Ryanair

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Ryanair
Logo der Ryanair
Boeing 737-800 der Ryanair
IATA-Code: FR
ICAO-Code: RYR
Rufzeichen: RYANAIR
Gründung: 1985
Sitz: Dublin, IrlandIrland Irland
Drehkreuz:

siehe Basen

Heimatflughafen:

Flughafen Dublin

Unternehmensform: Limited
ISIN: IE00BYTBXV33
Leitung: Michael O’Leary
Mitarbeiterzahl: 10.926[1] (2016)
Umsatz: 6,53 Milliarden[1] (2016)
Bilanzsumme: € 11,21 Milliarden[1] (2016)
Gewinn: € 1,24 Milliarden[1] (2016)
Fluggastaufkommen: 117 Millionen[2] (2016)
Flottenstärke: 392 (+ 172 Bestellungen)
Ziele: national und international
Website: www.ryanair.com

Ryanair ist eine irische Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dublin und Heimatbasis auf dem Flughafen Dublin. Sie ist Mitglied der European Low Fares Airline Association und nach Passagierzahlen mit 117 Millionen Reisenden im Jahr 2016 die größte Fluggesellschaft Europas, vor der Lufthansa Group mit 109,67 Millionen.[1][3][4] Das Unternehmen ist Mitglied im ISEQ Overall Index an der Irish Stock Exchange.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früheres Logo der Ryanair
Logo der Ryanair bis 2013
Schalter der Ryanair in Glasgow
BAC 1-11 der Ryanair im Jahr 1989

Ryanair wurde 1985 unter anderen vom irischen Unternehmer Tony Ryan als Regionalfluggesellschaft gegründet und startete mit täglichen Flügen zwischen der irischen Stadt Waterford und London-Gatwick. In den folgenden Jahren versuchte die Airline ohne großen Erfolg, in den lukrativen Markt von Aer Lingus und British Airways auf der „Rennstrecke“ Dublin–London einzubrechen. Die Gesellschaft blieb stark defizitär.

Seit 1993 führt Michael O’Leary das Unternehmen, nachdem er schon seit 1988 leitende und beratende Funktionen bei Ryanair hatte. Er übernahm die Strategie der Familie Ryan nicht und setzte von Anfang an voll auf das Billigflug-Konzept „Niedrigste Preise/Keine Extras“ der US-amerikanischen Fluggesellschaft Southwest Airlines, indem er unrentable Strecken einstellte und sich auf einen Flugzeugtyp beschränkte. Ab März 1994 wurde die Flotte komplett von BAC 1-11 auf Boeing 737 umgerüstet.[5]

Ryanair begann 1997 im Rahmen der Deregulierung des EU-Luftverkehrs mit der Expansion auf das europäische Festland. Seit 1999 ist der ehemalige Militärflugplatz Hahn, der eigens zu diesem Anlass in „Frankfurt-Hahn“ umbenannt wurde, erster deutscher Stützpunkt im Ryanair-Flugplan. Im Jahr 2003 übernahm Ryanair den verlustreichen Niedrigpreis-Ableger Buzz von KLM Cityhopper. Zweiter deutscher Stützpunkt von Ryanair wurde Ende März 2007 der Flughafen Bremen. Der Flughafen Weeze ist seit Juni 2007 der dritte deutsche Stützpunkt. Mittlerweile landen die Maschinen der Fluggesellschaft auch auf vielen anderen Flughäfen in Deutschland.

Aus Wettbewerbsgründen hat die Europäische Kommission Ende Juni 2007 Ryanair eine Übernahme der irischen Aer Lingus untersagt. Beide Unternehmen zusammen würden sonst 80 % der innereuropäischen Flüge ab Dublin beherrschen, was den Verbrauchern schaden würde.

Das Unternehmen macht immer wieder mit aggressiver Werbung auf sich aufmerksam und polemisiert gegen Konkurrenten („Auf Wiedersehen Späthansa“ oder „Bye Bye Latehansa“ als Anspielung auf Lufthansa). Einen Höhepunkt dieser Werbestrategie gab es im Mai 2003, als Ryanair-Mitarbeiter mit einem Weltkriegspanzer zum Flughafen London-Luton fuhren, um den „Preiskrieg“ gegen easyJet in Szene zu setzen. Galionsfigur der Medienpräsenz von Ryanair ist Geschäftsführer Michael O’Leary.

