Wemding

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wemding
Wemding
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wemding hervorgehoben
48.86666666666710.716666666667463Koordinaten: 48° 52′ N, 10° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Donau-Ries
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Wemding
Höhe: 463 m ü. NHN
Fläche: 31,69 km²
Einwohner: 5721 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 181 Einwohner je km²
Postleitzahl: 86650
Vorwahl: 09092
Kfz-Kennzeichen: DON, NÖ
Gemeindeschlüssel: 09 7 79 228
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 3
86650 Wemding
Webpräsenz: www.wemding.de
Bürgermeister: Martin Drexler (CSU/Amerbacher Liste)
Lage der Stadt Wemding im Landkreis Donau-Ries
Dornstadt-Linkersbaindt Dornstadt-Linkersbaindt Holzheim (Donau-Ries) Esterholz (gemeindefreies Gebiet) Rain (Lech) Münster (Lech) Holzheim (Donau-Ries) Oberndorf am Lech Mertingen Donauwörth Asbach-Bäumenheim Genderkingen Niederschönenfeld Marxheim Tagmersheim Rögling Monheim (Schwaben) Kaisheim Buchdorf Daiting Fremdingen Auhausen Oettingen in Bayern Hainsfarth Ehingen am Ries Tapfheim Marktoffingen Maihingen Megesheim Munningen Wolferstadt Wallerstein Nördlingen Reimlingen Ederheim Forheim Amerdingen Wemding Wechingen Harburg (Schwaben) Hohenaltheim Deiningen Alerheim Otting Fünfstetten Huisheim Mönchsdeggingen Möttingen Baden-Württemberg Landkreis Ansbach Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Landkreis Eichstätt Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Landkreis Aichach-Friedberg Landkreis Augsburg Landkreis Dillingen an der DonauKarte
Über dieses Bild
Maria Brünnlein mit Blick in das Ries
Die Wemdinger Wallfahrtskirche
Schild bei der Wallfahrtskirche
Die Stadtmauer von Wemding

Wemding ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Donau-Ries in Bayern und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Wemding.

Die Stadt liegt am Rande des durch einen Meteoriteneinschlag entstandenen Ries-Kraters im Geopark Ries.

Geografie[Bearbeiten]

Städte in der Umgebung[Bearbeiten]

Stadtteile[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 793 wurde Wemding zum ersten Mal als Uemodinga in einer Schenkungsurkunde des Grafen Helmoin aus Gosheim (bei Huisheim) (Kaozesheim) erwähnt. Dieser hatte von Karl dem Großen das Recht erhalten, das Land um Gosheim (etwa 9,35 km²) dem Bischof in Freising zu schenken. Zu dieser Zeit bestand Wemding aus vier Höfen:

  • Maiershof
  • Katzensattelshof
  • Sandbichelshof und
  • Seegartenhof

(…) auch in jenem Walde, der zu Wemodinga gehört – eben dort sollen die Vorsteher dieser Kirche das Recht haben, Bauholz zu fällen, so viel nötig ist und Holz für Feuer (…)[2]

798 schenkte König Karl Wemding dem Kloster Sankt Emmeram in Regensburg, in dessen Besitz die Stadt 500 Jahre lang blieb. Das bedeutete, dass das Kloster und der Bischof als Lehnsherren fungierten und über die Lehnsträger bestimmen konnten. Geistlichen Einrichtungen auch weltliche Verwaltungsrechte und damit Macht zu übertragen war Teil des Regierens von Karl im Einklang mit der Kirche. So baute der König auch zahlreiche Kirchen, Klöster, Kathedralen und Pfalzen und setzte sich für den Katholizismus als Reichsreligion ein.

Von 898 bis 935 bekam die Edelfrau Winpurc aus Nördlingen Wemding als Lehen. Zu dieser Zeit hatte Wemding schon 200 Einwohner. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Ort an einer Römer- und einer Salzstraße lag, also sehr viele Händler und anderer Verkehr den Ort passierten.

