Cacau

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Cacau

Cacau (2011)

Spielerinformationen
Voller Name Claudemir Jerônimo Barreto
Geburtstag 27. März 1981
Geburtsort Santo AndréBrasilien
Größe 178 cm
Position Sturm
Vereine in der Jugend
1988–1993
1994–1996
1997–1998
União Mogi Futebol Clube
Palmeiras São Paulo
União Mogi Futebol Clube
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1999
2000–2001
2001
2001–2003
2003–2014
Nacional AC São Paulo
Türk Gücü München
1. FC Nürnberg Amateure
1. FC Nürnberg
VfB Stuttgart
32 0(8)
18 0(9)
18 0(9)
44 0(8)
263 (80)
Nationalmannschaft2
2009–2012 Deutschland 23 0(6)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.
Stand: Saisonende 2013/14
2 Stand: 26. Mai 2012
Cacau (2007)

Claudemir Jerônimo Barreto[1], besser bekannt als Cacau (* 27. März 1981 in Santo André, Bundesstaat São Paulo, Brasilien), ist ein deutsch-brasilianischer Fußballspieler. Von 2009 bis 2012 spielte er in der deutschen Nationalmannschaft. Zuletzt stand er beim VfB Stuttgart unter Vertrag.

Karriere[Bearbeiten]

Karrierebeginn[Bearbeiten]

Cacau begann mit sieben Jahren bei einem Vorstadtklub von Mogi das Cruzes,[2] dem União Mogi Futebol Clube, mit dem Fußballspielen.[3] Er wurde 1994 nach einem Probetraining bei Palmeiras São Paulo in dessen Jugendabteilung aufgenommen.[4] Er kehrte 1997 wieder nach Mogi das Cruzes zurück, nachdem er von Palmeiras weggeschickt wurde. Seine erste Station als Profifußballer war der Nacional AC São Paulo, dort wurde er jedoch ausgemustert. Durch Osmar de Oliveira, seinen späteren Manager und Leiter einer Samba-Gruppe, kam Cacau 1999 nach Deutschland und tourte ohne Absicht, Fußballprofi zu werden, mit der Tanzgruppe durch Deutschland. Er erhielt dann einen Vertrag bei Türk Gücü München, für den er zuletzt in der fünftklassigen Landesliga spielte. 2001 wechselte der damals 20-Jährige zum 1. FC Nürnberg, bei dem er zunächst in der Amateurmannschaft spielte.[5][6]

1. FC Nürnberg[Bearbeiten]

Nach sehr guten Leistungen in Nürnbergs zweiter Mannschaft kam Cacau im November 2001 erstmals in der Profimannschaft des „Clubs“ zum Einsatz. In seinem zweiten Einsatz, einer 2:4-Niederlage bei Bayer 04 Leverkusen am 9. Dezember 2001, erzielte er zwei Tore und wurde im kicker „Spieler des Spiels“ und „Spieler des Tages“. In der Folge spielte er sich schnell in die erste Elf des FCN und ließ dabei unter anderem Paulo Rink und Kai Michalke hinter sich. Cacau bestritt in der Saison 2001/02 insgesamt 17 Bundesligaspiele und erzielte dabei sechs Tore.

In der darauffolgenden Saison 2002/03 galt er zusammen mit dem Neuzugang Saša Ćirić als Hoffnungsträger des Clubs, der zuvor als Tabellenfünfzehnter nur knapp den Klassenerhalt geschafft hatte. Im Gegensatz zu dem zu Saisonbeginn bereits 34-jährigen Ćirić, dem zwölf Tore gelangen, verlief die Saison für Cacau mit zwei Toren wenig erfolgreich, und sein Verein stieg ab. Bereits im Januar 2003 hatte Cacau einen Vertrag beim VfB Stuttgart unterschrieben, zu dem er zu Beginn der Saison 2003/04 ablösefrei wechselte. 2003/04 spielte auch sein Bruder Vlademir beim Club, kam aber nur zu einem Zweitligaeinsatz.

VfB Stuttgart[Bearbeiten]

In seiner ersten Saison beim VfB 2003/04 spielte der Verein in der Champions League. Cacau bestritt bis zum Ausscheiden im Achtelfinale gegen den FC Chelsea vier Spiele. In der Bundesliga kam er in 16 Spielen zum Einsatz und erzielte vier Tore.

Cacau war in der Saison 2004/05 unter Matthias Sammer über alle Pflichtspiele gerechnet der beste Torschütze des VfB. In dieser Saison kam der VfB auf Rang Fünf und somit in den UEFA-Cup.

In der Saison 2005/06 gelangen Cacau unter Giovanni Trapattoni nur vier Tore in der Bundesliga. Vor der Saison 2006/07 wollte sich der Verein von Cacau trennen. Doch der Spieler bestand auf der Erfüllung seines Vertrages, setzte sich in der Folge endgültig beim VfB durch und erhielt einen neuen Vertrag bis 2010. Er erzielte in dieser Saison 13 Tore in der Bundesliga und weitere vier im DFB-Pokal. Somit war er neben Mario Gómez der erfolgreichste Stürmer des VfB. Mit dem VfB gewann Cacau die Deutsche Meisterschaft, was den ersten Titelgewinn in seiner Profikarriere bedeutete. Zudem stand er mit dem VfB im Finale des DFB-Pokals, das der VfB mit 2:3 n. V. gegen Cacaus früheren Verein 1. FC Nürnberg verlor. Dort schoss er zwar das 1:0 für Stuttgart, wurde aber nach einer halben Stunde Spielzeit wegen einer Tätlichkeit vom Feld gestellt.

