Prats-de-Mollo-la-Preste

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Prats-de-Mollo-la-Preste (Prats de Molló i la Presta)
Prats-de-Mollo-la-Preste (Frankreich)
Prats-de-Mollo-la-Preste
Region Languedoc-Roussillon
Département Pyrénées-Orientales
Arrondissement Céret
Kanton Prats-de-Mollo-la-Preste
Koordinaten 42° 24′ N, 2° 29′ O42.4038888888892.4791666666667Koordinaten: 42° 24′ N, 2° 29′ O
Höhe 575–2.693 m
Fläche 145,09 km²
Einwohner 1.074 (1. Jan. 2012)
Bevölkerungsdichte 7 Einw./km²
Postleitzahl 66230
INSEE-Code
Website Prats-de-Mollo-la-Preste

Prats-de-Mollo – Ortsansicht
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Prats-de-Mollo-la-Preste (katalanisch Prats de Molló i la Presta; deutsch: ‚Wiesen von Mollo‘) ist ein Ort und eine französische Gemeinde (commune) mit 1.074 Einwohnern (Stand 1. Januar 2012) im Département Pyrénées-Orientales in der Region Languedoc-Roussillon.

Lage[Bearbeiten]

Prats-de-Mollo liegt in einer Höhe von etwa 740 m ü. d. M. am Fluss Tech etwa 10 km (Luftlinie) südlich des Pic du Canigou im oberen Vallespir-Tal nahe dem Col d’Ares und der spanischen Grenze. Perpignan, die Hauptstadt des Roussillon, ist knapp 60 km (Fahrtstrecke) in nordöstlicher Richtung entfernt. Etwa 8 km westlich des Ortes befindet sich der kleine Kurort La Preste mit seinen Schwefelthermen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1800 1850 1901 1954 1975 1999 2012
Einwohner 3.190 3.270 2.525 1.608 1.190 1.080 1.074

Infolge der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft und dem daraus resultierenden Verlust an Arbeitsplätzen ist die Zahl der Einwohner seit dem Ende des 19. Jahrhunderts kontinuierlich zurückgegangen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es beim Ort Marmorsteinbrüche und kleinere Manufakturen zur Herstellung von Schokolade sowie Kleinwebereien. Heute spielt der Tourismus in Form der Vermietung von Ferienwohnungen (gîtes) eine nicht unerhebliche Rolle im Wirtschaftsleben der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 9. und 10. Jahrhundert wurden Prats und Mollo erstmals urkundlich erwähnt; seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert finden sie sich häufig gemeinsam (z. B. Vallis de Pratis de Mollone). Der abseits gelegene Ort La Preste wurde im Jahr 1956 eingemeindet. Im 13. Jahrhundert gab es südlich des heutigen Ortes eine Burg der Grafen von Besalú. Im folgenden Jahrhundert erhielt der Ort eine Stadtmauer (remparts), die jedoch beim Erdbeben von 1428 teilweilse einstürzte. Wieder ein Jahrhundert später grassierte die Pest und dezimierte die Bevölkerung. Das 16. Jahrhundert sah einen wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes aufgrund zahlreicher Webereien, aber auch anhaltende Gebietsstreitigkeiten zwischen Spanien und Frankreich, die mit dem Pyrenäenfrieden des Jahres 1659 ein Ende fanden. Aber nur wenige Jahre später (1661–1673) revoltierte die Bevölkerung gegen die ihr von Ludwig XIV. auferlegte Salzsteuer (gabelle). In den Jahren 1674 bis 1682 entstand nördlich des Ortes das Fort Lagarde zur besseren Kontrolle des oberen Vallespir-Tales; Ort und Fort wurden als Nebenschauplatz des Neunjährigen Krieges von spanischen Truppen erfolglos belagert. In den Revolutionsjahren 1793/94 war Prats-de-Mollo zeitweise von spanischen Truppen besetzt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Église Saintes Juste et Ruffine
Kirchenschiff
  • Die mittelalterlichen, aber im 17. Jahrhundert von Vauban instandgesetzten Stadtmauern von Prats-de-Mollo mit der Porte d’Espagne sind seit 1930 bzw. 1922 als als Monuments historiques eingestuft.[1][2]
  • Zu den bedeutendsten Kunstdenkmälern des Orts und der Umgebung gehört die spätgotische Kirche Saintes Juste et Ruffine aus dem 13. Jahrhundert mit Erweiterungen aus dem 17. Jahrhundert. Weitgehend ursprünglich der der auf quadratischem Grundriss erbaute Glockenturm, der sich am lombardischen Stil mehrerer Türme in der Umgebung (z. B. Saint Michel de Cuxa oder Saint Martin du Canigou) orientiert. Die hölzerne Eingangstür zeigt noch originale Eisenbeschläge mit Spiralmotiven. Der rippengewölbte Kirchenraum ist einschiffig und wird durch – zwischen die äußeren Strebepfeiler eingefügte – Seitenkapellen stabilisiert; in der Apsis befindet sich ein spätbarocker Altarretabel mit gedrehten Säulen im churrigueresken Stil. Der Kirchenbau ist seit dem Jahr 1921 als Monument historique anerkannt.[3]
  • Das als Museum genutzte, von Vauban errichtete Fort Lagarde dominiert den Ort. In seiner Mitte steht die Ruine eines mittelalterlichen Bergfriedes (donjon). Es wurde im Jahr 1926 als Monument historique eingestuft.[4]
Tour de Mir
Chapelle Sainte-Marguerite du Col d’Ares

Umgebung

  • Der nur etwa 100 Einwohner zählende Ortsteil La Preste bietet Kurhotels etc.; die kleine Kapelle Saint-Isidore ist ein hübsch restaurierter Bruchsteinbau unbekannten Alters.
  • Der nur im Rahmen einer etwa 4 km langen Wanderung zu erreichende Tour de Mir ist ein westlich des Ortes auf einer 1540 m hohen Bergkuppe stehender Wachturm, der im 13. Jahrhundert im Auftrag des mallorquinischen Königs Jaume I. errichtet wurde. Er ist seit 2002 als Monument historique anerkannt.[5]
  • Die Ermitage Notre-Dame-du-Coral ist ein aus mehreren Gebäuden bestehender, an einem Berghang gelegener Baukomplex aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie befindet sich etwa 11 km südlich von Prats-de-Mollo und ist seit dem Jahr 1990 als Monument historique anerkannt.[6]
  • Nahe der Passhöhe des Col d’Ares erhebt sich die kleine, aus Bruchsteinen gemauerte, apsislose Kapelle Sainte Margarite du Col d’Ares, die ehemals zu einem Hospiz gehörte, welches aber schon im ausgehenden 17. Jahrhundert aufgelöst wurde und von dem nur noch spärliche Ruinen erhalten sind. Der kleine Bau mit seinem grasbewachsenem Dach hat ein Portal auf der Südseite; das Innere ist tonnengewölbt. Die Kapelle und die Reste des Hospizes wurden im Jahr 2009 als Monuments historiques eingestuft.[7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prats-de-Mollo-la-Preste – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Remparts, Prats-de-Mollo in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. Porte d’Espagne, Prats-de-Mollo in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  3. Église Saint-Juste-et-Sainte-Ruffine, Prats-de-Mollo in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  4. Fort Lagarde, Prats-de-Mollo in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  5. Tour de Mir, Prats-de-Mollo in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  6. Ermitage Notre-Dame-du-Coral, Prats-de-Mollo in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  7. Chapelle Sainte-Marguerite et Hospice Sainte-Marie ou Notre-Dame du col d'Ares, Prats-de-Mollo in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)