Laut Angaben des Luftfahrtverbandes IATA beförderte Ryanair 2009 mit etwa 81,4 Millionen Fluggästen mehr Passagiere im internationalen, das heißt grenzüberschreitenden Luftverkehr, als jede andere Fluggesellschaft.[6] Ryanair bezeichnet sich daher als die größte internationale Fluggesellschaft.[5]

Ryanair ist eine Aktiengesellschaft, deren Aktien an den Börsen in Dublin, London und New York gehandelt werden.

Im August 2013 wurde Ryanair durch die britische Wettbewerbsbehörde dazu verpflichtet, ihren Anteil an Aer Lingus von knapp 30 auf 5 Prozent zu senken. Dies macht nach mehreren gescheiterten Versuchen einen weiteren Anlauf zur Übernahme unwahrscheinlich.[7]

Am 31. März 2017 gab das Unternehmen bekannt, dass man ab Sommer 2018 vom Flughafen Warschau-Modlin mit fünf Boeing 737-800 Charterflüge für polnische Reiseveranstalter durchführen will; hierfür soll eigens eine neue Gesellschaft mit dem Namen Ryanair Sun entstehen.[8]

Strategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Hauptsitz von Ryanair in Dublin
Passagiere der Ryanair in Millionen (1985–2009)

Ryanair verfolgt ein sogenanntes No-frills-Konzept. Darunter ist zu verstehen, dass konsequenter als bei anderen Fluggesellschaften üblich Kosten eingespart werden. Dies geschieht bei Ryanair insbesondere anhand folgender Maßnahmen:

Flugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ryanair betreibt eine einheitliche, junge Flotte von Flugzeugen des Typs Boeing 737-800. Dies spart Lagerhaltung, Wartungspersonal und Pilotenschulungen. Außerdem wird die Flugplanung dadurch weniger komplex, da die Flugzeuge beliebig austauschbar sind und immer die gleiche Sitzplatzzahl und Leistung zur Verfügung stehen. Eine Ausstattung mit Winglets senkt den Treibstoffverbrauch. Auf verstellbare Rückenlehnen und Sitztaschen wird verzichtet. Außerdem sind die Sitze mit wischfestem Kunstleder bezogen, um eine schnelle Reinigung zu ermöglichen. Ein Großteil der Flotte ist innen mit Werbeflächen ausgestattet. Die Bestuhlung ist mit 189 Sitzplätzen relativ eng und es gibt kein In-flight Entertainment an Bord. Es werden kontinuierlich neue Maschinen gekauft und alte verkauft, um Wartungskosten zu sparen.

Auswahl der Flughäfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vier Boeing 737-800 der Ryanair auf dem Flughafen Bremen

Ryanair sucht sich ihre Zielflughäfen vorrangig nach den Kosten aus. Die Gesellschaft versucht, große Vergünstigungen zu erzielen und erhält diese auch in Form von Subventionen, mehrheitlich in Gebieten mit wirtschaftlich schwacher Infrastruktur. Die Legalität dieser Subventionen ist oftmals umstritten. Diese Regionen erhoffen sich durch die Ansiedlung von Ryanair einen wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung und somit die Entstehung von Arbeitsplätzen. Allerdings wird immer wieder der Betrieb zu einigen Flughäfen – teils sehr kurzfristig – eingestellt, wenn dort die Gebühren erhöht werden oder der Vertrag für die verbilligten Abgaben ausgelaufen ist.[9][10]

Ein zweites und wichtiges Kriterium besteht darin, kurze Standzeiten der Maschine von etwa 25 Minuten zu garantieren.[11] Dabei wird nicht nur auf die vorhandene Kapazität von Abfertigungsressourcen Augenmerk gelegt, sondern auch auf kurze Rollzeiten. Im Blickpunkt von Ryanair stehen somit Flughäfen mit eher geringer Auslastung und damit vielen Reserven, die meist abseits der großen Ballungszentren liegen. So kann der Turnaround deutlich kürzer ausfallen.