Im 11./12. Jahrhundert wurde Wemding als Lehen an die Edelfreien von Werd (Donauwörth) vergeben, später an die mächtigen Grafen von Grögling-Hirschberg, und nach deren Aussterben fiel Wemding an die mit ihnen verschwägerten Grafen von Oettingen. 1343 erhoben die Grafen von Oettingen den Ort zur Stadt. Vermutlich am 11. November 1394 wurden in Wemding 10 Waldenser auf Betreiben des Eichstätter Bischofs Friedrich IV. von Oettingen zum Tode verurteilt und verbrannt. 1467 ging die Stadt in den Besitz des Herzogs Ludwig des Reichen von Niederbayern über.

1669 bis 1672 wurde das Kapuzinerkloster (1664-1991, seit 2000 Karmelitinnen) umgebaut. 1808 kam es zum Verlust der städtischen Selbstverwaltung, die erst 1818 durch das Gemeindeedikt in Bayern wieder errichtet wurde.

Hexenverfolgung[Bearbeiten]

Anfang des 17. Jahrhunderts kam es in der Stadt in zwei Wellen zu heftigen Hexenverfolgungen. Unter dem Richter Dr. Gottfried Sattler wurden in den Jahren 1609/10 zehn Menschen wegen Hexerei hingerichtet. Auf dem Weg zum Scheiterhaufen begleiteten sie Jesuiten aus Donauwörth.[3] Ein Prozess gegen zehn weitere Beschuldigte wurde 1611 dem Wemdinger Gericht entzogen; die Gefangenen verlegte man nach München und ließ sie später frei.[4] Sattler wurde festgenommen und wegen Fehlern in der Prozessführung und Unterschlagung von mehr als 3000 Gulden zum Tode verurteilt. Vor seiner Hinrichtung kam es zu einem langen und teilweise dramatischen Tauziehen zwischen den Befürwortern und Gegnern der Hexenverfolgung am bayerischen Hof. Für Sattlers Begnadigung setzten sich nicht nur dessen Angehörige und der Wemdinger Stadtrat, sondern auch hochgestellte Personen, wie der als Thronfolger geltende Prinz Albrecht ein,[5] während die Verfolgungsgegner durch ein Gutachten der Universität Ingolstadt die Rechtmäßigkeit des Todesurteils bestätigen ließen. Am 9. März 1613 ließ der führende Verfechter der Hexenverfolgung, Hofratskanzler Johann Wangnereck, in einem handstreichartigen Beschluss des Hofrates das Todesurteil in einen unbefristeten Landesverweis umwandeln. Zwei Tage später setzten die Gegner der Hexenverfolgung um Oberstkanzler Joachim Donnersberger die Rücknahme dieses Beschlusses durch. Obwohl ein weiteres Universitäts-Gutachten aus Ingolstadt die frühere Aussage bestätigte, glaubte sich Sattler offenbar noch immer der Protektion von höchster Stelle sicher und war überrascht, als der Kurfürst ihn fallen ließ und am 21. Mai 1613 der Hinrichtung stattgab.[5] Um Aufsehen zu vermeiden,[6] wurde diese Ende Juni außerhalb Münchens in Markt Schwaben vollstreckt.

Aber 1628 bis 1631 kam es zu einer noch weitaus schlimmeren Welle der Verfolgung, der 39 Menschen zum Opfer fielen. Auf kurfürstliche Anordnung wurde dem Wemdinger Stadtrichter Baltasar Vogl[7] der Ingolstädter Professor Dr. Johann Valentin Schmid als Hexenkommissar beigeordnet. Schmids Ermittlungen brachten zwar viel nachbarschaftliche Missgunst und von Aberglauben geprägte Mutmaßungen[8] ans Licht, führten aber nicht zu den gewünschten Verhaftungen.[9] Dies änderte sich, als er 1629[10] durch Dr. Wolfgang Kolb abgelöst wurde,[6] welcher zuvor schon an der massiven Hexenverfolgung im Hochstift Eichstätt beteiligt war und sich durch neue Foltermethoden besonders hervorgetan hatte. Ab dem 14. März 1629 wurden an neun Gerichtstagen insgesamt 29 Frauen und zehn Männer hingerichtet.[9] Nach Kolbs ungeklärtem Tod 1630[11] wurden die Hinrichtungen seltener. Den letzten drei Gerichtstagen im Oktober und November 1630 und im März 1631 fielen noch fünf Menschen zum Opfer.[12]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 erfolgte die Eingemeindung von Amerbach.[13]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen am 2. März 2008 wurde der Jurist Dr. Martin Drexler (CSU/Amerbacher Liste) im ersten Wahlgang zum Bürgermeister gewählt. Er löste Jürgen von Streit (SPD) ab, der von 1990 bis 2008 Bürgermeister war und 2008 nicht mehr antrat.

