Wörnitz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Der Artikel über die gleichnamige bayerische Gemeinde findet sich unter Wörnitz (Gemeinde)
Wörnitz
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Wörnitz bei Donauwörth

Wörnitz bei Donauwörth

Daten
Gewässerkennzahl DE: 118
Lage Deutschland, Bayern
Flusssystem Donau
Abfluss über Donau → Schwarzes Meer
Quelle In Schillingsfürst, Frankenhöhe
49° 16′ 57″ N, 10° 15′ 25″ O49.282510.256944444444490
Quellhöhe ca. 490 mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung In Donauwörth in die Donau48.71583333333310.783055555556395Koordinaten: 48° 42′ 57″ N, 10° 46′ 59″ O
48° 42′ 57″ N, 10° 46′ 59″ O48.71583333333310.783055555556395
Mündungshöhe ca. 395 mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied ca. 95 m
Länge 132,5 km[1]  / 131,8 km[2]
Einzugsgebiet 1568,62 km²
  Pegel Harburg, 19,3 km vor der Mündung
Abfluss am Pegel ReichenbachVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MQ
850 l/s
Abfluss am Pegel GerolfingenVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MQ
5,1 m³/s
Abfluss am Pegel HeroldingenVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MQ
9,02 m³/s
Abfluss am Pegel Harburg[3]
AEo: 1569 km²
Lage: 19,3 km oberhalb der Mündung
NNQ (01.08.1964)
MNQ 1940/2006
MQ 1940/2006
Mq 1940/2006
MHQ 1940/2006
HHQ (21.12.1993)
502 l/s
2,02 m³/s
11,4 m³/s
7,3 l/(s km²)
148 m³/s
444 m³/s
Linke Nebenflüsse   Über 10 km:
Sulzach, Lentersheimer Mühlbach, Rohrach, Rodelbach, Schwalb(ach), Ellerbach, Kaibach
  Weitere →Zuflüsse
Rechte Nebenflüsse   Über 10 km:
Ampfrach, Zwergwörnitz, Rotach, Augraben, Mühlbach, Eger
  Weitere →Zuflüsse

Die Wörnitz ist ein etwa 132 km langer linker und nördlicher Nebenfluss der Donau in Bayern.

Name[Bearbeiten]

Der Name ist im 11. Jahrhundert als Werinza überliefert, im 12. Jahrhundert schrieb man Warinza. Für diesen Namen gibt es zwei Erklärungsansätze. Der Namenforscher Joseph Schnetz führte 1950 den Namen auf die indogermanische Wurzel ver mit der Grundbedeutung „(sich) wenden, (sich) drehen“ zurück, woran die Partizipialendung -entia trat. Demnach bedeutet Wörnitz „die sich Krümmende, Windende“.[4] Dem Namenforscher Wolf-Armin von Reitzenstein zufolge liegt die indogermanische Wurzel uer, was Wasser bedeutet, zugrunde, von der durch ein -nt-Suffix abgeleitet wurde.[5][6] Diese Erklärung war von Schnetz jedoch verworfen worden.

Der Fluss gab mehreren Gemeinden ihre Namen: Wörnitz, Wörnitzhofen, Wörnitzostheim und Wörnitzstein.

Geographie[Bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten]

Die Wörnitzquelle in Schillingsfürst

Die Wörnitz entspringt in Schillingsfürst auf der Frankenhöhe einem gefassten Brunnen und zieht von dort in recht beständigem Lauf in südliche bis östliche Richtungen.

Verlauf[Bearbeiten]

Zunächst zieht sie nach Süden durch die Gemeinde Wörnitz durch ein sehr ländliches, von waldbestandenen Seitenhügeln bestandenes Wiesental nach Dinkelsbühl und nimmt dabei unterwegs von rechts die Ampfrach und die Zwergwörnitz auf. Wenig vor diesem mittelalterlichen Städtchen mit seiner geschlossenen Stadtmauer beginnt ein Abschnitt, in dem ihr auf inzwischen Südsüdostkurs viele Bäche und Gräben von beiden Seiten zufließen, die zahlreiche Weiher speisen, und der sich bis zum Riesrand zieht; mancher der Zuflüsse löst sich geradezu auf in eine Kette von Weihern. Immer östlicher laufend erreicht sie dabei zunächst Wilburgstetten, wo ihr – wiederum aus dem Westen – die Rotach zuläuft.