Da Ryanair zum Teil nicht die zentralen Flughäfen großer Städte anfliegt, werden die angeflogenen kleineren und weiter davon entfernten Flughäfen oft mit dem Namen der nächstliegenden Metropole kombiniert wie beispielsweise Stockholm-Västerås, Hamburg-Lübeck, Düsseldorf-Weeze, Frankfurt-Hahn oder Barcelona-Girona. Dieses Verfahren wird auch von anderen Billigfluggesellschaften angewandt, ist jedoch sehr umstritten und von vielen anderen Fluggesellschaften scharf kritisiert, da die Flughäfen teils über 100 Kilometer und eine entsprechend lange Fahrzeit entfernt vom Stadtzentrum liegen und somit die Namensgebungen den Verbraucher täuschen würden.[12]

Flughäfen und Streckennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn möglich, nutzt Ryanair eine in das Flugzeug integrierte Fluggasttreppe (vorne), um nicht auf vom Flughafenbetreiber bereitgestellte fahrbare Treppen (hinten) angewiesen zu sein

Die Stützpunktflughäfen sind so über Europa verteilt, dass es nicht zu „Einsatzflügen“ morgens und abends kommen muss. Der Großteil der Flugzeuge startet und endet an einem Stützpunkt (wenige Ausnahmen als W-Muster = A → B → C → B → A). Die Flughäfen müssen (mit wenigen Ausnahmen) ermöglichen, einen 25-minütigen Turn-Around (Zeit zwischen Landung und Abflug) durchzuführen, sodass die Maschinen möglichst wenig am Boden stehen. Es werden nur Punkt-zu-Punkt-Flüge durchgeführt, wodurch kein Gepäckmanagement oder Risiko durch verpasste Anschlussflüge entsteht. Überwiegend werden Reiseziele mit günstigen Flughafengebühren oder – wenn möglich – regionalen Subventionen angeflogen, „teurere Flughäfen“ nur bei erwarteter hoher Auslastung (z. B. Berlin, London, Dublin, Barcelona, Madrid). Ryanair nutzt, wo möglich, die in die Maschinen integrierte Fluggasttreppe.

Zusatzgebühren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umsatzrendite ausgewählter Fluggesellschaften im Geschäftsjahr 2013.[13]

Ryanair erhebt für den Online-Check-In keine Gebühren, für den Check-In am Schalter dagegen schon. Auch für bestimmte optionale Dienstleistungen werden zusätzliche Gebühren erhoben. Dies betrifft unter anderem Getränke und Mahlzeiten an Bord und die Beförderung von aufgegebenem Fluggepäck.[14][15] Seit Januar 2012 können zudem erstmals Sitzplätze in den vordersten Reihen oder am Notausgang gegen Gebühr vorreserviert werden.

Trotz dieser Gebühren sind laut Stiftung Warentest die Flugpreise von Ryanair im Schnitt günstiger als die anderer Fluglinien.[16][17] Der durchschnittliche Ticketpreis lag Ende 2016 bei rund 33 Euro.[18]

Im Oktober 2013 kündigte Ryanair eine deutliche Senkung einiger Gebühren an, für den Ausdruck einer vergessenen Bordkarte beispielsweise von bisher 70 auf dann 15 Euro. Ebenso wird ein zweites kleines Handgepäckstück erlaubt und Tippfehler bei der Buchung sind zukünftig über die Hotline ohne Aufpreis änderbar.[19]

Flugziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ryanair bedient über 1600 Strecken zwischen 31 europäischen Staaten, Israel und Marokko. Die Anzahl der Ziele liegt mit Stand Dezember 2016 bei 200.[20] Fast alle Zielflughäfen liegen bewusst im Bereich der Europäischen Union, da die EU seit der Liberalisierung von 1997 als großer Binnenmarkt angesehen wird. Dies macht Ryanair unabhängiger von internationalen Abkommen, was vor allem die Verhandlungen zwischen der Fluggesellschaft und den Flughäfen erleichtert. Die einzigen Länder außerhalb der EU, welche die Gesellschaft anfliegt, sind Marokko, die Schweiz, Norwegen, Montenegro und Israel.[21]

Deutschsprachiger Raum

In Deutschland fliegt Ryanair Berlin-Schönefeld, Bremen, Dortmund, Frankfurt-Hahn, Frankfurt am Main, Hamburg, Karlsruhe/Baden-Baden, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Memmingen, Nürnberg, und Weeze, an und verbindet diese mit zahlreichen Zielen in Europa und Marokko.

In Österreich werden Linz und Salzburg angeflogen.

Für die Schweiz, das Elsass und Südbaden wird der in Frankreich gelegene Flughafen Basel-Mülhausen bedient.

Basen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Boeing 737-800 der Ryanair auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn
Kabine einer Boeing 737-800 der Ryanair

Mit Stand Mai 2017 sind 86 der genutzten Flughäfen von Ryanair als Basen oder „Stützpunkte“ ausgelegt, an denen jeweils mindestens ein Flugzeug mit Besatzungen fest stationiert ist.[22] Größte Basis ist London-Stansted, von wo aus gegenwärtig 40 dort stationierte Maschinen über 100 Ziele bedienen.