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus 20 Mitgliedern, die sich ab dem 1. Mai 2014 auf folgende Parteien/Gruppierungen aufteilen:

  • CSU: 7 Sitze
  • SPD: 4 Sitze
  • PWG: 4 Sitze
  • Amerbacher Liste: 2 Sitze
  • Wemdinger Frauenliste: 2 Sitze
  • Grüne: 1 Sitz

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber ein aus dem rechten Schildrand bis zur Schildmitte einspringender roter Sparren, links begleitet von fünf in Form eines Andreaskreuzes (2:1:2) angeordneten roten Lilien, unten rechts ein aufrecht stehender, abnehmender roter Halbmond.“[14]

Wappenbedeutung: Der rote Seitensparren stellt das halbe Andreaskreuz aus dem Stammwappen der Oettinger Grafen dar, die nahezu 150 Jahre die Herren von Wemding waren. Die fünf Lilien stammen aus dem Wappen der ehemaligen Grafschaft Niederelsass. Aus diesem Bereich gehörte das Landgericht Röschwoog mit fünf Gemeinden den Grafen zu Oettingen. Diesen Besitz mussten sie jedoch verkaufen, um die hohe Schuldenlast beim Ausbau der Wemdinger Wehrbefestigung tilgen zu können. Der Halbmond ist dem Stadtwappen von Monheim entnommen, das auch zur Schuldenminderung veräußert werden musste.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit 1988 bestand eine Partnerschaft mit Dambach-la-Ville im Elsass. 2009 wurde diese Städtepartnerschaft jedoch im beiderseitigen Einverständnis aufgelöst.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadtpfarrkirche Wemding
Leonhart Fuchs’ Geburtshaus

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Wemding

  • Die Wallfahrtskirche Maria Brünnlein (geplant und erbaut von Dominikus Zimmermann und Johann Baptist Zimmermann von 1748 bis 1752, geweiht 1781, 1998 zur Basilika minor erhoben, saniert von 1999 bis 2003)
  • Die Stadtpfarrkirche St. Emmeram (Abbildung links) ist das Wahrzeichen der Stadt Wemding. Ihre zwei Türme mit den zwiebelförmigen Kuppeln sind 65 Meter hoch.
  • Das Geburtshaus (genannt Fuchshäuschen) des Botanikers Leonhart Fuchs liegt am Wemdinger Marktplatz. Das Häuschen war früher ein Nebengebäude des Bürgermeisterhauses (heute Bank).
  • Die Wemdinger Zeitpyramide wurde anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1993 mit einem Steinquader begonnen. Dieser Zeitraum des Bestehens wird in der Skulptur konzeptuell zum Ausdruck gebracht, indem die (aus 120 Steinquadern bestehende) Pyramide alle zehn Jahre um einen Stein erweitert wird.

