Oberdischingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Oberdischingen
Oberdischingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Oberdischingen hervorgehoben

Koordinaten: 48° 18′ N, 9° 50′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Alb-Donau-Kreis
Höhe: 483 m ü. NHN
Fläche: 8,82 km2
Einwohner: 2196 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 249 Einwohner je km2
Postleitzahl: 89610
Vorwahl: 07305
Kfz-Kennzeichen: UL
Gemeindeschlüssel: 08 4 25 088
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schlossplatz 9
89610 Oberdischingen
Website: www.oberdischingen.de
Bürgermeister: Friedrich Nägele (CDU)
Lage der Gemeinde Oberdischingen im Alb-Donau-Kreis
Landkreis BiberachLandkreis EsslingenLandkreis GöppingenLandkreis HeidenheimLandkreis ReutlingenUlmAllmendingen (Württemberg)Allmendingen (Württemberg)Altheim (Alb)Altheim (bei Ehingen)Altheim (bei Ehingen)Amstetten (Württemberg)AsselfingenBallendorfBalzheimBeimerstettenBerghülenBernstadt (Alb)BlaubeurenBlausteinBreitingenBörslingenDietenheimDornstadtEhingen (Donau)Ehingen (Donau)EmeringenEmerkingenErbach (Donau)GriesingenGrundsheimHausen am BussenHeroldstattHolzkirchHüttisheimIllerkirchbergIllerriedenLaichingenLangenauLauterach (Alb-Donau-Kreis)LonseeMerklingenMunderkingenNeenstettenNellingenNerenstettenOberdischingenObermarchtalOberstadionÖllingenÖpfingenRammingen (Württemberg)RechtensteinRottenackerSchelklingenSchnürpflingenSetzingenStaigUntermarchtalUnterstadionUnterwachingenWeidenstettenWesterheim (Württemberg)WesterstettenBayernKarte
Über dieses Bild

Oberdischingen ist eine Gemeinde im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdischingen liegt an der Donau, zwischen Ehingen (Donau) (9 km) und Ulm (18 km).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an den Ortsteil Niederhofen der Gemeinde Allmendingen, im Osten und Süden an die Stadt Erbach und im Westen an Öpfingen.

Oberdischingen 1920

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Donauaue ist auf Oberdischinger Gebiet als Landschaftsschutzgebiet Oberdischingen ausgewiesen. Die Gemeinde hat zudem Anteil am FFH-Gebiet Donau zwischen Munderkingen und Ulm und nördliche Iller.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdischingen wurde erstmals 1148 urkundlich erwähnt. 1343 geriet es unter österreichische Herrschaft. 1520 wurden die Freiherren von Stotzingen mit dem Dorf belehnt, die es 1661 an die Familie der Grafen Schenk von Castell verkauften. Der als Malefizschenk bekannt gewordene Franz Ludwig Schenk von Castell richtete hier sein Zuchthaus ein. Bekanntester Häftling des Zuchthauses war die bekannte Vagantin und Gaunerin Elisabetha Gaßner, die hier am 16. Juli 1788 hingerichtet wurde. 1806 kam Oberdischingen – wie die gesamte Gegend – zum Königreich Württemberg und wurde dem Oberamt Ehingen unterstellt. 1927 erwarb die Gemeinde das „Rittergut Oberdischingen“, welches auch das „Kanzleigebäude“ (heute Rathaus) umfasste.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg wurde Oberdischingen 1938 dem Landkreis Ehingen zugeordnet. 1945 wurde der Ort Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

1960 überschritt der Oberdischingen die 1000-Einwohner-Grenze.

Durch die Kreisreform von 1973 gelangte Oberdischingen zum Alb-Donau-Kreis.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1275 wurde Oberdischingen Sitz einer eigenen Pfarrei und ist bis heute katholisch geblieben. Das Gebäude der Pfarrkirche Zum heiligsten Namen Jesu wurde 1804 errichtet und ist als Schwäbisches Pantheon bekannt (siehe auch Bauwerke). Die Pfarrei gehört zur Seelsorgeeinheit Donau-Riß des Dekanats Ehingen-Ulm.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdischingen gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Ehingen (Donau) an.

