz, ohne einen Vertrag unterzeichnet zu haben.[12] Am 19. Oktober 2012 wurde Hitzlsperger von Everton schließlich bis Januar 2013 verpflichtet.[13] Am 10. November 2012, dem 11. Spieltag der Premier League-Saison 2012/13, kam Hitzlsperger auch erstmals für den FC Everton in der Premier League zum Einsatz, als er im Heimspiel gegen FC Sunderland (2:1) in der 86. Minute für Nikica Jelavić eingewechselt wurde. Im Januar 2013 wurde sein Vertrag bis zum Saisonende 2012/13 verlängert.[14]

Am 3. September 2013 beendete Hitzlsperger seine aktive Karriere. Die Entscheidung sei „Folge eines Prozesses mit vielen Vereinswechseln und einigen Verletzungen“.[15]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Thomas Hitzlsperger 2006 im deutschen Trikot

Hitzlsperger spielte am 9. Oktober 2004 in Teheran gegen den Iran zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft. Nach eher mäßigen Leistungen in der abgelaufenen Saison galt seine Nominierung für den deutschen Kader bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, bei der er nur im Spiel um den dritten Platz zum Einsatz kam, als Überraschung. Im EM-Qualifikationsspiel gegen San Marino am 6. September 2006 erzielte Hitzlsperger seine ersten beiden Länderspieltore. Seitdem zählte er unter Joachim Löw zu einer festen Größe im Dress des DFB.

Am 28. März 2007 im Freundschaftsspiel gegen Dänemark trug Hitzlsperger erstmals die Kapitänsbinde der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Für die Fußball-Europameisterschaft 2008 wurde er von Nationaltrainer Löw ins Aufgebot der Deutschen Mannschaft berufen, in der er in fünf von sechs Spielen zum Einsatz kam: zweimal in der Vorrunde, im Viertelfinale gegen Portugal, im Halbfinale gegen die Türkei, in dem er den Siegtreffer von Philipp Lahm in der 90. Minute vorbereitete, und im Endspiel gegen Spanien.

Obwohl er bei der erfolgreichen WM-Qualifikation der deutschen Mannschaft 2008/09 in neun von zehn Spielen eingesetzt worden war, wurde Hitzlsperger für den erweiterten Kader der WM 2010 nicht mehr berücksichtigt.

Am 11. August 2010 bestritt er als Kapitän ebenfalls gegen Dänemark, als nach der Weltmeisterschaft die meisten Stammspieler geschont wurden, sein insgesamt 52. und zugleich letztes Spiel für die deutsche Nationalmannschaft.[16]

Persönliches und soziales Engagement[Bearbeiten]

Hitzlsperger wurde 1982 als jüngstes von sieben Kindern in München geboren und wuchs im Forstinninger Ortsteil Wagmühle auf. Er hat fünf Brüder und eine Schwester. 1998 beendete er seine Schullaufbahn mit der mittleren Reife und erlernte anschließend bis 2003 den Beruf des Bürokaufmanns.

Neben seiner fußballerischen Aktivität betätigt sich Hitzlsperger an verschiedenen sozialen Projekten mit antirassistischem Schwerpunkt. So schreibt er regelmäßig Artikel für den Störungsmelder, eine Initiative von Zeit Online gegen Rechtsradikalismus in Deutschland.[17] Von 2009 bis 2013 war er Gesprächspartner für die Kolumne Alles außer Fußball der Wochenzeitung Die Zeit.[18]

Des Weiteren unterstützt er den Verein Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V., der sich bundesweit gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme Gewalt einsetzt.[19] Außerdem engagiert er sich für das Projekt UBUNTU Africa, das sich um HIV-positive Kinder in Südafrika kümmert.[20] Hitzlsperger tritt zur Weltmeisterschaft in Brasilien als Fußballexperte im ZDF-Morgenmagazin auf.