B–I
BelgienBelgien Belgien BulgarienBulgarien Bulgarien DeutschlandDeutschland Deutschland GriechenlandGriechenland Griechenland IrlandIrland Irland ItalienItalien Italien
K–N
KroatienKroatien Kroatien LitauenLitauen Litauen MaltaMalta Malta MarokkoMarokko Marokko NiederlandeNiederlande Niederlande
P–S
PolenPolen Polen PortugalPortugal Portugal RumänienRumänien Rumänien SchwedenSchweden Schweden SlowakeiSlowakei Slowakei
S–Z
SpanienSpanien Spanien TschechienTschechien Tschechische Republik UngarnUngarn Ungarn Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Zypern RepublikZypern Zypern

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boeing 737-800 der Ryanair im alten Farbschema

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Stand Mai 2017 besteht die Flotte der Ryanair aus 392 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 6,6 Jahren:[22]

Flugzeugtyp Anzahl bestellt[23] Anmerkungen Sitzplätze[24][25]
Boeing 737-700 001 mit Winglets ausgestattet; Trainings- und Standby-Flugzeug 149
Boeing 737-800 391 072 mit Winglets ausgestattet 189
Boeing 737 MAX 200 100 + 100 Optionen[26] 197
Gesamt 392 172

Sonderbemalungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ryanair betreibt einige ihrer Maschinen mit Sonderbemalungen, die meist entweder Werbung (in der Regel für bestimmte Städte oder Regionen, die angeflogen werden) tragen oder aber Konkurrenten der Gesellschaft provokativ thematisieren.

Flugzeugtyp Luftfahrzeugkennzeichen Bemalung Bild
Boeing 737-800 EI-DCL „Next Generation 737“ EI-DCL 3 B737-8ASW Ryanair(Boeing c-s) MAN 10MAR14 (13065522894).jpg
EI-DHX Costa Daurada Ryanair 738 EI-DHX.JPG
EI-DLG „Żegnamy PLL LOT!“ (übersetzt „Leb wohl PLL LOT!“) Boeing 737-8AS, Ryanair JP7743037.jpg
EI-DLN „Bye Bye Baby Boeing 737-8AS, Ryanair JP6277405.jpg
EI-DLO „Bye Bye easyJet Bristol airport ryanair EI-DLO.JPG
EI-DPY Catalunya“/„G! Costa Brava Pirineu de Girona EI-DPY.jpg
EI-EFH Comunitat Valenciana Ryanair Boeing 737-800 "Communitat Valenciana".JPG

Ehemalige Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ATR 42-300 der Ryanair im Jahr 1989

In der Vergangenheit setzte Ryanair unter anderem folgende Flugzeugtypen ein:

Flugzeugtyp Einsatzjahre
ATR 42-300 1989–1991
Avro 748 1986–1989
BAC 1-11 1987–1994
Boeing 737-200 1994–2005
Embraer EMB 110 1985–1989

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kundenservice[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem von der Stiftung Warentest 2009 durchgeführten Vergleichstest schnitt Ryanair in puncto Information und Buchung unter zehn getesteten Billigfliegern am schlechtesten ab.[17] Es gab nur folgende Kontaktmöglichkeiten: Eine Telefon-Hotline für Neu- und Umbuchungen sowie Stornierungen, eine für den „erweiterten Internet-Support“,[27] eine Anschrift für schriftliche Belange, die jedoch in englischer Sprache an die Zentrale in Irland geschickt werden mussten[28] und eine Faxnummer, die aber nur Beanstandungen für genutzte Flüge betrifft.[28] Eine E-Mail-Adresse war auf der Website von Ryanair nicht angegeben, obwohl Kapitel II Artikel 5 Absatz 1c) der EG-Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr dies zwingend vorschreibt.[29] Ein Kontaktformular für Anfragen ist jedoch auf der Website der Gesellschaft vorhanden. Neuerdings gibt es eine E-Mail-Adresse sowie einen Chat.[30] Auch kann man Fragen auf Twitter stellen.[31]

Verbraucherschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Probleme hatte Ryanair schon unter anderem mit der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs wegen der Bezeichnung von Flughäfen. Diese werden oft nach Großstädten benannt, die zumeist weit entfernt von der jeweiligen Stadt liegen. So liegen beispielsweise die Flughäfen Weeze, Frankfurt-Hahn, Stockholm-Skavsta und Paris-Beauvais mehr als 50 km von der Stadt entfernt, nach der sie benannt wurden. Vor Gericht hat allerdings zumeist Ryanair Recht bekommen. Mittlerweile haben sich einige Flughäfen auch offiziell den Namen gegeben, der zuvor schon von Ryanair verwendet wurde. In anderen Fällen hat die Fluggesellschaft selbst einen anderen Namen gewählt. So hieß der Leipzig-Altenburg Airport bei Ryanair bis zur Einstellung des Betriebes nur noch „Altenburg“. Der Flughafen Memmingen wird nur in Klammern mit dem Hinweis „München-West“ versehen.

Probleme gab es auch mit den restriktiven Geschäftsbedingungen in vergangenen Jahren. Im März 2004 entschied das Landgericht Köln, dass die bisherige Klausel „Sämtliche bezahlte Beträge (einschließlich Steuern und Gebühren) sind nicht erstattbar“ für den Fall einer Stornierung ungültig ist, Ryanair also wenigstens die Steuern und Gebühren erstatten muss. Denn diese Kosten entstehen Ryanair in diesem Falle erst gar nicht. Geklagt hatte die Wettbewerbszentrale. Aufgrund dieser Klage wurden die AGB geändert. Ryanair erhebt jedoch inzwischen (Stand Oktober 2010) eine „Verwaltungsgebühr für Rückerstattung staatlicher Steuern“ in Höhe von 20 Euro.[32] Wenn der zu erstattende Betrag weniger beträgt (was häufig der Fall ist) als die Verwaltungsgebühr, erfolgt keine Erstattung. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle Gebühren erstattungsfähig sind. Für die sogenannte Passenger Service Charge ist bereits bei der Flugbuchung „Non Refundable“ vermerkt. Somit verringern sich die erstattungsfähigen Gebühren teilweise um über 50 %.

Ausgefallene, stornierte, erheblich verspätete Flüge und auch Flüge, bei denen Ryanair die Abflugzeit um mehr als drei Stunden per Flugplanänderung nach Buchung geändert hat, können vom Passagier nach Erhalt einer entsprechenden Benachrichtigung oder auf der Website kostenlos auf einen anderen Flug umgebucht werden. Wahlweise erhalten die Personen auch innerhalb sieben Tagen eine Erstattung von Flugpreis und Gebühren oder einen Gutschein, der ebenfalls auf der Website von Ryanair eingelöst werden kann.

Ryanair erhielt eine rund drei Millionen Euro schwere Strafe, weil sie etwa 180 Passagieren während des Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 und den darauf folgenden Flugausfällen besonders am Flughafen Rom-Ciampino nicht (beispielsweise durch Getränke) geholfen hat. Nun bietet die Fluggesellschaft Entschädigungen an.[33]

Einer Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen wegen Erhebung von Gebühren für alle Kartenzahlungen mit Ausnahme der nicht weit verbreiteten Visa-Electron-Karte wurde am 30. April 2009 vor dem 23. Zivilsenat des Kammergerichts Berlin stattgegeben.[34] Die von Ryanair gegen dieses Urteil eingelegte Revision wurde vom Bundesgerichtshof (AZ: Xa ZR 68/09) zurückgewiesen.[35] Ungeachtet dieser Gerichtsurteile hält Ryanair weiterhin an der Praxis fest, Gebühren für alle Zahlungsmöglichkeiten mit Ausnahme der in Europa wenig verbreiteten Mastercard Prepaidkarte und der Zahlungsmethode "Sofortüberweisung" zu erheben.[32]

Ryanair weigerte sich anfangs, die gemäß EU-Recht dem Beförderer zufallenden Kosten der Passagiere durch die Flugausfälle wegen Vulkanasche im April 2010 zu übernehmen.[36]

Subventionen durch Flughäfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ryanair fliegt in erster Linie kleinere Regionalflughäfen an, wobei das Unternehmen größere Gebührennachlässe aushandelt. An manchen Flughäfen soll Ryanair keinerlei Gebühren zahlen, sondern stattdessen Marketingmaßnahmen für die Flughäfen übernehmen. Wie Erfahrungen zeigen, setzt Ryanair oftmals explizit auf die dauerhafte Subventionierung ihrer Strecken durch regionale Gebietskörperschaften.

