Reiskirchen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Reiskirchen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reiskirchen
Reiskirchen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reiskirchen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 36′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Gießen
Höhe: 222 m ü. NHN
Fläche: 44,99 km2
Einwohner: 10.298 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 229 Einwohner je km2
Postleitzahl: 35447
Vorwahlen: 06408, 06401
Kfz-Kennzeichen: GI
Gemeindeschlüssel: 06 5 31 016
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 17
35447 Reiskirchen
Webpräsenz: www.gemeinde-reiskirchen.de
Bürgermeister: Dietmar Kromm (parteilos, von der CDU unterstützt)
Lage der Gemeinde Reiskirchen im Landkreis Gießen
Niederdorfelden Biebertal Wettenberg Lollar Staufenberg (Hessen) Allendorf (Lumda) Rabenau (Hessen) Heuchelheim (Hessen) Gießen Buseck Grünberg (Hessen) Fernwald Linden (Hessen) Langgöns Pohlheim Reiskirchen Lich Hungen Laubach Wetteraukreis Vogelsbergkreis Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Marburg-Biedenkopf Lahn-Dill-KreisKarte
Über dieses Bild

Reiskirchen ist eine Großgemeinde im Landkreis Gießen in Hessen, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaften Reiskirchen, Bersrod und Burkhardsfelden gehörten zum Busecker Tal. Gießen liegt ca. 8 Kilometer westlich von Reiskirchen. Ebenso befindet sich das Naturschutzgebiet Hohe Warte westlich des Ortes. Im Reiskirchener Ortsteil Saasen entspringt der Fluss Wieseck, der bei Gießen in die Lahn mündet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiskirchen grenzt im Norden an die Gemeinde Rabenau, im Osten an die Stadt Grünberg, im Südosten an die Stadt Laubach, im Süden an die Stadt Lich, sowie im Westen an die Gemeinden Fernwald und Buseck. Im Nordosten zwischen Saasen und Grünberg steht die ehemalige Klosteranlage Wirberg.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste sicher zuordenbare urkundliche Erwähnung stammt aus dem Urkundenbuch des Klosters Arnsburg und ist mit 1305 datiert. Um 1300 entstand eine neue Kirche, dessen Chorturm erhalten ist. Das heutige Kirchenschiff der Evangelischen Kirche Reiskirchen wurde 1769 bis 1771 im Übergangsstil zwischen Spätbarock und Klassizismus errichtet.

Ein Überblick über die Geschichte der Gemeinde Reiskirchen bietet eine Ausstellung im Hirtenhaus, das als Heimatmuseum genutzt und von der heimatgeschichtlichen Vereinigung Reiskirchen betrieben wird.

Der Gemeinde wurde vom Hessischen Minister des Innern am 8. November 1974 die Genehmigung zur Führung des vom Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt entwickelten Wappens erteilt, dessen Beschreibung „in einem schwarzen von goldenen Streifen netzartig geteilten Wappenschild eine mit einem roten Kirchturm belegte silberne Spitze“ lautet.

Im Reiskirchener Ortsteil Saasen existiert immer noch ein Relikt aus den 1950er Jahren: Eine Gefriergemeinschaft, gegründet, als die Anschaffung von Tiefkühltruhen für Privathaushalte noch zu teuer war.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1970 schlossen sich die Gemeinden Reiskirchen, Hattenrod, Saasen und Winnerod im Rahmen der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur neuen Gemeinde Reiskirchen zusammen. Am 1. April 1972 wurde die Gemeinde Burkhardsfelden auf freiwilliger Basis eingegliedert. Am 1. Januar 1977 kamen die Gemeinden Bersrod, Ettingshausen und Lindenstruth nach dem Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen hinzu.[2][3]
siehe auch Burgstall Reiskirchen

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Reiskirchen unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[4]

  • Richolueschiricha (975) [MGH Diplomata Könige 2,1, Otto II. : Sickel, Nr. 102] ist mit Reiskirchen südlich von Wetzlar zu identifizieren. [vgl. Kellner, St. Bartholomäus, S. 37 f.]
  • Richoluiskirchen, de (1238) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 27]
  • Ricolfiskirchen, in (1305) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 339]
  • Richolskirchin, de (1319) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 495]
  • Richelskyrchen (14. Jahrhundert)
  • Ryßkirchen, zu (1501) [UB Gießen Hs. 556/60 p. 15]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Reiskirchen unterstand im Überblick:[4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[4][8]

  • 1502: 16 Männer
  • 1577: 33 Hausgesesse
  • 1630: 42 Männer, 3 Witwen, 9 Vormundschaften
  • 1669: 195 Seelen
  • 1742: 2 Geistliche/Beamte, 69 Untertanen, 26 Junge Mannschaften, 8 Beisassen/Juden
  • 1804: 425 Einwohner
  • 1830: 466 evangelische Einwohner, 24 Juden.
  • 1885: 706 Einwohner
  • 1925: 975 Einwohner
  • 1939: 1038 Einwohner
  • 1950: 1602 Einwohner
  • 1961: 1676 (1402 evangelisch, 236 römisch-katholisch) Einwohner. Erwerbspersonen: 195 Land- und Forstwirtschaft, 338 Prod. Gewerbe, 173 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 148 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 2000: 10650 Einwohner (Haupt- und Nebenwohnungen)
  • 2010: 11950 Einwohner (Haupt- und Nebenwohnungen)
Reiskirchen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
636
1840
  