Ab hier zieht sie ostnordöstlich bis nach Wittelshofen am Westfuß des Hesselbergs, wo der größte Nebenfluss am oberen Lauf, die Sulzach, in sie mündet, deren naher und fast paralleler Lauf östlich des ihren ihr hier bisher größere linke Zuflüsse verwehrt hat. Von dort zieht sie in der Richtung der zulaufenden Sulzach weiter nach Ostsüdosten und erreicht nahe am anderen Ende des kleinen Hesselberg-Massivs Wassertrüdingen, wo sie sich kurz vor der Aufnahme des Lentersheimer Mühlbachs aus dem Norden abrupt nach Süden kehrt. Auf Südkurs tritt sie bei Auhausen in deren Nordosten in die weite flache Landschaft des Nördlinger Rieses ein.

Noch in deren Norden passiert sie die kleine Residenzstadt Oettingen. Fast schon am Südrand des Rieses, das sie in Südlauf dichter an dessen Ostgrenze durchquert, fließt ihr von rechts die Eger zu, die den größeren Teil der ebenen Flachlandschaft im Westen entwässert und nach ihrer Entstehung jenseits der württembergischen Landesgrenze durch Nördlingen heranzieht. Anschließend betritt sie ein enges, gewundenes, südöstlich laufendes Tal im Jura an der Grenze von östlicher Schwäbischer Alb und südwestlicher Frankenalb, in dem das Städtchen Harburg am Ufer liegt. Bald danach mündet sie, nach einem Lauf von über 130 km, in Donauwörth im bayerischen Schwaben von links in die Donau.

Einzugsgebiet[Bearbeiten]

Die Wörnitz entwässert ein Gebiet von über 1600 km² nach Südsüdosten zur Donau. Es umfasst einen großen Teil der westlichen Frankenhöhe und im Süden das gesamte Nördlinger Ries mit seinen Randbergen. Am Unterlauf bricht sie in einem Mäandertal durch den Schwäbisch-Fränkischen Jura an der Stelle, wo Schwäbische Alb von Westen und Fränkische Alb von Osten zusammenstoßen.

Im Nordwesten und Norden ihres Einzugsgebietes bei Schillingsfürst konkurriert auf einem kleinen Stück jenseits der Wasserscheide die Tauber zum Main, auf dem größten Teil der Nordostgrenze ihres Einzugsgebietes die Altmühl, die in ungefähr parallelem Lauf zur Donau fließt. Im Westen desselben zieht die Jagst zum Neckar.

Die Wörnitz ist ein Teil des alten, südöstlich orientierten Zuflusssystems zur Donau, was sich in einer sehr gleichmäßigen Gefällekurve des Flusses und einem mittleren Sohlgefälle von etwa 0,7 ‰ ausdrückt. Die ebenfalls danubische Altmühl im Nordosten hat hier einen Wert von rund 0,5 ‰, während die rheinisch orientierten Nachbarflüsse Jagst im Westen und Tauber im Nordwesten den doppelten Wert der Wörnitz erreichen oder überschreiten.

Sie ist der erste größere, noch heute zur Donau nach Südosten entwässernde Fluss, den man aus Richtung des mittleren Neckars bei Heilbronn kommend antrifft, wenn man in östlicher Richtung das Südwestdeutsche Stufenland durchquert. Vor längerer geologischer Zeit flossen auch die davor heute zum Neckar laufenden Kocher und Jagst noch in diese Richtung zur Donau. Einen deutlichen Hinweis auf den Gewinn des Rhein-Systems sieht man beim Schillingsfürster Ursprung. Rechts und nordwestlich des obersten Laufs fällt dort die Frankenhöhe jenseits einer kleinen Geländewelle im Städtchen auf den ersten zwei Kilometern über die Katzenklinge des Davidsbachs zur durch die heftig angreifende rheinische Erosion freigelegten Hohenloher Ebene um über 80 m steil ab, während die Wörnitz auf ihren über 130 km Lauf noch nicht einmal 100 m Gefälle zeigt.

Besiedlung[Bearbeiten]

Im Tal liegen meist nur kleine Dörfer und Gehöfte, die einzigen größeren Städte vor dem Mündungsort Donauwörth an der Donau mit unter 19.000 Einwohnern sind Dinkelsbühl mit unter 12.000 sowie Wassertrüdingen, Oettingen und Harburg mit zwischen 5.000 und 6.000 Einwohnern. Selbst von diesen lebt ein merklicher Teil außerhalb der Zentren in vielen kleinen Weilern und Einzelgehöften, denn die Gemeinden und Städte umfassen in dieser dünn besiedelten Landschaft weite Flächen in land- und forstwirtschaftlicher Flur.

