Postgeschichte und Briefmarken Berlins

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Die Postgeschichte von Berlin bildet in der Philatelie ein eigenständiges Gebiet. Es ist aufgrund der politischen Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland, Ergebnis des Zweiten Weltkriegs, entstanden, was eigene Briefmarkenausgaben für (West-)Berlin zur Folge hatte. Unter Berlin versteht der Philatelist im Allgemeinen dieses Sammelgebiet. Darüber hinaus gibt es sieben Marken, die sogenannten Bärenmarken, die noch 1945 für ganz Berlin erschienen.

Letzter Briefmarkenblock (Michel-Katalog-Nr. Block 8) der Deutschen Bundespost Berlin vom 15. Januar 1987 zur 750-Jahrfeier der Stadt Berlin. (Briefmarkenblocks der Deutschen Bundespost Berlin)

Geschichte[Bearbeiten]

In Berlin waren die Verhältnisse zum Kriegsende (für Berlin am 2. Mai 1945) sehr schlecht. Noch bis zum 21. April 1945 traf Bahnpost aus dem Westen ein, das Postscheckamt buchte noch, bis zum 26. April 1945 wurden Briefkästen geleert und Briefe zugestellt. Erst in einer Verfügung vom 14. Mai 1945 der Reichspostdirektion Berlin hieß es: „Jede dienstliche Handlung im Post- und Fernmeldebetrieb hat vorerst zu unterbleiben“. Dennoch waren die verbliebenen Postler aufgerufen, zur Arbeit zu erscheinen, um die notwendigsten Aufräumungsarbeiten durchzuführen.

Am 19. Mai wurde die Zuordnung des Post- und Fernmeldewesens in Groß-Berlin zum Magistrat vollzogen, damit wurde Betrieb und Verwaltung eine städtische Angelegenheit. Berlin war zu dieser Zeit ausschließlich von sowjetischen Truppen besetzt. Erst am 4. Juli 1945 zogen Amerikaner und Briten ein. Die Franzosen folgten am 12. August, ihnen waren nachträglich am 30. Juli 1945, auf Beschluss vom 12. September 1944 in London, die aus dem britischen Sektor abgetrennten Verwaltungsbezirke Reinickendorf und Wedding zugesprochen worden. Groß-Berlin unterstand nun der Alliierten Kommandantur.

Berliner Bärenmarke, Michel - 3A

Seit dem 18. Mai 1945 bestand eine nicht öffentliche Stafettenpost. Postalisch wurde der Gelddienst, Postanweisungen und Postscheckdienst am 22. Juni aufgenommen. Seit dem 2. August 1945 gab es einen eingeschränkten, offiziellen Postdienst in Groß-Berlin. Zugelassen waren nur Postkarten. Briefsendungen bis 1000 g waren nur von Behörden und öffentlichen Betrieben abzusenden. Als Postwertzeichen wurden die Berliner Bärenmarken mit der Ausgabelandsbezeichnung Stadt Berlin eingeführt.

Die Sowjets richteten ihre Zentralverwaltung für die sowjetische Besatzungszone in Personalunion bei der Magistratspost ein. Damit sollte erreicht werden, dass die Berliner Magistratspost unter die Verwaltung der Sowjets kam. Das Gerangel endete schließlich mit der Verlautbarung der Alliierten Kommandanten, dass der Magistrat gegenüber der Reichspost die Stellung eines Kurators habe und dies so bleiben werde, bis die Reichspost neu organisiert sei. Bis dahin müsse der Leiter der Reichspost ein gewähltes Mitglied des Magistrats sein.

Die Briten und Amerikaner hatten ihre Bizone, die Russen wandelten die bisherige Postverwaltung zur Hauptverwaltung Post- und Fernmeldewesen der Deutschen Wirtschaftskommission für die sowjetische Besatzungszone, ansässig in Ost-Berlin, um. Ihr unterstellt waren die Oberpostdirektionen Dresden, Erfurt, Halle, Potsdam und Schwerin. Man zeigte keine Hemmungen mehr, wenigstens den Sowjetischen Sektor von Groß-Berlin als unter seiner Regie stehend zu betrachten.

