Ulrike Guérot

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ulrike Guérot bei der Jahrestagung der Heinrich-Böll-Stiftung (2011)

Ulrike Beate Guérot (* 1964 in Grevenbroich[1]) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin. Sie ist Gründerin und Direktorin des „European Democracy Lab“ (ECL) Berlin und beschäftigt sich mit der Zukunft der europäischen Demokratie. Das „Mission Statement“ des European Democracy Labs ist die Verwirklichung eines Europas auf dem Grundsatz der allgemeinen politischen Gleichheit aller europäischen Bürger sowie die Ausgestaltung einer europäischen Demokratie, die dem Prinzip der Gewaltenteilung entspricht.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Guérot studierte Politikwissenschaft und wurde 1995 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster mit einer Arbeit über die Geschichte des französischen Parti socialiste promoviert.[2] Sie war von 1992 bis 1995 Mitarbeiterin im Abgeordnetenbüro des Außenpolitischen Sprechers der CDU-CSU Bundestagsfraktion, Karl Lamers, und wirkte an dem Schäuble-Lamers-Papier zur Vertiefung der Europäischen Union von 1994 mit. Danach war sie von 1995 bis 1998 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim ehemaligen Präsidenten der Europäischen Kommission, Jacques Delors, bei der Organisation Notre Europe in Paris, und anschließend von 1998 bis 2000 Juniorprofessorin an der Paul H. Hitze School for Advanced International Studies im Fachbereich European Studies an der Johns Hopkins University, Washington, D.C., USA.

Guérot war von 2000 bis 2003 Leiterin der Programmgruppe Europa bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin und von 2004 bis 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim German Marshall Fund.

Von 2007 bis 2013 leitete Ulrike Guérot das Berliner Büro des European Council on Foreign Relations (ECFR). Dort arbeitete und forschte sie auf den Gebieten der europäischen Außenpolitik, des europäischen Integrationsprozesses, der europäischen Institutionen sowie der deutsch-französischen und deutsch-amerikanischen Beziehungen. Zwischen 2010 und 2013 war Guérot beim ECFR verantwortlich für das Programm „Germany in Europe“.

Im Frühjahr 2012 war Guérot Visiting Scholar am Deutschen Haus der New York University (NYU)[3] und im Herbst 2014 hatte sie einen Gastaufenthalt am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB).[4]

Im September 2014 gründete sie zusammen mit Victoria Kupsch das „European Democracy Lab“, das an der European School of Governance (eusg)[5] in Berlin angesiedelt ist, um sich verstärkt mit Fragen der europäischen Demokratie zu beschäftigen. Kernidee des Labs ist die Entwicklung einer Res Publica Europaea, die politische Ausgestaltung Europas als Republik. Dazu hat Ulrike Guérot umfangreich publiziert, zuletzt im Jahresband 2014 der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Einen Entwurf Europas als Republik hat Ulrike Guérot auf einer Rede der Berliner Konferenz Re:publica[6] vorgestellt, deren englische und spanische Version von OpenDemocracy[7] sowie beim Magazin Eurozine[8] veröffentlicht und auf der Digital Bauhaus[9] Konferenz für gesellschaftliches Design in Weimar im Juli 2015 vorgestellt wurde.

Im April 2013 veröffentlichte sie mit Robert Menasse ein Manifest zur „Gründung einer Europäischen Republik“.[10] Das Manifest ist verknüpft mit einem Aufruf für ein anderes Europa[11], den Ulrike Guérot unterstützt und der neben anderen von dem französischen Ökonomen Thomas Piketty, Ernst Ulrich von Weizsäcker und Gesine Schwan unterzeichnet wurde. Der Aufruf entstand im Umfeld junger Europäer, die in der Organisation European Alternatives (EA)[12] zusammengeschlossen sind, deren Bord Member Ulrike Guérot ist. Das Manifest wurde im Katalog des Kunsthauses Zürich zur Ausstellung „Europa – die Zukunft der Vergangenheit“ reproduziert. Gleichzeitig zeigt das Kunsthaus Zürich die Installationskunst und Diashow „Amikejo“ der Berliner Konzeptkünstlerin, Valeska Peschke, ein Kunstprojekt zur europäischen Freundschaft, das Valeska Peschke zusammen mit Ulrike Guérot entwickelte.[13]

Guérot publiziert umfangreich in deutschen und europäischen Zeitschriften und Zeitungen zu europäischen und transatlantischen Themen und wird regelmäßig eingeladen, in europäischen Medien aktuelle Themen zu kommentieren. Für ihr Engagement der europäischen Integration wurde sie 2003 zum Ritter des französischen Ordre national du Mérite ernannt. In der Debatte über die griechische Schuldenproblematik hat sie sich in verschiedenen Foren gegen einen „Grexit“ stark gemacht.

Im Herbst 2013 begleitete sie Bundespräsident Joachim Gauck auf seinem Staatsbesuch in Frankreich als Teil seiner offiziellen Delegation.[14]

Ulrike Guérot ist ferner Lehrbeauftragte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder sowie an der Bucerius Law School, Hamburg. Sie ist ehrenamtliches Vorstandsmitglied von Europa-Professionell der Berliner Hauptstadtgruppe der überparteilichen Europa-Union Deutschland, wo sie lange Jahre als Vorstandsmitglied tätig war.

Ulrike Guérot hat zwei erwachsene Söhne. Sie ist geschieden von dem französischen Diplomaten Oliver Guérot. Sie ist Anhänger der internationalen Jivamukti-Yoga-School Bewegung.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ulrike Guérot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Blätter für deutsche und internationale Politik, Autoren Januar 2010
  2. Ulrike Guérot: Die PS und Europa – eine Untersuchung der europapolitischen Pragmatik der französischen Sozialisten 1971–1995. Brockmeyer, Bochum 1996. ISBN 3-8196-0412-X
  3. http://deutscheshaus.as.nyu.edu/page/home
  4. http://www.wzb.eu/en
  5. http://www.eusg.de/
  6. https://www.youtube.com/watch?v=y4Tbye1ZXBQ
  7. https://www.opendemocracy.net/can-europe-make-it/ulrike-guerot-robert-menasse/europe%E2%80%99s-unfinished-democracy
  8. http://www.eurozine.com
  9. http://www.digitalbauhaussummit.de/
  10. http://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/europaeische-union-und-deutschland-eine-neue-leitidee-die-europaeische-republik-12581462.html siehe auch http://www.european-republic.eu
  11. www.european-republic.eu
  12. http://www.euroalter.com/
  13. http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/die_botschaft_von_amikejo_interaktive_perfomance_von_valeska_peschke_mit_robert_menasse_und_ulrike_guerot?nav_id=4804
  14. Gauck-Rede 2013