In der Saison 2007/08 kam Cacau auf neun Tore in 27 Spielen, ein Jahr später auf sieben Treffer in 25 Partien. In der Saison 2009/10 war er mit 13 Toren in 25 Spielen wieder überaus erfolgreich. Dabei erzielte er am 20. Februar 2010 zum ersten Mal in seiner Karriere vier Tore in einem Bundesligaspiel. Er traf gegen den 1. FC Köln in der 13., 31., 39. und 74. Minute. Mit seinen ersten drei Toren zum 3:0-Zwischenstand erzielte er einen Hattrick. Am 1. Mai 2010 verlängerte Cacau doch noch seinen Vertrag beim VfB Stuttgart bis Ende Juni 2013, nachdem er ursprünglich seinen Abschied angekündigt hatte.[7] Am 22. März 2013 zog Cacau eine Vertragsoption, durch die sich sein Vertrag bis 2014 verlängerte.[8] Im Februar 2014 wurde bekannt, dass sein Vertrag in Stuttgart über das Saisonende hinaus nicht verlängert wird. Cacau plant, in einigen Jahren eine Funktionärstätigkeit beim VfB Stuttgart zu übernehmen.[9]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Am 19. Mai 2009 wurde Cacau, der seit Februar 2009 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt,[10] von Bundestrainer Joachim Löw für die anstehende Asien-Reise des DFB nominiert. Am 29. Mai 2009 gab er in Shanghai gegen China sein Länderspieldebüt für die deutsche Nationalmannschaft, als er in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Fünf Monate später, am 14. Oktober, stand Cacau im Qualifikationsspiel für die WM 2010 gegen Finnland erstmals in der Startformation des DFB. Beim 1:1 spielte er die vollen 90 Minuten durch. Am 6. Mai 2010 wurde er von Bundestrainer Joachim Löw in den erweiterten Kader für die Weltmeisterschaft 2010 berufen. Am 13. Mai 2010 erzielte er im Spiel gegen Malta seine ersten beiden Treffer im DFB-Trikot. Im darauf folgenden Testspiel schoss er nach seiner Einwechslung ein Tor gegen Ungarn. Am 13. Juni 2010 wurde er im WM-Auftaktspiel gegen Australien in der 68. Minute eingewechselt und erzielte 110 Sekunden später sein erstes Tor bei einer Weltmeisterschaft. Das Tor ist das zweitschnellste Tor in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft (nach Ebbe Sand 1998[11]), das ein Spieler nach seiner Einwechslung erzielt hat. Am 6. September 2011 schoss er unmittelbar vor dem Schlusspfiff das Ausgleichstor zum 2:2-Unentschieden in einem Freundschaftsspiel gegen die Nationalmannschaft von Polen. Cacau wurde am 29. Februar 2012 in einem Länderspiel gegen Frankreich in der 70. Spielminute eingewechselt und erzielte in der 91. Minute den Anschlusstreffer zum 1:2-Endstand.

Seit Oktober 2010 ist Cacau zusammen mit Serdar Taşçı, Nationalspielerin Célia Šašić und der Schiedsrichterin Sinem Turac als DFB-Integrationsbotschafter tätig.[12]

Titel und Erfolge[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Privates[Bearbeiten]

Cacau bei einem WM-Gottesdienst in der FeG Heidelberg

Cacau wuchs als einer von drei Söhnen einer alleinerziehenden Mutter, die als Reinigungskraft für eine deutsche Familie arbeitete, in Mogi das Cruzes auf. Um die Familie zu unterstützen, arbeiteten Cacau und seine Brüder regelmäßig neben der Schule. Nach seinem Durchbruch als Fußball-Profi erwarb Cacau für seine Familie ein Haus in ihrem Heimatort.[13] Cacau ist seit 2001 verheiratet, das Paar hat drei Kinder. Das Wichtigste in seinem Leben ist nach eigenen Aussagen der Glaube an Jesus und die persönliche Beziehung zu ihm.

