Weißenborn (Hessen)

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Weißenborn führt kein Wappen
Weißenborn (Hessen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Weißenborn hervorgehoben
51.12472222222210.115277777778280Koordinaten: 51° 7′ N, 10° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Werra-Meißner-Kreis
Höhe: 280 m ü. NHN
Fläche: 15,6 km²
Einwohner: 1083 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37299
Vorwahl: 05659
Kfz-Kennzeichen: ESW, WIZ
Gemeindeschlüssel: 06 6 36 015
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 1
37299 Weißenborn
Webpräsenz: www.gemeinde-weissenborn.de
Bürgermeister: Thomas Mäurer (parteilos)
Lage der Gemeinde Weißenborn im Werra-Meißner-Kreis
Werra-Meißner-Kreis Hessen Sontra Waldkappel Hessisch Lichtenau Gutsbezirk Kaufunger Wald Großalmerode Berkatal Meißner Neu-Eichenberg Witzenhausen Herleshausen Ringgau Wehretal Weißenborn Eschwege Wanfried Meinhard Bad Sooden-Allendorf Niedersachsen Thüringen Landkreis Hersfeld-Rotenburg Schwalm-Eder-Kreis Landkreis KasselKarte
Über dieses Bild

Weißenborn ist eine Gemeinde im Werra-Meißner-Kreis in Hessen, Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Weißenborn liegt im nordhessischen Bergland etwa 8 km (Luftlinie) südöstlich von Eschwege und stößt an einen Grenzabschnitt zu Thüringen. Es befindet sich im Schlierbachswald, an den sich unweit südlich der Gemeinde der Ringgau anschließt. Unweit südwestlich von Weißenborn (ca. 280 m ü. NN) erhebt sich die Rabenkuppe (514,8 m ü. NN), knapp 6 km (Luftlinie) östlich der Ortschaft jenseits der thüringischen Grenze der Heldrastein (503,8 m ü. NN).

Geologie[Bearbeiten]

Der Ort befindet sich im Bereich des Trias. Seit dem Mittelalter wurde im Flurbezirk Auf der See ein Sandsteinvorkommen ausgebeutet, das dann zerkleinerte Material wurde als Stubenstreusand verkauft. Die so entstandenen umfangreichen höhlenartigen Abbaugruben und Schächte galten als Sehenswürdigkeit. Unter der Felswand der Graburg wurden hochwertige Kalksteinschichten entdeckt, deren Ausbeutung aber aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes unterbleibt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Weißenborn grenzt im Nordosten an die Stadt Treffurt, im Osten an die Gemeinde Ifta (beide im thüringischen Wartburgkreis), im Süden an die Gemeinde Ringgau, im Westen an die Gemeinde Wehretal, sowie im Nordwesten an die Stadt Eschwege (alle drei im Werra-Meißner-Kreis).

Gliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den beiden Ortsteilen Weißenborn und Rambach.

Geschichte[Bearbeiten]

Fundstücke bezeugen, dass schon ca. 2000 v. Chr. Menschen im Gebiet des heutigen Weißenborn lebten. Die umliegenden Berge, besonders die Graburg, die Schäfersburg und der Heldrastein mit der Hüneburg waren schon in frühgeschichtlicher Zeit von Bedeutung. Die Gemeinde selbst wurde erstmals 1365 urkundlich erwähnt: 1365, an Sente Egidii tage veräußerten die Gebrüder Conrad und Otto von Völkershausen ihre Privilegien, die sie bisher über die fünf Dörfer Wißenborn, Rampeche, Heldere, Helderbeche und Alden Bursla besaßen, mit Gericht und allem Recht an den Landgrafen Otto I. von Hessen für siebzig Mark Eschweger Währung, während ihr Dorf „Volkershusen" von diesem Verkauf ausgeschlossen blieb.

Für die Ortsgeschichte waren zuvor die auf der benachbarten Burg Normannstein ansässigen Herren von Treffurt bestimmend. Starke kulturelle Impulse gingen von der im Nachbarort Großburschla befindlichen Stiftskirche Sankt Bonuifacius aus, die Stiftsherren waren bis zur Reformation im Besitz umfangreicher Ländereien und Wälder (Stiftswald). Die Nutzungsrechte an diesem Waldbesitz ging im Anschluss an die Allendorfer Salzsieder (Pfännerschaft) über, welche große Teile des Forstbezirkes als Hauwald nutzten. Für die Saline wurde auch das jährlich benötigte Baumaterial für die Dorngradierhäuser bereitgestellt. Eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung besaß der Sandhandel für das Dorf Rambach. Die sogenannten Tatern, wohl eine zeitweise sesshafte Gruppe Zigeuner hatten den Abbau und Handel dieses Wirtschaftsgutes übernommen.

Der Dreiherrenstein und weitere Grenzsteine auf dem Heldrastein bezeugen die zeitweise Zugehörigkeit Weißenborns zum Königreich Preußen. Seit dem späten 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg war die Mehrzahl der erwerbsfähigen männlichen Bewohner gezwungen, sich als Wanderarbeiter in Norddeutschland und im Rheinland zu verdingen, die Ortschronik nennt diese Zeit das Dorf ohne Männer.

Durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes gewann der Heldrastein eine touristische Bedeutung wovon auch die Umlandgemeinden einen Nutzen ziehen konnten. Auf dem Gipfel entstand der Carl-Alexander-Turm.