Schultheisse bis 1930, danach Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1824–1836 NN Schwarzmann
  • 1836–1851 NN Braig
  • 1851–1861 Johann Baptist Mack aus Schelklingen (* 16. Juni 1823, † 16. Juni 1861)
  • 1861–1870 Stefan Ott
  • 1870–1885 NN Freudenreich
  • 1885–1896 Lukas Ott
  • 1897–1904 NN Schwarzmann
  • 1904–1923 Stefan Ott
  • 1923–1944: Josef Schlick
  • 1944–1945 Rupert Ströbele als Stellvertreter
  • 1945–1946 Georg Rapp
  • 1948–1952: Erich Klumpp
  • 1952–1956: Vinzenz Ströbele
  • 1956–1983: Alois Speiser
  • 1983–1997: Hans Balleisen
  • 1997–2014: Benno Droste
  • seit 2014: Friedrich Nägele (CDU)

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Oberdischingen hat zehn Mitglieder. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde der Gemeinderat durch Mehrheitswahl gewählt. Mehrheitswahl findet statt, wenn kein oder nur ein Wahlvorschlag eingereicht wurde. Die Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen sind dann gewählt. Der Gemeinderat besteht aus den ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdischingen ist durch die Bundesstraße 311 an das überregionale Straßennetz angebunden.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdischingen verfügt über eine Grundschule (Josef-Karlmann-Brechenmacher-Schule).

Ein Heimatmuseum ist in Planung.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberdischingen gibt es zwei Fußballplätze und vier Tennisplätze.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdischingen 2004

Durch Oberdischingen verläuft der von Ulm herführende Oberschwäbische Jakobsweg nach Konstanz, ein Teilstück des historischen Jakobswegs, der im spanischen Santiago de Compostela endet.

Muszla Jakuba.svg
Navigationsleiste Jakobsweg „Oberschwäbischer Jakobsweg

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Oberdischingen liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße. Das außergewöhnliche historische Ortszentrum ist sehenswert: Häuser im französisch-barocken Mansard-Stil wurden durch den durch seine Rolle bei der Strafverfolgung im Oberschwaben des 19. Jahrhunderts auch „Malefizschenk“ genannten Franz Ludwig Reichsgraf Schenk von Castell (1736–1821) erbaut.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Schwäbisches Pantheon“
Kanzleigebäude am Schlossplatz
Dreifaltigkeitskapelle
  • Katholische Pfarrkirche „Zum heiligsten Namen Jesu“ von 1804, auch Schwäbisches Pantheon genannt. Sie ersetzte die ehemalige Liebfrauenkirche, von der nur noch ein Mauerbruchstück als Gedenkstein (gegenüber dem Pfarrhaus) erhalten ist. Die Glocke von 1510 ist ebenfalls noch erhalten.
  • Wallfahrtskirche Dreifaltigkeitskapelle von 1712
  • Im dreiflügligen Kanzleigebäude aus dem Jahr 1767 befindet sich heute das Rathaus, ein Gemeindehaus und ein Vereinsheim
Malefizweiber der Narrengesellschaft Oberdischingen

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Musikverein Oberdischingen veranstaltet sein traditionelles Osterkonzert am Ostersonntag. Das Parkfest findet im Juni statt und im Oktober gibt es auch ein Oktoberfest, beides wird vom Musikverein veranstaltet.
  • Treibende Kraft der schwäbisch-alemannischen Fasnet ist die Narrengesellschaft Oberdischingen mit den aus der Geschichte des Ortes abgeleiteten Narrengruppen „Gauner“, „Henkertrommler“, „Malefizweiber“ und „Schlossgeister“.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1919: Adolf Munding: Arzt in Oberdischingen
  • 1977: Stefan Ott (1900–1978): Oberdischinger Bürger, Germanist und Autor des Heimatbuchs
  • 1984: Martin Übelhör (1914–2009), Pfarrer in Oberdischingen 1959 bis 1984
  • ?: Alois Speiser (1920–2011), Bürgermeister von 1956 bis 1984

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstige Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Ott: Oberdischingen. Heimatbuch einer Gemeinde an der oberen Donau. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1977, ISBN 3-87437-144-1.
  • Oberdischingen. In: Johann Daniel Georg von Memminger (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Ehingen (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 3). Cotta’sche Verlagsbuchhandlung, 1826, S. 169–171 (Volltext [Wikisource]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Oberdischingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2020 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Daten- und Kartendienst der LUBW
  3. Renate Emmenlauer: Kanzleibau Oberdischingen: Henker greift zum Schwert In: Südwest Presse, 10. September 2017.