1948 wurde klar, dass die Sowjets die Viermächteverwaltung Berlins beseitigt sehen wollten. Immer wieder wurde der Zugang zum Westen unterbrochen. Technische Schwierigkeiten, der schlechte Zustand der Brücken und Schleusen, waren ebenso unglaubwürdige Begründungen wie die Abwehr von Flüchtlingen aus Westdeutschland in die Sowjetisch Besetzte Zone. Konkret wurde man am 20. März 1948, als die sowjetische Delegation den Kontrollrat verließ und damit die Viermächteregierung Deutschlands beendete. Am 16. Juni 1948 zog die sowjetische Delegation demonstrativ aus der Sitzung der Alliierten Kommandantur Berlin aus. Zu dieser Zeit wurde der Paket- und Päckchenversand zwischen Berlin und den vier Besatzungszonen unterbrochen, der im Mai 1947 zugelassen worden war. Wieder waren die Begründungen äußerst fadenscheinig. Einen Paketverkehr zwischen der Ostzone und den Westzonen gab es noch nicht. Die Ostzone bot den Berlinern die Dienste der Ostpost an, um einem Missstand abzuhelfen, da ja die Magistratspost offensichtlich unfähig sei. West-Berliner sollten ihre Pakete in den Westen offen in den Ostsektoren aufgeben, auf eine Inhaltskontrolle wollte man nicht verzichten. Einen nennenswerten Erfolg hatte das Angebot nicht. Und so sammelten sich bis zur Eröffnung der Luftbrücke 500.000 Pakete an.

Die Währungsreform in Westdeutschland am 20. Juni 1948 bot den Anlass zur völligen Schließung der Verkehrswege zwischen Ost und West. Die Sowjets verfügten ihre Geldreform zum 23. Juni 1948 in der Ostzone und Groß-Berlin. Die westlichen Alliierten erklärten die Verfügung für „null und nichtig“ und wiesen die Dienststellen der Stadt an, den sowjetischen Befehl in den westlichen Sektoren nicht durchzuführen. Somit konnten am 24. Juni 1948 in Westberlin Briefe noch mit Reichsmark-Währung frankiert werden.

Am 24. Juni wurde die DM der Bank Deutscher Länder als gesetzliches Zahlungsmittel in den Westsektoren Berlins eingeführt. Kein Arbeitnehmer hatte jedoch das Recht, mehr als 25 % seiner Einkünfte in DM-West zu erhalten. Die DM-West sollte lediglich den ungehinderten Handel zwischen Berlin und Westdeutschland ermöglichen. Die Entscheidung war nicht leichtgefallen, die Schwierigkeiten einer Misch- oder Doppelwährung waren bekannt.

Marken der Bizone wurden sofort nach der Währungsreform am 24. Juni in Westberlin eingeflogen. Sie kamen am 25. Juni zur Ausgabe. Es waren dies die Band-Aufdrucke 6, 8, 12 und 24 Pfennig und Netz-Aufdruck 10, 16, 20 und 30 Pfennig. Später wurden die anderen Werte in Berlin überdruckt.

Die Ostzone erkannt diese Postwertzeichen nicht an und erklärten sie und die ganze Postverwaltung in Berlin (West) für illegal.

