RAL-Montage

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Der Begriff „RAL-Montage“ wird beim Einbau von Fenstern verwendet. Im Vorwort des Leitfadens zur Montage der RAL-Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren steht zum Begriff „RAL-Montage“ folgendes:

„Der im Leitfaden beschriebene Stand der Technik wurde als Grundlage für das RAL-Gütezeichen Fenster+Montage eingeführt. Daraus resultierte dann in der Folgezeit die irreführende Verwendung von der "RAL-Montage" als Synonym für eine Montage nach den anerkannten Regeln der Technik. Unter dem wirtschaftlichen Druck der letzten Jahre stellt man diese Anforderungen gelegentlich als übertrieben oder gar als "Luxus-Montage" dar. Doch dies ist nur ein Zeichen mangelnder Sachkenntnis über die geänderten Erfordernisse. Eine "RAL-Montage" im Sinne des Wortes gibt es nicht. Mit einem Einbau nach den Vorgaben des Leitfadens zur Montage werden nur die allgemein anerkannten Regeln der Technik erfüllt. Die RAL-Gütesicherung von Fenstern und Haustüren umfasst heute immer die Qualitätssicherung der Produkte und deren Einbau. Betriebe mit dem RAL-Gütezeichen erfüllen daher die in dem Leitfaden formulierten Inhalte in nachweislich hervorragender Weise. Nach ihren Güterichtlinien setzen sie nur geschultes Montagepersonal ein, sie dokumentieren die Montage und unterziehen sich einer freiwilligen neutralen Überwachung. Im Einzelnen müssen die Betriebe mit dem Gütezeichen folgende Anforderungen erfüllen:

•Ergänzung der Systembeschreibung mit Anschlussbeispielen, die vom Prüfinstitut beurteilt werden,

•Benennung eines Montageverantwortlichen, der an Seminaren zur Montage teilnimmt,

•innerbetriebliche Unterweisung der Monteure,

•Fremdüberwachung der Montage an einer Baustelle, die vom Prüfinstitut ausgewählt wurde,

•objektspezifische Werkplanung mit Montagedetails,

•Einsatz von geeigneten Materialien zur Anschlussausbildung,

•Überprüfung und Dokumentation der Ausführungsqualität durch den Montageleiter vor Ort,

•stichprobenartige Überprüfung und Dokumentation von Bauvorhaben durch den Montageverantwortlichen des gütegesicherten Betriebes und

•Überprüfung der Qualitätskontrollen im Rahmen der Fremdüberwachung durch das Institut für Fenstertechnik - ift Rosenheim.

Es liegt in der Natur der Sache, dass ausschließlich Firmen, denen nach einer längeren Überprüfung durch das Institut für Fenstertechnik von der Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e. V. das RAL-Gütezeichen verliehen wurde, Produkte und Leistungen mit dem Gütezeichen anbieten und ausführen können. [1]

Weiterhin wird auf Seite 6 des Leitfadens zur Montage der Gütegemeinschaft vom März 2014 ausgeführt:

„Bezüglich der Einhaltung der Anforderungen der EnEV beim Einbau von Fenstern und Außentüren sind im Kapitel 8 dieses Leitfadens eine ganze Reihe von Einbaubeispielen für den Neubau sowie für den Fensteraustausch im Bestand einschließlich der wärmetechnischen Nachweise dargestellt. Es handelt sich hierbei um unverbindliche Ausführungsbeispiele, d. h., es sind jeweils auch andere Detailausbildungen z. B. bezüglich der Befestigung oder Abdichtung möglich. Die Anforderungen an den Baukörperanschluss von Fenstern, Außentüren und Fassaden sind nicht materialbezogen sondern funktionsorientiert.“

Der Leitfaden zur Montage wurde zuletzt im März 2014 aktualisiert herausgegeben.

Grund für die neue Montageart[Bearbeiten]

Aus bauphysikalischer Sicht ist für einen energiesparenden Neubau eine dichte Gebäudehülle notwendig, um Energieverluste durch unkontrollierten Luftaustausch zu verhindern. Deshalb fordert die EnEV bei Neubauten, dass die Gebäudehülle einschließlich der Fugen dauerhaft luftdicht auszuführen ist. Die Dichtheit wird durch den Wandaufbau (z. B. Ziegel mit Innenputz und äußeren WDVS oder Holzständerwände mit Steinwolle und Windsperre), Fenster mit umlaufenden Dichtungen und auch durch Abdichtungen von Bauanschlussfugen hergestellt. Zu diesen Bauanschlussfugen zählen auch die umlaufenden Fugen zwischen Fensterrahmen und Mauerwerk, welche bei früheren Montagearten vorwiegend mit Montageschaum ausgefüllt und anschließend verputzt wurden. Solche Fensterfugen fallen bei Blower-Door-Tests oft auf; ebenso andere Schwachpunkte (z. B. Elektrodosen an Ziegelaußenwänden, Leerverrohrungen für Außenleuchten, etc.). Der Montageschaum (PU-Schaum) bildet zwar eine dämmende Schicht, aber selbst wenn diese Schaumfuge verputzt ist, bleibt sie luftdurchlässig. Die Förderrichtlinien von Wohnbauförderungen mancher Länder schreiben für Niedrigenergiehäuser auch Blower-Door-Tests verpflichtend vor; manchmal werden diese auch beim Erstellen eines Energieausweises durchgeführt.