Nach einer Klage von Konkurrenten wurde deshalb Ryanair im September 2003 verpflichtet, die vom elsässischen Flughafen Straßburg illegal erhaltenen Subventionen zurückzuzahlen. Infolgedessen kehrte das Unternehmen dem französischen Flughafen den Rücken und fliegt seit Oktober 2003 vom ca. 40 km nördlich liegenden Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden.

Am 3. Februar 2004 entschied die Europäische Kommission, dass ca. 75 Prozent der Subventionen, die das Unternehmen vom staatlichen Flughafen Brüssel-Charleroi erhalten hatte, unrechtmäßig seien und von Ryanair zurückgezahlt werden müssten. Der Europäische Gerichtshof urteilte im anschließenden Gerichtsverfahren, dass die EU-Kommission bei der Beurteilung fehlerhaft vorgegangen sei.[37] Die EU-Kommission entschied erneut im Oktober 2014 und stellte nun fest, dass Teile der Beihilfen für Charleroi zulässig seien, ein Anteil von sechs Millionen Euro jedoch zurückgezahlt werden müsse. Zudem wurden Belgien wettbewerbsrechtliche Auflagen zur marktgerechten Ausgestaltung der Landegebühren gemacht.[38] Ob und welche Konsequenzen diese Entscheidung für Ryanair und die anderen betroffenen Flughäfen hat, ist noch unklar.

Das Landgericht Kiel entschied am 8. August 2006, dass eine eventuelle Unterstützung, die Ryanair vom Flughafen Lübeck erhalten haben könnte, nicht rechtmäßig sei. Der Flughafen Lübeck wurde vom Landgericht aufgefordert, die Verträge mit Ryanair offenzulegen. Der Flughafen hat gegen diesen Entscheid Einspruch eingelegt. Das Oberlandesgericht Schleswig hat dem Flughafen Lübeck Recht gegeben. Gegen diese Entscheidung strengt Air Berlin ein Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof an.

Eine Klage der Deutschen Lufthansa AG wegen unerlaubter Beihilfen für den Flughafen Frankfurt-Hahn wurde in erster und zweiter Instanz von rheinland-pfälzischen Gerichten zunächst abgewiesen, der Revision vor dem BGH wurde 2011 jedoch stattgegeben und 2013 vom Europäischen Gerichtshof auch die Zuständigkeit des Oberlandesgerichtes für die Durchsetzung der Beihilfeentscheidungen der Europäischen Kommission bestätigt.[39] Am 1. Oktober 2014 entschied dann die EU-Kommission in sieben Fällen über die Zulässigkeit von staatlichen Beihilfen an Flughäfen oder Fluggesellschaften: im Falle von Frankfurt-Hahn wurden dabei die Beihilfen aber nicht beanstandet und in vollem Umfang für zulässig erklärt.[40][38]

Arbeitnehmerrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Push-Back einer Boeing 737-800 auf dem Flughafen Bergamo, welches Ryanair üblicherweise versucht, aus Kostengründen einzusparen

Des Weiteren wird von Gewerkschaftsseite oft der Umgang mit den Arbeitnehmern kritisiert. Es gibt weder gewerkschaftliche Organisationen noch eine innerbetriebliche Personalvertretung. Ein großer Teil der Piloten und Flugbegleiter wird von Zeitarbeitsfirmen gestellt (ca. 50 %). Zu erwähnen ist dabei die Kampagne „Ryan be fair“ im Internet, die von der britischen Transportarbeitergewerkschaft zur Etablierung einer Arbeitnehmervertretung initiiert wurde. Die Gewerkschaft ver.di und ehemalige Stewardessen, die als Leiharbeiterinnen bei Ryanair eingesetzt wurden, kritisieren, dass die zahlreichen Leiharbeitnehmer faktisch nur die reine Flugzeit bezahlt bekämen, am Zielflughafen ohne gesonderte Entlohnung Kabinen inklusive Toiletten putzen müssten, nur 20 Tage bezahlten Urlaub im Jahr erhielten, bei Krankheit keine Lohnfortzahlung bekämen, sich mehrmals im Monat unbezahlt am Heimatflughafen in Bereitschaft halten müssten und laut Arbeitsvertrag bei Streik mit Entlassung zu rechnen hätten.[41]

In internen Rundschreiben drohte Ryanair ihren Beschäftigten mit Jobverlust, sollten sie Kontakte zu Arbeitnehmervertretungen aufnehmen.[42]