Brief aus West-Berlin, nicht befördert wegen Frankatur mit Ostmarken, Februar 1949
SBZ, 1948
West-Berlin, 1949

Am 1. September 1948 gab man in West-Berlin neue Briefmarken mit dem Aufdruck „BERLIN“ in Schwarz heraus, auch sie wurden für Ostgeld bei den West-Berliner Postämtern verkauft und ebenso wenig vom Osten akzeptiert. Daraufhin boten Schreibwarenhändler sowjetzonale Briefmarken zur Verwendung für Sendungen in den Osten an. Diese Marken wurden von West-Berliner Postämtern entwertet. Der Osten reagierte prompt. Sie holten die Restbestände der Bärenmarke mit der Ausgabelandbezeichnung „Stadt Berlin“, versahen sie mit dem Aufdruck „Sowjetische Besatzungszone“ und verkauften sie bei ihren Postämtern (ab dem 20. September 1948). Die so in West-Berlin abgestempelten Marken erweckten in aller Welt den Eindruck, dass die Stadt Berlin zur sowjetischen Besatzungszone gehört. Am 14. Januar 1949 verboten die West-Alliierten die Verwendung von Marken aus der sowjetischen Besatzungszone zur Verwendung innerhalb Westberlins und nach Westdeutschland. Damit endete auch die Möglichkeit der Ost-West-Mischfrankaturen. Es trat folgende Bestimmung in Kraft:

"Die Verwendung der im sowjetischen Sektor und in der sowjetischen Zone gültigen Postwertzeichen zur Freimachung von Postsachen, die innerhalb der Westsektoren von Groß-Berlin aufgeliefert werden, ist verboten. Ausgenommen hiervon sind solche Postsachen, die im sowjetischen Sektor von Groß-Berlin oder in der sowjetischen Zone Deutschlands zuzustellen sind. In den Westsektoren von Groß-Berlin eingelieferte Sendungen an Empfänger in den Westsektoren oder in den Westzonen, die mit den im Ostsektor oder in der sowjetischen Zone Deutschlands gültigen Postwertzeichen freigemacht sind, sind als unzulässig an den Absender zurückzugeben. Im Auftrag gez. Dr. Kleemann"

Die Schwarzaufdrucke wurden aber weiter für Ostmark verkauft und waren auch, außer für das Einschreibporto nach Westdeutschland, bis zum 20. März 1949 frankaturgültig. (Aufbrauch bis 31. März 1949 möglich)

Die Magistratspost gab ab 20. Januar 1949 vier neue Marken, die Werte zu 10, 15, 20 und 60 Pfennig mit Aufdruck „BERLIN“ in Rot heraus, die nur gegen Westgeld verkauft werden durften. Die anderen Werte mit Rotaufdruck folgten erst am 21. März 1949.

Die Spaltung machte sich auch im Postscheckdienst bemerkbar. Innerhalb von 14 Tagen musste ein Postscheckamt Berlin (West) eingerichtet werden. Es nahm am 9. August 1948 seine Tätigkeit auf. Bis zum 3. Dezember 1948 ausschließlich zuständig für Berlin (West), bei Kontoführung in beiden Währungen, dann auch für die Bizone und später für die Französische Besatzungszone.

Neun Monate dauerte die Blockade Berlins, in denen die Postversorgung mit dem Westen über die Luftbrücke erfolgte. Selbst nach Beendigung der Blockade musste weiter ein großer Teil der Post auf dem Luftweg befördert werden, denn der Nachholbedarf an Kohle, Lebensmittel und weiteren Grundbedarfsmitteln hatte Vorrang.

Am 17. Dezember 1948 wurde Ernst Reuter, nach freien Wahlen in den Westsektoren, einstimmig zum Oberbürgermeister gewählt. Der Magistrat von Groß-Berlin war am 30. November 1948 abgesetzt worden. Sofort versuchte nun wieder die Ost-Berliner Post, das Post- und Fernmeldewesen in den West-Sektoren zu übernehmen.

Die DM-West wurde am 20. März 1949 in Berlin (West) alleiniges Zahlungsmittel, das nun in das westdeutsche Wirtschafts- und Finanzsystem eingebunden war. Die Ost-Berliner Postverwaltung erkannte Briefmarken aus West-Berlin nicht an und belegte solche Sendungen in ihren Machtbereich mit Nachporto. Diesmal verhielt sich die Magistratspost ebenso. Das hatte Annahmeverweigerungen in nie gekanntem Umfang zur Folge. Der Streit wurde am 12. September 1949 beigelegt.

