Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil

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Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil
Trägerschaft Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Ort Bochum-Wiemelhausen
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 28′ 7″ N, 7° 12′ 40″ OKoordinaten: 51° 28′ 7″ N, 7° 12′ 40″ O
Leitung Ralf Wenzel (Geschäftsführer), Thomas A. Schildhauer (Ärztlicher Direktor)
Versorgungsstufe Maximalversorgung
Betten 652
Mitarbeiter 2.320 (2015)
davon Ärzte 276
Fachgebiete 23
Zugehörigkeit Ruhr-Universität Bochum
Gründung 1890
Website www.bergmannsheil.de

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil bildet eine nicht landeseigene Universitätsklinik am Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Es gehört zur Unternehmensgruppe der BG Kliniken[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau und frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsbereich des Bergmannsheil

Zwischen 1888 und 1890 entstand das Bergmannsheil (damals: Bergbau-Berufsgenossenschaftliche Krankenanstalten Bergmannsheil) als Spezialklinik zur Unfallversorgung der Bergleute des Ruhrgebietes.[2] Es gilt als die älteste Unfallklinik der Welt.[3] Verantwortlich war die Bergbau-Berufsgenossenschaft (damals Knappschafts-Berufsgenossenschaft), die mit der Neugründung auf die seinerzeit hohen Unfallzahlen im Ruhrbergbau reagieren wollte.[4]

Die spezielle unfallmedizinische Ausrichtung der Klinik war zu jener Zeit ein Novum und äußerte sich auf vielerlei Weise: Damit Unfallverletzte beispielsweise möglichst schnell in die Klinik befördert und dort versorgt werden konnten, wurde von Anbeginn ein Krankentransportwagen vorgehalten – anfangs noch von Pferden gezogen, später motorisiert. Seit 1892 gab es ein sogenanntes „Medico-mechanisches Institut“, das die Nachbehandlung und Rehabilitation von verunfallten Patienten zu verbessern half. 1896 folgte die Einrichtung eines „Röntgen-Cabinets“, wodurch diese noch sehr junge diagnostische Methode im Bergmannsheil zur Anwendung kam.

Haus 3 des Universitätsklinikums Bergmannsheil

Kriegszeit und Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während und nach dem Ersten Weltkrieg behandelte das Bergmannsheil viele verwundete Soldaten und Kriegsverletzte. Seit 1918 wurden Prothesen für amputierte Patienten in einer eigenen orthopädischen Werkstatt hergestellt. 1919 wurden eine Prosektur und 1920 eine „Innere und Nervenabteilung“ eingerichtet, die 1929 ein eigenes Gebäude bezog. Die Prosektur ging später in das Institut für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil über. Außerdem wurden eine eigene Apotheke und eine Krankenpflegeschule eingerichtet, daneben wurde auch der chirurgische Kernbereich neu strukturiert.[5]

Während des Zweiten Weltkriegs legte die Organisation Todt unter dem Bergmannsheil ein System von Stollen zum Schutz gegen Luftangriffe an. In der Bombennacht des 4. November 1944 wurde das Krankenhaus vollständig zerstört.

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Wiederaufbau, der unter anderem durch Kompensation von Kohle, die beim Bau der Stollen gefunden worden war, gegen Baumaterialien finanziert werden konnte, wurde das medizinische Spektrum noch mehr erweitert: Zu nennen sind hier zum Beispiel die Abteilung für Querschnittgelähmte (1952) und der Aufbau einer Abteilung für Schwerbrandverletzte (1964), der heutigen Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte. Weiterhin wurden Abteilungen für Anästhesie sowie Radiologie und Nuklearmedizin gegründet sowie mehrere Abteilungen für Inneren Medizin. Diese gewannen zunehmend an Bedeutung, differenzierten sich und entwickelten sich zu eigenständigen Abteilungen und Kliniken. Dies ging einher mit der Veränderung des Patientenklientels des Bergmannsheil und seiner Entwicklung von einem Spezial- zu einem Allgemeinkrankenhaus. Den Hintergrund bildeten Bergbaukrise und Zechensterben: Denn mit den Beschäftigtenzahlen im Bergbau sanken auch die Arbeitsunfälle kontinuierlich, die stetig verbesserten Maßnahmen zur Unfallprävention und zum Arbeitsschutz der Berufsgenossenschaften taten ihr Übriges. Die Klinik öffnete sich verstärkt für andere Patientengruppen – allerdings ohne ihre historisch begründeten Schwerpunkte in der Chirurgie und Unfallmedizin aus dem Blick zu verlieren. Heute ist das Bergmannsheil ein Krankenhaus mit Maximalversorgungsstandard.[6]