Aufgrund der Bedeutung des christlichen Glaubens im Leben Cacaus wurde er in mehreren Büchern und Filmen porträtiert. So wird er im Buch „Fußball-Gott – Erlebnisberichte vom heiligen Rasen“ (2002 und 2006) biographiert, ebenso in der „Fußball Bibel“ (2004). Außerdem spielt der Stürmer im Film „Fußball-Gott – Das Tor zum Himmel“ (2005) mit. Für Kinder und Jugendliche erzählt er seine Lebensgeschichte in dem Hörspiel „Andy Latte – Cacau kommt gerade recht“. Cacau ist außerdem Kuratoriumsmitglied des evangelikalen Vereins ProChrist, der Massenevangelisationen veranstaltet.[14]

Am 2. Februar 2009 erhielt Cacau seine Einbürgerungsurkunde vom Landratsamt Waiblingen und wurde somit deutscher Staatsbürger.[10] Die Einbürgerung geht auf eine private Initiative Cacaus zurück und hat nichts mit seinem späteren Aufrücken in die deutsche Nationalmannschaft zu tun. Sie entsprang einem persönlichen Bedürfnis Cacaus, der sich als Deutscher versteht.[15]

Da eine Abgabe bzw. ein Verlust der brasilianischen Staatsbürgerschaft nicht möglich ist, besitzt Cacau auch weiterhin die brasilianische Staatsangehörigkeit.[10][16]

Soziales Engagement[Bearbeiten]

Cacau ist Botschafter für die Hilfsorganisation World Vision, einem Kinderhilfswerk. Er ist ebenfalls als Pate tätig und hat zwei Patenkinder. Während der Fußball-WM der Frauen im Jahre 2011 ließ er zusammen mit der Organisation ein Tagebuch zur WM schreiben.[17] Er unterstützt die Stiftung SportMeetsCharity und die Stiftung Deutsche KinderSuchthilfe (DKSH). Für das Kuratorium der DKSH hat Cacau im August 2012 den Vorsitz übernommen.[18]

Bemerkenswertes[Bearbeiten]

Cacau macht nach jedem von ihm geschossenen Tor den gleichen Torjubel. In Heimspielen läuft er mit zwei winkenden Zeigefingern in der Luft zur Fankurve, kniet sich an die Eckfahne, wartet auf die Mitspieler und macht einen Luftkuss. In Auswärtsspielen läuft er entsprechend zum Gästeblock.

Sein Kurzname Cacau kommt nach eigenen Angaben von einem Versprecher: An seinem 1. Geburtstag sagte er statt Claudemir Cacaudemir zu sich selbst. Fortan nannte ihn seine Mutter nur noch Cacau.[19] Cacau ist der erste Fußballspieler, der seinen Spitznamen anstatt seines bürgerlichen Nachnamens auf dem Trikot der deutschen Nationalmannschaft trägt.

Seit seiner Einbürgerung und der darauf folgenden Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft nennen ihn seine Kollegen, initiiert durch Ludovic Magnin, Helmut.[20]

Cacau wohnt mit seiner Familie in Korb (Württemberg) und möchte nach einem möglichen Auslandsengagement auch dorthin zurückkehren, da er dort seine Heimat sieht. Hier auch bekam er bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2009 sechs Stimmen, obwohl er gar nicht angetreten war.[9][21]

Cacau agiert während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in seinem Geburtsland Brasilien, als Experte im DFB-Quartier für das ZDF.[22]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cacau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [Buch: Cacau - Immer den Blick nach oben, 2014] In: Focus Online. 22. November 2012, abgerufen am 3. Mai 2014
  2. Nationalstürmer Cacau: Ich will einfach nur spielen, www.spiegel.de vom 12. Juni 2010.
  3. Jeronimo Claudemir Barreto („Cacau“), www.glubberer.de
  4. Der Weg, http://cacau.de/
  5. Klaus Schlütter: Cacau – Ein Brasilianer spielt für Deutschland. Die Welt online, 19. Mai 2009.
  6. Osmar de Oliveira: Tagebuch über meine Erlebnisse mit Cacau
  7. Cacau bleibt beim VfB! VfB.de, 1. Mai 2010.
  8. Cacau bleibt bis 2014 ein VfBler VfB.de, 22. März 2013.
  9. a b Oliver Trust: Ein leiser Abschied für Cacau, in: NRZ, 6. Februar 2014 (Sport)
  10. a b c Doppelpass für Cacau vfb.de, 3. Februar 2009.
  11. Wer schoss das schnellste Tor bei einer WM nach seiner Einwechslung? Fußballrekorde.de
  12. dpa: Cacau wird Integrationsbotschafter des DFB in: Zeit Online vom 4. Oktober 2010.
  13. Carlos Eduardo Freitas: Adoptierter Brasilianer – Im Herzen ist Cacau längst ein Deutscher in: Die Welt online, 22. Juni 2010.
  14. Kuratorium ProChrist
  15. Erstmals mit Cacau und Träsch vfb.de, 19. Mai 2009.
  16. Hinnahme von Mehrstaatigkeit (Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen, Rheinland-Pfalz)
  17. Frauenfußball-WM in Deutschland – Cacau schreibt WM-Tagebuch! Für seine Patenkinder
  18. Ich verdanke meinen Lebensweg Gott, in: Evangelischer Nachrichtendienst idea vom 30. August 2012.
  19. Interview, Rund-Magazin abgerufen am 10. Juni 2010.
  20. Julia Rapp: Die Wahnsinnswoche des Helmut Cacau Stuttgarter Nachrichten, 28. Februar 2010.
  21. Ich will einfach nur spielen, spiegel.de, 12. Juni 2010, abgerufen am 6. Februar 2014
  22. TZ: Was macht eigentlich ZDF-Experte Cacau nach der WM? vom 18. Juni 2014