Der Weg war nun frei für eine Angleichung im Verwaltungs- und Gebührenwesen mit der Bundespost. Noch gab es Unterschiede in der Gebührenerhebung. Die Postwertzeichen wurden gegenseitig zur Freimachung im anderen Postgebiet anerkannt, und vieles mehr war zu regeln.

Mit der Vereidigung der ersten Bundesregierung am 20. September 1949 gehörte der neuen Regierung auch der Bundesminister für Post- und Telegraphie an. Die Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen des amerikanischen und britischen Besatzungsgebiets (HVPF) in Frankfurt am Main wurde mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Postministeriums beauftragt. Mit Wirkung vom 1. April 1950 wurden die Oberpostdirektionen in den Ländern Baden, Rheinland-Pfalz und Württemberg-Hohenzollern (franz. Zone) von der Verwaltung des Bundes übernommen.

Vor 1945[Bearbeiten]

Bei Einführung der Briefmarken lag Berlin wie das ganze Königreich Preußen im Bereich der preußischen Staatspost. Dementsprechend waren für Berlin folgende Briefmarkenausgaben maßgeblich:

Von 1914 bis 1918 wurden auf dem Gelände der Trabrennbahn in Ruhleben etwa 4.000 britische wehrfähige Männer interniert. Für die Nachrichtenübermittlung innerhalb des Lagers wurde eine Lagerpost (R.X.D. = Ruhleben Express Delivery) gegründet, welche in der Zeit vom 19. Juli 1915 bis zum 3. April 1916 existierte und eigene Briefmarken herausgab.

Von 1945 bis zur Währungsreform[Bearbeiten]

Der Magistrat der Stadt Berlin beschloss am 20. Mai 1945 die Ausgabe erster eigener Briefmarken nach dem Ende des Krieges. Magistratsmitglieder hatten Grafiker gebeten, Entwürfe vorzulegen, die die neue politische Ausrichtung in wenigen Symbolen zum Ausdruck bringen sollten. Aus den Entwürfen wurden schließlich die als „Bärenserie“ oder „Bärenmarken“ (Hauptmotiv war der Berliner Bär) bezeichneten Postwertzeichen ausgewählt. Die Vorlagen stammten von Heinz Schwalbe, der das Berliner Wappentier einfach (5-, 8- und 20-Pfennig-Wert), mit Spaten (6-Pfennig-Wert), mit Ziegelstein (10-Pfennig-Wert) und mit Balken (12-Pfennig-Wert) abbildete. Der 30-Pfennig-Wert stellt eine neu gepflanzte Eiche vor den Ruinen des Belle-Alliance-Platzes dar. Die Erstausgabe erfolgte am 22. Mai des Jahres.[1] Die Marken waren bis zum 31. Oktober 1946 in (Groß-)Berlin gültig.

Weitere in Berlin verwendete Briefmarkenausgaben waren:

Die Bärenserie leitet im Michel-Katalog das Sammelgebiet SBZ ein (Michel-Nummern 1–7), obwohl es eigentlich eine Ausgabe aller Alliierten war und somit auch als Gemeinschaftsausgabe verstanden werden könnte.

Von der Währungsreform bis zum 4. Februar 1950[Bearbeiten]

Am 24. Juni 1948 führte die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone als Reaktion auf die Währungsreform 1948 (Westdeutschland) eine eigene Währungsreform durch, die das Gebiet von Groß-Berlin mit einschloss, von den Westalliierten aber nicht anerkannt wurde. Mit der Währungsreform wurden verschiedene überdruckte Ausgaben der Gemeinschaftsausgaben in neuer Währung (Ostmark) ausgegeben und sofort in der SBZ und im sowjetischen Sektor von Berlin verwendet. Von diesem Moment an entstand mit der wirtschaftlichen Trennung Berlins in West- und Ost-Berlin auch die postalische Trennung.