Im Oktober 2014 wurde Ryanair in Aix-en-Provence in zweiter Instanz zu Schadenersatz von gut acht Millionen Euro und einer Geldstrafe verurteilt, weil das Gericht es als Schwarzarbeit einstufte, dass die Sozialabgaben der 127 Mitarbeiter am Flughafen Marseille nicht in Frankreich, sondern sehr viel günstiger in Irland abgeführt wurden.[43]

Treibstoffpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem am 26. Juli 2012 drei Ryanair-Maschinen, die von Madrid nach Valencia umgeleitet wurden, wegen Treibstoffmangel notlanden mussten, wurde Ryanair von der deutschen Vereinigung Cockpit kritisiert, sie setze Piloten unter Druck, nicht zu viel Treibstoff zu tanken.[44] Ryanair wies die Kritik zurück und sagte, sie bewege sich im rechtlichen Rahmen.[45] Am 19. Dezember 2011 hatte sich allerdings der zweite Chefpilot in einem Rundschreiben an die Ryanair-Piloten darüber beklagt, einige bestünden darauf, mit drei zusätzlichen Tonnen Treibstoff zu starten, was vollkommen unakzeptabel sei.[46]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen Irlands
  • Am 25. Februar 2010 gewann ein Ryanair-Passagier mit einem Rubbellos 10.000 Euro auf einem Flug von Krakau zu den East Midlands. Als er erfuhr, dass er den Gewinn nicht umgehend ausbezahlt bekommen konnte, aß er das Los auf. Auf der Website der Fluggesellschaft wurde später nach Vorschlägen gefragt, welche Hilfsorganisation den Gewinn bekommen solle.[47]
  • Michael O’Leary, der Chef von Ryanair, ist besonders für seine kontroversen Aussagen bekannt. So erklärte er, dass ein Pilot im Cockpit ausreiche und eine Stewardess im Notfall auch das Steuer übernehmen könne. Weiterhin schlug er vor, Toilettennutzungsgebühren einzunehmen und Stehplätze im Flugzeug einzuführen.[48] Letztere Vorschläge bezeichnete O’Leary im Mai 2014 in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung als „nicht ernst gemeint[e]“ PR-Gags mit dem Ziel, kostengünstig „Aufmerksamkeit [zu] erregen“.[49]
  • Das Logo der Ryanair erinnert an das Wappen der Republik Irland, des Heimatlandes der Gesellschaft, das eine Harfe auf blauem Grund darstellt.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ryanair verzeichnet in ihrer Geschichte bisher einen Zwischenfall mit Totalverlust eines Flugzeuges:[50]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siobhan Creaton: Ryanair: How a Small Irish Airline Conquered Europe. London 2005, ISBN 1-84513-083-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ryanair – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Ryanair – Reiseführer
 Wikinews: Ryanair – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Ryanair: 2015 annual report. Abgerufen am 7. November 2016 (PDF).
  2. Ryanair und Easyjet können 2016 kräftig zulegen. In: airliners.de. 6. Januar 2017, abgerufen am 14. Januar 2017.
  3. Passagierzahlen: Ryanair überholt Lufthansa. In: Manager Magazin. (manager-magazin.de [abgerufen am 18. März 2017]).
  4. Lufthansa Geschäftsbericht 2015. S. 50, abgerufen am 23. Mai 2016 (PDF).
  5. a b ryanair.com – About Us (englisch), abgerufen am 3. Februar 2013
  6. IATA – World Air Transport Statistics (englisch), abgerufen am 23. Januar 2015
  7. austrianaviation.net – Ryanair senkt Aer-Lingus-Anteil, 28. August 2013
  8. Ryanair to establish new standalone charter unit. In: ch-aviation. ch-aviation, 31. März 2017, abgerufen am 31. März 2017 (englisch).
  9. BBCto Dublin flight is ended (englisch)
  10. RTE150 jobs to go as Ryanair cuts Shannon flights, 10. Oktober 2009 (englisch)
  11. FocusLuftverkehr: Ryanair: Keine Abkehr vom Low-Cost-Modell, 25. September 2010
  12. softweb.at – Ryanair
  13. Michael Machatschke: Bitte anschnallen! In: Manager-Magazin. Nr. 5, 2014, S. 36–43.