674
1846
  
702
1852
  
776
1858
  
776
1864
  
657
1871
  
679
1875
  
664
1885
  
706
1895
  
754
1905
  
841
1910
  
889
1925
  
975
1939
  
1.038
1946
  
1.497
1950
  
1.602
1956
  
1.647
1961
  
1.676
1967
  
1.817
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[9] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[10][11]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
    
Von 31 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 32,7 10 36,2 14 40,3 15 38,6 14
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,8 9 25,0 9 31,2 12 34,6 13
FW Freie Wähler 30,1 9 19,6 7 15,8 6 16,0 6
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 9,4 3 15,8 6 5,4 2 5,5 2
FDP Freie Demokratische Partei 3,3 1 3,6 1 2,2 1
CSWU Christlich Soziale Wählerunion 3,6 1 3,2 1
Gesamt 100,0 31 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 49,0 44,9 43,4 56,9

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 15. März 2013 ist Dietmar Kromm (parteilos, unterstützt von der CDU) Bürgermeister der Großgemeinde Reiskirchen. Er wurde am 3. Februar 2013 in der Stichwahl gegen Bernd Debus (Freie Wähler) mit 73,1 % der Stimmen gewählt. In der Wahl am 20. Januar 2013 erreichte Dietmar Kromm 47,3 %, Bernd Debus 26,8 % und Anette Henkel (SPD) 25,9 % der abgegebenen Stimmen. Der zuvor zurückgetretene Bürgermeister Holger Sehrt (SPD) kandidierte nicht mehr.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Reiskirchen pflegt Partnerschaften mit den Gemeinden Goleszów in Polen, der elsässischen Gemeinde Muttersholtz und mit Wandersleben in Thüringen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen hohen Bekanntheitsgrad hat das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Reiskirchen unter der musikalischen Leitung von Otmar Scheld, der für seine Verdienste am 23. Dezember 2007 vom damaligen hessischen Innenminister Volker Bouffier das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekam.[12]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwähnenswert sind die Sportvereine TSG Reiskirchen, der Tennisverein Reiskirchener TC mit vier Tennisplätzen sowie der Sportplatz Jahnstraße. Der Kegelklub Meteor 85 Reiskirchen spielt mit der 1. Mannschaft in der Kegel-Bundesliga.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiskirchen ist verkehrsgünstig an den Autobahnen 5 und 480 („Reiskirchener Dreieck“) und an der Bundesstraße 49 gelegen. Für die B 49 ist eine Ortsumgehung im Süden geplant. Vor allem durch den Bahnübergang am Reiskirchener Bahnhof staut sich der Verkehr bei Schließung der Schranken sehr stark zurück, und da bis 2020 das Verkehrsvolumen um 33 % ansteigen soll, ist die Umgehung in die Kategorie Vordringlicher Bedarf eingeordnet. Als Kosten für die Südumgehung werden ungefähr 12 Millionen Euro angegeben.[13]

Am 22. März 2009 haben die wahlberechtigten Bürger Reiskirchens in einem Bürgerentscheid darüber abgestimmt, ob ein Beschluss der Gemeindevertretung für die Südumgehung aufgehoben wird. 66 Prozent der Abstimmenden votierten gegen diesen Vorschlag bei einer Wahlbeteiligung von 56,6 Prozent.[14]

In den Ortsteilen Reiskirchen und Saasen befinden sich Haltepunkte der Vogelsbergbahn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katharine Alexander: Geschichten aus dem alten Reiskirchen. Heimatgeschichtliche Vereinigung, Reiskirchen 1999
  • Karl Glaser: Zur Geschichte des Klosters Wirberg. In: Einladung zu den am 12., 13., und 14. März stattfindenden Schulfeierlichkeiten in dem Großherzogl. Gymnasium in Gießen. Gießen 1856, S. 3–16 (Digitalisat)
  • Gustav Ernst Köhler: Die Geschichte von Reiskirchen. Teil 1. Von den Anfängen bis zum Westfälischen Frieden. Heimatgeschichtliche Vereinigung, Reiskirchen 1993
  • Gustav Ernst Köhler: Wirberg. Burg, Kloster, Pfarre. Heimatgeschichtliche Vereinigung, Reiskirchen 1998
  • Reiskirchen. Bilder aus vergangenen Tagen. Geiger, Horb am Neckar 1990, ISBN 3-89264-440-3 (alte Ansichten)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Reiskirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 309
  4. a b c Reiskirchen, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 4. November 2016)
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde, Band 22, S. 414, Weimar 1821
  8. Ab 2000: Haushaltsplan der Gemeinde Reiskirchen 2013 (Vorbemerkungen S. 3) (PDF)
  9. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  10. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  11. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  12. Bundesverdienstkreuz am Bande für Otmar Scheld
  13. Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung: B 49, Neubau der Ortsumgehung Reiskirchen und Reiskirchen/Lindenstruth, abgerufen am 25. März 2009
  14. Gemeinde Reiskirchen: Vorläufiges Endergebnis Bürgerentscheid 22. März, abgerufen am 25. März 2009