Seit dem Jahr 1977 ist das Bergmannsheil eine Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum im Rahmen des Bochumer Modells. Dieses anfangs mit weiteren Bochumer Krankenhäusern als Provisorium gestartete „Bochumer Modell“, das anstelle einer ursprünglich geplanten Campus-Klinik die Medizinerausbildung für die Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität sicherstellte, wurde schließlich zur dauerhaften Lösung erklärt. Durch die Anbindung an die Medizinische Fakultät konnte das Bergmannsheil auch seine Aktivitäten in Wissenschaft und Forschung nun in einem universitären Kontext fortführen und intensivieren.[7]

Seit 1. Januar 2007 firmiert das Bergmannsheil nach Umwandlung der Rechtsform als „Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH“. Zum 1. Januar 2016 wurde das Bergmannsheil als eine Tochtergesellschaft in den neu gegründeten Konzern der BG Kliniken übernommen.[8]

Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein neues achtstöckiges Bettenhaus, dessen Baukosten rund 50 Millionen Euro betrugen, wurde im Dezember 2006 eröffnet. Das Haus, das alle anderen Gebäude überragt, stellt 2 Hubschrauberlandeplätze, 253 Bettenplätze mit sehr hohem Komfort und 41 Intensivüberwachungsbetten bereit. Großteilig finanziert wurde dieser Bau sowie das ganze Klinikum durch seinen früheren Träger, die Bergbau-Berufsgenossenschaft, die die gesetzliche Unfallversicherung aller deutschen Bergbau-Unternehmer war. Sie hat sich im Januar 2010 mit anderen Berufsgenossenschaften zur heutigen Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) vereinigt.

Im April 2008 wurde mit dem Bau eines mehrstöckigen Forschungsgebäudes zwischen den Häusern 2 und 10 begonnen. Der viergeschossige, kubusförmige Anbau schließt an Haus 10 an wurde im November 2009 fertiggestellt. Er gehört zum Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, einem Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA).

Im September 2010 wurde der Spatenstich gesetzt zum Bau eines neuen Funktionstraktes und Bettenhauses am Bergmannsheil. Der neue Funktionstrakt entsteht zwischen den Häusern 1 und 3 und enthält eine interdisziplinäre Notfallaufnahme, ein OP-Zentrum, neue und erweiterte Intensivkapazitäten sowie Funktionseinrichtungen. Auch das alte Bettenhaus 2 wird abgerissen und macht einem Neubau Platz. Das Bauprojekt wird in zwei Bauabschnitten realisiert. Der erste Bauabschnitt wurde im Juni 2013 eingeweiht. Das gesamte Bauprojekt soll 2018 in Betrieb sein und kostet über 130 Millionen Euro.[9]

Mit der Fusion der neun berufsgenossenschaftlichen Akutkliniken der gesetzlichen Unfallversicherung wurde das Bergmannsheil am 1. Januar 2016 Teil des Konzerns der BG Kliniken[10]

Großbrand am 30. September 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brand des Hauses 1 am 30. September 2016
Brandschäden an der Fassade des Hauses 1

In der Nacht vom 29. auf den 30. September 2016 zerstörte ein von einer Patientin in suizidaler Absicht[11] gelegter Brand mehrere Stockwerke und das Dach des 1986 eröffneten Bettenhauses 1. Zwei Menschen wurden getötet und sieben schwer verletzt.[12][11] Der Bochumer Berufsfeuerwehrmann und Sprecher der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft Udo Lipp kritisierte später, es seien in der ersten Phase viel zu wenig Feuerwehrleute vor Ort gewesen, sodass kein koordinierter Löschangriff möglich gewesen sei.[13] Der zuständige Amtsleiter der Stadt Bochum, Dirk Hagebölling, widersprach dieser Kritik.[14]

Zahlen und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In 23 verschiedenen Kliniken und Fachabteilungen werden bis zu 652 Patienten gleichzeitig stationär behandelt. Das Bergmannsheil verfügt über vier spezialisierte Intensivstationen, eine interdisziplinäre Intermediate-Care-Station und 18 Normalstationen, darüber hinaus über eine Notfallaufnahme, mehrere Polikliniken und verschiedene Spezialambulanzen. Dadurch sichert die Klinik ein breites, hoch differenziertes Spektrum an medizinischen Leistungsbereichen ab. Das Bergmannsheil ist zertifiziert als überregionales Traumazentrum[15] und ist Gründungsmitglied im Traumanetzwerk Ruhrgebiet.[16] Über 60.000 ambulante und rund 20.000 stationäre Patienten behandelt das Klinikum Bergmannsheil jährlich, über 10.000 Operationen, fast 3.000 Notarztwageneinsätze und 200 Hubschrauberanflüge gibt es pro Jahr. Mehr als 2.000 Mitarbeiter sind an dem Universitätsklinikum beschäftigt. Drei angeschlossene Institute sowie zahlreiche Tochterfirmen, Einrichtungen und kooperierende Praxen zur Weiterbehandlung der Patienten sind auf dem Bürkle-de-la-Camp-Platz, dem Klinikgelände mit einer Größe von über 72.000 m², konzentriert.