Die westlichen Alliierten verfügten daraufhin am 25. Juni 1948 eine eigene Währungsreform in West-Berlin, die neue Ostmark war hier aber ebenso gültig wie die neuen SBZ-Marken. Am 3. September 1948 wurde im Westteil der Stadt eine neue Briefmarkenserie ausgegeben. Dazu wurden 20 Marken der sogenannten 2. Kontrollratsausgabe (also Ausgaben der alliierten Besetzung für Gesamtdeutschland) mit einem schwarzen Aufdruck „Berlin“ überdruckt (Schwarzaufdruck). Mit diesen Schwarzaufdrucken begann das Sammelgebiet Berlin. Die Marken wurden jedoch in der SBZ nicht anerkannt und beanstandet. Das war der Beginn des Berliner Postkriegs. Am 20. Januar 1949 und am 21. März 1949 erschien eine weitere, diesmal rot überdruckte Serie der 2. Kontrollratsausgabe (Rotaufdruck). Die Marken mit Rotaufdruck wurden nur noch gegen D-Mark verkauft. Am 21. März 1949 wurde die D-Mark zum alleinigen Zahlungsmittel in West-Berlin erklärt.

Die Benutzung der SBZ-Marken wurde in West-Berlin nach und nach eingeschränkt:

  • Ab dem 11. September 1948 sollten keine Sendungen mit SBZ-Marken mehr über die Luftbrücke transportiert werden. Jedoch wurde diese Maßnahme nur halbherzig verfolgt.
  • Ab dem 14. Januar 1949 durften SBZ-Marken nur noch auf Sendungen nach Ost-Berlin, in die SBZ oder ins Ausland verwendet werden, nicht mehr für Sendungen innerhalb West-Berlins oder in die drei westlichen Besatzungszonen.
  • Ab dem 21. März 1949 durften die SBZ-Marken in West-Berlin gar nicht mehr verwendet werden.

Bis zum 15. September 1949 hielt der Berliner Postkrieg an. In der Endphase wurden auch die SBZ-Marken für Postsendungen aus der SBZ nach West-Berlin nicht mehr anerkannt und mit Nachporto belegt. Erst danach einigten sich die vier Mächte auf die gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Briefmarken.

Ab dem 20. Januar 1950 waren die Berliner Marken während ihrer Gültigkeitsdauer auch in der Bundesrepublik gültig.

In West-Berlin durften ab dem 27. Oktober 1949 auch die noch gültigen Marken der Bizone, der französischen Zone und der Bundesrepublik verwendet werden. Die endgültige und dauerhafte Genehmigung, bundesdeutsche Marken während ihrer Gültigkeitszeit auch in West-Berlin zu verwenden, wurde am 4. Februar 1950 erteilt.

Vom 4. Februar 1950 bis zur deutschen Wiedervereinigung[Bearbeiten]

Das Postbank-Hochhaus (ehemals: Postscheckamt Berlin West) und der Berliner Fernsehturm.
Briefmarke 1963

Mit dem 4. Februar 1950 standen die folgenden Eckpunkte fest, die im Wesentlichen bis zur Wiedervereinigung unverändert blieben:

  • Es gab in Deutschland die Gebiete Bundesrepublik, West-Berlin und DDR (bei Sammlern kurz: Bund, Berlin und DDR), die Briefmarken herausgaben. (Bis Mitte 1959 gab es das Saarland noch als viertes Sammelgebiet). Ost-Berlin hatte innerhalb der DDR keinen Sonderstatus.
  • Die Marken von West-Berlin und der Bundesrepublik waren wechselseitig gültig.
  • Bis auf wenige Ausnahmen wurden keine Berliner Marken an den Postschaltern der damaligen Bundesrepublik und umgekehrt verkauft.