  14. Ryanair – Gebührentabelle abgerufen am 13. Dezember 2011
  15. SternDer Koffer kostet mehr als der Sitzplatz, 12. Dezember 2011 abgerufen am 12. Dezember 2011
  16. Billigflieger: Zehn Airlines im Test. Stiftung Warentest, 26. Februar 2009, abgerufen am 14. Dezember 2012.
  17. a b Stiftung Warentest: Testergebnisse im Überblick. Stiftung Warentest, 26. Februar 2009, abgerufen am 14. Dezember 2012.
  18. Rheinische PostRyanair-Tickets kosten im Schnitt 33 Euro, 07. Februar 2017 abgerufen am 08. Februar 2017
  19. aero.de – Ryanair senkt Gebühren für Gepäck und Bordkarten, 25. Oktober 2013
  20. corporate.ryanair.com – Fact and Figures (englisch), abgerufen am 15. Mai 2017
  21. flights.ryanair.com – Billigflüge Europa abgerufen am 15. Mai 2017
  22. a b ch-aviationRyanair (englisch), abgerufen am 15. Mai 2017
  23. BoeingOrders & Deliveries (englisch), abgerufen am 15. Mai 2017
  24. ryanair.com – Flotte abgerufen am 21. März 2017
  25. Neue MAX-Version mit bis zu 200 Passagiersitzen: Ryanair-Großauftrag für 100 Boeing 737 MAX 200. In: flugrevue.de. 8. September 2014, abgerufen am 15. Mai 2017.
  26. BoeingBoeing, Ryanair Finalize Order for 100 737 MAX 200s, 1. Dezember 2014 (englisch), abgerufen am 15. Mai 2017
  27. ryanair.com – Reisefragen – Kontakt – Kontakt zum Buchungszentrum
  28. a b ryanair.com – Reisefragen – Kontakt – Kontakt mit dem Kundenservice
  29. Richtlinie 2000/31/EG (PDF) über den elektronischen Geschäftsverkehr
  30. ryanair.com – Kontakt
  31. twitter.com – Ryanair
  32. a b ryanair.com – Ryanair Gebühren
  33. Hamburger AbendblattMillionenstrafe für Ryanair, Mai 2010
  34. gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de – Allgemeine Geschäftsbedingungen eines Luftbeförderungsunternehmens: (Un-)Wirksamkeit von einen Barzahlungsausschluss und die Erhebung von Kredit- und Zahlkartengebühren betreffenden Klauseln, 30. April 2009
  35. BundesgerichtshofRyanair darf Barzahlung ausschließen, aber keine zusätzlichen Gebühren für Kartenzahlung verlangen, 20. Mai 2010
  36. The GuardianFury as Ryanair refuses to pay stranded passengers’ costs. Budget airline Ryanair risks consumer backlash by refusing to pay hotel and food bills of passengers stranded by ash cloud, 21. April 2010
  37. n-tvEuGH gibt Ryanair Recht, 17. Dezember 2008
  38. a b Europäische KommissionBeihilfen für Flughäfen Hahn und Saarbrücken genehmigt – nicht aber für Zweibrücken, 1. Oktober 2014
  39. finanznachrichten.deROUNDUP: Streit um staatliche Beihilfen für Ryanair geht wohl bis zum BGH, 16. Februar 2009
  40. Rhein-Main-PresseRechtsstreit um Gebühren für Billigflieger Ryanair am Hahn, 4. September 2014
  41. publik.verdi.de – Ausbeutung über den Wolken, März 2008
  42. Süddeutsche ZeitungRyanair: Wer rebelliert, fliegt raus, 19. Mai 2010
  43. Der SpiegelSchwarzarbeit in Frankreich: Ryanair muss acht Millionen Euro Schadensersatz zahlen, 28. Oktober 2014
  44. Tobias Appelt: NDR-Doku zeigt die Gefahr der Kampfpreise bei Billigfliegern. (derwesten.de [abgerufen am 10. Mai 2017]).
  45. Ryanair-Piloten fliegen mit zu wenig Sprit. In: Die Zeit. 16. August 2012, abgerufen am 15. Januar 2014.
  46. Martin Dahms: Ryanair spart an Treibstoff für ihre Maschinen. In: stuttgarter-zeitung.de. Stuttgarter Zeitung, 16. August 2012, abgerufen am 16. Januar 2014.
  47. The Aviation HeraldRyanair serves most expensive ever inflight meal (englisch)
  48. WirtschaftswocheBilligflieger: Ryanair-Chef verteidigt seine Spar-Exzesse, 14. Oktober 2010
  49. Ryanair-Chef: Wir fliegen für 10 Euro nach Amerika. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Mai 2014, abgerufen am 19. Mai 2014.
  50. Daten über die Fluggesellschaft Ryanair im Aviation Safety Network