Kliniken und Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Chirurgische Klinik und Poliklinik
    • Chirurgische Klinik – Unfall- und Wiederherstellungschirurgie sowie Orthopädie
    • Chirurgische Klinik – Abteilung für Rückenmarkverletzte
    • Chirurgische Klinik – Abteilung für Neurotraumatologie und Neurochirurgie
    • Chirurgische Klinik – Septische Chirurgie
    • Chirurgische Klinik – Viszeralchirurgie
  • Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte
  • Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
  • Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin
    • Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin – Abteilung für Schmerzmedizin
  • Medizinische Klinik I – Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie sowie Gastroenterologie und Hepatologie
    • Medizinische Klinik I – Abteilung für Allgemeine Innere Medizin
    • Medizinische Klinik I – Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie
    • Medizinische Klinik I – Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie
  • Medizinische Klinik II – Kardiologie und Angiologie
  • Medizinische Klinik III – Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin
  • Neurologische Klinik und Poliklinik
    • Neurologische Klinik – Abteilung für Neurologische Traumatologie und Neurorehabilitation
  • Institut für Radiologische Diagnostik, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin
  • Institut für Klinische Chemie, Tranfusions- und Laboratoriumsmedizin
  • Apotheke und klinische Pharmazie
  • Reha-Zentrum

Darüber hinaus kooperiert das Bergmannsheil mit dem Zentrum für neuronales Bewegungstraining (ZNB)[17] im Bereich der exoskelettgestützten Rehabilitation von querschnittgelähmten Patienten, das sich in direkter Nachbarschaft zum Bergmannsheil befindet. Bei der Behandlung von berufsgenossenschaftlich versicherten Patienten arbeitet es mit dem Rehabilitationszentrum Medicos Auf Schalke[18] in Gelsenkirchen zusammen. Weitere Institute sind dem Bergmannsheil auf dem Krankenhausgelände angegliedert.

Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Standort des Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB) ist das Bergmannsheil mit seinen Einrichtungen und Instituten auch in Aufgaben der Forschung und Lehre eingebunden. Darüber hinaus sind vier spezialisierte Forschungsinstitute an die Klinik angegliedert. Dabei handelt es sich um das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IPA), ein Institut der Ruhr-Universität Bochum, das Institut für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil, das Deutsche Mesotheliomregister und das Heimer-Institut für Muskelforschung. In der MTA-Schule am Bergmannsheil wird Medizinisch-Technisches Fachpersonal in den Bereichen Labormedizin und Radiologie ausgebildet. Der Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal ist das Bildungszentrum Bergmannsheil in der Bochumer Bessemerstraße gewidmet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990.
  • Initiativkreis Ruhrgebiet: Klinik-Führer Rhein Ruhr 2010/2011. Klartext Verlag, Essen 2010, ISBN 978-3-8375-0209-1, S. 98–103.
  • 125 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. vom Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil. Bochum 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bergmannsheil Bochum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.bg-kliniken.de/
  2. Zur Entstehung vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904), 2. Band, Die Revision der Unfallversicherungsgesetze und die Praxis der Unfallversicherung, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Darmstadt 2009, S. 2, 51–57, 74 f., 272.
  3. Josef Boyer, Bergmannsheil 1890-1990, in: 100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990, S. 37ff.
  4. 100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990, S. 38 ff.
  5. 100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990, S. 41 ff.
  6. 100 Jahre Bergmannsheil. Hrsg. von der Bergbau-Berufsgenossenschaft, Bochum. Gütersloh 1990, S. 78 ff.
  7. Website des UK RUB/Historie
  8. Konzern-Website der BG Kliniken - Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH
  9. Bericht aus der WAZ vom 20. August 2015
  10. Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung: Fusion der BG Kliniken: Konzernstart 2016 (23.02.2016)
  11. a b Reiner Burger: Patientin hat verheerenden Brand in Bochum gelegt. In: FAZ. 4. Oktober 2016, abgerufen am 5. Oktober 2016.
  12. Bochum - Brand in Uniklinik: Zwei Tote und 16 Verletzte - SPIEGEL ONLINE. Abgerufen 30. September 2016, von http://www.spiegel.de/panorama/bochum-mehrere-tote-bei-feuer-in-krankenhaus-a-1114653.html.
  13. Bernd Kiesewetter: Gewerkschaft übt scharfe Kritik am Feuerwehreinsatz in Bochum. In: www.derwesten.de. Abgerufen am 25. Oktober 2016.
  14. Feuerwehr-Chef kritisiert Schüren von Ängsten. In: www.derwesten.de. Abgerufen am 26. Oktober 2016.
  15. Traumazentrum
  16. Traumanetzwerk Ruhrgebiet
  17. http://ccr-deutschland.de/znb/
  18. http://www.medicos-aufschalke.de/