Museen[Bearbeiten]

  • Das Heimatmuseum der Stadt informiert über die heimatgeschichtliche Vergangenheit, alte Handwerke, Militaria und religiöse Volkskunde. Es befindet sich im „Haus des Gastes“ und hat jeden Sonntag von 14 Uhr bis 16 Uhr geöffnet.
  • Der Folterturm mit Dokumentation der Hexenprozesse
  • Das KunstMuseum Donau-Ries mit wechselnden Ausstellungen und Veranstaltungen

Sport und Freizeit[Bearbeiten]

Sportvereine[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Fuchsien- und Kräutermarkt (meist erstes Juni-Wochenende)
  • Schäfflertanz in Wemding: Alle sieben Jahre findet in Wemding der traditionelle Schäfflertanz statt. Getragen wird der Schäfflertanz von der Wemdinger Bürgerschaft. Die Durchführung obliegt der Schäfflervereinigung Wemding. Der letzte Tanz fand im Jahr 2014 statt.
  • Pestprozession: Alle 20 Jahre (zuletzt 2012) wallfahren die Wemdinger und Amerbacher nach Oettingen in die Kirche St. Sebastian mit einer Pestkerze und lösen damit das mittelalterliche Versprechen ein, alle 20 Jahre nach Oettingen zu pilgern, damit die Pest in Wemding nicht weiter grassiert.
  • Altstadt- und Marktplatzfest (Juli)
  • Weihnachtsmarkt (Dezember)
  • Musik am Marktplatz (Mai bis August jeden Sonntag)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Leonhart Fuchs

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die ehemalige Bahnstrecke Nördlingen–Wemding wurde 1903 eröffnet. Bis 1981 fuhren dort Personenzüge. Montags bis samstags bestehen Busverbindungen der Verkehrsgemeinschaft Donau-Ries in verschiedene Richtungen.

Unternehmen[Bearbeiten]

Der französische Automobilzulieferer Valeo unterhält in Wemding ein Werk mit rund 1.200 Beschäftigten.[15]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wemding – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Vgl. Kudorfer,HAB, Teil Schwaben, Nördlingen, S. 36.
  3.  Sigmund Riezler: Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. Cotta, Stuttgart 1896, S. 204 (Digitalisat, abgerufen am 9. Juli 2013).
  4.  Wolfgang Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der frühen Neuzeit. 3., verbesserte und um ein Nachwort ergänzte Auflage. Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-53903-5, S. 303 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. a b  Wolfgang Behringer: Falken und Tauben. Zur Psychologie deutscher Politiker im 17. Jahrhundert. In: Problems in the Historical Anthropology of Early Modern Europe (= Wolfenbütteler Forschungen. Nr. 78). Harrassowitz, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03987-6, S. 259, DNB 95169393X (PDF-Dokument; 12,5 MB, abgerufen am 9. Juli 2013).
  6. a b  Reinhard Heydenreuter: Vor 400 Jahren: Die Hexenprozesse im bayerischen „Hexennest“ Wemding und der Tod zweier Hexenrichter. In: Bayerische Verwaltungsblätter. Zeitschrift für öffentliches Recht und öffentliche Verwaltung. 141. Jahrgang, Nr. 1/2010, Boorberg, München 1. Januar 2010, ISSN 0522-5337, S. II (PDF-Dokument; 1,75 MB, abgerufen am 9. Juli 2013).
  7. Vogl war als Gerichtsschreiber bereits an den Prozessen von 1609/10 beteiligt gewesen (Heydenreuter, 2010) und inzwischen zum Richter und Kastner aufgestiegen ( Zieringer-Nachrichten des Sippenverbands Ziering – Moritz – Alemann. 58. Jahrgang, Nr. 107, S. 4 (PDF-Dokument; 3,53 MB, abgerufen am 9. Juli 2013).). Später stieg er zum Amtspfleger auf und hatte diese Funktion bis 1651 inne ( Joseph Laber: Neue Chronik der Stadt Wemding in Bayern. Vom Jahre 1467 bis 1860. Beck, Nördlingen 1861, S. 169 (Digitalisat, abgerufen am 9. Juli 2013).).
  8.  Riezler: Geschichte der Hexenprozesse. 1896, S. 220.
  9. a b  Behringer: Hexenverfolgung. München 1997, S. 314.
  10.  Behringer: Hexenverfolgung. München 1997, S. 312.
  11.  Behringer: Hexenverfolgung. München 1997, S. 330.
  12.  Behringer: Hexenverfolgung. München 1997, S. 321.
  13.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 450
  14. Haus der Bayerischen Geschichte - Wappenangaben
  15. VALEO VSDC