Der letzte Krieg brachte auch in Weißenborn und Rambach Tod und unbeschreibliches Leid mit sich, dabei wurden noch kurz vor Kriegsende 11 Wohnhäuser und 34 Wirtschaftsgebäude zerstört oder schwer beschädigt. Diese Schäden im Ort wurden jedoch rasch unter Leitung des damaligen Bürgermeister Witthüser beseitigt werden. Weit problematischer wurde die mit der Deutschen Teilung geschaffene Grenzlage unmittelbar am Rande der damaligen Sowjetischen Besatzungszone. Insbesondere die zuvor engen familiären und wirtschaftlichen Verbindungen zu den thüringischen Nachbarorten wurden gekappt.

In den 1950er Jahren siedelten sich in den Ortsteilen mehrere heimatvertriebene Familien und Flüchtlinge an. Bemerkenswert ist das Engagement von Dr. Lischewski, welcher in Weißenborn eine neue Heimat fand und sich als Initiator zahlreicher Vereine einen Namen machte. Seit Mitte der 1960er Jahre mussten die Bewohner den schrittweisen Ausbau der Grenzsperranlagen durch das DDR-Regime ohnmächtig ertragen. Landbesitz in den thüringischen Nachbarorten war nicht mehr erreichbar oder wurde enteignet. Die Ortsverbindungswege nach Großburschla und Ifta wurden gekappt. Auf hessischer Seite wurden später durch den Bundesgrenzschutz Straßen und Wege sowie mehrere Beobachtungspunkte für Besucher angelegt.

Religionen[Bearbeiten]

Die evangelische Kirchgemeinde Weißenborn-Rambach gehört im Kirchenkreis Eschwege zum Sprengel Kassel der Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 wurde die Nachbargemeinde Rambach eingegliedert.[2]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[3]

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
42,6 %
29,1 %
28,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-11,3 %p
+6,2 %p
+5,0 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 42,6 7 53,9 8 51,2 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 29,1 4 22,9 3 21,9 3
FWG Freie Wählergemeinschaft Weißenborn und Rambach 28,2 4 23,2 4 26,9 4
Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15
Wahlbeteiligung in % 67,9 72,0 71,6

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Es besteht eine Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Hesseneck im Odenwald.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Dörnermann[Bearbeiten]

Die Einwohner Weißenborns werden als Dörnermänner bezeichnet. Eine entsprechende Figur ziert auch das Ortswappen. Dieser Rufname geht wohl zurück auf die Zeit, als man mit dem Verkauf von Dornreisigbündeln als Brennmaterial, ab dem 17. Jahrhundert dann in großen Mengen für die Gradieranlagen in den Salinen von Bad Sooden-Allendorf und in der Nachbarstadt Creuzburg den Lebensunterhalt bestreiten musste.

Rambacher Mattenklicker[Bearbeiten]

Der Beiname der Rambacher Bewohner ist Mattenklicker.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Im Rahmen der Dorferneuerungsprogramme wurden die beiden Ortsteile in den letzten 20 Jahren grundlegend saniert und erneuert. Rambach wurde Bundessieger im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden. Nahe der Kirche von Weißenborn befindet sich eine Heimatstube mit zahlreichen Exponaten aus dem bäuerlichen Leben. In der Ortslage befinden sich zwei mittelalterliche Sühnekreuze als Zeugnisse der Ortsgeschichte. Die beiden Ortsteile sind von zahlreichen Aussichtspunkten und Naturschönheiten umgeben. Die ehemaligen Grenzsperranlagen sind weitestgehend beseitigt worden, der Grenzstreifen wurde Teil des Grünen Bandes. Auf dem Heldrastein befindet sich der Dreiherrenstein – ein markanter Grenzstein der Länder Königreich Preußen, Kurfürstentum Hessen und Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach von 1837.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Weißenborn (Hessen)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wegen der abgeschiedenen Lage an der innerdeutschen Grenze blieb die wirtschaftliche Entwicklung gehemmt, ein bereits in den 1930er Jahren geplantes Zementwerk wurde nicht gebaut, statt dessen bildete seit den 1960er Jahren der Fremdenverkehr eine wachsende Rolle. Im Mai 2014 wird der Premiumweg 15 Graburg für Wanderer eröffnet.

Verkehr[Bearbeiten]

Über die Bundesstraße 7 (Kassel-Eisenach) und B 250 (Wanfried-Creuzburg) ist der Ort an das Straßennetz angeschlossen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Der legendäre Räuber Henning trieb im Gebiet um den Heldrastein sein Unwesen, vor dem Krieg konnte man noch seinen Schlupfwinkel, eine Felshöhle besichtigen.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Für die Entwicklung des Ortes hat sich Dr. Lischewski verdient gemacht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Blüsse: Zwischen Graburg und Schlierbachswald. Eine Heimatkunde des Dorfes Weißenborn. Eschwege 1957, 254 S.
  • Otto Blüsse: Vom Bauerndorf zum Fremdenverkehrsort In: Das Werraland. 17. Jahrgang, Eschwege 1965, S. 37-39
  • Georg Morgenthal: Weißenborn und Rambach – schmucke Orte in idyllischer Umgebung. In: Land an Werra und Meißner – ein Heimatbuch. Korbach 1983, S. 335–339

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 388.
  3. Wahlergebnis auf hsl.de