Bad Bocklet

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Bad Bocklet
Bad Bocklet
Deutschlandkarte, Position des Marktes Bad Bocklet hervorgehoben
Koordinaten: 50° 16′ N, 10° 5′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Bad Kissingen
Höhe: 229 m ü. NHN
Fläche: 37,93 km2
Einwohner: 4565 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 120 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97708
Vorwahl: 09708
Kfz-Kennzeichen: KG, BRK, HAB
Gemeindeschlüssel: 09 6 72 112
Marktgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Kleinfeldlein 14
97708 Bad Bocklet
Webpräsenz: www.badbocklet.de
Bürgermeister: Wolfgang Back (CSU)
Lage des Marktes Bad Bocklet im Landkreis Bad Kissingen
Dreistelzer Forst Forst Detter-Süd Geiersnest-Ost Geiersnest-West Waldfensterer Forst Kälberberg (Unterfranken) Mottener Forst-Süd Neuwirtshauser Forst Omerz und Roter Berg Römershager Forst-Nord Römershager Forst-Ost Roßbacher Forst Waldfensterer Forst Großer Auersberg Münnerstadt Thundorf in Unterfranken Maßbach Rannungen Nüdlingen Oerlenbach Bad Kissingen Aura an der Saale Bad Bocklet Euerdorf Sulzthal Ramsthal Elfershausen Fuchsstadt Hammelburg Elfershausen Wartmannsroth Oberthulba Oberthulba Oberthulba Burkardroth Burkardroth Zeitlofs Zeitlofs Bad Brückenau Bad Brückenau Oberleichtersbach Geroda (Unterfranken) Schondra Schondra Schondra Riedenberg Motten (Bayern) Wildflecken Hessen Landkreis Rhön-Grabfeld Landkreis Main-Spessart Landkreis Schweinfurt Landkreis Haßberge Landkreis Haßberge SchweinfurtKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Die Verleihung des Titels Bad.
Urkunde vom 12. November 1937
Blick auf Bad Bocklet
(vom Kurpark aus)
Brunnenhalle (Vorderansicht)
Brunnenhalle (Rückansicht)
Ruhepause
(im Kurpark von Bad Bocklet)
Hochwasser (2011) vor dem Neubaugebiet Kleinfeldlein

Bad Bocklet ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Der Kurort mit der stärksten Stahlquelle Deutschlands ist ein Bayerisches Staatsbad.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in einer Schleife der Fränkischen Saale etwa zehn Kilometer nördlich der Kreisstadt Bad Kissingen. Im Norden grenzt die Gemeinde an den Landkreis Rhön-Grabfeld.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Bocklet gliedert sich in sechs Ortsteile[2]:

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Namen Bocklet liegt mundartlich bogl, für „Buckel“ zugrunde, das durch das Kollektivsuffix -at abgeleitet wurde. Der Ortsname geht also auf eine Erhebung im Gelände zurück.[3]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1122 „Bockelat“
  • 1296 „Boklat“
  • 1315 „Boclat“
  • 1317 „Bogkalat“
  • 1318 „Boglat“
  • 1322 „Bockelat“
  • 1340 „Bokkelot“
  • 1366 „Bocklat“
  • 1503 „Bocklet“
  • 1593 „Bocklich“
  • 1799 „Bocklet“
  • 1937 „Bad Bocklet“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bocklet wurde erstmals im Jahr 1122 in einer Stiftungsurkunde des Klosters Aura erwähnt. Als Teil des Hochstiftes Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte, wurde Bocklet 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert und im Frieden von Preßburg 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen, mit dem es 1814 endgültig an das Königreich Bayern fiel, das bis 1918 bestand.