In einem Interview mit der Zeitung „Die Zeit“ sagte Hitzlsperger im Januar 2014: „Ich äußere mich zu meiner Homosexualität. Ich möchte gern eine öffentliche Diskussion voranbringen – die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern.”[21] Er war damit der erste prominente deutsche Profifußballspieler, der öffentlich erklärte, homosexuell zu sein.[22][21][23][24] Hitzlspergers Schritt wurde von Sportlern, Sportfunktionären und Politikern gelobt[25][26] und fand in der nationalen und internationalen Presse große Beachtung.[27]

Erfolge[Bearbeiten]

Verein[Bearbeiten]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thomas Hitzlsperger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bitte kein Durchbruch! vom 17. Mai 2010 auf sueddeutsche.de
  2. Vertrauen in Babbel – Hitzlsperger kein Kapitän mehr vom 1. Dezember 2009 auf bundesliga.de
  3. Thomas Hitzlsperger verlässt den VfB vom 31. Januar 2010 auf vfb.de
  4. Ballardini watscht Hitzlsperger ab vom 8. Februar 2010 auf kicker.de
  5. Hammers sign The Hammer vom 5. Juni 2010 auf whufc.com
  6. Hitzlsperger wieder verletzt: Vier Monate Pause sueddeutsche.de, 14. Oktober 2010
  7. Sam sets out promotion plan whufc.com
  8. Von der Insel zurück in die Bundesliga: Wölfe verpflichten Thomas Hitzlsperger, Mitteilung auf der Webseite des VfL Wolfsburg vom 17. August 2011 (abgerufen am 17. August 2011)
  9. Gladbach stürmt an die Tabellenspitze, 19. August 2011
  10. Salihamidzic, Chris und Hitzlsperger verlassen VfL Wolfsburg; vfl-wolfsburg.de vom 18. Mai 2012
  11. Hitzlsperger bei Everton im Probetraining auf www.spiegel.de vom 25. September 2012, abgerufen am 25. September 2012
  12. evertonfc.com: Norwich U21s v Everton, 8. Oktober 2012, abgerufen am 9. Oktober 2012
  13. Hitzlsperger signs evertonfc.com, abgerufen am 19. Oktober 2012
  14. evertonfc.com: Hitzlsperger To Stay With Blues, 11. Januar 2013, abgerufen am 11. Januar 2013
  15. Rücktritt von Thomas Hitzlsperger: "Ich finde, es reicht". (sueddeutsche.de). Abgerufen am 3. September 2013.
  16. Matthias Arnhold: Thomas Hitzlsperger - Goals in International Matches. Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 15. Februar 2013. Abgerufen am 18. Februar 2013.
  17. Hitzlspergers Profil beim Störungsmelder
  18. Oliver Fritsch: Thomas Hitzlsperger: „Ich habe mich für einen Italienischkurs angemeldet“. In: Die Zeit. 9. Oktober 2013
  19. Gesicht Zeigen! – Prominente Unterstützer
  20. UBUNTU Africa
  21. a b Carolin Emcke & Moritz Müller-Wirth: Thomas Hitzlsperger: „Homosexualität wird im Fußball ignoriert“. In: Die Zeit. Nr. 3, 9. Januar 2014
  22. Thomas Hitzlsperger bekennt sich zu seiner Homosexualität. In: Zeit Online. 8. Januar 2014
  23. Meine bewusste und freie Entscheidung (PDF, 3 Seiten)
  24. Michael Horeni: Hitzlsperger-Kommentar: Die Homophobie ist nicht besiegt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. Januar 2014
  25. Lisa Caspari & Oliver Fritsch: Homosexualität: Merkel lobt Hitzlspergers Coming-out. In: Zeit Online. 8. Januar 2014
  26. James Riach: Thomas Hitzlsperger: World leaders and top sportsmen all show support. 8. Januar 2014
  27. Pressestimmen zu Hitzlsperger: „Er hat die Heuchelei umdribbelt“. In: FAZ.NET. 9. Januar 2014, abgerufen am 14. Januar 2014.
  28. bei DFB.DE EXKLUSIV abgerufen Jan. 2014