Ausnahmen: Das Postamt im Bonner Bundeshaus führte seit Beginn der 1950er Jahre aus Solidarität mit dem geteilten Berlin sowohl Marken der Deutschen Bundespost als auch Marken der Deutschen Bundespost Berlin. Bei den „Versandstellen für Sammlermarken“ (später „Versandstellen für Postwertzeichen“) in Weiden, West-Berlin (Postamt Goethestraße) sowie in Frankfurt am Main konnten Postkunden und Sammler die Marken beider Ausgaben beziehen. Die am 1. März 1963 erschienene Berliner 3-Pfennig-Dauermarke mit der Darstellung des Brandenburger Tores im Querformat wurde als Ergänzungswert auch an westdeutschen Postschaltern angeboten.

Eine Änderung im Berliner Postwesen gab es 1955. Bis dahin war der West-Berliner Senat für die Ausgabe von Briefmarken im Westteil der Stadt zuständig. 1955 wurde die Landespostdirektion Berlin gegründet. Diese war aber kein Teil der Bundespost, sondern verdankte ihre Aufgaben und ihre Rechte einer entsprechenden Genehmigung durch die Westalliierten. Die Alliierten stimmten aber zu, dass ab 1955 Deutsche Bundespost Berlin auf den Marken stehen durfte.

Ab 1959 entsprachen alle Berliner Dauerserien in Motiv und im Wert den entsprechenden Ausgaben der Bundespost. Die Ausgabebezeichnung „Deutsche Bundespost Berlin“ anstelle der sonst üblichen Aufschrift „Deutsche Bundespost“ war bei diesen Marken der einzige Unterschied. Bei Sondermarken wurde in den Jahren 1964 bis 1967 häufig genauso verfahren, danach nur noch in Einzelfällen.

1990 erhielt Deutschland im Zwei-plus-Vier-Vertrag die volle Souveränität. Neben anderen Einschränkungen wurde auch der Sonderstatus West-Berlins aufgehoben. Eigene Berliner Briefmarkenausgaben waren nicht mehr nötig. Die letzte Berliner Marke erschien am 27. September 1990, wenige Tage vor der Wiedervereinigung. Die letzten Monate brachten noch einmal einige Änderungen in den Gültigkeitszeiträumen:

  • Noch gültige Marken West-Berlins durften ab dem 2. Juli 1990 auch in der DDR verwendet werden.
  • Ab dem 2. Juli 1990 wurden in der DDR Marken in D-Mark-Währung ausgegeben. Diese Marken waren umgekehrt auch in West-Berlin bis zum 31. Dezember 1991 gültig.
  • Die Gültigkeit aller Berliner Marken endete am 31. Dezember 1991.

Damit war Berlin als eigenes Sammelgebiet abgeschlossen.

Übersicht über die Ausgaben[Bearbeiten]

8 Pf Porto innerhalb Berlins
Johannes Gutenberg

Beginnend mit der Schwarzaufdruck-Ausgabe enden die Berliner Ausgaben mit der Michel-Nummer 879. Da vier Nummern nicht vergeben wurden, hatte Berlin 875 Ausgaben und 8 Blocks. Davon waren:

  • 159 Dauermarken, motiv- und wertgleich zu den entsprechenden Marken der Bundespost, unterscheidbar durch die Inschrift „Deutsche Bundespost Berlin“ (Heuss (Medaillon), Bedeutende Deutsche, Deutsche Bauwerke aus 12 Jahrhunderten I und II, Brandenburger Tor, Bundespräsident Gustav Heinemann, Unfallverhütung, Industrie und Technik, Burgen und Schlösser, Frauen der deutschen Geschichte, Sehenswürdigkeiten). Drei dieser Marken erschienen nur in Berlin, um das Porto für Postkarten innerhalb Berlins abdecken zu können (8 Pf „Bauwerke II“, 8 und 15 Pf „Heinemann“). Gleiche Marken der Bundespost hatten jeweils den gleichen Ausgabetag mit Ausnahme des 20 Pfennig-Wertes der „Burgen und Schlösser“ und des 60 Pfennig-Wertes der „Frauen der deutschen Geschichte“. Da die Serien „Frauen der deutschen Geschichte“ und „Sehenswürdigkeiten“ nach der Wiedervereinigung von der Bundespost fortgesetzt wurden, sind diese Sätze aus Berlin wesentlich kleiner. Aber schon während der Berliner Ausgabezeit erschienen nicht alle Marken in Berlin (es fehlten: der Wert zu 1,20 DM der „Frauen“ und die Werte zu 33 Pf, 38 Pf, 45 Pf, 90 Pf und 2,80 DM der „Sehenswürdigkeiten“). Vorher war der 90-Pfennig-Wert der „Bedeutenden Deutschen“ der einzige Wert dieser Serien, der in Berlin nicht verausgabt wurde.
  • 587 eigenständige Berliner Sondermarken. Dazu gehören auch acht Blocks.
  • 49 Sondermarken, motiv- und wertgleich zu den entsprechenden Marken der Bundespost mit der Inschrift „Deutsche Bundespost Berlin“. Gleiche Marken der Bundespost hatten jeweils den gleichen Ausgabetag.

Von 1949 bis 1989 erschienen zudem 15 Markenheftchen in den Haupttypen, einschließlich der Auflagen mit unterschiedlicher Werbung auf dem Deckel waren es 51.

Ab 1987 gab es auch in Berlin Automatenmarken, Motiv war das Schloss Charlottenburg.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Portostufen West-Berlins entsprachen denen der Bundesrepublik mit der Ausnahme von Briefen und Postkarten, die innerhalb Gesamt-Berlins verschickt wurden, für die bis zum 31. März 1991 ein ermäßigtes Porto galt. Diese Portostufe „im Ortsverkehr“ war in der Bundesrepublik schon am 1. März 1963 abgeschafft worden.

Carl Friedrich Zelter, Briefmarke 1952, Michel-Nr. 91

Die Inschriften der Berliner Marken (nach Michel-Nummern):

  • 1–90, 101–105, 112–113, 118: Deutsche Post
  • 91–100, 106–111, 115–117, 119–125: Deutsche Post Berlin
  • 126–127: Landespost Berlin
  • 128–879: Deutsche Bundespost Berlin

Am 1. Dezember 1948 wurden in der amerikanischen und britischen Zone Steuermarken (Notopfer Berlin) zu 2 Pfennig zugunsten Berlins ausgegeben. Alle Postsendungen mussten zusätzlich mit einer dieser Marken frankiert werden, sonst wurde die Sendung nicht befördert. Später wurden diese Marken auch in der französischen Zone obligatorisch. Ab dem 1. Januar 1950 galt der Verwendungszwang für die neugegründete Bundesrepublik. Sendungen nach und von Berlin sowie in die SBZ bzw. DDR benötigten die Marke nicht. Am 1. April 1956 endete die Verpflichtung, wobei einzelne Sendungsarten schon vorher von der Steuerpflicht befreit worden waren. Obwohl das Markenbild im Wesentlichen aus der Inschrift „Berlin“ bestand, sind dies keine Berliner Briefmarken, sondern reine Steuermarken.

In Berlin gab es von 1956 bis 1958 und dann wieder ab 1975 offizielle Ersttagsblätter. Von einigen Ausgaben vor 1955 gab es auch amtliche Ersttagsbriefe.