Der Aspekt der luft- und schlagregendichten Ausführung des Baukörperanschlusses ist jedoch nur einer von vielen. Der Leitfaden zur Montage behandelt das gesamte Thema der Fenster- und Haustürmontage umfassend, wozu u.a. auch die Planung der Montage gehört, da am Bau meist mehrere Gewerke zusammenspielen und diese im Bauablauf und bezüglich ihrer Aufgaben koordiniert werden müssen. Weitere wichtige Bereiche neben Bauphysik und Abdichtung sind Befestigung und Lastabtragung.

Schnitt eines Fenstereinbaus nach RAL-Montage
Schnitt eines Fenstereinbaus nach RAL-Montage, von dem Fachunternehmen als Standard-Montage mit PU-Schau ausgeführt, vom Bauherren in Eigenleistung angebrachte Dichtbänder
Schnitt eines Fenstereinbaus nach RAL-Montage und Versetzen des Fensterrahmens in die WDVS-Dämmebene, um trotz hoher Dämmstärke keine tiefe Fensterlaibung an der Fassade zu sehen

Ideale Montageart[Bearbeiten]

Um diesen Stand der Technik zu erreichen bieten verschiedene Hersteller Anputzdichtleisten und Fugendichtbänder für die Fenstermontage an. Dies sind selbstklebende Anputzdichtleisten oder Dichtbänder, welche vor dem Einbau des Fensterrahmens umlaufend auf diesen geklebt werden. Der Vorgang wird für Innenseite und Außenseite wiederholt und an den Ecken werden Laschen gebildet, damit auch dort Verbindung zum Mauerwerk bestehen kann. Der Rahmen wird anschließend in die Fensteröffnung gesetzt und eingekeilt, dann mit dübellosen Fensterschrauben (die früher verwendeten Eindrehanker („Montageankerpratzen“) bilden eine leichte Wärmebrücke) mit dem Mauerwerk verschraubt. Nach dem Einsetzen der Flügel wird die Fuge mit Montageschaum verfüllt und das Dichtband wird über diese verfüllte Fuge bis an das Mauerwerk verklebt. Die Verklebung der Fugenbänder mit dem Mauerwerk soll in Wintermonaten nicht mit der selbstklebenden Schicht der Dichtbänder erfolgen (sofern diese auch mauerseitig vorhanden ist), sondern mittels speziellem dauerelastischem und silikonfreiem Bauanschlussfugenkleber.

Wahlweise kann das Dichtband auch erst nach dem Einsetzen und Ausschäumen des Fensterrahmens auf die Rahmenprofile geklebt werden. Jedoch kann es dann nicht mehr an der seitlichen Kante angesetzt werden und es muss der Putz der Laibung dann auch Teile des Fensterrahmens überdecken, damit das Dichtband nach dem Verputzen unsichtbar bleibt. Außerdem drückt der Montageschaum das Dichtband nicht an den Rahmen fest, sondern es wird nur von der selbstklebenden Schicht gehalten. Als Voraussetzung für die Montage mit Dichtbändern müssen bei Ziegelbauten die Fensterlaibungen vor der Montage glatt gespachtelt werden (der sog. „Glattstrich“, z. B. mit frostfestem Bau- oder Fliesenkleber oder feinem Thermoputz).

Alternative Montagearten[Bearbeiten]

Da die Montage mit Dichtbändern sehr zeitaufwändig und das Material teuer ist, werden von manchen Montagebetrieben oder Fensterherstellern die Normen so ausgelegt, dass die Dichtheit nicht mit Dichtbändern sondern anderem Material hergestellt wird. Hierzu gibt es Varianten mit inneren sowie äußeren „Anputzdichtleisten“ oder Verwendung von Acryl oder Silikon, um den glatt geschnittenen Montageschaum der Fuge abzudichten. Hier sei erwähnt, dass eine Acryl- oder Silikonfuge eine Wartungsfuge ist und die Hersteller nur zu der gesetzlichen Gewährleistungsfrist verpflichtet sind, sofern überhaupt ein explizit für Fensterfugen hergestellter Acryl-/Silikondichtstoff verwendet wird. Eine Silikonfuge kann nach wenigen Jahren Risse bekommen; besonders bei den Temperaturschwankungen einer Fensterfuge und der üblichen Fugenbreite von 1 bis 1,5 cm verschärft sich diese Problematik. Es gibt noch keine Gutachten über die langfristige Dichtheit.

Die Montageart mit Acryl/Silikon-Abdichtung innen ist zwar nicht normgerecht, aber im Zusammenhang mit einer WDVS-Fassade aus wirtschaftlicher und auch bautechnischer Sicht dennoch akzeptabel, wenn man den Fensterrahmen bis an das äußere Ende der Fensterlaibung setzt und zum Teil mit Dämmung überdeckt, da hiermit schon eine Dichtheit durch das WDVS-System hergestellt wird (siehe Abbildungen oben).

Weitere alternative Ausführungsbeispiele zur Herstellung der luftdichten Anschlüsse werden in der DIN 4108-7 beschrieben. In dieser DIN werden die Anforderungen an die Einhaltung der Luftdichtheit festgelegt.

Literatur[Bearbeiten]

  1. RAL Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e. V.: Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren für Neubau und Renovierung (März 2014, bestellbar über die Website des Verbands der Fenster- und Fassadenhersteller)

Weblinks[Bearbeiten]