Zuflüsse[Bearbeiten]

Die über 10 km langen Nebenflüsse der Wörnitz in der Reihenfolge ihrer Zumündung, mit Längen – meist auf dem hydrologischen Hauptstrang mit ggf. wechselnden Namensabschnitten – und Einzugsgebieten. Daten nach dem Hauptartikel.

Wörnitzquelle in Schillingsfürst an der Dombühler Straße auf etwa 490 m ü. NN.

Oberlauf nach Südsüdosten bis zum Ostknick bei Wilburgstetten:

Ostlauf bis Wassertrüdingen:

  • Sulzach, von links bei Wittelshofen unterhalb der Wörnitzbrücke, 40,6 km und 190,4 km².
  • Lentersheimer Mühlbach, von links dicht vor der Wassertrüdinger Oberaumühle, 18,2 km und 92,1 km². Oberlaufnamen Löchergraben, dann Eglesgraben.

Südlauf bis zum Rand der Frankenalb:

Südöstliches Durchbruchstal durch die Frankenalb zur Donau:

  • Ellerbach, von links bei Ebermergen auf unter 403 m ü. NN, 11,9 km und 47,4 km².
  • Kaibach, von links in Donauwörth, 11,1 km und 21,1 km².

Mündung der Wörnitz in Donauwörth auf etwa 395,1 m ü. NN von links in die Donau.

Abfluss[Bearbeiten]

Wörnitz und Wörnitzbrücke bei Wilburgstetten

Der mittlere Abfluss beträgt am Pegel Harburg (Fluss-Kilometer: 19,3) 11,3 m³/s, der mittlere Hochwasserabfluss 147 m³/s. Der höchste gemessene Abfluss betrug am 21. Dezember 1993 444 m³/s. Derartige Wasserstände führen zu weiten Ausuferungen und sogar zur Sperrung der B 25.

Umwelt[Bearbeiten]

Fluss- und Talnatur[Bearbeiten]

Bei Harburg im Durchbruchstal durch den Jura

Das oben genannte geringe Gefälle eines alten Flusses erklärt auch den Charakter des Wasserlaufes und seines Tales. Die Wörnitz zieht auf großen Strecken ihres Laufes mit zahlreichen Mäandern durch eine flache und feuchte Wiesenmulde, oft begleitet von zurückgelassenen Altwassern und schnurgerade gezogenen Entwässerungsgräben, die die Auenflächen der Landwirtschaft nutzbar machen sollten. Die Oberfläche des Flusses liegt dabei oft spiegelglatt und lässt auf den ersten Blick keinerlei Bewegung erkennen. Zulaufende Bäche sind oft zu Teichen aufgestaut, mancher davon löst sich auf in eine Kette von solchen Wasserflächen. Mancherorts stehen alte Mühlengebäude am Ufer oder an Seitenkanälen.

Auf den die Flussmulde begleitenden niedrigen Höhen zu den Nachbartälern wächst oft Wald; nur auf der Strecke durch das flache Ries bleibt die rechte Seite durchgehend offen.

Erst ganz zuletzt im Durchbruchstal durch den Jura bei Harburg treten erstmals hohe und steile Talflanken auf.

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten]

Die Wörnitz ist für ihren mäandrierenden Lauf aus einer Vielzahl von Schleifen und Bögen bekannt, sie wird deshalb auch „Schlangenfluss“ genannt. Wegen ihres reinen Wassers und ihrer gemächlichen Fließgeschwindigkeit gibt es an der Wörnitz mehrere Flussschwimmbäder und Badestellen, unter anderem in Dinkelsbühl (Wörnitzstrandbad), Wassertrüdingen (Wörnitzbad) und Oettingen (Wörnitzfreibad). Weil viele Mühlen am Fluss liegen und deren Wehre anders als etwa bei der Altmühl nur schlecht zu umtragen sind, ist die Wörnitz nur schwer mit Kanus zu befahren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nach Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach.
  2. Nach LUBW-FG10.
  3. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Donaugebiet 2006. Einzelblatt Pegel Harburg. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 15. Februar 2013 (PDF, deutsch, Auf: hnd.bayern.de).
  4. Joseph Schnetz: Flussnamen des bayerischen Schwabens in ihrer Bedeutung für die Namenkunde, Geschichte und Landschaftsforschung. Augsburg 1950, S. 89–92.
  5.  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 247.
  6. Wolf-Armin von Reitzenstein:Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. 2. Auflage. München 1991, S. 419; Lexikon schwäbischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. München 2013, S. 427.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wörnitz – Bilder vom Flusslauf