Zu den wenigen Ausgaben, die auch an Postschaltern der Bundesrepublik verkauft wurden, gehörten die 1-Pf- und die 3-Pf-Ausgabe der „Berliner Stadtbilder“ Es wurde empfohlen, die 1-Pf-Marke als Merkmal der Solidarität mit Berlin zusätzlich zur Frankatur zu verwenden. Die 3-Pf-Marke wurde benötigt, da das Drucksachenporto von 7 Pf auf 10 Pf angehoben wurde. Eine andere 3-Pf-Marke stand nicht zur Verfügung.

„500 Jahre Post“ war 1990 die letzte Sondermarke, die als Gemeinschaftsausgabe mit der Bundespost erschien. Insgesamt erschien sie motivgleich für die Bundesrepublik Deutschland, Berlin, die DDR, Österreich und Belgien.

Sammler schätzen im Allgemeinen Berliner Marken mit Berliner Stempeln höher ein als mit Stempeln der Bundesrepublik. Nahezu alle teuren Berliner Marken gibt es mit Falschstempeln.

Postämter in West-Berlin[Bearbeiten]

Um anhand der Abstempelung die in West-Berlin benutzten Marken und Briefe zu erkennen, werden nachfolgend die ehemaligen zuständigen Postämter aufgeführt. Die Bezeichnung änderte sich mit Einführung der Postleitzahlen

Selbständige Postämter West-Berlins (vor Einführung der Postleitzahlen)[Bearbeiten]

Nach Einführung der Postleitzahlen 1962 wurden die Nummern der Zustellbezirke Berlin W 15, Berlin NW 21, Berlin W 30, Berlin SO 36, Berlin SW 61 und Berlin N 65 ohne die Abkürzungsbuchstaben weiter geführt, ebenso die Nummer des Postamtes Berlin SW 11 als Berlin 11. Aus Berlin-Charlottenburg 1, 2 und 9 wurden Berlin 10, Berlin 12 und Berlin 19. Die anderen Zustellpostämter erhielten neue zweistellige Nummern.

Zweigämter West-Berlins (vor Einführung der Postleitzahlen)[Bearbeiten]

Die Zweigämter stempelten hauptsächlich die am Postschalter aufgelieferten Sendungen ab. Diese waren:

Ferner alle Postämter mit obigen Namen, die sich nur durch zusätzliche Nummern (wie Berlin-Tegel 2) oder Zusätze wie „Ost 2“ (wie bei -Reinickendorf) unterscheiden.

Zu beachten ist, dass sich die Postämter Berlin W1, NW 6, NW 7, W 8, W 9 und Staaken über Falkensee im Sowjetsektor Berlins oder in der SBZ befinden, daher außer Betracht kommen.

Bezeichnung der Postämter nach Einführung der Postleitzahlen (1000 Berlin XX oder 1000 Berlin XXX)[Bearbeiten]

(unvollständig; es fehlen die Ämter mit dreistelligen Nummern)

Die Zweigpostämter trugen dreistellige Nummern.

Die zweistelligen Postamtsnummern wurden bis zur Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen 1993 auch als Zustellbezirksnummern benutzt. 1993 wurden alle in West-Berlin bestehenden Zustellbezirke in je einen neuen Leitbereich umgewandelt, dem eine Nummerngruppe zugeordnet ist, einzige Ausnahme bildet die Zusammenlegung von Berlin 15 mit Berlin 31 zu einem Leitbereich (Zustellbezirke 10707 bis 10719). Als Postamtsnummern sowie als Anfangsziffern der Postfachnummern sind die seit 1962 gültigen Nummern weiterhin in Gebrauch.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wie es zur Herausgabe der Berliner Bärenmarken kam. Aus den Erinnerungen des ehemaligen Stadtrats für Post- und Fernmeldewesen Ernst Kehler. Mit einer Zeittafel von Frithjof Skupin. In: Berliner Geschichte. Dokumente, Beiträge, Informationen. Stadtarchiv der Hauptstadt der DDR, Berlin. Berlin 1982, S. 70–76.
  2. taz-Artikel zur Einführung der Postleitzahlen vom 26. Juni 1993