Erhebung zum Bad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus verfügte Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp am 12. November 1937[4] die Erhebung des Kurortes Bad Bocklet zum „Bad“, was durch den offiziellen Erlass des Ministeriums des Innern (IME) Nr. 3008b 190 nachträglich am 29. November 1937 amtlich bestätigt wurde.[5]

Patenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Juli 2008 übernahm Bad Bocklet offiziell die Patenschaft für das Offizieranwärterbataillon in Hammelburg.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Bad Bocklet, Aschach bei Bad Kissingen und Großenbrach zur neuen Gemeinde Bocklet zusammengeschlossen. Am 16. Februar 1972 erhielt diese neue Gemeinde den Namenszusatz Bad.[6]

Am 1. Mai 1978 folgte der Markt Steinach an der Saale mit den Ortsteilen Steinach an der Saale, Hohn, Roth an der Saale und Nickersfelden.[7]

Balthasar-Neumann-Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschlands stärkste Eisenquelle, deswegen früher auch Stahlquelle, heute Balthasar-Neumann-Quelle genannt, wurde 1724 vom Aschacher Ortspfarrer Schöppner entdeckt. Das Heilwasser enthält außer dem starken Eisenanteil und dem großen Teil weiterer Mineralien ungewöhnlich viel gelöste Kohlensäure. Diese bewirkt bei Trink- und Badekuren eine schnelle Wirkung der Mineralien und der elektrochemischen Reaktionen. Die Stahlbäder haben neben der belebenden und stärkenden Wirkung auch einen höchst angenehmen Prickeleffekt.

Der Würzburger Fürstbischof Christoph Franz von Hutten ließ die Quelle erstmals 1725 durch seinen Hofarchitekten und Ingenieur Balthasar Neumann, der auch gelernter Brunnenbauer war, fassen. Er entdeckte dabei uralte Eichenbalken und Waffenteile, die auf eine Verehrung der Quelle in keltischer oder germanischer Zeit schließen lassen. Bocklet wurde fürstbischöfliches Hofbad und genoss durch die romantische Lage in intakter Natur und die hervorragende Wirkung des Heilwassers einen ausgezeichneten Ruf.

Bedeutende Besucher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im späteren Bayerischen Staatsbad Bocklet kurten auch bedeutende Persönlichkeiten wie die bayerische Kronprinzessin Marie 1844 und nochmals als Königin 1852. Auch internationale Politiker, Adel und Geldadel stärkten sich durch die erholsame Ruhe im sehenswerten Kurgarten und das Heilwasser der Stahlquelle, u. a. der russische Staatskanzler von Nesselrode, Prinzessinnen und europäische Diplomaten sowie russische Militärs.

Viele adelige Damen kamen wegen Unterleibsproblemen ins Bockleter Bubenbad zur Kur, die nicht wenigen half: Marie von Bayern konnte nach ihrer Kur mit Moor- und Mutterlaugenbädern endlich den ersehnten Thronfolger, den späteren Märchenkönig Ludwig II., gebären.

Nicht allen hoffnungsvollen hochadeligen Kurgästen, wie zuletzt Soraya von Persien 1956, konnte allerdings wegen ihrer ernsteren Symptome geholfen werden.

Ein kleines Drama spielte sich in Bocklet 1800 ab. Der damals berühmteste deutsche Arzt, Christoph Wilhelm Hufeland, empfahl Caroline Schlegel, einer emanzipierten und gebildeten Frau, deren Salon Treffpunkt des Jenaer Romantikerkreises war, aufgrund ihrer ernsten fiebrigen Erkrankung (vermutet wird Typhus) eine Kur mit dem heilenden und stärkenden Stahlwasser Bocklets. Über Bamberg, wo ihr Geliebter Friedrich Wilhelm von Schelling sich über neuartige Naturheilverfahren weiterbildete, reiste sie mit ihrer 15-jährigen Tochter Auguste Böhmer, die nicht nur Goethe talentiert und liebreizend fand, nach Bocklet. Auguste half bei der Pflege ihrer Mutter, erkrankte aber selbst. Ihre Mutter genas schnell, während Auguste starb und in Bocklet begraben wurde. Da sich Schelling mit seinen damals ungewöhnlichen Heilmethoden federführend in die Behandlung beider eingemischt hatte, handelte er sich die massive Missbilligung vor allem von Dorothea Veit-Schelling, geborener Mendelsohn ein. Differente Parteinahme der Jenaer und Schuldgefühle Karolines, die noch mit August Wilhelm Schlegel verheiratet war, wegen ihrer Mesalliance mit Schelling und Augustes Tod als die empfundene Bestrafung dafür ließen einen Streit entstehen, der im Jenaer Romantikerkreis eskalierte und ihn zerbrechen ließ. Für Auguste Böhmer entwarf Friedrich von Gärtner ein Grabmal, das Bertel Thorvaldsen in Rom aus weißem Marmor anfertigte. Da es wegen des Streits und wohl auch aus finanziellen Gründen nie nach Bocklet gelangte, ist es heute im Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen ausgestellt. Nach Bocklet kam nur ein Gipsabdruck dieses künstlerisch bemerkenswerten und feinfühligen Triptychons. Für die These, dass Goethe tatsächlich der leibliche Vater Augustes gewesen sein könnte, sprechen zwar einige Fakten und sein permanent relativ großes Interesse an Auguste, es konnte jedoch bis heute kein unzweifelhafter Beweis dafür erbracht werden.

