Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei

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Statue vor dem Firmensitz an der Hunscheidtstraße in Wiemelhausen

Die Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik und Eisengießerei GmbH ist ein traditionsreiches mittelständisches Unternehmen in Bochum im Bereich des Maschinenbaus.

Das Unternehmen wurde 1864 von Johann Henrich Carl Eickhoff (* 2. Februar 1808, † 11. September 1864) als Gießerei gegründet. Das Unternehmen betätigt sich seit diesem Zeitpunkt als Zulieferer für den Bergbau auf Steinkohle, Erz und Salz im Ruhrgebiet und weltweit in anderen Bergbaugebieten. Als zweites Standbein nutzt das Unternehmen die im Bergbau gewonnenen technischen Erfahrungen für die Ausweitung des Geschäftes in andere Branchen, so zum Beispiel für den Bau von Getrieben für Windkraftanlagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1871 übernahmen die beiden Söhne des Firmengründers Carl (* 5. April 1845, † 29. April 1908) und Robert (* 19. Juni 1849, † 8. August 1904) die Geschäftsführung von ihrer Mutter Elisabeth (* 28. November 1808, † 11. Juli 1888[1]), die seit dem Tode des Vaters das Unternehmen leitete. Seit diesem Zeitpunkt trägt das Unternehmen den noch heute gültigen Namen. Robert Eickhoff war für den technischen Bereich der Geschäftsführung zuständig, Carl Eickhoff für den kaufmännischen Anteil.

Der erste Standort des Unternehmens befand sich an der Landstraße nach Essen in direkter Nachbarschaft zum Bochumer Verein. Ein Indiz für das Wachstum des Betriebes ist die Gründung einer eigenen Betriebskrankenkasse im Jahre 1885. Produziert wurden in diesem Zeitraum Weichen und anderes Gleismaterial für die neu aufkommenden Straßenbahnen im Ruhrgebiet. Hinzu kam die Lieferung von Maschinenteilen an den Bochumer Verein und an Krupp.

Nach dem Tode von Carl Eickhoff übernahm sein Sohn Alfred sen. (* 12. März 1884, † 27. Januar 1949) das Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 346 Mitarbeiter zu verzeichnen, das Unternehmen expandiert in andere Bergbaugebiete und gründet Filialen unter anderen in Belgien und England. Ab 1949 war Alfred jun. (* 28. September 1910, † 28. Mai 1981) für die Führung des Unternehmens verantwortlich, zeitgleich fiel die Umwandlung der Firma in eine GmbH.

1907 wurden bei Eickhoff die ersten Schüttelrutschen hergestellt, deren wesentliche Bestandteile durch ein Patent von Robert Eickhoff geschützt waren. 1914 begann das Unternehmen mit der Produktion der Schrämmaschinen, mit der die Mechanisierung des Steinkohlebergbaus begann. Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch den Verlauf des Ersten Weltkrieges, als qualifizierte Bergleute fehlten und durch Maschinen ersetzt werden mussten. Ab 1929 wurden auch Gurtförderer für den Einsatz über- und untertage ins Produktionsprogramm aufgenommen.

1939 erfolgte der Umzug der Fabrik in die heutige Produktionsstätte in Wiemelhausen etwa 2 km südlich der Bochumer Innenstadt. Der Neubau war bereits 1921 begonnen worden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war auch die Fabrik durch Luftangriffe schwer beschädigt. Sie wurde in den Folgejahren neu aufgebaut und stetig erweitert. 1964 waren 1630 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Gleichzeitig wurde der Standort zu einer leistungsfähigen Gießerei für Gusseisen und Stahlguss ausgebaut, das Gewicht der Gussstücke kann bis zu sechs Tonnen betragen. Die Gießerei liefert heute Spezialitäten in hochwertigen Legierungen, angefangen von Grauguss (GG), Sphäroguss (GGG) und Gussstahl (GS) bis hin zu verschleißfesten Werkstoffen wie NiHard IV, die in der Panzerung von reibungsbehafteten Baugruppen benötigt werden.

Gleichzeitig wurde die mechanische Werkstatt aufgebaut, in der die zuvor produzierten Werkstücke zerspanend bearbeitet werden.

Heute ist das Unternehmen Weltmarktführer bei Hochleistungsmaschinen der Bergbautechnik zur automatisierten Gewinnung unter Tage und erwirtschaftet einen Gruppenumsatz von 360 Mio. Euro (2009) mit weltweit ca. 1.600 Mitarbeitern (2010).[2]

Bergwerksmaschinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walzenschrämlader der neueren Generation

Das Produktionsprogramm der Firma bedient traditionsmäßig den Bergbau mit Abbaumaschinen für Erz, Salz und Steinkohle. Diese Maschinen gliedern sich im Wesentlichen in zwei Produktgruppen:

  1. Die Teilschnittmaschinen, die auf einer Art Bagger-Raupenfahrgestell am heb- und schwenkbaren Arm-Ende einen halbkugelförmigen Fräskopf bewegen. Mit ihm werden unter Tage Tunnel-Abschnitte freigeschnitten und so die zwei Endtunnels im Gegenortverfahren vorangetrieben, zwischen denen das andere Hauptprodukt von Eickhoff die Kohle abbaut:
  2. Walzenschrämlader. Diese sind im Wesentlichen kastenförmige, schmale, lange Getriebe mit einem elektrischen Antrieb, an deren beiden Enden Tragarme sich heben und senken lassen, und an deren oberem Ende zylindrische Fräsköpfe die Kohle aus dem Flöz fräsen. Der Walzenlader fährt im Streb zwischen zwei teilgeschnittenen Tunnels hin und her, elektrisch angetrieben von einer Winde, die auf eine Triebstockverzahnung wirkt. Unter dem Walzenlader wird das geschnittene Kohle-Gestein-Gemisch mit Kettenförderern zur Strecke verbracht. Die „Fahrbahn“ wird um den Arbeitsweg des Walzenladers herum U-förmig von hydraulisch gesteuerten Ausbauschilden geschützt, die die Last des drückenden Deckgebirges tragen: ein Produkt u. a. benachbarter Firmen aus dem Ruhrgebiet (Westfalia in Lünen). Hinter dem geschnittenen Abschnitt lässt man nach dem Umsetzen der Maschinerie nach vorne in der Regel den Streb dahinter einbrechen (Bruchversatz), oder aber verbringt taubes Gestein, das übertage aussortiert wurde, in die freigeschnitteten Areale (Blasversatz oder Schleuderversatz). Die elektrische Leistung der Walzenlader kann bis zu 1.700 kW betragen. 2017 lieferte Eickhoff einen 17 Meter langen und 100 Tonnen schweren Walzenlader für die Zeche Prosper in Bottrop, die letzte Eickhoff-Großmaschine vor dem Ende des Steinkohlenbergbaus in Deutschland.[3]

Die Werkzeuge der Maschinen des Unternehmens kommen teils aus der Ruhrgebiets-Produktion. Unter anderem werden gelötete Hartmetall-Meißel der Firma Widia aus Essen an den Fräsköpfen der Schrämmaschinen eingesetzt.

Sämtliche Maschinen des Bergbaus unterliegen den Beschränkungen der Abmessungen des Schachtes, durch den die Komponenten nach untertage zu fördern sind. Daher sind die Maschinen des Unternehmens modular aufgebaut: kompakte Gehäuse, die am Einsatzort unter Tage miteinander zu größeren Baugruppen verbunden werden. Von ihnen wird auf engstem Raum eine hohe Leistungsdichte abverlangt. Zudem müssen extreme Anforderungen des Explosionsschutzes des Bergbaus konstruktiv berücksichtigt werden, sowie die oftmals hohen Temperaturen, die untertage herrschen, mitsamt der zusätzlichen Wärmeentwicklung aus dem maschinellen Abbaubetrieb.

Weitere Unternehmenstätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der jahrzehntelang schwankenden Auftragslage wurde zeitweise an anderen Produkten gearbeitet, um die Abhängigkeit des Unternehmens vom Bergbau zu mindern:

  • In den 1970er Jahren wurden Verpackungsmaschinen für Schweißelektroden gebaut.
  • Anfang 1975 wurde zusammen mit der Kleinewefers-Gruppe die Eickhof-Kleinewefers Kunststofftechnik gegründet, die 1978 in EKK Kleinewefers umbenannt und 1981 mit der Firma Battenfeld in die Battenfeld EKK Extrusionstechnik GmbH überführt wurde. Ende 1989 wurde das Unternehmen dann komplett mit Battenfeld verschmolzen.[4]
  • Ende 1981 wurde zusammen mit Atlas Copco die spätere Atlas Copco – Eickhoff Roadheading Technic gegründet. Diese 1991 in AC-Eickhoff GmbH umbenannte Firma entwickelte und vertrieb Teilschnittmaschinen für den Tunnelbau und Streckenvortrieb – aber explizit nicht für den Kohle- oder Erz-Abbau. Ende 1998 wurde das Unternehmen wieder mit dem Mutterhaus Eickhoff verschmolzen.[5]
  • Die Schalker Eisenhütte, ein Spezialist für Kokshandlingmaschinen, gehört seit 2001 zur Eickhoff-Gruppe.[6]

Aber immer wenn der Bergbau einen großen Auftragsschub brachte, besann sich das Unternehmen auf den traditionellen Auftraggeberkreis.

Eickhoff betreibt eine eigenständige Steuerungs- und Elektronikentwicklung einschließlich einer Fertigung von Leiterplatten und deren Bestückung, um weitgehend von Zuliefermärkten unabhängig agieren zu können.

Insbesondere hat sich Eickhoff bis heute als ein Spezialist auf dem Sektor Getriebebau etabliert, insbesondere für Großgetriebe, die leise und verschleißarm arbeiten müssen. Dies zeigt sich beispielsweise auf dem Marktsegment von Getrieben für Windkraftanlagen neben Lüftergetrieben im Kühlturmbau.

Durch seine kontinuierliche Entwicklung als Familienunternehmen seit mehr als 140 Jahren hat sich Eickhoff einen guten Ruf im Ruhrgebiet erarbeitet. Seit März 2014 wird die Firma auch in der Route der Industriekultur, Themenroute Bochum aufgelistet.

Derzeit errichtet Eickhoff in Klipphausen (Landkreis Meißen) eine neue Produktionsstätte zur Herstellung von Getrieben für Windenergieanlagen, um dem gestiegenen Bedarf an Getrieben gerecht werden zu können.

Seit 1995 ist die Firma Eickhoff enger Förderer des Projekts Theater Total und stellt diesem Jugend-Tournee-Theater Proben-, Arbeits- und Verwaltungsräume zur Verfügung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vier Generationen, Vier Epochen. Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Unternehmens. herausgegeben von der Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik u. Eisengießerei GmbH, 1964.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geburtstage Carl, Robert, Elisabeth Eickhoff siehe Inschriften der Familiengruft Eickhoff im Kortumpark Bochum
  2. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  3. Die letzte ihrer Art. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15. Juli 2017, S. 20.
  4. Handelsregister Bochum HRB 981
  5. Handelsregister Bochum HRB 2102
  6. Handelsregister Gelsenkirchen HRB 1239 sowie die Webseite der Fa. Eickhoff (Stand April 2009)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]