Die Schlossherren im Ortsteil Aschach, die Grafen von Luxburg, empfingen häufig bekannte Gäste wie Bismarck, die spätere Kaiserin Auguste Victoria und viele andere Persönlichkeiten.

Heute werden die historischen Gäste von der Gruppe Rondo Historica dargestellt.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktgemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Der Marktgemeinderat von Bad Bocklet hat 17 Mitglieder einschließlich des hauptamtlichen Bürgermeisters.

CSU SPD Freie Christliche Wählergemeinschaft Gesamt
2008 10 3 4 17 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 2. März 2008)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Blau ein silberner Brunnen, darüber rechts ein goldenes Schildchen, darin auf grünem Dreiberg eine linksgewendete, rot bewehrte schwarze Henne, links ein silbernes Schildchen, darin unter zwei schräg gekreuzten roten Streitkolben eine rote heraldische Rose.

Wappengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Bocklet entstand in seiner heutigen Größe im Jahr 1972 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Steinach an der Saale, Aschach, Bad Bocklet und Großenbrach. Die Wappen von Aschach, Bad Bocklet und Steinach sind dabei als Grundlage für ein neues Wappen verwendet worden. So wurde der Heilbrunnen aus dem Wappen von Bad Bocklet übernommen. Der kleine Schild mit der Henne, dem Wappen der Grafen von Henneberg, steht für die ehemalige Gemeinde Aschach. Die von Hennebergs hatten im Mittelalter dort die Ortsherrschaft. Die beiden roten Streitkolben sind dem Wappen der ehemaligen Gemeinde Steinach an der Saale entnommen. Die Rose wurde erst im heutigen Wappen hinzugefügt. Die Streitkolben stammen aus dem Wappen der Forstmeister Lebenhan-Rotenkolben. Sie waren die Forstmeister im so genannten Salzforst. Die Farben Silber und Blau sind die Farben Bayerns. Sie stehen für die Bezeichnung Bayerisches Staatsbad. Das Wappen wurde am 16. Februar 1982 amtlich verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weitläufiger Kurgarten
  • Naturkundelehrpfad in Aschach

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Miniaturgolfanlage
  • Wander- und Radwege entlang der Saale
  • Trimm-Dich-Pfad am Rande von Bad Bocklet
  • Tennisplätze
  • Nordic Walking: Bad Bocklet ist DSV Nordic Walking Zentrum mit drei vom Deutschen Skiverband zertifizierten Strecken mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regelmäßig im Mai finden die Quellentage statt. Eine Veranstaltungsreihe von sieben bis neun Tagen mit Unterhaltung, Musik, Vorträgen, Kurgartenbeleuchtung und vielem mehr. Den Abschluss bildet in der Regel ein großes Feuerwerk.
  • Eine weitere Kurgartenbeleuchtung mit einem großen Feuerwerk zum Abschluss findet im August statt.
  • Von April bis Oktober besteht die einzige in Deutschland noch in Betrieb befindliche Postkutschenlinie Bad Kissingen–Bad Bocklet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111111/220208&attr=OBJ&val=1561
  3. a b Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 30 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Ausstellungsdatum der offiziellen Urkunde im Besitz der Gemeindeverwaltung Bad Bocklet.
  5. Geologica Bavarica, Bände 62-63, Bayerisches Geologisches Landesamt, 1970, Seite 37f.
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 426 und 427.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 738.
  8. Bayer. Staatsarchiv, Würzburg und Archiv der Saalezeitung Bad Kissingen, Kurlisten von Bad Kissingen und Bocklet

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bad Bocklet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Bocklet – Reiseführer